Der Fall des Sportlers Oscar Pistorius – jetzt mit rassistischer Schlagseite?

Dr. Alexander von Paleske ---- 7.3. 2013 ---- Der Fall des südafrikanischen Sportlers Oscar Pistorius hat weltweit die Medien beschäftigt. Auch wenn bisher keine Gerichtsverhandlung zur Sache selbst, sondern nur über die Aussetzung der Untersuchungshaft gegen Kaution, stattgefunden hat: Die Behauptung des Angeschuldigten, er habe seine Freundin Reeva Steenkamp versehentlich getötet, sie mit einem Einbrecher verwechselt, ist offensichtlich durch die Obduktion der Leiche widerlegt.

Das Opfer wurde mit einem Baseballschläger entweder schwer verletzt oder getötet, bevor dann die Schüsse abgegeben wurden..
Damit dürfte die Anklage auf Mord oder Totschlag hinauslaufen.
.
Das würde uns hier jedoch weiter gar nicht interessieren: Familiendramen mit tödlichem Ausgang werden mehr als ausgiebig in den Massenmedien thematisiert.

Uns interessiert der Fall jetzt, weil er offenbar um eine rassistische Variante „bereichert“ wurde, und zwar durch ein Interview, das der Vater des Angeschuldigten, Henke Pistorius, der britischen Presse, genauer gesagt: dem britischen Blatt Telegraph, in der letzten Woche gab.

Tenor: Die südafrikanische ANC-Regierung habe bei der Kriminalitätsbekämpfung versagt, und das Resultat sei, dass dann die Weissen sich mit Schusswaffen versorgen müssten, wodurch Unglücksfälle, wie der seines Sohnes vorprogrammiert seien.

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Südafrikas Tageszeitung STAR vom 5.3. 2013 - Foto: Dr. v.Paleske

Die Familie Pistorius hatte sich angeblich mit insgesamt 55 Schusswaffen eingedeckt.

Tatsachen sprechen andere Sprache
Tatsache ist jedoch:

- die Mordstatistik in Südafrika ist zweifellos erschreckend: rund 15.000 Morde pro Jahr, wir haben mehrfach darüber berichtet.

- Opfer der Gewalttaten sind der überwiegenden Mehrzahl Schwarze in den Townships, und nicht etwa Weisse

- Morde an Weissen erhalten jedoch regelhaft mehr Aufmerksamkeit in den Medien

- die nachwirkende jahrzehntelange Apartheidpolitik trägt für diesen Zustand ein gerüttelt Mass an Mitverantwortung – noch immer.

- die hohe Arbeitslosigkeit und Armut in vielen Townships tut das Ihrige, um die Kriminalität - auch die Gewaltkriminalität - zu fördern.

Dass jetzt der Vater des berühmten „Blade Runners“ die Rassismus-Karte gezogen hat, wird seinem Sohn allerdings wenig helfen.
Ein Beziehungsdrama mit tödlichem Ausgang hat mit Rassismus nichts zu tun.

Der Waffenbesitz als solcher erleichtert ohne Zweifel den tödlichen Schusswaffengebrauch bei solchen Auseinandersetzungen, auch aus diesem Grunde sind Waffenverbote erforderlich, aber sie betreffen wohl nicht Baseballschläger.

Der Fall Oscar Pistorius eignet sich daher kaum dafür, die Verantwortung letztlich der Regierung Südafrikas in die Schuhe zu schieben. Dieser untaugliche Versuch ist bestenfalls geeignet, den fragilen Aussöhnungsprozess, zwischen Schwarz und Weiss zu behindern.
onlinedienst - 7. Mrz, 19:00 Article 830x read
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