Flugzeugabsturz in Kentucky – Erinnerungen an Hasloh
Harald Haack - In Lexington im US-Staat Kentucky stürzte am vergangenen Sonntag um 06.07 Uhr Ortszeit (12.07 MESZ) ein Regionaljet vom Typ CRJ-200 ab. An Bord befanden sich gemäß der US-Luftfahrtbehörde (FAA) 50 Menschen: 47 Passagiere und drei Crew-Mitglieder. Davon kamen 49 ums Leben, der erste Offizier überlebte schwer verletzt. Sein Zustand sei kritisch, erklärte ein Sprecher. Der Jet, eine Maschine mit zwei Heckdüsen der Gesellschaft Comair stürzte kurz nach dem Start ab.
Experten der FAA und der Flugsicherheitsbehörde (NTSB) nahmen an der Unglücksstelle sofort ihre Untersuchungen auf und sie fanden beide Flugschreiber noch am Sonntag, wie ein Behördensprecher erklärte. Doch über die Unglücksursache wurde noch nichts bekannt.
Das Linien-Flugzeug war auf dem Weg nach Atlanta, als es in leichtem Regen abstürzte. Don Bornhorst, der Chef der Fluggesellschaft Comair, eine Tochter der Delta Airlines, erklärte, die Maschine sei regelmäßig gewartet worden, zuletzt am Samstag.
Dieses Unglück, das als der schwerste Flugzeugabsturz in den USA seit fast fünf Jahren gilt, könnte eine vorangegangene Dublette haben: Am späten Nachmittag des 6. September 1971 kam es in Norddeutschland bei Hasloh/Kreis Pinneberg unmittelbar über und neben der Autobahn A7 zu einem Flugzeugabsturz. Die Piloten einer zweistrahligen BAC 1-11 mit Rolls-Royce-Triebwerken am Heck versuchten nach dem Start in Fuhlsbüttel eine Notlandung auf der A7. Die Maschine kam dabei auf die Gegenfahrbahn des fließenden Verkehrs, kollidierte mit einem Brückenpfeiler, brach auseinander und ging auf einer Wiese in Flammen auf. Etliche Passagiere wurden regelrecht zerrissen dabei. Leichenteile lagen verstreut auf der Wiese, als die Freiwillige Feuerwehr aus Hamburg-Niendorf mit den Löscharbeiten begann. 96 von 119 Insassen des Flugzeuges überlebten.
Damals lebte ich am Rand des Niendorfer Geheges in Hamburg und wurde zunächst Ohrenzeuge, später Augenzeuge der Rettungs- und Untersuchungsarbeiten.
An jenem Tag war ich gerade heim gekommen und hörte die startende Maschine, deren Turbinenlärm sofort in ein hohes Heulen wechselte, dann gab es einen Knall und unmittelbar darauf einen zweiten. Das Turbinenheulen war damit schlagartig verstummt. Als Kameraassistent der Nachrichtensendung einer ausländischen Fernsehanstalt kam ich am Abend und am nächsten Morgen zur Unglückstelle. Ein Jahr danach arbeitete ich in einem Hamburger Filmkopierwerk und überprüfte die kopierten Film von Kunden auf Entwicklungsfehler. So erhielt ich eines Tages auch einen 16mm-Film der Hamburger Polizei zur Prüfung. Die Polizei hatte damals Kodachrome zum Filmen verwendet. Kopien dieses Umkehrmaterials wiesen durchweg knallige Farben auf. Blut leuchtete in dem Film grell rot in knallig grünem Gras. Das war sehr schrecklich. Hatte ich meine Arbeit an der Unglückstelle ohne Trauma überstanden, erlitt ich im Filmkopierwerk einen leichten Schock.
Auch Jürgen, damals 8 Jahre alt, wurde nach seinen Angaben „Augenzeuge“. Er schreibt auf seiner Webseite: „Kurz nach dem Start, noch im Steigflug, fielen beide Rolls-Royce-Triebwerke im Sekundenabstand mit einem scharfem Knall aus. … Das Flugzeug setzte auf, aber es kam nicht rechtzeitig zum Stehen und kollidierte mit einer Brücke. Tragflächen und Cockpit wurden abgerissen, der gesamte Rumpf wurde in Stücke gerissen und brannte aus. Die Passagiere versuchten, aus dem brennenden Wrack zu flüchten. 99 Menschen schafften es - sie überlebten. 21 Fluggäste und 1 Besatzungsmitglied starben. Im abschließenden Unfallbericht wurde festgestellt, dass irrtümlich vom Bodenpersonal statt der benötigten Kühlflüssigkeit, Flugbenzin in die Kühlmitteltanks der Triebwerke gefüllt wurde.“
Damals wie am vergangenen Sonntag waren die Unglücksmaschinen vor dem Start gewartet worden. Die Heckdüsen betreffend ähneln sich beide Flugzeugtypen. Die Maschine der Gesellschaft Comair wurde einen Tag zuvor gewartet und blieb bis zum Start am Sonntag am Boden, wie meine Nachfragen ergaben. Sollte es auch bei dieser Maschine zu einer Verwechslung der Tank-Einfüllstutzen gekommen sein?
SPIEGEL-Online will erfahren haben, dass es möglicherweise ein Pilotenfehler war. Der Pilot soll die falsche Startbahn genommen haben. Doch, so der Spiegel: „Das Flugzeug der Airline Comair sei kurz nach dem Start etwa eine Meile von der Rollbahn entfernt in ein Waldgebiet gestürzt und in Flammen aufgegangen.“
Folglich kann es, nachdem das Flugzeug abgehoben hatte und in der Luft war, nicht die Wahl der falschen Startbahn gewesen sein. Auch damals, 1971 in Hasloh, lag die Absturzstelle gut eine Meile von der Startbahn entfernt.
Plane crash kills 49
US-Luftfahrtbehörde FAA
Jürgens WebSeite
Experten der FAA und der Flugsicherheitsbehörde (NTSB) nahmen an der Unglücksstelle sofort ihre Untersuchungen auf und sie fanden beide Flugschreiber noch am Sonntag, wie ein Behördensprecher erklärte. Doch über die Unglücksursache wurde noch nichts bekannt.
Das Linien-Flugzeug war auf dem Weg nach Atlanta, als es in leichtem Regen abstürzte. Don Bornhorst, der Chef der Fluggesellschaft Comair, eine Tochter der Delta Airlines, erklärte, die Maschine sei regelmäßig gewartet worden, zuletzt am Samstag.
Dieses Unglück, das als der schwerste Flugzeugabsturz in den USA seit fast fünf Jahren gilt, könnte eine vorangegangene Dublette haben: Am späten Nachmittag des 6. September 1971 kam es in Norddeutschland bei Hasloh/Kreis Pinneberg unmittelbar über und neben der Autobahn A7 zu einem Flugzeugabsturz. Die Piloten einer zweistrahligen BAC 1-11 mit Rolls-Royce-Triebwerken am Heck versuchten nach dem Start in Fuhlsbüttel eine Notlandung auf der A7. Die Maschine kam dabei auf die Gegenfahrbahn des fließenden Verkehrs, kollidierte mit einem Brückenpfeiler, brach auseinander und ging auf einer Wiese in Flammen auf. Etliche Passagiere wurden regelrecht zerrissen dabei. Leichenteile lagen verstreut auf der Wiese, als die Freiwillige Feuerwehr aus Hamburg-Niendorf mit den Löscharbeiten begann. 96 von 119 Insassen des Flugzeuges überlebten.
Damals lebte ich am Rand des Niendorfer Geheges in Hamburg und wurde zunächst Ohrenzeuge, später Augenzeuge der Rettungs- und Untersuchungsarbeiten.
An jenem Tag war ich gerade heim gekommen und hörte die startende Maschine, deren Turbinenlärm sofort in ein hohes Heulen wechselte, dann gab es einen Knall und unmittelbar darauf einen zweiten. Das Turbinenheulen war damit schlagartig verstummt. Als Kameraassistent der Nachrichtensendung einer ausländischen Fernsehanstalt kam ich am Abend und am nächsten Morgen zur Unglückstelle. Ein Jahr danach arbeitete ich in einem Hamburger Filmkopierwerk und überprüfte die kopierten Film von Kunden auf Entwicklungsfehler. So erhielt ich eines Tages auch einen 16mm-Film der Hamburger Polizei zur Prüfung. Die Polizei hatte damals Kodachrome zum Filmen verwendet. Kopien dieses Umkehrmaterials wiesen durchweg knallige Farben auf. Blut leuchtete in dem Film grell rot in knallig grünem Gras. Das war sehr schrecklich. Hatte ich meine Arbeit an der Unglückstelle ohne Trauma überstanden, erlitt ich im Filmkopierwerk einen leichten Schock.
Auch Jürgen, damals 8 Jahre alt, wurde nach seinen Angaben „Augenzeuge“. Er schreibt auf seiner Webseite: „Kurz nach dem Start, noch im Steigflug, fielen beide Rolls-Royce-Triebwerke im Sekundenabstand mit einem scharfem Knall aus. … Das Flugzeug setzte auf, aber es kam nicht rechtzeitig zum Stehen und kollidierte mit einer Brücke. Tragflächen und Cockpit wurden abgerissen, der gesamte Rumpf wurde in Stücke gerissen und brannte aus. Die Passagiere versuchten, aus dem brennenden Wrack zu flüchten. 99 Menschen schafften es - sie überlebten. 21 Fluggäste und 1 Besatzungsmitglied starben. Im abschließenden Unfallbericht wurde festgestellt, dass irrtümlich vom Bodenpersonal statt der benötigten Kühlflüssigkeit, Flugbenzin in die Kühlmitteltanks der Triebwerke gefüllt wurde.“
Damals wie am vergangenen Sonntag waren die Unglücksmaschinen vor dem Start gewartet worden. Die Heckdüsen betreffend ähneln sich beide Flugzeugtypen. Die Maschine der Gesellschaft Comair wurde einen Tag zuvor gewartet und blieb bis zum Start am Sonntag am Boden, wie meine Nachfragen ergaben. Sollte es auch bei dieser Maschine zu einer Verwechslung der Tank-Einfüllstutzen gekommen sein?
SPIEGEL-Online will erfahren haben, dass es möglicherweise ein Pilotenfehler war. Der Pilot soll die falsche Startbahn genommen haben. Doch, so der Spiegel: „Das Flugzeug der Airline Comair sei kurz nach dem Start etwa eine Meile von der Rollbahn entfernt in ein Waldgebiet gestürzt und in Flammen aufgegangen.“
Folglich kann es, nachdem das Flugzeug abgehoben hatte und in der Luft war, nicht die Wahl der falschen Startbahn gewesen sein. Auch damals, 1971 in Hasloh, lag die Absturzstelle gut eine Meile von der Startbahn entfernt.



sfux - 28. Aug, 08:31 Article 4530x read