Zur sozialen Jugend-Revolte in Frankreich
Elmar Getto - Wer genau sind die Jugendlichen, die da in den Pariser Vorstädten, aber auch in vielen Provinzstädten Frankreichs, Autos anzündeten und auch anderes? Was trieb sie zu solchen scheinbar sinnlosen Destruktionsakten? Die Erklärungen sind weit gestreut. Da wird von Vandalen und Abschaum gesprochen, von Migranten und Islamisten, von Subproletariat und Lumpenproletariat. Es wird die Architektur als Ursache angegeben oder auch die mangelnden Integration von Zuwanderern oder aber der Kolonialgeschichte Frankreichs die Schuld gegeben. Doch all dies überzeugt nicht.
Zum einen kann man aus den Fernsehbildern, auf denen etwas zu erkennen ist, leicht feststellen, daß ein Teil der Jugendlichen weder schwarz noch „arabisch" aussieht. Die Statistik der Festgenommenen zeigt: Es handelt sich fast ausschließlich um französische Staatsbürger. Es geht also in keiner Weise um ein Problem der Migration oder des Rassismus, auch wenn dies manchen Ultrarechten nicht paßt. Das gleiche konnte man auch seriösen Analysen über die französischen Vorstädte entnehmen: Dort leben zwar überwiegend Jugendliche, deren Familien erst seit ein, zwei oder drei Generationen in Frankreich sind, aber es leben dort auch um die 20% „normale" Franzosen, deren Lebensbedingungen allerdings genauso schlecht sind.
Es mag jemand einwenden, daß ein wesentlicher Teil der Jugendlichen Kinder oder Enkel oder Urenkel von Migranten sind, aber das bringt uns in der Analyse nicht voran, denn wo will man da Grenzen ziehen? Auch 99% der US-amerikanischen Bevölkerung sind Nachkommen von Immigranten - ja und? Wenn sie Seite an Seite mit Jugendlichen, deren Familien seit Generationen in Frankreich leben, Steine gegen Polizisten werfen, kann es sich nicht vornehmlich um eine Anti-Rassismus- oder Islamismus- oder Anti-Ausländerfeindlichkeit-Revolte handeln.
Ja, es sind praktisch nur Jugendliche. Die Jugend war schon immer ein Seismometer der Gesellschaft. Die Jugend, leichter als angepaßte Erwachsene, drückt am ehesten Wut und Empörung über unhaltbare Zustände aus. Bei der Jugend haben Hemmungen und die Resignation noch nicht so häufig Platz gegriffen. Es sollen sogar 11-jährige dabei sein und kaum einer sei schon dreißig, wird berichtet. Es ist der Aufschrei der geschundenen Kreatur, ein Protest gegen die Ausgestoßenheit aus der Gesellschaft und nicht zuletzt auch gegen die brutalisierte und faschistoide Polizei.
Es ist eine Revolte, es ist eine Massen-Revolte und es ist eine Jugendrevolte, in diesem Fall eine spontane Revolte. Spontane Revolten sind in der Geschichte der Menschheit Legion. Die unterdrückten Klassen haben ihre Wut immer wieder in Revolten zum Ausdruck gebracht, manche rein spontan, manche mehr oder weniger organisiert. Die Spartakus-Sklavenrevolte im alten Rom erlangte Berühmtheit. Während der Zeit des Feudalismus gab es Hunderte von Bauernrevolten allein in Europa. Selbst jene, die organisiert waren, hatten keine Chance. Luther machte seine neue Religion hoffähig, als er die brutale Unterdrückung einer solchen Revolte empfahl. Goethe hat in seinem „Götz von Berlechingen" einer sogar recht organisierten Revolte ein Denkmal gesetzt. Alle diese Revolten waren und sind im Kern soziale Revolten.
Es sind Arbeiterjugendliche, die da Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen. Die Tatsache, daß sie keine Arbeit haben, macht sie nicht zu Lumpenproletariern. Ihnen wird wohl auch kaum je geregelte Arbeit angeboten werden (bestenfalls einmal irgendwelche Zeit- und Hilfs-Jobs), aber das macht ja gerade die Aussichtslosigkeit aus, die sie zur Revolte treibt. Lumpenproletarier dagegen sind heruntergekommene Kleinbürger, die niemals eine Handarbeit annehmen würden. Nein, dies ist ein Teil der Arbeiterjugend Frankreichs.
Es wäre Unsinn anzunehmen, Arbeiterjugendliche würden keine spontanen Revolten anzetteln , sondern nur organisierte. Wer hätte sie denn organisiert? Die „Sozialisten" oder die agonierende „kommunistische" Partei Frankreichs haben mit ihnen nichts am Hut. Eine marxistisch-leninistische Organisation ist noch zu schwach, um die Organisation von sinnvollen Protesten anzuleiten. So machen sie eben unsinnige Revolten.
Nun, einen gewissen Sinn macht es, haufenweise Autos anzuzünden. Die Aufmerksamkeit der Medien haben sie jedenfalls. Eine Demonstration, die kurz vor Ausbruch der Revolte in einem der Vorstadt-Ghettos durchgeführt wurde, kam in keinem der Mainstream-Medien. Es sage also keiner, Autos anzuzünden sei sinnlos. Daß es kontraproduktiv ist, die Autos der Nachbarn abzufackeln, steht auf einem anderen Blatt. Es mögen sich auch Lumpenproletarier und kriminelle Elemente daruntergemischt haben, vielleicht auch ‚agents provocatoire’ der französischen Stasi-Dienste, aber das ändert nicht den Charakter.
Natürlich hat diese soziale Revolte - so wie es bei Revolten fast immer ist - keine Perspektive. Aber - keine Perspektive, das hatten diese Jugendlichen auch vorher - darum begannen sie ja gerade die Revolte. Wie sagte einer der Redner auf der Demonstration am 5.11. in Berlin so richtig: „Ein System, das keine Zukunft für die Jugend hat, hat selbst keine Zukunft!"
Es zeigt sich, wie notwendig es ist, diese Jugendlichen zu organisieren, zu überzeugen, daß es wirklich eine Perspektive gibt - den Sozialismus.
Die Jugendrevolte in Frankreich stellt eines der ersten klaren Anzeichen dar, daß der Kapitalismus ans Ende seiner höchsten und Endphase gekommen ist. Er beginnt bereits in bestimmten Bereichen in die kapitalistische Barbarei überzugehen. Zustände, in denen ganze kommende Generationen keinerlei Perspektive mehr haben als Elend und Tod, das ist ja gerade die Essenz der kapitalistischen Barbarei.
Mehr und mehr offen zeigen die Großkonzerne und Bank-Agglomerationen ihr nacktes, brutales Gesicht. Ihr Profit ist das einzige, was die Gesellschaft noch zu interessieren hat - man sehe sich nur den diesjährigen Profit der deutschen Bank an. Der Aufwand, der für den Betrug der Massen getrieben wird, nimmt ab. Während 12 Milliarden Menschen von der heutigen Lebensmittelproduktion leben könnten, läßt man einen Teil der 6 Milliarden hungern und sterben.
Schon ausgerottete und weitgehend zurückgedrängte Krankheiten beginnen sich wieder auszubreiten. Die globale Erwärmung - der Klimawandel? „Seis drum, wir machen Profit." Nackte blanke Gewalt, Überfälle auf arme Völker wie in Afghanistan und im Irak treten auf die Tagesordnung. Die größten Konzerne haben fast alle Ihre Profite um 50 bis 500% in einem Jahr erhöht - wer nicht mitkommt, wird erbarmungslos abgehängt.
>>Arbeitslosenunterstützung - für was? Sozialhilfe? Kürzen! Empfehlen Sie den Kirchen, Suppenküchen einzurichten!
Wir tanzen auf dem Vulkan! 2005 wird die ExxonMobil den höchsten Profit einfahren, den je irgend eine Firma gemacht hat! Das ist es, worauf es ankommt! Und die Politiker? Laß sie einfach ununterbrochen wiederholen, sie würden Arbeitsplätze schaffen. Vielleicht glaubt ihnen das Volk ja noch. Und wenn nicht - auch nicht weiter schlimm. Wir haben eine brutalisierte Polizei - wir haben modernste Armeen.<<
Es hat begonnen die Zeit, in der wir nur noch zwei Alternativen haben: Hilflos zusehen, wie der Kapitalismus in die kapitalistische Barbarei übergeht und zu lamentieren oder für den Sozialismus zu kämpfen.
Zum einen kann man aus den Fernsehbildern, auf denen etwas zu erkennen ist, leicht feststellen, daß ein Teil der Jugendlichen weder schwarz noch „arabisch" aussieht. Die Statistik der Festgenommenen zeigt: Es handelt sich fast ausschließlich um französische Staatsbürger. Es geht also in keiner Weise um ein Problem der Migration oder des Rassismus, auch wenn dies manchen Ultrarechten nicht paßt. Das gleiche konnte man auch seriösen Analysen über die französischen Vorstädte entnehmen: Dort leben zwar überwiegend Jugendliche, deren Familien erst seit ein, zwei oder drei Generationen in Frankreich sind, aber es leben dort auch um die 20% „normale" Franzosen, deren Lebensbedingungen allerdings genauso schlecht sind.
Es mag jemand einwenden, daß ein wesentlicher Teil der Jugendlichen Kinder oder Enkel oder Urenkel von Migranten sind, aber das bringt uns in der Analyse nicht voran, denn wo will man da Grenzen ziehen? Auch 99% der US-amerikanischen Bevölkerung sind Nachkommen von Immigranten - ja und? Wenn sie Seite an Seite mit Jugendlichen, deren Familien seit Generationen in Frankreich leben, Steine gegen Polizisten werfen, kann es sich nicht vornehmlich um eine Anti-Rassismus- oder Islamismus- oder Anti-Ausländerfeindlichkeit-Revolte handeln.
Ja, es sind praktisch nur Jugendliche. Die Jugend war schon immer ein Seismometer der Gesellschaft. Die Jugend, leichter als angepaßte Erwachsene, drückt am ehesten Wut und Empörung über unhaltbare Zustände aus. Bei der Jugend haben Hemmungen und die Resignation noch nicht so häufig Platz gegriffen. Es sollen sogar 11-jährige dabei sein und kaum einer sei schon dreißig, wird berichtet. Es ist der Aufschrei der geschundenen Kreatur, ein Protest gegen die Ausgestoßenheit aus der Gesellschaft und nicht zuletzt auch gegen die brutalisierte und faschistoide Polizei.
Es ist eine Revolte, es ist eine Massen-Revolte und es ist eine Jugendrevolte, in diesem Fall eine spontane Revolte. Spontane Revolten sind in der Geschichte der Menschheit Legion. Die unterdrückten Klassen haben ihre Wut immer wieder in Revolten zum Ausdruck gebracht, manche rein spontan, manche mehr oder weniger organisiert. Die Spartakus-Sklavenrevolte im alten Rom erlangte Berühmtheit. Während der Zeit des Feudalismus gab es Hunderte von Bauernrevolten allein in Europa. Selbst jene, die organisiert waren, hatten keine Chance. Luther machte seine neue Religion hoffähig, als er die brutale Unterdrückung einer solchen Revolte empfahl. Goethe hat in seinem „Götz von Berlechingen" einer sogar recht organisierten Revolte ein Denkmal gesetzt. Alle diese Revolten waren und sind im Kern soziale Revolten.
Es sind Arbeiterjugendliche, die da Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen. Die Tatsache, daß sie keine Arbeit haben, macht sie nicht zu Lumpenproletariern. Ihnen wird wohl auch kaum je geregelte Arbeit angeboten werden (bestenfalls einmal irgendwelche Zeit- und Hilfs-Jobs), aber das macht ja gerade die Aussichtslosigkeit aus, die sie zur Revolte treibt. Lumpenproletarier dagegen sind heruntergekommene Kleinbürger, die niemals eine Handarbeit annehmen würden. Nein, dies ist ein Teil der Arbeiterjugend Frankreichs.
Es wäre Unsinn anzunehmen, Arbeiterjugendliche würden keine spontanen Revolten anzetteln , sondern nur organisierte. Wer hätte sie denn organisiert? Die „Sozialisten" oder die agonierende „kommunistische" Partei Frankreichs haben mit ihnen nichts am Hut. Eine marxistisch-leninistische Organisation ist noch zu schwach, um die Organisation von sinnvollen Protesten anzuleiten. So machen sie eben unsinnige Revolten.
Nun, einen gewissen Sinn macht es, haufenweise Autos anzuzünden. Die Aufmerksamkeit der Medien haben sie jedenfalls. Eine Demonstration, die kurz vor Ausbruch der Revolte in einem der Vorstadt-Ghettos durchgeführt wurde, kam in keinem der Mainstream-Medien. Es sage also keiner, Autos anzuzünden sei sinnlos. Daß es kontraproduktiv ist, die Autos der Nachbarn abzufackeln, steht auf einem anderen Blatt. Es mögen sich auch Lumpenproletarier und kriminelle Elemente daruntergemischt haben, vielleicht auch ‚agents provocatoire’ der französischen Stasi-Dienste, aber das ändert nicht den Charakter.
Natürlich hat diese soziale Revolte - so wie es bei Revolten fast immer ist - keine Perspektive. Aber - keine Perspektive, das hatten diese Jugendlichen auch vorher - darum begannen sie ja gerade die Revolte. Wie sagte einer der Redner auf der Demonstration am 5.11. in Berlin so richtig: „Ein System, das keine Zukunft für die Jugend hat, hat selbst keine Zukunft!"
Es zeigt sich, wie notwendig es ist, diese Jugendlichen zu organisieren, zu überzeugen, daß es wirklich eine Perspektive gibt - den Sozialismus.
Die Jugendrevolte in Frankreich stellt eines der ersten klaren Anzeichen dar, daß der Kapitalismus ans Ende seiner höchsten und Endphase gekommen ist. Er beginnt bereits in bestimmten Bereichen in die kapitalistische Barbarei überzugehen. Zustände, in denen ganze kommende Generationen keinerlei Perspektive mehr haben als Elend und Tod, das ist ja gerade die Essenz der kapitalistischen Barbarei.
Mehr und mehr offen zeigen die Großkonzerne und Bank-Agglomerationen ihr nacktes, brutales Gesicht. Ihr Profit ist das einzige, was die Gesellschaft noch zu interessieren hat - man sehe sich nur den diesjährigen Profit der deutschen Bank an. Der Aufwand, der für den Betrug der Massen getrieben wird, nimmt ab. Während 12 Milliarden Menschen von der heutigen Lebensmittelproduktion leben könnten, läßt man einen Teil der 6 Milliarden hungern und sterben.
Schon ausgerottete und weitgehend zurückgedrängte Krankheiten beginnen sich wieder auszubreiten. Die globale Erwärmung - der Klimawandel? „Seis drum, wir machen Profit." Nackte blanke Gewalt, Überfälle auf arme Völker wie in Afghanistan und im Irak treten auf die Tagesordnung. Die größten Konzerne haben fast alle Ihre Profite um 50 bis 500% in einem Jahr erhöht - wer nicht mitkommt, wird erbarmungslos abgehängt.
>>Arbeitslosenunterstützung - für was? Sozialhilfe? Kürzen! Empfehlen Sie den Kirchen, Suppenküchen einzurichten!
Wir tanzen auf dem Vulkan! 2005 wird die ExxonMobil den höchsten Profit einfahren, den je irgend eine Firma gemacht hat! Das ist es, worauf es ankommt! Und die Politiker? Laß sie einfach ununterbrochen wiederholen, sie würden Arbeitsplätze schaffen. Vielleicht glaubt ihnen das Volk ja noch. Und wenn nicht - auch nicht weiter schlimm. Wir haben eine brutalisierte Polizei - wir haben modernste Armeen.<<
Es hat begonnen die Zeit, in der wir nur noch zwei Alternativen haben: Hilflos zusehen, wie der Kapitalismus in die kapitalistische Barbarei übergeht und zu lamentieren oder für den Sozialismus zu kämpfen.
sfux - 10. Dez, 08:47 Article 1243x read