richardvonderleyen - 24. Apr, 17:09

Selten so einen ******* gelesen

Der Autor unterliegt vielen Trugschluessen in seinem Artikel:

1. Die Pharmabranche als einheitlich handelndes Organ gibt es nicht. Die Unternehmen stehen in Konkurrenz zueinander und bestehen jeweils aus vielen einzelnen individuell unterschiedlichen Menschen. Jetzt sollte sich der Autor gut ueberlegen, welcher Mensch wirklich eine Entscheidung fuer den Profit und gegen Heilung treffen wuerde? Boese Absichten unterstellen kann man immer, aber auch in Pharmaunternehmen sitzen keine Unmenschen.

2. Die Gewinne in der Pharmabranche sind nicht hoeher als in anderen Branchen.

3. Es kostet ungefaehr 10 Jahre Entwicklungszeit ein neues Medikament auf den Markt zu bringen. 10 Jahre Kosten, das muss man erstmal finanzieren und anschliessend auch wieder reinholen koennen.

4. Ein Pharmaunternehmen ist froh, wenn es ein Medikament entwickeln kann, dass ueberhaupt in irgendeiner Form auf die Krankheit einwirkt. Das wirtschaftliche Ueberleben eines Pharmaunternehmens haengt oft von der Leistung der Entwicklungsabteilung ab. Der Absatz des Medikamentes wird wiederum wesentlich davon beeinflusst, ob konkurrierende Angebote existieren. Die Wirksamkeit eines Medikamentes herabzusetzen, wuerde wirtschaftlich fuer ein Unternehmen aufgrund des Konkurrenzdrucks selten Sinn machen. Im Uebrigen lebt auch ein Pharmaunternehmen von seiner Reputation. Den Menschen, die in den Pharmaunternehmen arbeiten, ein derartig unmenschliches Denken zu unterstellen, laesst sich weder beweisen noch beweisend wiederlegen.
Allerdings, wer sollte in einem Unternehmen eigentlich solche Entscheidungen treffen? Der Vorstand, der finanziell sowieso ausgesorgt hat? Warum sollte er die Heilung einer Krankheit verhindern wollen, um irgendeines Unternehmenskodexes willen? Der Entwicklungschef, der finanziell moeglicherweise noch nicht ausgesorgt hat, allerdings seine eigenen Erfolge unter den Scheffel stellen und damit auch seine eigenen Karriereaussichten verschlechtern wuerde, wenn er die Wirksamkeit eines Medikamentes herabsetzte?
Natuerlich sind Pharmaunternehmen profitorientiert. Sie richten ihre Forschung deswegen natuerlich auf die Entwicklung neuer Medikamente aus und nur bedingt auf Bereiche, die akademisch interessant waeren, vielleicht auch irgendwann Profit bringen wuerden, in denen der potentielle Profit aber zu unsicher ist. Doch nicht, weil sie die boese Absicht haben, die Krankheit uberhaupt nicht zu heilen. Sie waeren doch mehr als froh, wenn sie ein Medikament haetten, dass eine Krankheit heilen koennte. Im Pharmabereich herrscht ein enormer Konkurrenzdruck. Die Vorwuerfe des Autors sind doch voellig absurd konstruiert und stellen eine mehr als starke Verzerrung der Wirklichkeit dar.

5. Es gibt auch genug Beispiele, wo die Pharmabranche abgestossen wurde und andere Sparten im Unternehmen behalten wurden. Ihr Artikel suggeriert Schuldzuweisungen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Profit an sich ist auch nichts Schlechtes.

6. Das System der marktwirtschaftlich arbeitenden Pharmaindustrie ist nicht perfekt, aber das Beste, das wir haben. Man sollte auch nicht vergessen, welche medikamentoesen Fortschritte wir in den letzten 50 Jahren aufgrund der Pharmaindustrie geniessen konnten.

6. Man kann auch fuer die abstrusesten Theorien noch Argumente dafuer finden. Wenn man selektiv genug argumentiert und darauf verzichtet die Zusammenhaenge vollstaendig darzustellen, kann man leicht jeden Murks als wahr darstellen.

7. Der Absatz ueber Chemotherapie offenbart bodenlose medizinische Unkenntnis.

(www.besserewelt.info)

Karl Weiss - 25. Apr, 00:45

Besser mehr Argumente, weniger Arroganz

Hmmm, Herr Vonderleyen,

es hätte Ihnen gut angestanden, den Mund nicht ganz so voll zu nemen, sonst steht man sehr schnell als Besserwessie da.

Zum Beispiel wäre es statt dessen angebracht gewesen, den Artikel zu lesen und nicht zu mutmassen:

1. Im ganzen Artkel steht kein Wort davon, dass die Pharmaindustrie ein einheitlich handelndes Organ sei.
Die einzige Einheitlichkeit besteht darin, dass alle sich ausschliesslich am Profit orientieren müssen, eben gerade weil die Konkurrenz unter den Pharma-Riesen extrem scharf ist. Wer da zurückbleibt, ist schnell aus dem Rennen.

Eben deshalb kann keiner den Weg zum Heilen einer Krankheit gehen, wenn die Alternative eben mehr Profit verspricht.

Dazu braucht niemand ein Unmensch zu sein. Es sind die Regeln des Kapitalismus, die unmenschlich sind.

2. Einfach eine Gegenbehauptung aufzustellen ("sind nicht höher"), ist etwas schwächlich. Der Artikel bringt ausführlich Beispiele, die belegen, dass die Pharmaprofite weit höher sind als z.B. in der Chemiebranche. Von Zeit zu Zeit würde ein Argument nicht schaden.

3. Die Argumentation mit den hohen Entwicklungskosten ist längst widerlegt. Die Pharmabranche gibt keineswegs mehr für Entwicklung aus als vergleichbare Branchen, hat aber weit höhere Profite als diese.

4. Nirgends im Artikel wird der Pharma-Branche eine böse Absicht oder Bosheit unterstellt. Es wird lediglich die simple Tatsache festgestellt, dass alle kapitalistischen Unternehmen sich dem Diktat der Profitmaximierung unterwerfen müssen.

5. Wenn es viele Beispiele für Unternehmen gibt, die sich der Pharma-Branche entledigt haben und sich auf andere Geschäfte konzentriert, warum geben Sie dann nicht wenigstens ein Beispiel an? Wie gesagt, gelegentlich ein Argument anbringen würde sich immer gut machen.

Der ganze Artikel enthält nicht eine Schuldzuweisung, wenn nicht an den Kapitalismus.

Die Aussage, Profit an sich sei nichts Schlechtes, ist ungefähr so inhaltsreich wie "Die Atombombe an sich ist nichts Schlechtes".

Der Artikel sagt ja auch nirgends, der Profit an sich ist schlecht. Was zu unmenschlichen Ergebnissen führt, ist der Zwang im Kapitalismus, sich ausschliesslich am Profit orientieren zu müssen.

6. Der Satz mit "das beste, was wir haben" ist wirklich die lustigste unfreiwillige Komik seit langem. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Nirgends im Artikel werden die medikamentösen Fortschritte der letzten 50 Jahre in Frage gestellt, die allerdings keineswegs ausschliesslich der Pharmaindustrie zu verdanken sind.

Allerdings ist Ausruhen auf Lorbeeren auch nicht das einzig Wahre.

7. Die absolute medizinische Unkenntnis aus ihrem Punkt 7 gebe ich gerne an den Onkologen weiter, von dem ich diese Aussagen haben. Da Sie ja zweiffelos auch Onkologe sind, können Sie sich dann gleich direkt mit ihm auseinandersetzen. Ich gebe ihm ihre Website.

Apropos Ihre Website: Machen sie sich doch die Mühe, sich zuerst zu informieren und dann die Dinge durchzudenken, bevor sie ins Internet gehen mit Ihrer Meinung.

Zum Beispiel Ihre fünf Punkte "Intentionen des Autors":

"Ich will eine bessere Welt, in der jeder Mensch ein dickes Auto faehrt und trotzdem nicht 60 oder 70 h pro Woche arbeiten muss.

Ich will eine bessere Welt, in der das Heben von gesellschaftlichen Leistungsreserven nicht durch verquaste Ideologiekoepfe verhindert wird."

Diese beiden der fünf Punkte, die ich hier zitiert habe, können ja wohl nicht wahr sein.

Geht ihr Horizont wirklich genau bis zum "dicken Auto"?

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