Heimisches Lügen
Norman Solomon - Mit Pauken und Trompeten stellte Oprah Winfrey James Frey eine Frage, bei der sich Journalisten der Massenmedien weigern, sie George W. Bush zu stellen: „Warum haben sie gelogen?“
Viele Mediengurus and -sendungen glucksten darüber, als Frey als ein Lügner demaskiert wurde. Das Echo ging von Schundmedien bis zu hochgeistigen Publikationen. Am 27. Januar, demselben Tag, an dem die „News Hour with Jim Lehrer“ auf PBS eine ganze Sendung dem Geschehen widmete, publizierte die New York Times auf Seite eins einen redaktionellen Artikel, der schlussfolgerte, dass „Frau Winfrey dem Publikum, uns miteingeschlossen, das gab, was es sich erhoffte: Die Forderung, die Wahrheit zu hören.“

Ein grundlegender Fakt der Spionagegeschichte der National Security Agency („Nationale Sicherheitsbehörde“) ist: Präsident Bush hat gelogen. Doch fehlt in der Medienberichterstattung standardmäßig eine Forderung nach der Wahrheit.
Mehr als zwei Jahre, nachdem er das NSA-Spionageprogramm im eigenen Land, das einer rechtlichen Grundlage entbehrte, in Gang gesetzt hatte, verschaffte sich Bush unmissverständlich Gehör. Während einer Rede in Buffalo am 20. April 2004 betonte er: „Jedes Mal, wenn Sie hören, dass die US-Regierung über Abhöraktionen redet, erfordern sie – eine Abhöraktion erfordert eine gerichtliche Verfügung. Nichts hat sich daran geändert, nebenbei bemerkt. Wenn wir uns darüber unterhalten Terroristen zu jagen, dann sprechen wir davon, eine gerichtliche Verfügung zu erlangen, bevor wir dies tun können.“
Frey log in einem Buch über sein Privatleben und das verärgerte Oprah Winfrey. „Es ist sehr schwierig für mich, mit Ihnen zu reden, fühle ich mich doch sehr hinters Licht geführt“, sagte sie und konfrontierte ihn damit in ihrer Show vom 26. Januar. „Ich fühle mich hinters Licht geführt. Und was noch viel wichtiger ist, ich meine, dass Sie Millionen von Lesern betrogen haben.“
Andererseits sind Journalisten, die Bush interviewen, nicht gewillt, ihm diese Fragen in ähnlicher Form zu stellen.
Der Präsident hat nicht bloß Millionen von Lesern betrogen. Er betrog Hunderte Millionen von Bürgern.
Bush hat über grundlegende bürgerliche Freiheiten der Vereinigten Staaten gelogen. Statt sich auf beschönigende Beschreibungen zu verlassen, sollten Informationsmedien also auch ihn direkt mit der Frage konfrontieren: „Warum haben sie gelogen?“
Während der „Oprah Show“, indes sie einem mächtigen Funktionär eines Verlags, der geholfen diese Verlogenheit des Autors möglich zu machen, eine Vortrag hielt, erklärte zu zudem: „Das muss sich ändern.“ Was geschieht aber mit den mächtigen Leitern der Nachrichtenanstalten, die weiterhin Bushs Verlogenheit ermöglichen?
Als Frey versuchte sich aus der Verantwortung zu winden, eine heuchlerische Geschichte über eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung erfunden zu haben, unterbrach die Gastgeberin nach den Worten „Ich habe mit dem Gedanken gerungen…“
„Nein, mit der Lüge“, sagte Winfrey. „Es ist eine Lüge. Es ist keine Idee, James, es ist eine Lüge.“
Hochrangige Journalisten jedoch scheuen sich davor, Präsident Bush im nationalen Fernsehen mit solch klaren Worten zu konfrontieren: „Das ist Lüge. Es ist keine Idee, George, sondern eine Lüge!“
Dieser Artikel erschien in der deutschen Übersetzung von Daniel Müller erstmalig bei Zmag.de

Norman Solomons aktuelles Buch 'War Made Easy: How Presidents and Pundits Keep Spinning Us to Death'
Viele Mediengurus and -sendungen glucksten darüber, als Frey als ein Lügner demaskiert wurde. Das Echo ging von Schundmedien bis zu hochgeistigen Publikationen. Am 27. Januar, demselben Tag, an dem die „News Hour with Jim Lehrer“ auf PBS eine ganze Sendung dem Geschehen widmete, publizierte die New York Times auf Seite eins einen redaktionellen Artikel, der schlussfolgerte, dass „Frau Winfrey dem Publikum, uns miteingeschlossen, das gab, was es sich erhoffte: Die Forderung, die Wahrheit zu hören.“

Ein grundlegender Fakt der Spionagegeschichte der National Security Agency („Nationale Sicherheitsbehörde“) ist: Präsident Bush hat gelogen. Doch fehlt in der Medienberichterstattung standardmäßig eine Forderung nach der Wahrheit.
Mehr als zwei Jahre, nachdem er das NSA-Spionageprogramm im eigenen Land, das einer rechtlichen Grundlage entbehrte, in Gang gesetzt hatte, verschaffte sich Bush unmissverständlich Gehör. Während einer Rede in Buffalo am 20. April 2004 betonte er: „Jedes Mal, wenn Sie hören, dass die US-Regierung über Abhöraktionen redet, erfordern sie – eine Abhöraktion erfordert eine gerichtliche Verfügung. Nichts hat sich daran geändert, nebenbei bemerkt. Wenn wir uns darüber unterhalten Terroristen zu jagen, dann sprechen wir davon, eine gerichtliche Verfügung zu erlangen, bevor wir dies tun können.“
Frey log in einem Buch über sein Privatleben und das verärgerte Oprah Winfrey. „Es ist sehr schwierig für mich, mit Ihnen zu reden, fühle ich mich doch sehr hinters Licht geführt“, sagte sie und konfrontierte ihn damit in ihrer Show vom 26. Januar. „Ich fühle mich hinters Licht geführt. Und was noch viel wichtiger ist, ich meine, dass Sie Millionen von Lesern betrogen haben.“
Andererseits sind Journalisten, die Bush interviewen, nicht gewillt, ihm diese Fragen in ähnlicher Form zu stellen.
Der Präsident hat nicht bloß Millionen von Lesern betrogen. Er betrog Hunderte Millionen von Bürgern.
Bush hat über grundlegende bürgerliche Freiheiten der Vereinigten Staaten gelogen. Statt sich auf beschönigende Beschreibungen zu verlassen, sollten Informationsmedien also auch ihn direkt mit der Frage konfrontieren: „Warum haben sie gelogen?“
Während der „Oprah Show“, indes sie einem mächtigen Funktionär eines Verlags, der geholfen diese Verlogenheit des Autors möglich zu machen, eine Vortrag hielt, erklärte zu zudem: „Das muss sich ändern.“ Was geschieht aber mit den mächtigen Leitern der Nachrichtenanstalten, die weiterhin Bushs Verlogenheit ermöglichen?
Als Frey versuchte sich aus der Verantwortung zu winden, eine heuchlerische Geschichte über eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung erfunden zu haben, unterbrach die Gastgeberin nach den Worten „Ich habe mit dem Gedanken gerungen…“
„Nein, mit der Lüge“, sagte Winfrey. „Es ist eine Lüge. Es ist keine Idee, James, es ist eine Lüge.“
Hochrangige Journalisten jedoch scheuen sich davor, Präsident Bush im nationalen Fernsehen mit solch klaren Worten zu konfrontieren: „Das ist Lüge. Es ist keine Idee, George, sondern eine Lüge!“


Norman Solomons aktuelles Buch 'War Made Easy: How Presidents and Pundits Keep Spinning Us to Death'
sfux - 7. Feb, 08:17 Article 1965x read