Das Interview mit Rugovas Untergrund
Stephan Fuchs - Das Interview zur Lage der Albaner wurde am 03 März 2001 in der Schweiz geführt. Herr Kelmendi ist Professor für Geschichte und lebt in der Schweiz. Herr Ajdini studierte Soziologie und Philosophie. 1981 wurde er bei Protesten gegen das serbische Regime in Pristina verhaftet und als politischer Gefangener inhaftiert. 1990 wurde er, dank der politischen Veränderung nach 9 Jahren Gefängnis vorzeitig entlassen. Das Interview wurde von einem Dolmetscher begleitet.

Rugova, Präsident des Kosovo ist gestorben
Fuchs: Sehr geehrter Herr Professor, sehr geehrter Herr Ajdini. Vielen Dank, dass sie mit uns ein Gespräch über die aktuelle Lage im Kosovo führen. Ihr Ziel ist es, Kosovo und die Gebiete um Kosovo in denen mehr als 70% Albaner leben wieder zu vereinen?
Kelmendi: Das ist ein gesetzliches und demokratisches Recht, dass der autochthone Volkswille respektiert wird. Das bezeugt auch das Helsinki- und UNO-Abkommen, in denen sie den autochthonischen Völkern die Selbstbestimmung ermöglichen. Somit auch den Albanern aus Preseva, Bujanoc und Medvegja, die seit Jahrhunderten in diesem Land leben. Der internationale Einfluss sollte hier ermöglichen, dass unser Volk für ihr Schicksal selbst bestimmen kann, da diese Gegenden immer schon unzertrennliche Teile des Kosovo waren.
Die Weltgemeinschaft hat in verschiedenen internationalen Konferenzen immer wieder die Methoden von Apartheid und Segregation verurteilt. Alle ethnischen Völker auf der Welt haben das Recht zusammen zu leben. Deshalb sollte eine Vereinigung, oder besser gesagt ein gemeinsames Zusammenleben der Albaner auf dem Balkan etwas ganz Normales für zivilisierte Völker sein. Wir können dazu sehr viele Beispiele nehmen, eines davon ist sicher das niederreißen der Berliner Mauer.
Das Zusammenleben eines vereinten albanischen Volkes im Balkan, darf die Europäer nicht ängstigen oder beunruhigen. Genau das ist die Angst, die Belgrad jahrelang gesät hat. Europa und die Internationale Gemeinschaft wird mit Sicherheit verstehen, dass die Probleme mit einem vereinten albanischen Volk viel kleiner sein könnten als heute. Die freien Albaner auf dem Balkan könnten die Stabilität und Sicherheit in der Region positiv beeinflussen. Das Volk von Preseva, Bujanoc und Medvegja hat im März 1992 durch ein Referendum den eigenen Willen klar ausgedrückt, in welchem es deutlich für das "Autonomiegebiet mit Recht für die Vereinigung mit Kosovo" spricht. Die Gebiete Preseva, Bujanoc und Medvegja waren immer mit mehr als 70% Albanern bewohnt.
Fuchs: Auf was berufen sie sich?
Kelmendi: Viele Studien von Historikern, Archäologen und Linguisten haben mit wissenschaftlichen Beweisen bestätigt, dass die Albaner viel früher bevor die Slawen kamen, hier gewohnt haben. Mit der Einwanderung der Slawen auf dem Balkan und damit auch im Gebiet des Ost-Kosovo, hat die serbische Hegemonie mit ihrem Bündnis eine langjährige antialbanische Politik und Kampagne geführt. Dasselbe Regime hat nicht damit gespart, Terror und Diskrimination auf die Bevölkerung in dieser Region auszuüben. Außerdem führten sie ethnische Säuberungen durch, nach unseren Angaben beginnend mit dem serbischen Chauvinisten Gracanin, bis hin zum kriminellen Milosevic und dessen Nachfolger Kostunica, der übrigens ein paramilitärischer Serbe aus dem Kosovo ist. Von unseren Gebieten sind ca. 300'000 Albaner mit Gewalt vertrieben worden, die bis Nis gewohnt haben.
Fuchs: Rugova, der gewählte Präsident in Kosovo und Exkommandanten der UCK führen Friedensgespräche mit den internationalen Organisationen und der serbischen Regierung. Es scheint, als ob sie die Grenzen, so wie sie im Moment sind, akzeptieren würden. Fühlen Sie sich verraten?
Kelmendi: Das ist kein Verrat. Da sich heute die albanischen Intellektuellen zusammen mit den internationalen Institutionen beschäftigen ist, wie wir wissen, der Kosovo in einer internationalen Verwaltung bis der entgültige Status für sie gefunden wird. Wie es die Resolution Nr. 1244 des UNO Sicherheitsrates für den Kosovo empfiehlt.
Fuchs: Wie geht das vor sich?
Kelmendi: Es ist so: die politischen Kräfte und das Militär treffen gemeinsam mit der albanischen Mehrheit und mit den internationalen Vertretern im Kosovo Entscheidungen für die Zukunft der Region. Die einen dürfen nicht ohne die anderen Entscheiden. Das könnte fatale Folgen für die Perspektive und Sicherheit im Kosovo haben.
Fuchs: Vertrauen Sie der Internationalen Gemeinschaft und der Nato?
Kelmendi: Natürlich ja; in die NATO und die UNO haben wir Vertrauen, mit Ausnahme des Bündnisses mit den Slawen, besonders mit den Serben, die direkt oder indirekt, unter der Führung des obersten kriminellen Milosevic, den serbischen Genozid und Terror im Kosovo unterstützten. Wie man weiß, hat die NATO mit den Bombardements den Genozid an einem Volk gestoppt. Doch setzt jetzt die internationale Gemeinschaft die Festnahme der Kriegsverbrecher fort, die skrupellose Verbrechen an der albanischen Zivilbevölkerung im Kosovo ausgeübt haben? Leider wird auch weiter die Politik der ethnischen Säuberung des Albanischen Volkes im Ostkosovo geführt.

Rugovas Untergrund
Fuchs: Lohnt es sich denn weiter zu kämpfen, wenn man die Gunst der Nato verlieren könnte?
Ajdini: Hier sind zwei Fragen: Warum kämpfen wir und zweitens wie könnte die NATO reagieren? Was die erste Frage betrifft, wollten die Albaner in ihrer ganzen Geschichte nie Krieg. Schon seit der Osmanenzeit zwangen uns die Türken, die Waffen in die Hand zu nehmen um des eigenen Landes Herr zu bleiben, was wir auch getan haben. So wurde die Unabhängigkeit Albaniens im Jahre 1912 erkämpft.
Die internationale Gemeinschaft hat einige Resolutionen an Belgrad gestellt um die Gewalt und den Terror gegen die ethnischen Albaner im Kosovo einzustellen. Doch die Belgrader Regierung hat den Appell ignoriert, was die Albaner veranlasste anders zu denken, sich politisch vorzubereiten, friedliche Demonstrationen im Jahre 1968, 1981 und 1989 zu organisieren und parallel dazu die Unabhängigkeit des Kosovo und dessen Präsidenten bekannt zu geben. Alle diese Forderungen wurden aber von der Regierung in Belgrad nicht anerkannt, sondern mit serbischen Panzern erdrückt.
Dieser Schritt und die barbarische Gewalt der Serben gegenüber den Albanern bewirkte, dass sich die Albaner militärisch zu organisieren begannen und die Waffen in die Hand nahmen um auf der Seite der UCK für die Befreiung des Kosovo zu kämpfen. Danach hat das Regime eine Offensive gegen die Zivilbevölkerung gestartet, mit den bekannten Genoziden und Massakern am albanischen Volk.
Um die faschistische Politik im Zentrum Europas zu stoppen hat die Internationale Gemeinschaft nichts getan. Besonders die USA hätten nicht gleichgültig mit diesem nicht gesehenen Terror sein können. Die NATO intervenierte dann für den Frieden und den Humanismus, aber auch zum Schutz ihres Images. Faktisch hat die NATO auch eingegriffen um die europäischen Interessen im Kosovo zu verteidigen und sich gegen das Diktatorische Regime von Milosevic, das eine Gefahr für die europäische Demokratie war, zu schützen.
Die Albaner in den Regionen von Preseva werden heute gezwungen, die Waffe in die Hand zu nehmen so, wie die Albaner im Kosovo gezwungen worden waren sich zu verteidigen. Die NATO verpflichtet sich, den Frieden und die Stabilität im Kosovo zu gewährleisten und zwischen den serbischen Banden und den paramilitärischen Einheiten, die für den Terror im Kosovo bekannt sind zu vermitteln.
Wir respektieren die NATO Einheiten. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir kein Recht haben, unsere eigenen Häuser oder unsere Kinder vor den serbischen Aggressoren zu schützen. Wir werden kämpfen und uns verteidigen, bis wir uns frei fühlen.
Fuchs: Sich verteidigen gegen wen?
Ajdini: Wie Sie wissen, hat 1884 ein Programm mit dem Ziel begonnen ein Groß-Serbien zu errichten. Diese, von enthusiastischen Serben und den Slawen durchgeführte Großserbische Strategie, beinhaltete die Gefahr der Okkupation, Annexion und Assimilation für die Nachbarländer im Balkan und in außergewöhnlicher Weise und vor allem für das albanische Volk.
In jener Zeit war Albanien 116'000 km2 groß, heute ist es noch 28'000km2. Eine Katastrophe. Im Jahre 1912 haben wir zusammen mit anderen Völkern gegen die Ottomanen gekämpft. In derselben Zeit haben Serben und Montenegriner Spezialeinheiten geschaffen, um die Albaner aus ihren eigenen Ortschaften zu vertreiben. Wir verteidigen uns gegen die serbischen Aggressionen, da Preseva, Bujanoc und Medvegja immer noch serbische Kolonien sind. Diejenigen albanischen Orte, die das serbische Regime in Belgrad weiter zu dirigieren versucht.
Fuchs: Beinhaltet das Programm, von dem Sie gesprochen haben, die Vernichtung des albanischen Volkes?
Ajdini: Dies waren die Ansprüche Groß-Serbiens. Es ist die Absicht Serbiens. Es ist eine Tatsache, dass das serbische Regime hart gegen die Albaner vorgegangen ist, doch wir waren stärker und hielten besser zusammen. Trotz der Meldungen der Serben, dass sie als Gewinner raus gekommen sind weis die ganze Welt ganz genau, dass die Serben viele Kämpfer aus bis jetzt vier Kriegen im Balkan verloren haben. Die Kämpfe gegen die Türken, gegen die Slowenen, gegen die Kroaten und zuletzt gegen die Albaner und mit Sicherheit werden sie in naher Zukunft den Krieg gegen Montenegro verlieren. Die Serben haben die Hilfe der Russen ausgenutzt, um im Balkan zu dominieren, doch jetzt hat sich die Sache geändert. Selbst die Russen sind mit den slawisch-orthodoxen Serben müde geworden.
Fuchs: Was ist der Grund, dass die Albaner als Volk ausgelöscht werden sollen? Sind die Albaner ein gefährliches Volk?
Kelmendi: Die Serben sind nicht immer gegen die Albaner gewesen, sondern auch gegen viele andere nicht slawische Völker. Ihr Ziel war zu dominieren und ihre wichtigsten Funktionen im Balkan beizubehalten, denn der Zugang zum Meer ist ein Strategisch wichtiges Ziel. Auch ist der Kosovo reich an Bodenschätzen.
Unglücklicherweise haben uns die Serben immer als Sündenböcke gesehen und tun das heute noch, weil wir nicht slawischer Herkunft sind. Für die Realisierungsziele der serbischen Hegemonie und die Ansprüche des kriminellen Milosevic kommt die Antwort aus der serbischen Akademie "Francuska-7" die sagt, dass da wo ein Serbe ist, auch Serbien ist! Diese faschistische Politik für Groß-Serbien hatte Misserfolg. Wir Albaner auf dem Balkan verlangen nicht mehr, als das uns im Balkan das gehört, wo zur Zeit mehr als 70% Albaner leben, dort sollte Albanien sein.
Fuchs: Somit dreht sich im Balkan eine ewige "Hassspirale"?
Ajdini: Wir, die Albaner als Volk, haben keinen Hass gegen die Serbische Bevölkerung. Wir waren immer gezwungen, uns gegen die Politik der serbischen Regierung zu verteidigen. Den Hass gegen die Serben haben sie uns selbst geschenkt, diejenigen, die uns regelmäßig gehasst, bestraft, diskriminiert und vergewaltigt haben.
Fuchs: Hat es in einem vereinten Albanien Platz für alteingesessene Serbische Familien?
Ajdini: Wir haben nichts gegen die Serben die hier gelebt haben und hier leben wollen. Wir sind sogar bereit für sie zu garantieren, jedoch muss uns hierfür eine Kompetenz gegeben werden, so wie es das UNO Abkommen verlangt. Ich will noch einmal deutlich machen, dass wir in der Lage sind für die serbischen Familien zu sorgen die sich auf albanischem Territorium befinden. Nicht aber für diejenigen Serben, die sich schuldig fühlen oder den serbischen kriminellen am Genozid gegen die Albaner geholfen haben. Sie wissen selbst was für sie besser ist, ob sie im Kosovo leben wollen oder nicht.
In Albanien hat es heute auch Serben und dort sind sie ruhig, weil sie keine Straftaten gegen die Albaner begonnen haben. Wieso können sie sich nicht als gute Nachbarn geben?
Kelmendi: Die serbische Regierung ist nicht an den Serben im Kosovo interessiert, sondern an der Dominierung und der Macht. In der Zeit von Tito war es nicht anders.
Fuchs: Weshalb hat Tito als gebbürtiger Kroate die Ziele der Serben verfolgt?
Kelmendi: Tito war eine große Autorität. Aber die Politik und vor allem die Schlüsselpositionen wie zum Beispiel das Militär und die Polizei wurden von serbischen Personen mit Grosserbischen Zielen besetzt. Die Albaner wurden in der Zeit des Osmanischen Reiches zum Moslemischen Glauben Zwangskonvertiert, was für das Regime unter Tito ein Grund war, 500'000 Albaner in die Türkei zu vertreiben.
Fuchs: Heißt das, dass Tito also gar nichts unternehmen konnte?
Ajdini: Eine gleiche Politik hat er auch in Kroatien geführt. In Titos Zeiten sind aus Jugoslawien ungefähr 35'000 Intellektuelle Kroater ausgewandert. Im Gefängnis habe ich viele kroatische Intellektuelle kennen gelernt, die heute Schlüsselpositionen in Kroatien haben. Unter ihnen waren: Dr. Marko Veselica, der Schriftsteller Vlado Gotovac, der Rechtsanwalt Vladimir Sheks und viele andere.
Fuchs: Herr Ajdini: Waren Sie im Gefängnis, weil ihre Meinungen und Gedanken staatsgefährdend waren?
Ajdini: Damals war ich jung. Ich habe gelernt was Freiheit bedeutet und was es bedeutet Sklave zu sein. Ich war enthusiastisch. Ich habe an friedlichen Protesten in Pristina teilgenommen, das war im Jahre 1981. Dafür habe ich als politischer Gefangener eine drakonische Strafe von 13 Jahren bekommen, von denen ich neun Jahre und drei Monate gesessen habe. Ich wurde am 21.Juni 1990 dank den politischen Veränderungen in Kroatien befreit. Ich habe die beste Zeit meines Lebens im serbischen Gefängnis verbracht, weil ich für meine Freiheit und meines Volkes Freiheit gesprochen habe. Ich danke Ihnen für Ihren Ausdruck, aber ich habe damals nicht so gefühlt. Ich bekämpfe immer das Schlimme.
Kelmendi: Frei kann man nur in einem Freien Land sein.
Fuchs: Wie werden Sie das Ziel erreichen, ihr Land zu befreien?
Ajdini: Wir haben uns immer bemüht unsere Ziele mit demokratischen Mitteln zu erreichen. So wie das selbstbestimmende Völker tun und wie es das UNO- Abkommen garantiert. Aber der kommunistische Staat kannte das nicht. Da waren wir gezwungen uns selbst zu verteidigen. Wir sind kein Volk das Krieg will, jedoch müssen wir unser Volk verteidigen, das ist unser Recht und unsere Verpflichtung. Das albanische Volk kann nicht länger das Sklavendasein dulden.
Fuchs: Also das heißt konkret, sie werden ähnlich wie die IRA in Nordirland oder die Palästinenser, 40 Jahre aus dem Untergrund einen Guerillakrieg führen?
Ajdini: Nein, wir sind keine Guerilla, wir sind keine Extremisten. Im Gegenteil, wir kämpfen um unsere Rechte. Die jungen Menschen, die heute das Symbol der UCPMB auf den Schultern tragen, sind in der Mehrheit Intellektuelle mit einer abgeschlossenen Fakultät oder einer Hochschule und Gymnasium die Jahre lang diplomiert haben und darauf warteten, beschäftigt zu werden. Unser Krieg ist Legal und friedlich, da bis heute kein serbisches Kind oder die Zivilbevölkerung angegriffen worden sind. UCPMB hat nur die Uniformen der serbischen Polizei und des Militärs als Ziel, jene die als Besetzer hier sind und die unserem Land schaden zugefügt haben.
Kelmendi: Viele male sind die Albaner von den Serben missbraucht und verraten worden. Zum Beispiel im zweiten Weltkrieg haben uns die Serben versprochen, dass, wenn wir auf ihrer Seite gegen den Faschismus kämpfen, wir das Recht zur Selbstbestimmung bekommen würden. Dies waren jedoch nur Versprechungen.
Fuchs: Es gibt in der westlichen Welt eine ganz strickte und wichtige Trennung zwischen den Wörtern Freiheitskämpfer und Terrorist. Je nachdem wie man Sie Titulieren wird gelten sie als unterstützungswürdig oder Sie werden auf die schwarze Liste der terroristischen Gruppierungen gesetzt. Im Moment schaut es so aus, als sei ihr Kampf als terroristisch klassifiziert worden. Das wird einen enormen Einfluss auf das Verständnis der breiten Öffentlichkeit und somit auch auf die Unterstützung der Internationalen Staatengemeinschaft haben. Wie erklären Sie der Welt, dass Sie Freiheitskämpfer sind?
Ajdini: Ich denke in diesem Fall, dass das Wort Terror hier keinen Platz findet. Wie könnte man kein Freiheitskämpfer sein, wenn man das eigene Volk beschützt und für das Überleben des eigenen Landes kämpft. Ich bin der Meinung, wir müssen nachschauen ob es von albanischer Seite Massakrierungen an serbischen Familien und Kindern gibt. Die Geschichtsschreibung wird uns dann Gelegenheit geben zu schauen, ob wir Freiheitskämpfer oder Terroristen waren. Das Gegenteil haben die Internationalen Experten schon bewiesen, welche die Beweise für begangene Kriegsverbrechen der Serben an den Gerichtshof in Den Haag gebracht haben. In Zusammenarbeit mit der Internationalen Gemeinschaft entdecken wir immer noch Massengräber im Kosovo. Das serbische Militär terrorisiert und massakriert die Zivilbevölkerung.
Fuchs: Wie werden wir unterscheiden können, ob die Albaner oder der serbische Geheimdienst im Mantel der Albaner Massakrierungen an Zivilisten aus provokativen und propagandistischen Gründen begeht?
Ajdini: Was Sie sagen stimmt, solche Fälle gibt es. Aber der serbische Geheimdienst kann, auch mit Hilfe des russischen Dienstes, von 1000 Fällen 700 manipulieren. Der serbische Geheimdienst ist sehr gut. Ihre Propaganda ist brillant. Sie wissen wie man Lügen als Wahrheit verkauft. Um diese Tatsache wissen auch die westlichen Regierungen.
Fuchs: Haben die Westlichen Nationen Angst, sie zu unterstützen weil sie mehrheitlich Muslimisch sind und sich eventuell mit einem muslimischen Staat im Herzen Europas auseinandersetzen müssten?
Kelmendi: Im Gegenteil, die Westvölker haben uns unterstützt und dafür sind wir dankbar. Im Kampf gegen die Serben kämpfen wir Albaner wie eine Nation, ohne Rücksicht auf die Religion oder Ideologie. Diese Etiketteierung und Politik des Belgrader Regimes ist für uns beendet.
Fuchs: Herr Professor Kelmendi, Herr Ajdini, vielen Dank für dieses konstruktives Gespräch.

Rugova, Präsident des Kosovo ist gestorben
Fuchs: Sehr geehrter Herr Professor, sehr geehrter Herr Ajdini. Vielen Dank, dass sie mit uns ein Gespräch über die aktuelle Lage im Kosovo führen. Ihr Ziel ist es, Kosovo und die Gebiete um Kosovo in denen mehr als 70% Albaner leben wieder zu vereinen?
Kelmendi: Das ist ein gesetzliches und demokratisches Recht, dass der autochthone Volkswille respektiert wird. Das bezeugt auch das Helsinki- und UNO-Abkommen, in denen sie den autochthonischen Völkern die Selbstbestimmung ermöglichen. Somit auch den Albanern aus Preseva, Bujanoc und Medvegja, die seit Jahrhunderten in diesem Land leben. Der internationale Einfluss sollte hier ermöglichen, dass unser Volk für ihr Schicksal selbst bestimmen kann, da diese Gegenden immer schon unzertrennliche Teile des Kosovo waren.
Die Weltgemeinschaft hat in verschiedenen internationalen Konferenzen immer wieder die Methoden von Apartheid und Segregation verurteilt. Alle ethnischen Völker auf der Welt haben das Recht zusammen zu leben. Deshalb sollte eine Vereinigung, oder besser gesagt ein gemeinsames Zusammenleben der Albaner auf dem Balkan etwas ganz Normales für zivilisierte Völker sein. Wir können dazu sehr viele Beispiele nehmen, eines davon ist sicher das niederreißen der Berliner Mauer.
Das Zusammenleben eines vereinten albanischen Volkes im Balkan, darf die Europäer nicht ängstigen oder beunruhigen. Genau das ist die Angst, die Belgrad jahrelang gesät hat. Europa und die Internationale Gemeinschaft wird mit Sicherheit verstehen, dass die Probleme mit einem vereinten albanischen Volk viel kleiner sein könnten als heute. Die freien Albaner auf dem Balkan könnten die Stabilität und Sicherheit in der Region positiv beeinflussen. Das Volk von Preseva, Bujanoc und Medvegja hat im März 1992 durch ein Referendum den eigenen Willen klar ausgedrückt, in welchem es deutlich für das "Autonomiegebiet mit Recht für die Vereinigung mit Kosovo" spricht. Die Gebiete Preseva, Bujanoc und Medvegja waren immer mit mehr als 70% Albanern bewohnt.
Fuchs: Auf was berufen sie sich?
Kelmendi: Viele Studien von Historikern, Archäologen und Linguisten haben mit wissenschaftlichen Beweisen bestätigt, dass die Albaner viel früher bevor die Slawen kamen, hier gewohnt haben. Mit der Einwanderung der Slawen auf dem Balkan und damit auch im Gebiet des Ost-Kosovo, hat die serbische Hegemonie mit ihrem Bündnis eine langjährige antialbanische Politik und Kampagne geführt. Dasselbe Regime hat nicht damit gespart, Terror und Diskrimination auf die Bevölkerung in dieser Region auszuüben. Außerdem führten sie ethnische Säuberungen durch, nach unseren Angaben beginnend mit dem serbischen Chauvinisten Gracanin, bis hin zum kriminellen Milosevic und dessen Nachfolger Kostunica, der übrigens ein paramilitärischer Serbe aus dem Kosovo ist. Von unseren Gebieten sind ca. 300'000 Albaner mit Gewalt vertrieben worden, die bis Nis gewohnt haben.
Fuchs: Rugova, der gewählte Präsident in Kosovo und Exkommandanten der UCK führen Friedensgespräche mit den internationalen Organisationen und der serbischen Regierung. Es scheint, als ob sie die Grenzen, so wie sie im Moment sind, akzeptieren würden. Fühlen Sie sich verraten?
Kelmendi: Das ist kein Verrat. Da sich heute die albanischen Intellektuellen zusammen mit den internationalen Institutionen beschäftigen ist, wie wir wissen, der Kosovo in einer internationalen Verwaltung bis der entgültige Status für sie gefunden wird. Wie es die Resolution Nr. 1244 des UNO Sicherheitsrates für den Kosovo empfiehlt.
Fuchs: Wie geht das vor sich?
Kelmendi: Es ist so: die politischen Kräfte und das Militär treffen gemeinsam mit der albanischen Mehrheit und mit den internationalen Vertretern im Kosovo Entscheidungen für die Zukunft der Region. Die einen dürfen nicht ohne die anderen Entscheiden. Das könnte fatale Folgen für die Perspektive und Sicherheit im Kosovo haben.
Fuchs: Vertrauen Sie der Internationalen Gemeinschaft und der Nato?
Kelmendi: Natürlich ja; in die NATO und die UNO haben wir Vertrauen, mit Ausnahme des Bündnisses mit den Slawen, besonders mit den Serben, die direkt oder indirekt, unter der Führung des obersten kriminellen Milosevic, den serbischen Genozid und Terror im Kosovo unterstützten. Wie man weiß, hat die NATO mit den Bombardements den Genozid an einem Volk gestoppt. Doch setzt jetzt die internationale Gemeinschaft die Festnahme der Kriegsverbrecher fort, die skrupellose Verbrechen an der albanischen Zivilbevölkerung im Kosovo ausgeübt haben? Leider wird auch weiter die Politik der ethnischen Säuberung des Albanischen Volkes im Ostkosovo geführt.

Rugovas Untergrund
Fuchs: Lohnt es sich denn weiter zu kämpfen, wenn man die Gunst der Nato verlieren könnte?
Ajdini: Hier sind zwei Fragen: Warum kämpfen wir und zweitens wie könnte die NATO reagieren? Was die erste Frage betrifft, wollten die Albaner in ihrer ganzen Geschichte nie Krieg. Schon seit der Osmanenzeit zwangen uns die Türken, die Waffen in die Hand zu nehmen um des eigenen Landes Herr zu bleiben, was wir auch getan haben. So wurde die Unabhängigkeit Albaniens im Jahre 1912 erkämpft.
Die internationale Gemeinschaft hat einige Resolutionen an Belgrad gestellt um die Gewalt und den Terror gegen die ethnischen Albaner im Kosovo einzustellen. Doch die Belgrader Regierung hat den Appell ignoriert, was die Albaner veranlasste anders zu denken, sich politisch vorzubereiten, friedliche Demonstrationen im Jahre 1968, 1981 und 1989 zu organisieren und parallel dazu die Unabhängigkeit des Kosovo und dessen Präsidenten bekannt zu geben. Alle diese Forderungen wurden aber von der Regierung in Belgrad nicht anerkannt, sondern mit serbischen Panzern erdrückt.
Dieser Schritt und die barbarische Gewalt der Serben gegenüber den Albanern bewirkte, dass sich die Albaner militärisch zu organisieren begannen und die Waffen in die Hand nahmen um auf der Seite der UCK für die Befreiung des Kosovo zu kämpfen. Danach hat das Regime eine Offensive gegen die Zivilbevölkerung gestartet, mit den bekannten Genoziden und Massakern am albanischen Volk.
Um die faschistische Politik im Zentrum Europas zu stoppen hat die Internationale Gemeinschaft nichts getan. Besonders die USA hätten nicht gleichgültig mit diesem nicht gesehenen Terror sein können. Die NATO intervenierte dann für den Frieden und den Humanismus, aber auch zum Schutz ihres Images. Faktisch hat die NATO auch eingegriffen um die europäischen Interessen im Kosovo zu verteidigen und sich gegen das Diktatorische Regime von Milosevic, das eine Gefahr für die europäische Demokratie war, zu schützen.
Die Albaner in den Regionen von Preseva werden heute gezwungen, die Waffe in die Hand zu nehmen so, wie die Albaner im Kosovo gezwungen worden waren sich zu verteidigen. Die NATO verpflichtet sich, den Frieden und die Stabilität im Kosovo zu gewährleisten und zwischen den serbischen Banden und den paramilitärischen Einheiten, die für den Terror im Kosovo bekannt sind zu vermitteln.
Wir respektieren die NATO Einheiten. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir kein Recht haben, unsere eigenen Häuser oder unsere Kinder vor den serbischen Aggressoren zu schützen. Wir werden kämpfen und uns verteidigen, bis wir uns frei fühlen.
Fuchs: Sich verteidigen gegen wen?
Ajdini: Wie Sie wissen, hat 1884 ein Programm mit dem Ziel begonnen ein Groß-Serbien zu errichten. Diese, von enthusiastischen Serben und den Slawen durchgeführte Großserbische Strategie, beinhaltete die Gefahr der Okkupation, Annexion und Assimilation für die Nachbarländer im Balkan und in außergewöhnlicher Weise und vor allem für das albanische Volk.
In jener Zeit war Albanien 116'000 km2 groß, heute ist es noch 28'000km2. Eine Katastrophe. Im Jahre 1912 haben wir zusammen mit anderen Völkern gegen die Ottomanen gekämpft. In derselben Zeit haben Serben und Montenegriner Spezialeinheiten geschaffen, um die Albaner aus ihren eigenen Ortschaften zu vertreiben. Wir verteidigen uns gegen die serbischen Aggressionen, da Preseva, Bujanoc und Medvegja immer noch serbische Kolonien sind. Diejenigen albanischen Orte, die das serbische Regime in Belgrad weiter zu dirigieren versucht.
Fuchs: Beinhaltet das Programm, von dem Sie gesprochen haben, die Vernichtung des albanischen Volkes?
Ajdini: Dies waren die Ansprüche Groß-Serbiens. Es ist die Absicht Serbiens. Es ist eine Tatsache, dass das serbische Regime hart gegen die Albaner vorgegangen ist, doch wir waren stärker und hielten besser zusammen. Trotz der Meldungen der Serben, dass sie als Gewinner raus gekommen sind weis die ganze Welt ganz genau, dass die Serben viele Kämpfer aus bis jetzt vier Kriegen im Balkan verloren haben. Die Kämpfe gegen die Türken, gegen die Slowenen, gegen die Kroaten und zuletzt gegen die Albaner und mit Sicherheit werden sie in naher Zukunft den Krieg gegen Montenegro verlieren. Die Serben haben die Hilfe der Russen ausgenutzt, um im Balkan zu dominieren, doch jetzt hat sich die Sache geändert. Selbst die Russen sind mit den slawisch-orthodoxen Serben müde geworden.
Fuchs: Was ist der Grund, dass die Albaner als Volk ausgelöscht werden sollen? Sind die Albaner ein gefährliches Volk?
Kelmendi: Die Serben sind nicht immer gegen die Albaner gewesen, sondern auch gegen viele andere nicht slawische Völker. Ihr Ziel war zu dominieren und ihre wichtigsten Funktionen im Balkan beizubehalten, denn der Zugang zum Meer ist ein Strategisch wichtiges Ziel. Auch ist der Kosovo reich an Bodenschätzen.
Unglücklicherweise haben uns die Serben immer als Sündenböcke gesehen und tun das heute noch, weil wir nicht slawischer Herkunft sind. Für die Realisierungsziele der serbischen Hegemonie und die Ansprüche des kriminellen Milosevic kommt die Antwort aus der serbischen Akademie "Francuska-7" die sagt, dass da wo ein Serbe ist, auch Serbien ist! Diese faschistische Politik für Groß-Serbien hatte Misserfolg. Wir Albaner auf dem Balkan verlangen nicht mehr, als das uns im Balkan das gehört, wo zur Zeit mehr als 70% Albaner leben, dort sollte Albanien sein.
Fuchs: Somit dreht sich im Balkan eine ewige "Hassspirale"?
Ajdini: Wir, die Albaner als Volk, haben keinen Hass gegen die Serbische Bevölkerung. Wir waren immer gezwungen, uns gegen die Politik der serbischen Regierung zu verteidigen. Den Hass gegen die Serben haben sie uns selbst geschenkt, diejenigen, die uns regelmäßig gehasst, bestraft, diskriminiert und vergewaltigt haben.
Fuchs: Hat es in einem vereinten Albanien Platz für alteingesessene Serbische Familien?
Ajdini: Wir haben nichts gegen die Serben die hier gelebt haben und hier leben wollen. Wir sind sogar bereit für sie zu garantieren, jedoch muss uns hierfür eine Kompetenz gegeben werden, so wie es das UNO Abkommen verlangt. Ich will noch einmal deutlich machen, dass wir in der Lage sind für die serbischen Familien zu sorgen die sich auf albanischem Territorium befinden. Nicht aber für diejenigen Serben, die sich schuldig fühlen oder den serbischen kriminellen am Genozid gegen die Albaner geholfen haben. Sie wissen selbst was für sie besser ist, ob sie im Kosovo leben wollen oder nicht.
In Albanien hat es heute auch Serben und dort sind sie ruhig, weil sie keine Straftaten gegen die Albaner begonnen haben. Wieso können sie sich nicht als gute Nachbarn geben?
Kelmendi: Die serbische Regierung ist nicht an den Serben im Kosovo interessiert, sondern an der Dominierung und der Macht. In der Zeit von Tito war es nicht anders.
Fuchs: Weshalb hat Tito als gebbürtiger Kroate die Ziele der Serben verfolgt?
Kelmendi: Tito war eine große Autorität. Aber die Politik und vor allem die Schlüsselpositionen wie zum Beispiel das Militär und die Polizei wurden von serbischen Personen mit Grosserbischen Zielen besetzt. Die Albaner wurden in der Zeit des Osmanischen Reiches zum Moslemischen Glauben Zwangskonvertiert, was für das Regime unter Tito ein Grund war, 500'000 Albaner in die Türkei zu vertreiben.
Fuchs: Heißt das, dass Tito also gar nichts unternehmen konnte?
Ajdini: Eine gleiche Politik hat er auch in Kroatien geführt. In Titos Zeiten sind aus Jugoslawien ungefähr 35'000 Intellektuelle Kroater ausgewandert. Im Gefängnis habe ich viele kroatische Intellektuelle kennen gelernt, die heute Schlüsselpositionen in Kroatien haben. Unter ihnen waren: Dr. Marko Veselica, der Schriftsteller Vlado Gotovac, der Rechtsanwalt Vladimir Sheks und viele andere.
Fuchs: Herr Ajdini: Waren Sie im Gefängnis, weil ihre Meinungen und Gedanken staatsgefährdend waren?
Ajdini: Damals war ich jung. Ich habe gelernt was Freiheit bedeutet und was es bedeutet Sklave zu sein. Ich war enthusiastisch. Ich habe an friedlichen Protesten in Pristina teilgenommen, das war im Jahre 1981. Dafür habe ich als politischer Gefangener eine drakonische Strafe von 13 Jahren bekommen, von denen ich neun Jahre und drei Monate gesessen habe. Ich wurde am 21.Juni 1990 dank den politischen Veränderungen in Kroatien befreit. Ich habe die beste Zeit meines Lebens im serbischen Gefängnis verbracht, weil ich für meine Freiheit und meines Volkes Freiheit gesprochen habe. Ich danke Ihnen für Ihren Ausdruck, aber ich habe damals nicht so gefühlt. Ich bekämpfe immer das Schlimme.
Kelmendi: Frei kann man nur in einem Freien Land sein.
Fuchs: Wie werden Sie das Ziel erreichen, ihr Land zu befreien?
Ajdini: Wir haben uns immer bemüht unsere Ziele mit demokratischen Mitteln zu erreichen. So wie das selbstbestimmende Völker tun und wie es das UNO- Abkommen garantiert. Aber der kommunistische Staat kannte das nicht. Da waren wir gezwungen uns selbst zu verteidigen. Wir sind kein Volk das Krieg will, jedoch müssen wir unser Volk verteidigen, das ist unser Recht und unsere Verpflichtung. Das albanische Volk kann nicht länger das Sklavendasein dulden.
Fuchs: Also das heißt konkret, sie werden ähnlich wie die IRA in Nordirland oder die Palästinenser, 40 Jahre aus dem Untergrund einen Guerillakrieg führen?
Ajdini: Nein, wir sind keine Guerilla, wir sind keine Extremisten. Im Gegenteil, wir kämpfen um unsere Rechte. Die jungen Menschen, die heute das Symbol der UCPMB auf den Schultern tragen, sind in der Mehrheit Intellektuelle mit einer abgeschlossenen Fakultät oder einer Hochschule und Gymnasium die Jahre lang diplomiert haben und darauf warteten, beschäftigt zu werden. Unser Krieg ist Legal und friedlich, da bis heute kein serbisches Kind oder die Zivilbevölkerung angegriffen worden sind. UCPMB hat nur die Uniformen der serbischen Polizei und des Militärs als Ziel, jene die als Besetzer hier sind und die unserem Land schaden zugefügt haben.
Kelmendi: Viele male sind die Albaner von den Serben missbraucht und verraten worden. Zum Beispiel im zweiten Weltkrieg haben uns die Serben versprochen, dass, wenn wir auf ihrer Seite gegen den Faschismus kämpfen, wir das Recht zur Selbstbestimmung bekommen würden. Dies waren jedoch nur Versprechungen.
Fuchs: Es gibt in der westlichen Welt eine ganz strickte und wichtige Trennung zwischen den Wörtern Freiheitskämpfer und Terrorist. Je nachdem wie man Sie Titulieren wird gelten sie als unterstützungswürdig oder Sie werden auf die schwarze Liste der terroristischen Gruppierungen gesetzt. Im Moment schaut es so aus, als sei ihr Kampf als terroristisch klassifiziert worden. Das wird einen enormen Einfluss auf das Verständnis der breiten Öffentlichkeit und somit auch auf die Unterstützung der Internationalen Staatengemeinschaft haben. Wie erklären Sie der Welt, dass Sie Freiheitskämpfer sind?
Ajdini: Ich denke in diesem Fall, dass das Wort Terror hier keinen Platz findet. Wie könnte man kein Freiheitskämpfer sein, wenn man das eigene Volk beschützt und für das Überleben des eigenen Landes kämpft. Ich bin der Meinung, wir müssen nachschauen ob es von albanischer Seite Massakrierungen an serbischen Familien und Kindern gibt. Die Geschichtsschreibung wird uns dann Gelegenheit geben zu schauen, ob wir Freiheitskämpfer oder Terroristen waren. Das Gegenteil haben die Internationalen Experten schon bewiesen, welche die Beweise für begangene Kriegsverbrechen der Serben an den Gerichtshof in Den Haag gebracht haben. In Zusammenarbeit mit der Internationalen Gemeinschaft entdecken wir immer noch Massengräber im Kosovo. Das serbische Militär terrorisiert und massakriert die Zivilbevölkerung.
Fuchs: Wie werden wir unterscheiden können, ob die Albaner oder der serbische Geheimdienst im Mantel der Albaner Massakrierungen an Zivilisten aus provokativen und propagandistischen Gründen begeht?
Ajdini: Was Sie sagen stimmt, solche Fälle gibt es. Aber der serbische Geheimdienst kann, auch mit Hilfe des russischen Dienstes, von 1000 Fällen 700 manipulieren. Der serbische Geheimdienst ist sehr gut. Ihre Propaganda ist brillant. Sie wissen wie man Lügen als Wahrheit verkauft. Um diese Tatsache wissen auch die westlichen Regierungen.
Fuchs: Haben die Westlichen Nationen Angst, sie zu unterstützen weil sie mehrheitlich Muslimisch sind und sich eventuell mit einem muslimischen Staat im Herzen Europas auseinandersetzen müssten?
Kelmendi: Im Gegenteil, die Westvölker haben uns unterstützt und dafür sind wir dankbar. Im Kampf gegen die Serben kämpfen wir Albaner wie eine Nation, ohne Rücksicht auf die Religion oder Ideologie. Diese Etiketteierung und Politik des Belgrader Regimes ist für uns beendet.
Fuchs: Herr Professor Kelmendi, Herr Ajdini, vielen Dank für dieses konstruktives Gespräch.
sfux - 26. Jan, 10:06 Article 12394x read