Verseuchen und vergiften - wie man Flüchtlinge bekämpft und die Krankenkassen belastet
Harald Haack - Flüchtlinge wurden in Deutschland noch nie wirklich gut behandelt. Versuchten die ihr Leid, das sie bei ihrer Flucht erlitten hatten, zu verarbeiten, so wurden sie von Behörden gemobbt und von Nachbarn bespuckt.
Meine Eltern sind aus politischen Gründen 1954 aus der ehemaligen DDR geflohen. Zuerst musste mein Vater bei Nacht und Nebel Salzwedel verlassen. Die Stasi war ihm auf den Fersen. Er schlug sich durch den Wald bei Bodenteich über die Grenze. Nach etlichen Stationen, in die ihm westdeutsche Behörden verfrachtet hatten, fand er sich im Durchgangslager für Flüchtlinge in der Barkhausenstraße in Bremerhaven wieder.
Meine Mutter, mein Halbbruder und ich, der damals gerade 2 ½ Jahre alt war, folgten ihm ein halbes Jahr später über Berlin und Hamburg. Ich litt als Kleinkind an Asthma, was vermutlich durch den Braunkohlensmog Salzwedels verursacht wurde. Nach dem Flug - die Flugzeuge hatten damals noch keine Druckkabinen - löste sich mein Asthma schlagartig. Aber in Bremerhaven kam ich vom Regen in die Traufe: Die Baracken in der Barkhausenstraße waren ein Geschenk der US-Army an die Stadt Bremerhaven gewesen. Einst von US-Soldaten genutzt, sollten in ihnen die so genannten Ostzonenflüchtlinge ein Dach über den Kopf erhalten. Was ich leider erst vor wenigen Jahren heraus fand: Die US-Army hatte damals schon, wie später in den US-Houses oder im Golf-Krieg die eigenen Soldaten (Golf-Kriegs-Syndrom), die Macke besessen, alles und jeden mit Pestiziden besprühen. So waren die Baracken bis zur Dachkante mit dem Umweltgift DDT kontaminiert und wir mussten darin ein Jahr lang in diesen "Giftkammern" hausen. Ich erinnere mich noch heute an den typischen Geruch des DDT: Wenn man Speckkäfer zerdrückt, dann stinkt es ähnlich "medizinisch".

Gewindeltes, 5-jähriges Flüchtlingskind Harald anno 1956 in Bremerhaven. Das DDT hatte schon gewirkt: Herz- und Blasenschwäche, Blässe...
Vor drei Jahren besuchte ich mit Freunden das brach liegende Grundstück an der Barkhausenstraße; die Baracken hatte man 1965 abgerissen. Auch meine Freunde konnten das DDT wahrnehmen und sind sofort wieder ins Auto gestiegen. Ich kam Tage später zurück, nahm eine Bodenprobe und ließ die von einem Labor untersuchen. Das Resultat war eindeutig: "volle Granate" DDT.
Hätten meine Eltern gewusst, dass die Baracken chemisch versucht waren, so hätte ich das sicherlich später bei meiner Berufswahl auch erfahren und berücksichtigt. So wurde ich Fotograf und kam mit vielen Chemikalien in Kontakt. Und als Kameraassistent und Kameramann hatte ich oft Einsätze im Industriebereich. Mein Vater erkrankte chronisch an einer Empfindlichkeit gegenüber diversen Chemikalien. Da er starker Raucher war, wollte man die Ursache für sein Leiden in seiner Nikotinsucht erkannt haben. Er aber sah die Ursache im Krieg, der ihn psychisch belastet hatte. Mein Halbbruder erkrankte am Herz wie auch ich. Mein Pech jedoch war, dass ich beruflich sehr häufig mit toxischen Chemikalien in Berührung kam. Ich hätte mir einen anderen Beruf wählen sollen. Aber da gab es die Heimtücke vom DDT, das Schweigen der US-Army und auch der deutschen Behörden.
Wer jedoch glaubt, dies sei alles Vergangenheit und in Deutschland hätten die Behörden inzwischen mehr Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein entwickelt, sollte nach Bayern in ein Asylantenheim ziehen. Dort nämlich verteilte die für die Heime zuständige Bezirksregierung von Oberbayern Gammelfleisch an die Flüchtlinge, von denen etliche nach dem Verzehr über Übelkeit und Leibschmerzen klagten.
Sie habe sofort entsprechende Maßnahmen eingeleitet, betonte die Behörde, doch in neun Unterkünften konnten noch 324 abgelaufene Produkte sichergestellt werden. Ausgeliefert worden seien die vergammelten Essenspakete am Donnerstag.
Asylbewerber hatten in Neuburg an der Donau am Freitag-Abend wegen Übelkeit das Krankenhaus aufgesucht. Daraufhin waren entsprechende Nachforschungen eingeleitet worden. Nach Angaben des Flüchtlingsrates klagten auch in München Asylbewerber über Übelkeit und Leibschmerzen.
Der Flüchtlingsrat prangerte die Verteilung von abgelaufenen Lebensmitteln mit Worten wie "Fleischskandal im Essenspaket" und "Regierung von Oberbayern verteilt Gammelfleisch an Flüchtlinge" an. In einer Mitteilung des Flüchtlingsrat heißt es: "Flüchtlinge, die gegen die Vergabe von Essenspaketen protestieren, werden von der Regierung von Oberbayern immer abgefertigt, es sei doch alles bestens".
Meine Eltern sind aus politischen Gründen 1954 aus der ehemaligen DDR geflohen. Zuerst musste mein Vater bei Nacht und Nebel Salzwedel verlassen. Die Stasi war ihm auf den Fersen. Er schlug sich durch den Wald bei Bodenteich über die Grenze. Nach etlichen Stationen, in die ihm westdeutsche Behörden verfrachtet hatten, fand er sich im Durchgangslager für Flüchtlinge in der Barkhausenstraße in Bremerhaven wieder.
Meine Mutter, mein Halbbruder und ich, der damals gerade 2 ½ Jahre alt war, folgten ihm ein halbes Jahr später über Berlin und Hamburg. Ich litt als Kleinkind an Asthma, was vermutlich durch den Braunkohlensmog Salzwedels verursacht wurde. Nach dem Flug - die Flugzeuge hatten damals noch keine Druckkabinen - löste sich mein Asthma schlagartig. Aber in Bremerhaven kam ich vom Regen in die Traufe: Die Baracken in der Barkhausenstraße waren ein Geschenk der US-Army an die Stadt Bremerhaven gewesen. Einst von US-Soldaten genutzt, sollten in ihnen die so genannten Ostzonenflüchtlinge ein Dach über den Kopf erhalten. Was ich leider erst vor wenigen Jahren heraus fand: Die US-Army hatte damals schon, wie später in den US-Houses oder im Golf-Krieg die eigenen Soldaten (Golf-Kriegs-Syndrom), die Macke besessen, alles und jeden mit Pestiziden besprühen. So waren die Baracken bis zur Dachkante mit dem Umweltgift DDT kontaminiert und wir mussten darin ein Jahr lang in diesen "Giftkammern" hausen. Ich erinnere mich noch heute an den typischen Geruch des DDT: Wenn man Speckkäfer zerdrückt, dann stinkt es ähnlich "medizinisch".

Gewindeltes, 5-jähriges Flüchtlingskind Harald anno 1956 in Bremerhaven. Das DDT hatte schon gewirkt: Herz- und Blasenschwäche, Blässe...
Vor drei Jahren besuchte ich mit Freunden das brach liegende Grundstück an der Barkhausenstraße; die Baracken hatte man 1965 abgerissen. Auch meine Freunde konnten das DDT wahrnehmen und sind sofort wieder ins Auto gestiegen. Ich kam Tage später zurück, nahm eine Bodenprobe und ließ die von einem Labor untersuchen. Das Resultat war eindeutig: "volle Granate" DDT.
Hätten meine Eltern gewusst, dass die Baracken chemisch versucht waren, so hätte ich das sicherlich später bei meiner Berufswahl auch erfahren und berücksichtigt. So wurde ich Fotograf und kam mit vielen Chemikalien in Kontakt. Und als Kameraassistent und Kameramann hatte ich oft Einsätze im Industriebereich. Mein Vater erkrankte chronisch an einer Empfindlichkeit gegenüber diversen Chemikalien. Da er starker Raucher war, wollte man die Ursache für sein Leiden in seiner Nikotinsucht erkannt haben. Er aber sah die Ursache im Krieg, der ihn psychisch belastet hatte. Mein Halbbruder erkrankte am Herz wie auch ich. Mein Pech jedoch war, dass ich beruflich sehr häufig mit toxischen Chemikalien in Berührung kam. Ich hätte mir einen anderen Beruf wählen sollen. Aber da gab es die Heimtücke vom DDT, das Schweigen der US-Army und auch der deutschen Behörden.
Wer jedoch glaubt, dies sei alles Vergangenheit und in Deutschland hätten die Behörden inzwischen mehr Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein entwickelt, sollte nach Bayern in ein Asylantenheim ziehen. Dort nämlich verteilte die für die Heime zuständige Bezirksregierung von Oberbayern Gammelfleisch an die Flüchtlinge, von denen etliche nach dem Verzehr über Übelkeit und Leibschmerzen klagten.
Sie habe sofort entsprechende Maßnahmen eingeleitet, betonte die Behörde, doch in neun Unterkünften konnten noch 324 abgelaufene Produkte sichergestellt werden. Ausgeliefert worden seien die vergammelten Essenspakete am Donnerstag.
Asylbewerber hatten in Neuburg an der Donau am Freitag-Abend wegen Übelkeit das Krankenhaus aufgesucht. Daraufhin waren entsprechende Nachforschungen eingeleitet worden. Nach Angaben des Flüchtlingsrates klagten auch in München Asylbewerber über Übelkeit und Leibschmerzen.
Der Flüchtlingsrat prangerte die Verteilung von abgelaufenen Lebensmitteln mit Worten wie "Fleischskandal im Essenspaket" und "Regierung von Oberbayern verteilt Gammelfleisch an Flüchtlinge" an. In einer Mitteilung des Flüchtlingsrat heißt es: "Flüchtlinge, die gegen die Vergabe von Essenspaketen protestieren, werden von der Regierung von Oberbayern immer abgefertigt, es sei doch alles bestens".
sfux - 10. Dez, 16:45 Article 1891x read