„Das System ist korrupt!"
Karl Weiss - Am Sonntag, den 19.2.06 gab es ein bemerkenswertes Spektakel auf dem Sender CNN International zu sehen: Larry King interviewte die beiden Helden des Watergate-Skandals, Woodward und Bernstein, zur aktuellen Situation in der Politik der Vereinigten Staaten. Bernstein sagte u.a.: „Das ganze politische System in den Vereinigten Staaten ist korrupt."

Wie viel Journalisten gibt es schon, von denen man sagen kann, sie hätten wesentlich zum Rücktritt eines US-Präsidenten beigetragen.
Die beiden, damals junge Journalisten im Dienst der ‚Washington Post’, wurden durch einen Informanten, der anonym blieb („Deep Throat"), auf die Machenschaften des damaligen US-Präsidenten Nixon und seiner führenden Assistenten aufmerksam gemacht. Sie recherchierten und die Chef-Redaktion der ‚Washington Post’ entschied, den Skandal ans Tageslicht zu bringen (was das letzte Mal war, dass diese einen solchen Mut aufbrachte). Kriminelle waren im Auftrag des Präsidenten in das Wahlhauptquartier der gegnerischen demokratischen Partei im Watergate-Hotel in Washington eingebrochen und hatten sensibles Material gestohlen, das mit dazu beitrug, dass Nixon damals die Wahlen für eine zweite Amtszeit gewann.
Im weiteren Verlauf des Skandals versuchte Nixon verzweifelt, den Skandal zu vertuschen. Die Helfer Ehrlichmann und Haldemann mussten für ihn die Schuld auf sich nehmen und bekamen sogar kleine Gefängnisstrafen. Am Ende stolperte Nixon über seine eigenen Lügen bei den Vertuschungsversuchen und musste zurücktreten.
Woodward und Bernstein wurden für einen Teil der US-Amerikaner und viele Journalisten zu Helden. Wie viel Journalisten gibt es schon, von denen man sagen kann, sie hätten wesentlich zum Rücktritt eines US-Präsidenten beigetragen. Es wurde ein Film gedreht, in dem Robert Redford den Woodward und Dustin Hoffman den Bernstein spielte. Der Film war ein grosser Erfolg.
Das alles war in den Siebziger Jahren. Heute sind Woodward und Bernstein ältere Herren und wohletablierte Journalisten in den USA, die hauptsächlich von ihren Büchern leben. Umso interessanter, was sie nun auf Larry Kings Fragen zu dem Lobby-Skandal oder auch Abramoff-Skandal (Die Berliner Umschau berichtete schon davon) sagten. Ihr Urteil war vernichtend, nicht nur für den Präsidenten und seine republikanische Partei, sondern für das ganze politische System der USA. „It`s all about money." „Es geht nur ums Geld." „Its not about this lobbyist, it`s all corrupt." „Es geht nicht um diesen Lobbyisten (Abramoff), es ist alles korrupt." „It`s a corrupt system." „Es ist ein korruptes System."
Der Skandal hatte u.a. aufgedeckt, dass das Abstimmungsverhalten von Abgeordneten des Repräsentantenhauses wie auch von Senatoren von zahlungskräftigen Interessengruppen für gutes Geld zu kaufen war, wenn bestimmte Lobbyisten an bestimmten Abstimmungen interessiert waren. Im Einzelfall schrieben sogar Interessenvertreter die Reden von Parlamentariern. Das betraf zwar überwiegend republikanische Volks-„Vertreter", aber auch demokratische.
In der US-Öffentlichkeit versucht die Politik krampfhaft den Eindruck zu erwecken, es handele sich um Einzelfälle, um einige wenige „faule Äpfel", aber was die beiden renommierten Journalisten sagen, ist etwas anderes. Man kann davon ausgehen, daß sie solche Dinge nicht leichtfertig aussprechen, denn sie, wenn überhaupt jemand, wissen um die Brisanz von weitgehenden Aussagen, die man an die Öffentlichkeit bringt.
Wohlgemerkt handelt es sich nicht um den Irak-Krieg, nicht um die Abhör-Affäre, jene beiden Themen, die momentan die Hauptgründe für die niedrige Popularität des Präsidenten Bush in seinem Land sind, sondern „nur" um den Skandal des Kaufs von Abgeordnetenstimmen, der in großen Teilen außerhalb des Interesses der europäischen Medien abläuft.
Damit kann man davon ausgehen, dass das politische System der Vereinigten Staaten von Amerika heute nicht einmal mehr formal eine Demokratie ist, dass Wahlen und Abstimmungen nichts als ein Rauchvorhang sind, um die unmittelbare Auslieferung der US-Machtorgane an die Meistbietenden zu verschleiern.
Deep Throat outet sich
Geheimnis um Watergate bald gelöst – Deep Throat angeblich todkrank
Im Mp3 Format: Die Smoking Gun Sequenz zwischen Nixon & Haldeman

Wie viel Journalisten gibt es schon, von denen man sagen kann, sie hätten wesentlich zum Rücktritt eines US-Präsidenten beigetragen.
Die beiden, damals junge Journalisten im Dienst der ‚Washington Post’, wurden durch einen Informanten, der anonym blieb („Deep Throat"), auf die Machenschaften des damaligen US-Präsidenten Nixon und seiner führenden Assistenten aufmerksam gemacht. Sie recherchierten und die Chef-Redaktion der ‚Washington Post’ entschied, den Skandal ans Tageslicht zu bringen (was das letzte Mal war, dass diese einen solchen Mut aufbrachte). Kriminelle waren im Auftrag des Präsidenten in das Wahlhauptquartier der gegnerischen demokratischen Partei im Watergate-Hotel in Washington eingebrochen und hatten sensibles Material gestohlen, das mit dazu beitrug, dass Nixon damals die Wahlen für eine zweite Amtszeit gewann.
Im weiteren Verlauf des Skandals versuchte Nixon verzweifelt, den Skandal zu vertuschen. Die Helfer Ehrlichmann und Haldemann mussten für ihn die Schuld auf sich nehmen und bekamen sogar kleine Gefängnisstrafen. Am Ende stolperte Nixon über seine eigenen Lügen bei den Vertuschungsversuchen und musste zurücktreten.
Woodward und Bernstein wurden für einen Teil der US-Amerikaner und viele Journalisten zu Helden. Wie viel Journalisten gibt es schon, von denen man sagen kann, sie hätten wesentlich zum Rücktritt eines US-Präsidenten beigetragen. Es wurde ein Film gedreht, in dem Robert Redford den Woodward und Dustin Hoffman den Bernstein spielte. Der Film war ein grosser Erfolg.
Das alles war in den Siebziger Jahren. Heute sind Woodward und Bernstein ältere Herren und wohletablierte Journalisten in den USA, die hauptsächlich von ihren Büchern leben. Umso interessanter, was sie nun auf Larry Kings Fragen zu dem Lobby-Skandal oder auch Abramoff-Skandal (Die Berliner Umschau berichtete schon davon) sagten. Ihr Urteil war vernichtend, nicht nur für den Präsidenten und seine republikanische Partei, sondern für das ganze politische System der USA. „It`s all about money." „Es geht nur ums Geld." „Its not about this lobbyist, it`s all corrupt." „Es geht nicht um diesen Lobbyisten (Abramoff), es ist alles korrupt." „It`s a corrupt system." „Es ist ein korruptes System."
Der Skandal hatte u.a. aufgedeckt, dass das Abstimmungsverhalten von Abgeordneten des Repräsentantenhauses wie auch von Senatoren von zahlungskräftigen Interessengruppen für gutes Geld zu kaufen war, wenn bestimmte Lobbyisten an bestimmten Abstimmungen interessiert waren. Im Einzelfall schrieben sogar Interessenvertreter die Reden von Parlamentariern. Das betraf zwar überwiegend republikanische Volks-„Vertreter", aber auch demokratische.
In der US-Öffentlichkeit versucht die Politik krampfhaft den Eindruck zu erwecken, es handele sich um Einzelfälle, um einige wenige „faule Äpfel", aber was die beiden renommierten Journalisten sagen, ist etwas anderes. Man kann davon ausgehen, daß sie solche Dinge nicht leichtfertig aussprechen, denn sie, wenn überhaupt jemand, wissen um die Brisanz von weitgehenden Aussagen, die man an die Öffentlichkeit bringt.
Wohlgemerkt handelt es sich nicht um den Irak-Krieg, nicht um die Abhör-Affäre, jene beiden Themen, die momentan die Hauptgründe für die niedrige Popularität des Präsidenten Bush in seinem Land sind, sondern „nur" um den Skandal des Kaufs von Abgeordnetenstimmen, der in großen Teilen außerhalb des Interesses der europäischen Medien abläuft.
Damit kann man davon ausgehen, dass das politische System der Vereinigten Staaten von Amerika heute nicht einmal mehr formal eine Demokratie ist, dass Wahlen und Abstimmungen nichts als ein Rauchvorhang sind, um die unmittelbare Auslieferung der US-Machtorgane an die Meistbietenden zu verschleiern.



sfux - 6. Mär, 08:30 Article 2037x read