Deutschlands Politbarometer – eine unionsnahe Augenwischerei?
Harald Haack – Als öffentlich-rechtliche Anstalt sollte auch das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) politisch ausgewogen sein. Wie aber kommt es dann, dass dieser TV-Kanal der Mainzer Fernsehmacher allgemein als streng konservativ und katholisch orientiert verstanden wird? Wer genau hinschaut wird sofort feststellen, dass das ZDF zu einem Tummelplatz konservativer und kleinbürgerlicher Programminhalte geworden ist.

Angela Merkel im deutschen TV – als „Mauerblömche“ landete sie nur auf Platz 3 der politischen Karnevalshitparade und als Bundeskanzlerin bei ihrem Bush-Besuch, farblich abgestimmt und im Politbarometer auf Platz 1.
Als drollig mag man vielleicht noch die kindische Mainzelmännchen-Parade empfinden, doch die Farbe Orange, Leitfarbe des ZDF, wurde von Psychologen längst medienpsychologisch als negativste Farbe überhaupt erkannt. Orange gelte als billig, werde mit Müll assoziiert (in vielen deutschen Städten sind die Fahrzeuge der Müllentsorger orange) und in Verbindung mit Braun und Schwarz gebe es bei Menschen, die diese Farbkombination bevorzugen, auffällige mentale Probleme. Produziert das ZDF fürs „Kuckucksnest“? Das ZDF hatte vor einigen Jahren in seinem Nachrichtenmagazin „heute“ über die Erkenntnis der Psychologen berichtet, doch geändert hat sich nichts am Design des Senders.
Ein inzwischen verrenteter Mitarbeiter des ZDF, der nicht genannt werden möchte, verteidigte die von ihm einst eingebrachte Farbgebung, Orange sei eine lichtvolle Farbe und das Braun entspräche dem in deutschen Wohnzimmern vorherrschenden Farbton; braun seien die Schrankwände, in denen die Fernseher, ebenfalls in braunem Holzimitatgehäuse, stünden. Dies traf auf die Verhältnisse der 70er Jahre zu. Aber inzwischen sind gut 30 Jahre vergangen und der ZDF-Meteorologe steht immer noch vor seiner „Wetterwand“, die von dunkelbraunem Holz umrahmt ist. Ein Grund mehr, das ZDF wegen seiner Vorliebe fürs „Rüdesheimer Barock“, wie der verstaubte Wohnzimmerstil der Deutschen gerne genannt wird, als konservativ zu empfinden?
Die Farbgebung mag sicherlich nur ein Indiz am Rande sein, doch konkreter in Bezug auf Inhalte wird es beim „Politbarameter“, welches das ZDF 1977 einführte und zu einer meinungsmachenden Institution machte. Durchgeführt werden die Befragungen zu Meinungen und Einstellungen der wahlberechtigten Bevölkerung von der dem ZDF nahen Forschungsgruppe Wahlen e.V., die die Ergebnisse als „repräsentativ“ verbreitet. Doch sind die wirklich repräsentativ?
Wie die Forschungsgruppe Wahlen e.V. angibt, werden die Daten des Politbarometers „jeweils von Dienstag bis Donnerstag telefonisch erhoben“ und am Freitag veröffentlicht. „Dabei werden in den westlichen Bundesländern jeweils ca. 1.000 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte befragt, in den neuen Bundesländern ca. 700. Eine Überquotierung des Ostens erfolgt, um eigenständige Aussagen über die ostdeutschen Länder treffen zu können. Die Zusammenfassung dieser Befragten führt nach Ausgleich der Überquotierung im Osten rechnerisch zu ca. 1.250 Interviews.“
Es findet also eine „Überquotierung des Ostens“ statt, weil man sonst keine „eigenständigen Aussagen“ der Ostdeutschen zusammenkriegt? Sind Ostdeutsche maulfaul oder reden sie wirres Zeugs, dass eine „Überquotierung“ notwendig ist?
Die Forschungsgruppe Wahlen e.V. erklärt:
“Entscheidend ist dabei, dass die gewonnenen Ergebnisse repräsentativ für die Gesamtheit der wahlberechtigten Bevölkerung in Deutschland sind. Dies wird durch eine strenge Zufallsauswahl bei der Bestimmung der zu befragenden Personen gewährleistet. Für die Stichprobe wird eine zweistufige Zufallsauswahl verwendet: Zunächst werden Privathaushalte ausgewählt, dann eine Person eines jeden Haushalts. Die Auswahl der Privathaushalte erfolgt im RLD-Verfahren (randomize last digit). Das heißt zufällig aus der Gesamtheit aller eingetragenen Telefonanschlüsse gezogene Telefonnummern werden dadurch verändert, dass die letzte Stelle dieser Telefonnummer durch eine Zufallszahl zwischen 0 und 9 ersetzt wird, damit auch nicht eingetragene Telefonnummern erreicht werden. Die so generierten Anschlüsse bilden die Brutto-Haushalts-Stichprobe der Untersuchung. Mithilfe eines Zufallsverfahrens wird dann in der zweiten Stufe die Zielperson ausgewählt. Hierbei wird diejenige Person befragt, die von den Wahlberechtigten im Haushalt als letzte Geburtstag hatte.
Die Auswertung der Studie erfolgt gewichtet. Zunächst wird die Stichprobe, die ja haushaltsrepräsentativ ausgewählt wurde, in eine Personenstichprobe transformiert. Diese Transformation muss erfolgen, weil die Chance eines Haushaltsmitgliedes, befragt zu werden, umgekehrt proportional zur jeweiligen Haushaltsgröße ist. Die dabei gewonnene Personenstichprobe wird dann unter Berücksichtigung der amtlichen Statistik nach Geschlecht und Alter gewichtet, um die durch Random-Ausfälle auftretenden Verzerrungen zu beseitigen. Die so gewichtete Umfrage ist unter Berücksichtigung der wahrscheinlichkeitstheoretischen Grundlagen von Stichproben repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung Deutschlands. Aufgrund der üblichen wahrscheinlichkeitstheoretischen Annahmen beträgt die Fehlertoleranz zum Beispiel bei 1.250 Befragten und einem Parteianteil von 40% +/-2,7 Prozentpunkte und bei einem Parteianteil von 7% +/-1,4 Prozentpunkte. In der Vergangenheit hat sich jedoch gezeigt, dass die Umfrageergebnisse der Forschungsgruppe Wahlen deutlich genauer waren, als es diese theoretischen Modellannahmen nahe legen.“
Es heißt im Volksmund, Statistiken seien nur genau, wenn man sie selbst fälscht. Wie ist es angesichts der „Überquotierung“ des Ostens und nach Ausgleich dieser Verfälschung zu erklären, dass nahezu alle deutschen Zeitungen ihre Kritiken über Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) plötzlich nach Bekanntwerden des ersten Politbarometer-Resultates, in dem Merkel als beliebteste deutsche Politikerin genannt wird, zurückgenommen haben? Ist sie wirklich so beliebt? Oder ist das Politbarometer eine unionsnahe Augenwischerei und damit ein Propagandainstrument?

Angela Merkel im deutschen TV – als „Mauerblömche“ landete sie nur auf Platz 3 der politischen Karnevalshitparade und als Bundeskanzlerin bei ihrem Bush-Besuch, farblich abgestimmt und im Politbarometer auf Platz 1.
Als drollig mag man vielleicht noch die kindische Mainzelmännchen-Parade empfinden, doch die Farbe Orange, Leitfarbe des ZDF, wurde von Psychologen längst medienpsychologisch als negativste Farbe überhaupt erkannt. Orange gelte als billig, werde mit Müll assoziiert (in vielen deutschen Städten sind die Fahrzeuge der Müllentsorger orange) und in Verbindung mit Braun und Schwarz gebe es bei Menschen, die diese Farbkombination bevorzugen, auffällige mentale Probleme. Produziert das ZDF fürs „Kuckucksnest“? Das ZDF hatte vor einigen Jahren in seinem Nachrichtenmagazin „heute“ über die Erkenntnis der Psychologen berichtet, doch geändert hat sich nichts am Design des Senders.
Ein inzwischen verrenteter Mitarbeiter des ZDF, der nicht genannt werden möchte, verteidigte die von ihm einst eingebrachte Farbgebung, Orange sei eine lichtvolle Farbe und das Braun entspräche dem in deutschen Wohnzimmern vorherrschenden Farbton; braun seien die Schrankwände, in denen die Fernseher, ebenfalls in braunem Holzimitatgehäuse, stünden. Dies traf auf die Verhältnisse der 70er Jahre zu. Aber inzwischen sind gut 30 Jahre vergangen und der ZDF-Meteorologe steht immer noch vor seiner „Wetterwand“, die von dunkelbraunem Holz umrahmt ist. Ein Grund mehr, das ZDF wegen seiner Vorliebe fürs „Rüdesheimer Barock“, wie der verstaubte Wohnzimmerstil der Deutschen gerne genannt wird, als konservativ zu empfinden?
Die Farbgebung mag sicherlich nur ein Indiz am Rande sein, doch konkreter in Bezug auf Inhalte wird es beim „Politbarameter“, welches das ZDF 1977 einführte und zu einer meinungsmachenden Institution machte. Durchgeführt werden die Befragungen zu Meinungen und Einstellungen der wahlberechtigten Bevölkerung von der dem ZDF nahen Forschungsgruppe Wahlen e.V., die die Ergebnisse als „repräsentativ“ verbreitet. Doch sind die wirklich repräsentativ?
Wie die Forschungsgruppe Wahlen e.V. angibt, werden die Daten des Politbarometers „jeweils von Dienstag bis Donnerstag telefonisch erhoben“ und am Freitag veröffentlicht. „Dabei werden in den westlichen Bundesländern jeweils ca. 1.000 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte befragt, in den neuen Bundesländern ca. 700. Eine Überquotierung des Ostens erfolgt, um eigenständige Aussagen über die ostdeutschen Länder treffen zu können. Die Zusammenfassung dieser Befragten führt nach Ausgleich der Überquotierung im Osten rechnerisch zu ca. 1.250 Interviews.“
Es findet also eine „Überquotierung des Ostens“ statt, weil man sonst keine „eigenständigen Aussagen“ der Ostdeutschen zusammenkriegt? Sind Ostdeutsche maulfaul oder reden sie wirres Zeugs, dass eine „Überquotierung“ notwendig ist?
Die Forschungsgruppe Wahlen e.V. erklärt:
“Entscheidend ist dabei, dass die gewonnenen Ergebnisse repräsentativ für die Gesamtheit der wahlberechtigten Bevölkerung in Deutschland sind. Dies wird durch eine strenge Zufallsauswahl bei der Bestimmung der zu befragenden Personen gewährleistet. Für die Stichprobe wird eine zweistufige Zufallsauswahl verwendet: Zunächst werden Privathaushalte ausgewählt, dann eine Person eines jeden Haushalts. Die Auswahl der Privathaushalte erfolgt im RLD-Verfahren (randomize last digit). Das heißt zufällig aus der Gesamtheit aller eingetragenen Telefonanschlüsse gezogene Telefonnummern werden dadurch verändert, dass die letzte Stelle dieser Telefonnummer durch eine Zufallszahl zwischen 0 und 9 ersetzt wird, damit auch nicht eingetragene Telefonnummern erreicht werden. Die so generierten Anschlüsse bilden die Brutto-Haushalts-Stichprobe der Untersuchung. Mithilfe eines Zufallsverfahrens wird dann in der zweiten Stufe die Zielperson ausgewählt. Hierbei wird diejenige Person befragt, die von den Wahlberechtigten im Haushalt als letzte Geburtstag hatte.
Die Auswertung der Studie erfolgt gewichtet. Zunächst wird die Stichprobe, die ja haushaltsrepräsentativ ausgewählt wurde, in eine Personenstichprobe transformiert. Diese Transformation muss erfolgen, weil die Chance eines Haushaltsmitgliedes, befragt zu werden, umgekehrt proportional zur jeweiligen Haushaltsgröße ist. Die dabei gewonnene Personenstichprobe wird dann unter Berücksichtigung der amtlichen Statistik nach Geschlecht und Alter gewichtet, um die durch Random-Ausfälle auftretenden Verzerrungen zu beseitigen. Die so gewichtete Umfrage ist unter Berücksichtigung der wahrscheinlichkeitstheoretischen Grundlagen von Stichproben repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung Deutschlands. Aufgrund der üblichen wahrscheinlichkeitstheoretischen Annahmen beträgt die Fehlertoleranz zum Beispiel bei 1.250 Befragten und einem Parteianteil von 40% +/-2,7 Prozentpunkte und bei einem Parteianteil von 7% +/-1,4 Prozentpunkte. In der Vergangenheit hat sich jedoch gezeigt, dass die Umfrageergebnisse der Forschungsgruppe Wahlen deutlich genauer waren, als es diese theoretischen Modellannahmen nahe legen.“
Es heißt im Volksmund, Statistiken seien nur genau, wenn man sie selbst fälscht. Wie ist es angesichts der „Überquotierung“ des Ostens und nach Ausgleich dieser Verfälschung zu erklären, dass nahezu alle deutschen Zeitungen ihre Kritiken über Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) plötzlich nach Bekanntwerden des ersten Politbarometer-Resultates, in dem Merkel als beliebteste deutsche Politikerin genannt wird, zurückgenommen haben? Ist sie wirklich so beliebt? Oder ist das Politbarometer eine unionsnahe Augenwischerei und damit ein Propagandainstrument?
sfux - 14. Jan, 08:28 Article 1394x read