Markennamen für die besseren Kriege der Zukunft
Norman Solomon - Wirklich keine leichte Sache, einen Krieg zu vermarkten. Denn, welches Produkt könnte einen wohlklingenden Markennamen wohl dringender benötigen, als eins, das derart verschwenderisch mit Ressourcen bzw. mit Menschenleben umgeht (wie Krieg) - wobei die Tötung von Menschen durchaus vorsätzlich geschieht. Der Trend in den USA, über derlei Abenteuer einen euphemistischen Vernebelungsschleier zu breiten, ist bereits seit Jahrzehnten deutlich zu erkennen.

Krieg verkaufen - Krieg schönreden
Lange her, seit US-Regierungen noch ein ‘Kriegsministerium’ hatten oder beispielsweise ein ‘Kriegsbudget’. Heutzutage spricht man in diesem Zusammenhang von ‘Verteidigung’ - ein Wort, umflort von der Aura der Rechtschaffenheit. Wie in manipulativer Hinsicht erfolgreich derlei Namensänderungen sind, ist schon allein daran zu sehen, dass (oft) selbst harsche Kritiker unserer rücksichtslosen Militärausgaben lediglich von ‘Verteidigungsausgaben’ sprechen. Während der letzten dutzend Jahre haben zwei Straßen zueinander gefunden: die Madison Avenue* (New York) u. die Pennsylvania Avenue* (Washington). Dies führte zu einer Medien-Mesalliance, die organisierte Massenvernichtung - sprich: Krieg - immer heftiger schönredet.
‘Verdienst’ der ersten Bush-Regierung war es, die Public-Relations- Techniken zur Vermarktung von US-Militäraktionen ungemein zu verbessern. Dabei wurden “für diese Operationen Namen gewählt, die darauf abzielten, die politische Haltung der Leute zu formen”, so der Linguist Geoff Nunberg. Die Panama-Invasion, Dezember 1989, wurde beispielsweise unter dem Namen ‘Operation Gerechte Sache’ durchgezogen - ein Ausdruck, der sofort zum Medienhit wurde. “Eine Reihe wichtiger Nachrichten-Sprecher stürzte sich sofort auf den Begriff von der ‘Gerechten Sache’, was sowohl die Bush- als auch (später) die Clinton-Regierung dazu ermutigte, diesen tendenziösen Begriff beizubehalten”.
Nunberg weist darauf hin, dass “alles nur eine Frage des ‘Markenetiketts’ ist. Zudem sicher kein Zufall, dass die neue Form der Benennung, siehe ‘Gerechte Sache’, ausgerechnet dann Mode wurde, als die Kabelnachrichten damit anfingen, Reportagen zu wichtigen Themen mit einprägsamen Namen u. Logos zu versehen”. (Und noch eine Parallele:) Just seit jener Zeit, als das Pentagon sich angewöhnte, dem Fernsehen einprägsame Untertitel zu liefern, liefert es ihm auch Bildaufnahmen von US-Raketenangriffen, die frappant nach Videospielen aussehen.
Seit 1991, also als der Golfkrieg stattfand, haben sich jede Menge Leute - von ganz Rechts bis ganz Links im politischen Spektrum - angewöhnt, diesen schrecklichen Blutrausch (Golfkrieg) als ‘Operation Wüstensturm’ (Desert Storm) zu bezeichnen - oder häufig einfach als ‘Wüstensturm’. Bei beiläufigem Hinhören denkt man bei ‘Wüstensturm’ an so was wie ein Naturereignis - bzw. an höhere Gewalt. Vielleicht auch an beides zugleich - Leute wie Dick Cheney, Norman Schwarzkopf oder Colin Powell scheinen ja ohnedies zu glauben, sie hätten den ‘natürlichen’ Willen Gottes getan, indem sie einen Sturmwind entfacht und Lasergesteuerte 1000-Kilo-Bomben aus heiterem Himmel Niederregnen ließen. Vage genug ist ‘Wüstensturm’ u. lässt viel Raum für Phantasie.
Kurz nach Ende des Golfkriegs - pardon, nach dem Abflauen des ‘Wüstensturms’ - sagte der Chef des Öffentlichkeitsbüros der US-Armee, Generalmajor Charles McClain: “Die Art u. Weise, wie eine derartige Operation aufgefasst wird, ist für deren Erfolg manchmal nicht weniger entscheidend wie die eigentliche Ausführung der Operation”. Und was könnte wohl effektiver sein, um der öffentlichen Kriegs-Auffassung den richtigen Dreh zu geben (solange der Krieg in Gang ist bzw. im historischen Rückblick), als ein Saubermann-Image, das kleben bleibt? Erinnern wir uns an Oktober 2001: Die Raketen hageln schon auf Afghanistan nieder, da überrascht uns das Bush-Team mit ‘Operation Grenzenlose Gerechtigkeit’ (Infinite Justice) - kaum ausgesprochen, verschwindet der Begriff aber schnell wieder in der Schublade. Man hatte festgestellt, dass er auf Muslime beleidigend wirken kann; gemäß deren Auffassung ist nämlich nur Allah ‘grenzenlos gerecht’. Als Ersatz-Etikett für die Operation wurde anschließend ‘Ausdauernde Freiheit’ (Enduring Freedom) aus dem Hut gezogen. Dieses Etikett kam bei den amerikanischen Massenmedien äußerst gut an - was nur damit zu erklären ist, dass die heutigen US-Massenmedien eine ironie- freie Zone darstellen. Niemand - oder sagen wir mal nur den Allerfrechsten, denen mit der größten Impertinenz - kommt auch nur in den Sinn, mit ‘ausdauernd’ könnte das Bombardement gemeint sein - das auf die leidenden Afghanen niederprasseln zu lassen, sich das Pentagon die ‘Freiheit’ nahm.
Und wer bis heute immer noch nicht begriffen hat, dass unsere Exekutive (also unsere Regierung) von waschechten Geschäftsleuten gemanagt wird, die nebenbei auch noch Militäraktionen planen, der ist, mit Verlaub, wirklich naiv. Ein echter Freud’scher Versprecher, als Andrew Card, Generalstabschef des Weißen Hauses, vor einem Monat gegenüber der New York Times äußerte: “Vom marktstrategischen Gesichtspunkt aus ist es einfach Blödsinn, ein Produkt im August auf den Markt zu werfen”. War es daher purer Zufall, dass man die Bombe bzgl. „neuer und noch ausschlaggebender Fakten“ für einen Irak-Krieg (überwiegend) erst im September platzen ließ?
Und was die nahe Zukunft anbelangt: Bestimmt sind unsere Medien-Magier vom Weißen Haus schon rastlos dabei, ihre neuen Entwürfe durchzusieben - um dem kommenden Angriff auf dem Irak ein entsprechend (nettes) Etikett zu verpassen. Und keine Angst, bevor dieser Krieg zu Ende sein wird, werden wir alle mit Sicherheit dessen positiven Kode-Namen verinnerlicht haben - ganz im Gegensatz zu den Namen jener irakischen Menschen, die bis dahin in unserm Namen getötet sein werden.
Anmerkung d. Übersetzerin
*Worauf Solomon hier anspielt, ist die ‘Zusammenarbeit’ zwischen dem Fernsehsender CBS News, mit Sitz in der Madison Avenue, New York, u. dem Weißen Haus, das an der Pennsylvania Avenue in Washington liegt.
Dieser Artikel erschien in der deutschen Übersetzung von Andrea Noll erstmalig bei Zmag.de

Norman Solomons aktuelles Buch 'War Made Easy: How Presidents and Pundits Keep Spinning Us to Death'

Krieg verkaufen - Krieg schönreden
Lange her, seit US-Regierungen noch ein ‘Kriegsministerium’ hatten oder beispielsweise ein ‘Kriegsbudget’. Heutzutage spricht man in diesem Zusammenhang von ‘Verteidigung’ - ein Wort, umflort von der Aura der Rechtschaffenheit. Wie in manipulativer Hinsicht erfolgreich derlei Namensänderungen sind, ist schon allein daran zu sehen, dass (oft) selbst harsche Kritiker unserer rücksichtslosen Militärausgaben lediglich von ‘Verteidigungsausgaben’ sprechen. Während der letzten dutzend Jahre haben zwei Straßen zueinander gefunden: die Madison Avenue* (New York) u. die Pennsylvania Avenue* (Washington). Dies führte zu einer Medien-Mesalliance, die organisierte Massenvernichtung - sprich: Krieg - immer heftiger schönredet.
‘Verdienst’ der ersten Bush-Regierung war es, die Public-Relations- Techniken zur Vermarktung von US-Militäraktionen ungemein zu verbessern. Dabei wurden “für diese Operationen Namen gewählt, die darauf abzielten, die politische Haltung der Leute zu formen”, so der Linguist Geoff Nunberg. Die Panama-Invasion, Dezember 1989, wurde beispielsweise unter dem Namen ‘Operation Gerechte Sache’ durchgezogen - ein Ausdruck, der sofort zum Medienhit wurde. “Eine Reihe wichtiger Nachrichten-Sprecher stürzte sich sofort auf den Begriff von der ‘Gerechten Sache’, was sowohl die Bush- als auch (später) die Clinton-Regierung dazu ermutigte, diesen tendenziösen Begriff beizubehalten”.
Nunberg weist darauf hin, dass “alles nur eine Frage des ‘Markenetiketts’ ist. Zudem sicher kein Zufall, dass die neue Form der Benennung, siehe ‘Gerechte Sache’, ausgerechnet dann Mode wurde, als die Kabelnachrichten damit anfingen, Reportagen zu wichtigen Themen mit einprägsamen Namen u. Logos zu versehen”. (Und noch eine Parallele:) Just seit jener Zeit, als das Pentagon sich angewöhnte, dem Fernsehen einprägsame Untertitel zu liefern, liefert es ihm auch Bildaufnahmen von US-Raketenangriffen, die frappant nach Videospielen aussehen.
Seit 1991, also als der Golfkrieg stattfand, haben sich jede Menge Leute - von ganz Rechts bis ganz Links im politischen Spektrum - angewöhnt, diesen schrecklichen Blutrausch (Golfkrieg) als ‘Operation Wüstensturm’ (Desert Storm) zu bezeichnen - oder häufig einfach als ‘Wüstensturm’. Bei beiläufigem Hinhören denkt man bei ‘Wüstensturm’ an so was wie ein Naturereignis - bzw. an höhere Gewalt. Vielleicht auch an beides zugleich - Leute wie Dick Cheney, Norman Schwarzkopf oder Colin Powell scheinen ja ohnedies zu glauben, sie hätten den ‘natürlichen’ Willen Gottes getan, indem sie einen Sturmwind entfacht und Lasergesteuerte 1000-Kilo-Bomben aus heiterem Himmel Niederregnen ließen. Vage genug ist ‘Wüstensturm’ u. lässt viel Raum für Phantasie.
Kurz nach Ende des Golfkriegs - pardon, nach dem Abflauen des ‘Wüstensturms’ - sagte der Chef des Öffentlichkeitsbüros der US-Armee, Generalmajor Charles McClain: “Die Art u. Weise, wie eine derartige Operation aufgefasst wird, ist für deren Erfolg manchmal nicht weniger entscheidend wie die eigentliche Ausführung der Operation”. Und was könnte wohl effektiver sein, um der öffentlichen Kriegs-Auffassung den richtigen Dreh zu geben (solange der Krieg in Gang ist bzw. im historischen Rückblick), als ein Saubermann-Image, das kleben bleibt? Erinnern wir uns an Oktober 2001: Die Raketen hageln schon auf Afghanistan nieder, da überrascht uns das Bush-Team mit ‘Operation Grenzenlose Gerechtigkeit’ (Infinite Justice) - kaum ausgesprochen, verschwindet der Begriff aber schnell wieder in der Schublade. Man hatte festgestellt, dass er auf Muslime beleidigend wirken kann; gemäß deren Auffassung ist nämlich nur Allah ‘grenzenlos gerecht’. Als Ersatz-Etikett für die Operation wurde anschließend ‘Ausdauernde Freiheit’ (Enduring Freedom) aus dem Hut gezogen. Dieses Etikett kam bei den amerikanischen Massenmedien äußerst gut an - was nur damit zu erklären ist, dass die heutigen US-Massenmedien eine ironie- freie Zone darstellen. Niemand - oder sagen wir mal nur den Allerfrechsten, denen mit der größten Impertinenz - kommt auch nur in den Sinn, mit ‘ausdauernd’ könnte das Bombardement gemeint sein - das auf die leidenden Afghanen niederprasseln zu lassen, sich das Pentagon die ‘Freiheit’ nahm.
Und wer bis heute immer noch nicht begriffen hat, dass unsere Exekutive (also unsere Regierung) von waschechten Geschäftsleuten gemanagt wird, die nebenbei auch noch Militäraktionen planen, der ist, mit Verlaub, wirklich naiv. Ein echter Freud’scher Versprecher, als Andrew Card, Generalstabschef des Weißen Hauses, vor einem Monat gegenüber der New York Times äußerte: “Vom marktstrategischen Gesichtspunkt aus ist es einfach Blödsinn, ein Produkt im August auf den Markt zu werfen”. War es daher purer Zufall, dass man die Bombe bzgl. „neuer und noch ausschlaggebender Fakten“ für einen Irak-Krieg (überwiegend) erst im September platzen ließ?
Und was die nahe Zukunft anbelangt: Bestimmt sind unsere Medien-Magier vom Weißen Haus schon rastlos dabei, ihre neuen Entwürfe durchzusieben - um dem kommenden Angriff auf dem Irak ein entsprechend (nettes) Etikett zu verpassen. Und keine Angst, bevor dieser Krieg zu Ende sein wird, werden wir alle mit Sicherheit dessen positiven Kode-Namen verinnerlicht haben - ganz im Gegensatz zu den Namen jener irakischen Menschen, die bis dahin in unserm Namen getötet sein werden.
Anmerkung d. Übersetzerin
*Worauf Solomon hier anspielt, ist die ‘Zusammenarbeit’ zwischen dem Fernsehsender CBS News, mit Sitz in der Madison Avenue, New York, u. dem Weißen Haus, das an der Pennsylvania Avenue in Washington liegt.


Norman Solomons aktuelles Buch 'War Made Easy: How Presidents and Pundits Keep Spinning Us to Death'
sfux - 14. Feb, 08:29 Article 1234x read