13 Milliarden für den Global Fund
Dr. Alexander von Paleske ---- 9.10.2016 ----- Der Global Fund, 2003 gegründet, sammelt Gelder für den Kampf gegen die insbesondere in der Dritten Welt grassierenden Seuchen: HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose.

Website: http://www.theglobalfund.org/en/
Das Ziel: Diese Seuchen in einem überschaubaren Zeitraum auszurotten und zwar in durch finanzielle Unterstützung von Diagnose- Behandlungs- und Aufklärungs- Programmen, die von lokalen Experten bzw. Regierungen initiiert oder bereits am Laufen gehalten werden.
Dazu Gelder zur Verbesserung der Infrastruktur ebenfalls zur Behandlung dieser Erkrankungen sowie und Unterstützung von Projekten zur Durchsetzung von Menschenrechten und Gleichbehandlung der Geschlechter.
20 Millonen gerettet?
Seit der Gründung des Global Funjds hat er nach eigenen Angaben geholfen, 20 Millionen Menschenleben zu retten. Mit dem jetzt gesammelten Geld sollen weitere 8 Millionen gerettet werden.
Das sind alles Schätzungen. Genaue Zahlen gibt es verständlicherweise nicht.
Eine Geberkonferenz in Montreal
Am 16. Und 17.9. 2016 fand in Montreal/Kanada die 5. Replenishment Conference statt, eine Geberkonferenz, bei der die Kassen des Global Fund aufgefüllt werden sollten und zwar für den Dreijahres-Zeitraum 2017 bis 2019.
Das gesteckte Ziel, 13 Milliarden US Dollar zu erreichen, wurde knapp erreicht.
Eine gewaltige Summe für die Bekämpfung von drei Krankheiten. Auch Deutschland ist mit 800 Millionen Euro dabei, ein Plus von 33% gegenüber der 4. Geberkonferenz

Geberländer und ihr Beitrag
Kaum Beachtung
In den deutschen Medien fand diese Geberkonferenz kaum Beachtung, und dies trotz des hohen deutschen Beitrags.
Also alles in Butter?
Keineswegs. Wir haben mehrfach an dem jetzigen Konzept des Global Fund heftige Kritik geübt.
.
Hauptprobleme:Gelder im Multimillionenhöhe wurde zweckentfremdet bzw. unterschlagen
- Direkte Unterschlagung von Global-Fund Geldern in Ministerien (Sambia, Mauretanien)
- Zweckentfremdung z.B. zur Wahlkampffinanzierung (Simbabwe)
- Finanzierung von Projekten, die lediglich auf dem Papier gut aussehen, in der Realität hingegen nichts als heisse Luft sind, z.B. wirkungslose Aufklärungskampagnen.
- Überhöhte Preise für Medikamente und andere Produkte zur Seuchenbekämpfung wie Moskitonetze
- Ausschreibungsbetrug
- Einkauf von stark diskontierten Medikamenten, da nahe am Verfallstag, aber Inrechnungstellung des vollen Preises etc.
- Veranstaltung von Workshops, die auf dem Papier gut aussehen, jedoch oftmals nur Bekanntes wiederkäuen, und bestenfalls die Hotelindustrie mästen.
Einige Länder wie Schweden strichen deshalb die Unterstützungsgelder.
Schliesslich arbeitete eine Gruppe von Staatsmännern daraufhin Verbesserunsgvorschläge aus, der Chef des Global Fund wurde ausgewechselt, und die Gelder flossen wieder.
Während es einige Verbesserungen bei der Mittelvergabe entsprechend diesen Vorschlägen gab, bleiben andere Probleme jedoch ungelöst.
Antwort auf Zweckentfremdung
Der Global Fund antwortete nun auf Zweckentfremdung von Mitteln in den betreffenden Ländern mit drastischen Massnahmen.:
Die internationalen Medizinzeitung LANCET schrieb:
Global fund plays hard ball on corruption – Global fund reclaims millions of Dollars in misuse grants.
Dieser “Hard Ball” sieht so aus, dass zweckentfremdete Gelder im Falle der Nichtrückzahlung an den Fund in doppelter Höhe von bereits bewilligten Projekten zurückbehalten werden.
Damit werden natürlich viele nützliche Projekte lahmgelegt.
Zu den so „bestraften“ Ländern gehören Bangladesch, Guatemala und Nigeria.

Einige der bestraften Länder
Die unerwünschte Folge: Mit Global Fund Mitteln angeschobene Projekte, darunter auch die Medikamentenbeschaffung, wurden bis auf weiteres eingestellt. Leidtragende sind also in erster Linie die Patienten.
Auch geriet die Organisation aber während der Ebola-Epidemie in Westafrika in die Kritik: Für die Bekämpfung dieser Seuche gab es vom Global Fund keine Mittel. Ebola stand nicht auf der Liste der zu bekämpfenden Erkrankungen.
Derr Global Fund trägt wenig oder gar nichts zur allgemeinen Verbesserung der Infrastruktur im Gesundheitswesen bei, also zum Bau von Krankenstationen, Ausbildung von medizinischem Personal etc.
Vorbeugen besser
Aber wie in der Medizin gilt: Vorbeugen ist besser als behandeln.
Und gerade dort liegt die grosse Schwachstelle des Global Fund.
Natürlich gab und gibt es keine Probleme, hocheffektiv arbeitende Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen zu unterstützen, soweit diese in den Bereichen der Behandlung von Tuberkulose, Malaria und HIV/AIDS engagiert sind.
Das gilt aber für viele Nichtregierungsorganisationen in Dritte Welt Ländern gerade nicht, insbesondere in Ländern, in denen die Korruption wie eine Seuche grassiert.
Dort hat sich mittlerweile eine ganze Reihe von Nichtregierungsorganisationen lokaler Provenienz etabliert, deren Effektivität schwer zu überprüfen ist, bzw. gar nicht überprüft wird.
Mittlerweile wissen „Spezialisten“ bei der Beantragung von Fördergeldern, wie entsprechende Anträge ausgefüllt werden müssen, um einen Zuschlag zu erhalten.
Nicht vertreten
Der Global Fund ist selbst vor Ort nicht vertreten, die Anträge werden in der Zentrale in Genf geprüft, lokal findet entweder gar keine Überprüfung statt, oder wird von anderen Organisation wie Unterorganisationen der UN bzw. anderen N8ichtregierungtsorganisationen ausgeführt.
Das Resultat sind die Berichte von immer wieder auftretenden Missbrauchs- Unterschlagungs- oder Betrugsskandalen.
Am wenigsten lässt sich ohnehin die Effektivität überprüfen, wenn es sich um sich um Aufklärungskampagnen handelt. Hier wird oftmals auf die Anzahl von „erfolgreichen Workshops“ verwiesen, obgleich etliche der Workshops bestenfalls die lokale Gastronomie und Hotelindustrie mästen.
Insbesondere in Bereichen der HIV-Aufklärung mangelt es mittlerweile – trotz der Millionen des Global Fund, an allen Ecken und Enden. Hier hat sich vielfach die Haltung festgesetzt: wenn schon, dann gibt es ja schliesslich antiretrovirale Medikamente.
Ein Teufelskreis, nicht nur, dass die initial wirksamen Medikamente irgendwann gegen noch wirksamere ausgetauscht werden müssen, die dann auch erheblich teurer sind, sondern alle antiretroviralen Medikamente oftmals auch recht unangenehm Nebenwirkungen haben können.
Probleme der Behandlung von TB und Malaria
Auch in er Behandlung der Tuberkulose gibt es zunehmend Schwierigkeiten dank der an Häufigkeit zunehmenden resistenten TB (MDR-TB), und der Begrenztheit der verfügbaren Medikamente zu deren Behandlung. Von der extensiv resistenten Tuberkulose (XDR-TB) ganz zu schweigen.
Bei der Behandlung der Malaria gibt es ebenfalls Probleme mit der Resistenzentwicklung. Neue Medikamente sind auch hier dringend erforderlich.
Von einer Ausrottung dieser Erkrankungen kann vorläufig überhaupt keine Rede sein .Auch in Russland breitet sich, insbesondere in Risikogruppen wie Drogenabhängigen und Gefängnisinsassen die Tuberkulose, auch die MDR-TB aber ebenfalls die XDR-TB rapide aus. Gleiches gilt für die HIV-Infektionen bei Drogenabhängigen.
Reicht nicht
Gelder sammeln, so honorig das auch ist, und die Prüfung von Anträgen auf Zuschüsse reicht eben überhaupt nicht. Effektivitäts- und Verwendungskontrolle auf allen Ebenen ist notwendig. Die Bestrafung durch Mittelentzug ist jedenfalls kein taugliches Mittel, um Missbrauch zu verhindern.
Zum Global Fund
Der Global Fund – eine Fehlkonstruktion?
Global Fund: Neuer Chef – alte Probleme?
Global Fund – oder: Warum Aushändigen von Geld nicht reicht
Global Fund: Erreichen alle Gelder der Geldgeber die richtigen Empfänger?

Website: http://www.theglobalfund.org/en/
Das Ziel: Diese Seuchen in einem überschaubaren Zeitraum auszurotten und zwar in durch finanzielle Unterstützung von Diagnose- Behandlungs- und Aufklärungs- Programmen, die von lokalen Experten bzw. Regierungen initiiert oder bereits am Laufen gehalten werden.
Dazu Gelder zur Verbesserung der Infrastruktur ebenfalls zur Behandlung dieser Erkrankungen sowie und Unterstützung von Projekten zur Durchsetzung von Menschenrechten und Gleichbehandlung der Geschlechter.
20 Millonen gerettet?
Seit der Gründung des Global Funjds hat er nach eigenen Angaben geholfen, 20 Millionen Menschenleben zu retten. Mit dem jetzt gesammelten Geld sollen weitere 8 Millionen gerettet werden.
Das sind alles Schätzungen. Genaue Zahlen gibt es verständlicherweise nicht.
Eine Geberkonferenz in Montreal
Am 16. Und 17.9. 2016 fand in Montreal/Kanada die 5. Replenishment Conference statt, eine Geberkonferenz, bei der die Kassen des Global Fund aufgefüllt werden sollten und zwar für den Dreijahres-Zeitraum 2017 bis 2019.
Das gesteckte Ziel, 13 Milliarden US Dollar zu erreichen, wurde knapp erreicht.
Eine gewaltige Summe für die Bekämpfung von drei Krankheiten. Auch Deutschland ist mit 800 Millionen Euro dabei, ein Plus von 33% gegenüber der 4. Geberkonferenz

Geberländer und ihr Beitrag
Kaum Beachtung
In den deutschen Medien fand diese Geberkonferenz kaum Beachtung, und dies trotz des hohen deutschen Beitrags.
Also alles in Butter?
Keineswegs. Wir haben mehrfach an dem jetzigen Konzept des Global Fund heftige Kritik geübt.
.
Hauptprobleme:Gelder im Multimillionenhöhe wurde zweckentfremdet bzw. unterschlagen
- Direkte Unterschlagung von Global-Fund Geldern in Ministerien (Sambia, Mauretanien)
- Zweckentfremdung z.B. zur Wahlkampffinanzierung (Simbabwe)
- Finanzierung von Projekten, die lediglich auf dem Papier gut aussehen, in der Realität hingegen nichts als heisse Luft sind, z.B. wirkungslose Aufklärungskampagnen.
- Überhöhte Preise für Medikamente und andere Produkte zur Seuchenbekämpfung wie Moskitonetze
- Ausschreibungsbetrug
- Einkauf von stark diskontierten Medikamenten, da nahe am Verfallstag, aber Inrechnungstellung des vollen Preises etc.
- Veranstaltung von Workshops, die auf dem Papier gut aussehen, jedoch oftmals nur Bekanntes wiederkäuen, und bestenfalls die Hotelindustrie mästen.
Einige Länder wie Schweden strichen deshalb die Unterstützungsgelder.
Schliesslich arbeitete eine Gruppe von Staatsmännern daraufhin Verbesserunsgvorschläge aus, der Chef des Global Fund wurde ausgewechselt, und die Gelder flossen wieder.
Während es einige Verbesserungen bei der Mittelvergabe entsprechend diesen Vorschlägen gab, bleiben andere Probleme jedoch ungelöst.
Antwort auf Zweckentfremdung
Der Global Fund antwortete nun auf Zweckentfremdung von Mitteln in den betreffenden Ländern mit drastischen Massnahmen.:
Die internationalen Medizinzeitung LANCET schrieb:
Global fund plays hard ball on corruption – Global fund reclaims millions of Dollars in misuse grants.

Dieser “Hard Ball” sieht so aus, dass zweckentfremdete Gelder im Falle der Nichtrückzahlung an den Fund in doppelter Höhe von bereits bewilligten Projekten zurückbehalten werden.
Damit werden natürlich viele nützliche Projekte lahmgelegt.
Zu den so „bestraften“ Ländern gehören Bangladesch, Guatemala und Nigeria.

Einige der bestraften Länder
Die unerwünschte Folge: Mit Global Fund Mitteln angeschobene Projekte, darunter auch die Medikamentenbeschaffung, wurden bis auf weiteres eingestellt. Leidtragende sind also in erster Linie die Patienten.
Auch geriet die Organisation aber während der Ebola-Epidemie in Westafrika in die Kritik: Für die Bekämpfung dieser Seuche gab es vom Global Fund keine Mittel. Ebola stand nicht auf der Liste der zu bekämpfenden Erkrankungen.
Derr Global Fund trägt wenig oder gar nichts zur allgemeinen Verbesserung der Infrastruktur im Gesundheitswesen bei, also zum Bau von Krankenstationen, Ausbildung von medizinischem Personal etc.
Vorbeugen besser
Aber wie in der Medizin gilt: Vorbeugen ist besser als behandeln.
Und gerade dort liegt die grosse Schwachstelle des Global Fund.
Natürlich gab und gibt es keine Probleme, hocheffektiv arbeitende Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen zu unterstützen, soweit diese in den Bereichen der Behandlung von Tuberkulose, Malaria und HIV/AIDS engagiert sind.
Das gilt aber für viele Nichtregierungsorganisationen in Dritte Welt Ländern gerade nicht, insbesondere in Ländern, in denen die Korruption wie eine Seuche grassiert.
Dort hat sich mittlerweile eine ganze Reihe von Nichtregierungsorganisationen lokaler Provenienz etabliert, deren Effektivität schwer zu überprüfen ist, bzw. gar nicht überprüft wird.
Mittlerweile wissen „Spezialisten“ bei der Beantragung von Fördergeldern, wie entsprechende Anträge ausgefüllt werden müssen, um einen Zuschlag zu erhalten.
Nicht vertreten
Der Global Fund ist selbst vor Ort nicht vertreten, die Anträge werden in der Zentrale in Genf geprüft, lokal findet entweder gar keine Überprüfung statt, oder wird von anderen Organisation wie Unterorganisationen der UN bzw. anderen N8ichtregierungtsorganisationen ausgeführt.
Das Resultat sind die Berichte von immer wieder auftretenden Missbrauchs- Unterschlagungs- oder Betrugsskandalen.
Am wenigsten lässt sich ohnehin die Effektivität überprüfen, wenn es sich um sich um Aufklärungskampagnen handelt. Hier wird oftmals auf die Anzahl von „erfolgreichen Workshops“ verwiesen, obgleich etliche der Workshops bestenfalls die lokale Gastronomie und Hotelindustrie mästen.
Insbesondere in Bereichen der HIV-Aufklärung mangelt es mittlerweile – trotz der Millionen des Global Fund, an allen Ecken und Enden. Hier hat sich vielfach die Haltung festgesetzt: wenn schon, dann gibt es ja schliesslich antiretrovirale Medikamente.
Ein Teufelskreis, nicht nur, dass die initial wirksamen Medikamente irgendwann gegen noch wirksamere ausgetauscht werden müssen, die dann auch erheblich teurer sind, sondern alle antiretroviralen Medikamente oftmals auch recht unangenehm Nebenwirkungen haben können.
Probleme der Behandlung von TB und Malaria
Auch in er Behandlung der Tuberkulose gibt es zunehmend Schwierigkeiten dank der an Häufigkeit zunehmenden resistenten TB (MDR-TB), und der Begrenztheit der verfügbaren Medikamente zu deren Behandlung. Von der extensiv resistenten Tuberkulose (XDR-TB) ganz zu schweigen.
Bei der Behandlung der Malaria gibt es ebenfalls Probleme mit der Resistenzentwicklung. Neue Medikamente sind auch hier dringend erforderlich.
Von einer Ausrottung dieser Erkrankungen kann vorläufig überhaupt keine Rede sein .Auch in Russland breitet sich, insbesondere in Risikogruppen wie Drogenabhängigen und Gefängnisinsassen die Tuberkulose, auch die MDR-TB aber ebenfalls die XDR-TB rapide aus. Gleiches gilt für die HIV-Infektionen bei Drogenabhängigen.
Reicht nicht
Gelder sammeln, so honorig das auch ist, und die Prüfung von Anträgen auf Zuschüsse reicht eben überhaupt nicht. Effektivitäts- und Verwendungskontrolle auf allen Ebenen ist notwendig. Die Bestrafung durch Mittelentzug ist jedenfalls kein taugliches Mittel, um Missbrauch zu verhindern.
Zum Global Fund




onlinedienst - 9. Okt, 19:50 Article 2258x read