Freitag, 15. Juni 2007

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Ohne Arbeit und auch kein Millionär

Ursula Pidun - Er wollte Millionär werden, nun ist er arbeitslos. Doch zunächst krachselte Kandidat Konrad G. die Fragenleiter recht mühelos nach oben. Und wäre da nicht die eine, kleine und banale Zwischenfrage des Moderators Günther Jauch zum Fallstrick der Karriere geworden, so würde Konrad G. wohl noch immer – um 8000 Euro reicher - als Chauffeur des Bundestags die "Höhergestellten" und "Hinterbänkler" durch die Gegend kutschieren.

"Höhergestellte" und "Hinterbänkler"
Es war am vergangenen Freitag, als der 56-Jährige auf dem alles entscheidenden Kandidatenstuhl im bekannten Quiz "Wer wird Millionär" landete. Alles lief wie geschmiert: Man scherzte, plauderte und rätselte sich durch die Sendung. Eine scheinbar banale Frage des Moderators soll es laut "Bildzeitung" gewesen sein, die dem Kandidaten den Freiflug in die Arbeitslosigkeit bescherte. Welche Abgeordneten denn freundlicher seien, "die Höhergestellten oder die Hinterbänkler?", hieß es da. "Wollen Sie eine ehrliche Antwort? Je höher, desto arroganter", mit dieser taffen Antwort war Konrad G`s Schicksal wohl unwiderruflich besiegelt.

Manfred Reuter, Geschäftsführer der RocVin GmbH, die laut Bericht Bundestags-Abgeordnete chauffiert, soll auf Nachfrage gegenüber "Bild" zur Begründung der sofortigen Entlassung des Kandiadten geäußert haben: "Er hat als Fahrer in seinem Anstellungsvertrag in diesem Bereich eine absolute Verschwiegenheitspflicht."

Maulkorb inbegriffen
Nun soll ja niemand das eigene Nest beschmutzen, das lernen wir schon im Kindergarten. Da davon bei dieser harmlosen Feststellung aber wirklich keine Rede sein kann, auch Staatsgeheimnisse in der Sendung nicht verraten wurden und wir das Gesagte ohnehin schon irgendwie alle geahnt haben, wundert sich so mancher Steuerzahler durchaus. Schließlich sind sie die eigentlichen Arbeitgeber und zahlen die Zeche. Und sie sind freie Demokraten, die offene, nicht beleidigende Worte und Meinungsfreiheit durchaus zu schätzen wissen.

Ganz schön arrogat
So findet der eine oder andere diese Entscheidung ganz schön arrogant und möchte den Bundestagschauffeur zurück, der sich keinen Maulkorb umbinden und auch kein Pflaster auf die vorlaute Schnute kleben lässt. Wenn das nicht geht, weil der Schatten, der übersprungen werden müsste, allzu groß erscheint, dann sollte nach Lösungen von Problemen gesucht werden, die sich da auftun. Wie kann man beispielsweise im Arbeitsvertrag Meinungsfreiheit und ein allgemeines Redeverbot implizieren?

Neue Wege im Fahrdienst
Man könnte die unselige Geschichte auch anders lösen. Durch einen stummen Fahrdienst etwa oder damit, dass sich Bundestagsbedienstete zukünftig um ihr Fortkommen selbst bemühen. Auch Selbstkritik könnte eine Lösung sein. Garniert mit einer Portion Humor und der Gewissheit, dass es überall mal menschelt, auch bei den ganz Großen, könnte Konrad K. wieder mitmischen beim bundestagsdeutschen Fahrdienst und wir hätten nicht noch einen Arbeitssuchenden mehr in der Republik.

Doch halt, so einfach ist es nicht: Konrad K. Hat eine Falschaussage gemacht. Er ist gar kein Fahrer des Bundestages. Und auch Günther Jauch hätte ihn niemals als solchen vorstellen dürfen. K. sei Angestellter der RocVin GmbH, berichtet die Zeitung gemäß einer Aussage des Geschäftsführers dieser Firma. Und dieser erklärt weiter: "Allein das könnte Grund für eine fristlose Entlassung sein."

Na dann...haben wir wohl doch einen Arbeitslosen mehr im Land, aber immerhin konnte eine Staatskrise verhindert werden.

Nachtrag: Wie das Nachrichtenmagazin "Spiegel" "investigativ" ermittelte, gibt es nun doch keine Entlassung und damit auch keinen zusätzlichen Arbeitslosen. Demnach sei Konrad G. heute Nachmittag für "Spiegel Online" erreichbar gewesen und habe bestätigt, dass seine Arbeitgeber erst nach dem Artikel in "Bild" Entgegenkommen gezeigt hätten: "Nach der Sendung hatte mein Arbeitgeber über eine Verwarnung nachgedacht und eine Abmahnung ausgesprochen". Plötzlich sei dieser Artikel in der "Bild"-Zeitung"aufgetaucht und "alles sei ganz anders gewesen."

Auch habe ihm sein Chef inzwischen mitgeteilt, dass es keinen Auflösungsvertrag geben werde. "Ich werde weiterhin für RocVin arbeiten. Allerdings habe ich mir bis zur anstehenden Sommerpause des Bundestags 14 Tage Urlaub genommen, damit Ruhe einkehrt," rundet G. die zugegebenermaßen etwas überflüssige Sommerloch-Story ab.

linkDieser Artikel erschen bei Spreerauschen

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