Kyrills Jaulen und die Leiden der TV-Reporter
Harald Haack – Der Luftdruck sank am Donnerstag, dem 18. Januar 2007, recht schnell, dann kam der Sturm, sang auch – aber anders - und wuchs zum heulenden Orkan heran. Das Orkantief, das über Europa hinweg fauchte, wurde von Meteorologen „Kyrill“ genannt, dem Namen mehrerer Heiliger der christlichen Kirche. Der Älteste derer soll ein cholerischer Kerl gewesen sein, ziemlich fies, ungestüm und undiplomatisch. Ein richtiges Ekel, obwohl die griechische Bedeutung seines Namens nicht „der Herrische“ bedeutet, sondern „der Herrliche“.
Der Name des Orkantiefs „Kyrill“ wurde für Kyrill Genow zum Geschenk zu seinem 65. Geburtstag. Das Institut für Meteorologie der FU Berlin vermarktet Namenspatenschaft für Hoch- und Tiefdruckgebiete. Genows Sohn, von dem das Geschenk kam, sagte den „Lübecker Nachrichten“: „Eigentlich sollte es ein Hochdruckgebiet werden, aber das gab es nicht mehr. Nun ist es ein Sturmtief geworden, und wir hoffen selber, dass wir glimpflich davonkommen“. Glück gehabt, denn Hochdruckgebiete kosten 299 Euro, Tiefdruckgebiete dagegen „nur“ 199 Euro.
Alle Räder standen still
Weniger Glück hatten alle Bahnreisende. Nachdem ein Intercity der Deutschen Bahn am Donnerstag nahe Wilster (Kreis Steinburg) gegen einen vom Sturm abgebrochenen Baum fuhr, wurde bundesweit der Zugverkehr eingestellt. Bei dem Zusammenstoß mit dem Baum kamen Hunderte Passagiere auf dem Weg von Sylt nach Hamburg mit dem Schrecken davon, sagten Sprecher der Bundespolizei Flensburg und der Bahn AG. Verletzte soll es nicht gegeben haben, denn der Zug wurde auch nicht aus dem Gleis geworfen. Aber die Lok war wegen der Schäden an Kabeln und Schläuchen nicht mehr fahrtüchtig und wurde wegrangiert.
Klitschnass
In Hamburg hatte am Donnerstagnachmittag ebenfalls ein Baum den S-Bahnverkehr unterbrochen. Nahe der Station Hamburg- Neuwiedenthal (im Süden Hamburgs) entwurzelte eine Sturmböe den Baum. Er drohte auf die Gleise zu stürzen. Der Verkehr wurde aus Sicherheitsgründen auf der S-Bahnstrecke unterbrochen. Reisende mussten in Ersatzbusse umsteigen. Ihnen klatschte dabei der strömende Regen wild in die Gesichter.
An der Waterkant
Am früheren Abend erreichte „Kyrill“ die Nordseeinsel Sylt mit seiner zweiten Front. Bei Windgeschwindigkeiten bis zu 100 Kilometern pro Stunde liefen bis zu zweieinhalb Meter hohe Wellen auf die Uferpromenade in Westerland zu und erreichten deren Fuß. Vorsorglich wurden einige Busverbindungen auf Deutschland Urlaubsinsel eingestellt, ebenso die Fähre zwischen Sylt und der dänischen Insel Römö. Und es gab neue Warnungen: Für den Abend wurden noch Wellen mit einer Höhe bis zu dreieinhalb Metern und mehr erwartet. Der Orkan könnte sich auf 120 und in Böen auf 140 Kilometer pro Stunde steigern, warnte der Deutsche Wetterdienst.
Während die Fernsehteams bei dieser abenteuerlich steifen „Brise“ ausrückten, um abends für die ARD-Tagesschau und eine nachfolgende Sondersendung zu berichten, wies die Wasserschutzpolizei Husum darauf hin, vom Sturm losgerissene und auf die Strände gespülte Schiffsladung müsse vom Finder dem Ordnungsamt gemeldet werden. Wer Strandgut behalte, ohne die Behörden zu informieren, mache sich strafbar, erklärte der Hauptzollamtleiter Jürgen Thiele. Schließlich seien erst in der vergangenen Woche Teile einer Schiffsladung an die Westküste Schleswig Holsteins getrieben worden. Teilweise per Schubkarre hätten „Sturmtouristen“ Lederschuhe aus China abtransportiert. Die Schuhe stammten von einem Frachter, der bei stürmischer See zehn Container verloren haben soll. Die Ware wird nun am Zoll vorbei ihre Besitze gefunden haben. Möglich ist, dass es sich um Markenfälschungen handelt.
Und damit sonst nichts weiter an den Stränden passiert, warnte die Wasserschutzpolizei in Schleswig-Holstein Schaulustige eindringlich, nicht in der Nacht auf Deichen und Sperrwerken die Naturgewalten von „Kyrill“ hautnah erleben zu wollen. Der Aufenthalt im Freien sei bei der Wetterlage mit erheblichen persönlichen Gefahren verbunden, sagte Polizeisprecher Wolfgang Boe in Husum. Gleichzeitig forderte er Freizeitskipper und Bootseigner auf, zu überprüfen, ob ihre Schiffe sicher vertäut sind. Es soll wohl immer noch Menschen geben, die in solchen Dingen zu relax sind.
Ausgenutzt
Greenpeace nutzte das Medieninteresse, um inmitten des schweren Sturms an der Nordseeküste auf Sylt einen besseren Klimaschutz zu fordern und vor einer drohenden Zerstörung der Insel zu warnen. „Mit Küstenschutzmaßnahmen wie Sandvorspülungen ist Sylt auf Dauer nicht zu retten“, sagte Greenpeace-Experte Jörg Feddern am Donnerstag. Die Insel sei ein Beispiel dafür, dass der weltweite Klimawandel erste Opfer fordere. Die ungewöhnlich heftigen Stürme seien eine Folge der Erderwärmung. Sollten die Polkappen schmelzen, drohte den Nordseeinseln noch weit größere Gefahr, sagte Feddern. Nun müsse die Politik dringend handeln und weltweit das Klima schützen.
Schon vor 30 Jahren warnten Wissenschaftler vor diesen Klimawandel und schätzten, ab 2006/2007 käme es in Europa zu Naturkatastrophen, zu enormer Hitze und heftigen Regenfällen, zu Überschwemmungen und grauenvollen Stürmen. Da wir nun hautnah erleben, dass die Prognose stimmte und da das „Schiff“ schon sinkt, warnen Umweltschützer aber immer noch unbeirrt vor dem Untergang. Auch in ihren Köpfen muss bald ein Umdenken stattfinden. Eine der sicherlich dringendsten Fragen sollte sein: Was können wir noch retten und wie könnte dies geschehen? Vorschläge sind notwendig.
Am Orkantag: Zwei kuriose Verkehrsunfälle
Die Polizei geht davon aus, nicht der Sturm habe den Unfall verursacht, sondern mehrere auf der Fahrbahn liegende verrostete Bremsscheiben. Die sollen vermutlich von einem Laster gefallen sein. Opfer wurde ein 31 Jahre alter Autofahrer. Er habe die Gewalt über sein Auto verloren, als er bei strömendem Regen über die Metallteile gefahren sei, die auf der Fahrbahn der Autobahn 1 (Hamburg-Oldenburg) bei Lübeck lagen, sagte ein Polizeisprecher. Das Fahrzeug war dann gegen die Mittelleitplanke geprallt. Der Fahrer erlitt schwere Arm- und Rückenverletzungen.
Entweder hatte der Orkan einen Hamburger während seiner Autofahrt durch Oststeinbek (Kreis Stormarn) zu sehr belastet – oder war es die Angst wegen der zuvor von ihm konsumierten Menge Alkohol gewesen erwischt zu werden, dass er sich an einem „Duft“-Bonbon verschluckte und bei dem Hustenanfall die Kontrolle über seinen Wagen verlor. Er stieß zunächst an ein am linken Straßenrand geparktes Auto, das dann gegen einen weiteren Wagen prallte. Die Polizisten maßen im Atem des 52-jährigen 0,43 Promille Alkohol. An den Autos entstand ein Schaden von 16.000 Euro.
Die Leiden der TV-Reporter
In den TV-Redaktionen waren die Leitenden wieder in ihrem Element, und die Leidtragenden waren jene, die von ihnen heraus geschickt wurden, um abends vor der Kamera im Regen und Sturm mit gequälten Gesichtsausdruck ein paar banale Sätze aufzusagen. Ihr Job!
„Die Nachrichten überschlagen sich“, hieß es oft plakativ und einfältig zugleich in Anmoderationen. Und da waren sie wieder, die tagsüber noch gestellten Einstellungen, die nur eines zeigen sollten: Es stürmt. Seltsamerweise wurden immer wieder offenkundig totale Idioten gezeigt, die mitten im Orkan einen Regenschirm aufspannten und mit dem umgestülpten oder platt gedrückten Schirm kämpften. Einmal war eine Frau mit aufgespanntem Schirm zu sehen. Sie zählte wahrscheinlich zu einer Gruppe von Müttern, die ihre Kinder von der Schule abholten. Ganz klar: Sie hatte solche Slapstick-Nummern schon oft im Fernsehen gesehen und wusste, was zu tun ist, um auch einmal ins Fernsehen kommen.
Mensch, Kameraleute! Lasst Euch doch mal was Neues einfallen, um „Wetterbilder“ einzufangen.
Wie wäre denn beispielsweise mit ein paar Dutzend Klopapierrollen, die Ihr vorher abrollen und auf eine gegen den Sturm ankämpfende Gruppe von Passanten zuwehen lasst. Das gab es noch nie in den TV-Nachrichten. Mit Klopapier kämpfende Menschen im Sturm!
Auch ein kleines Kind, das von seinem selbstgebastelten Drachen durch die Luft gerissen und in etwa 10 Meter Höhe davon geweht wird, wäre noch drin – obwohl die Einstellung sicherlich eine umfangreiche Nachbearbeitung erforderlich macht – wer will schon tatsächlich ein Kind dafür opfern. Ach, das wäre dann eine Fälschung? Nun, die Regenschirm-Akrobaten sind es auch, und es gebe garantiert noch viele Beispiele von gesendeten Fälschungen, die in den TV-Nachrichten gezeigt wurden.
„Panoptikum“ der TV-Macher

Aus der Sondersendung der ARD zum Orkantief „Kyrill“. Im Hintergrund auf dem Studiomonitor ein „in Szene gesetzter Regenschirm-Akrobat“. © ARD
Kachelmanns Auftritt. Probleme mit dem „Hall im Ohr“. Etwas füllig geworden der Herr! Dank des Anti-Sturm-Joghurts, für den er wirbt ? © ARD

Der da im warmen, trockenen Studio und jener da draußen bei Sturm und Regen, live vom Frankfurter Flughafen. © ARD
Ulli Meerkamm: Er sprach nur übers Wetter, nicht über Zahnweh und litt ganz offensichtlich. Kein Wunder: Wer traut sich schon im schwarzen Anzug in einen solchen Orkan? Mann Ulli! Wozu hat die ARD Wetterjacken? © ARD
Matthias Weidner: Passend gekleidet. Gespondert von der ARD „Das Erste“? Sogar der Windjammer, wie die Mikrophonüberzieher genannt werden, war farblich abgestimmt. © ARD

Marion Schmickler: Keine Probleme mit der Frisur, denn sie machte ihren Aufsager aus der Abfertigungshalle des Köln-Bonner Flughafens. Clever die Frau! © ARD

Hatte keinen Frosch verschluckt, obwohl er so ausschaut, aber Herr Plöger durfte aus dem Studio heraus für den WDR regional übers Wetter reden. © WDR

Sonja Harpers: Kämpfte mit sich, ihrer Frisur und dem Orkan – live aus Winterberg. Gut, dass die Kneipe dort extra noch fürs WDR-Team geöffnet hatte. Sie sei ja nur kurz für den Aufsager heraus gegangen, ansonsten hingen sie alle drinnen herum. Also, Herr Wirt! Ich nehm dann auch noch einen… © WDR
Thorsten Schuld: In Monschau gab’s heftige Überschwemmungen und Regen und Sturm. Mehr nicht? Doch eine Moderatorin im schön warmen Studio… © WDR
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Der Name des Orkantiefs „Kyrill“ wurde für Kyrill Genow zum Geschenk zu seinem 65. Geburtstag. Das Institut für Meteorologie der FU Berlin vermarktet Namenspatenschaft für Hoch- und Tiefdruckgebiete. Genows Sohn, von dem das Geschenk kam, sagte den „Lübecker Nachrichten“: „Eigentlich sollte es ein Hochdruckgebiet werden, aber das gab es nicht mehr. Nun ist es ein Sturmtief geworden, und wir hoffen selber, dass wir glimpflich davonkommen“. Glück gehabt, denn Hochdruckgebiete kosten 299 Euro, Tiefdruckgebiete dagegen „nur“ 199 Euro.
Alle Räder standen still
Weniger Glück hatten alle Bahnreisende. Nachdem ein Intercity der Deutschen Bahn am Donnerstag nahe Wilster (Kreis Steinburg) gegen einen vom Sturm abgebrochenen Baum fuhr, wurde bundesweit der Zugverkehr eingestellt. Bei dem Zusammenstoß mit dem Baum kamen Hunderte Passagiere auf dem Weg von Sylt nach Hamburg mit dem Schrecken davon, sagten Sprecher der Bundespolizei Flensburg und der Bahn AG. Verletzte soll es nicht gegeben haben, denn der Zug wurde auch nicht aus dem Gleis geworfen. Aber die Lok war wegen der Schäden an Kabeln und Schläuchen nicht mehr fahrtüchtig und wurde wegrangiert.
Klitschnass
In Hamburg hatte am Donnerstagnachmittag ebenfalls ein Baum den S-Bahnverkehr unterbrochen. Nahe der Station Hamburg- Neuwiedenthal (im Süden Hamburgs) entwurzelte eine Sturmböe den Baum. Er drohte auf die Gleise zu stürzen. Der Verkehr wurde aus Sicherheitsgründen auf der S-Bahnstrecke unterbrochen. Reisende mussten in Ersatzbusse umsteigen. Ihnen klatschte dabei der strömende Regen wild in die Gesichter.
An der Waterkant
Am früheren Abend erreichte „Kyrill“ die Nordseeinsel Sylt mit seiner zweiten Front. Bei Windgeschwindigkeiten bis zu 100 Kilometern pro Stunde liefen bis zu zweieinhalb Meter hohe Wellen auf die Uferpromenade in Westerland zu und erreichten deren Fuß. Vorsorglich wurden einige Busverbindungen auf Deutschland Urlaubsinsel eingestellt, ebenso die Fähre zwischen Sylt und der dänischen Insel Römö. Und es gab neue Warnungen: Für den Abend wurden noch Wellen mit einer Höhe bis zu dreieinhalb Metern und mehr erwartet. Der Orkan könnte sich auf 120 und in Böen auf 140 Kilometer pro Stunde steigern, warnte der Deutsche Wetterdienst.
Während die Fernsehteams bei dieser abenteuerlich steifen „Brise“ ausrückten, um abends für die ARD-Tagesschau und eine nachfolgende Sondersendung zu berichten, wies die Wasserschutzpolizei Husum darauf hin, vom Sturm losgerissene und auf die Strände gespülte Schiffsladung müsse vom Finder dem Ordnungsamt gemeldet werden. Wer Strandgut behalte, ohne die Behörden zu informieren, mache sich strafbar, erklärte der Hauptzollamtleiter Jürgen Thiele. Schließlich seien erst in der vergangenen Woche Teile einer Schiffsladung an die Westküste Schleswig Holsteins getrieben worden. Teilweise per Schubkarre hätten „Sturmtouristen“ Lederschuhe aus China abtransportiert. Die Schuhe stammten von einem Frachter, der bei stürmischer See zehn Container verloren haben soll. Die Ware wird nun am Zoll vorbei ihre Besitze gefunden haben. Möglich ist, dass es sich um Markenfälschungen handelt.
Und damit sonst nichts weiter an den Stränden passiert, warnte die Wasserschutzpolizei in Schleswig-Holstein Schaulustige eindringlich, nicht in der Nacht auf Deichen und Sperrwerken die Naturgewalten von „Kyrill“ hautnah erleben zu wollen. Der Aufenthalt im Freien sei bei der Wetterlage mit erheblichen persönlichen Gefahren verbunden, sagte Polizeisprecher Wolfgang Boe in Husum. Gleichzeitig forderte er Freizeitskipper und Bootseigner auf, zu überprüfen, ob ihre Schiffe sicher vertäut sind. Es soll wohl immer noch Menschen geben, die in solchen Dingen zu relax sind.
Ausgenutzt
Greenpeace nutzte das Medieninteresse, um inmitten des schweren Sturms an der Nordseeküste auf Sylt einen besseren Klimaschutz zu fordern und vor einer drohenden Zerstörung der Insel zu warnen. „Mit Küstenschutzmaßnahmen wie Sandvorspülungen ist Sylt auf Dauer nicht zu retten“, sagte Greenpeace-Experte Jörg Feddern am Donnerstag. Die Insel sei ein Beispiel dafür, dass der weltweite Klimawandel erste Opfer fordere. Die ungewöhnlich heftigen Stürme seien eine Folge der Erderwärmung. Sollten die Polkappen schmelzen, drohte den Nordseeinseln noch weit größere Gefahr, sagte Feddern. Nun müsse die Politik dringend handeln und weltweit das Klima schützen.
Schon vor 30 Jahren warnten Wissenschaftler vor diesen Klimawandel und schätzten, ab 2006/2007 käme es in Europa zu Naturkatastrophen, zu enormer Hitze und heftigen Regenfällen, zu Überschwemmungen und grauenvollen Stürmen. Da wir nun hautnah erleben, dass die Prognose stimmte und da das „Schiff“ schon sinkt, warnen Umweltschützer aber immer noch unbeirrt vor dem Untergang. Auch in ihren Köpfen muss bald ein Umdenken stattfinden. Eine der sicherlich dringendsten Fragen sollte sein: Was können wir noch retten und wie könnte dies geschehen? Vorschläge sind notwendig.
Am Orkantag: Zwei kuriose Verkehrsunfälle
Die Polizei geht davon aus, nicht der Sturm habe den Unfall verursacht, sondern mehrere auf der Fahrbahn liegende verrostete Bremsscheiben. Die sollen vermutlich von einem Laster gefallen sein. Opfer wurde ein 31 Jahre alter Autofahrer. Er habe die Gewalt über sein Auto verloren, als er bei strömendem Regen über die Metallteile gefahren sei, die auf der Fahrbahn der Autobahn 1 (Hamburg-Oldenburg) bei Lübeck lagen, sagte ein Polizeisprecher. Das Fahrzeug war dann gegen die Mittelleitplanke geprallt. Der Fahrer erlitt schwere Arm- und Rückenverletzungen.
Entweder hatte der Orkan einen Hamburger während seiner Autofahrt durch Oststeinbek (Kreis Stormarn) zu sehr belastet – oder war es die Angst wegen der zuvor von ihm konsumierten Menge Alkohol gewesen erwischt zu werden, dass er sich an einem „Duft“-Bonbon verschluckte und bei dem Hustenanfall die Kontrolle über seinen Wagen verlor. Er stieß zunächst an ein am linken Straßenrand geparktes Auto, das dann gegen einen weiteren Wagen prallte. Die Polizisten maßen im Atem des 52-jährigen 0,43 Promille Alkohol. An den Autos entstand ein Schaden von 16.000 Euro.
Die Leiden der TV-Reporter
In den TV-Redaktionen waren die Leitenden wieder in ihrem Element, und die Leidtragenden waren jene, die von ihnen heraus geschickt wurden, um abends vor der Kamera im Regen und Sturm mit gequälten Gesichtsausdruck ein paar banale Sätze aufzusagen. Ihr Job!
„Die Nachrichten überschlagen sich“, hieß es oft plakativ und einfältig zugleich in Anmoderationen. Und da waren sie wieder, die tagsüber noch gestellten Einstellungen, die nur eines zeigen sollten: Es stürmt. Seltsamerweise wurden immer wieder offenkundig totale Idioten gezeigt, die mitten im Orkan einen Regenschirm aufspannten und mit dem umgestülpten oder platt gedrückten Schirm kämpften. Einmal war eine Frau mit aufgespanntem Schirm zu sehen. Sie zählte wahrscheinlich zu einer Gruppe von Müttern, die ihre Kinder von der Schule abholten. Ganz klar: Sie hatte solche Slapstick-Nummern schon oft im Fernsehen gesehen und wusste, was zu tun ist, um auch einmal ins Fernsehen kommen.
Mensch, Kameraleute! Lasst Euch doch mal was Neues einfallen, um „Wetterbilder“ einzufangen.
Wie wäre denn beispielsweise mit ein paar Dutzend Klopapierrollen, die Ihr vorher abrollen und auf eine gegen den Sturm ankämpfende Gruppe von Passanten zuwehen lasst. Das gab es noch nie in den TV-Nachrichten. Mit Klopapier kämpfende Menschen im Sturm!
Auch ein kleines Kind, das von seinem selbstgebastelten Drachen durch die Luft gerissen und in etwa 10 Meter Höhe davon geweht wird, wäre noch drin – obwohl die Einstellung sicherlich eine umfangreiche Nachbearbeitung erforderlich macht – wer will schon tatsächlich ein Kind dafür opfern. Ach, das wäre dann eine Fälschung? Nun, die Regenschirm-Akrobaten sind es auch, und es gebe garantiert noch viele Beispiele von gesendeten Fälschungen, die in den TV-Nachrichten gezeigt wurden.
„Panoptikum“ der TV-Macher

Aus der Sondersendung der ARD zum Orkantief „Kyrill“. Im Hintergrund auf dem Studiomonitor ein „in Szene gesetzter Regenschirm-Akrobat“. © ARD
Kachelmanns Auftritt. Probleme mit dem „Hall im Ohr“. Etwas füllig geworden der Herr! Dank des Anti-Sturm-Joghurts, für den er wirbt ? © ARD

Der da im warmen, trockenen Studio und jener da draußen bei Sturm und Regen, live vom Frankfurter Flughafen. © ARD

Ulli Meerkamm: Er sprach nur übers Wetter, nicht über Zahnweh und litt ganz offensichtlich. Kein Wunder: Wer traut sich schon im schwarzen Anzug in einen solchen Orkan? Mann Ulli! Wozu hat die ARD Wetterjacken? © ARD
Matthias Weidner: Passend gekleidet. Gespondert von der ARD „Das Erste“? Sogar der Windjammer, wie die Mikrophonüberzieher genannt werden, war farblich abgestimmt. © ARD

Marion Schmickler: Keine Probleme mit der Frisur, denn sie machte ihren Aufsager aus der Abfertigungshalle des Köln-Bonner Flughafens. Clever die Frau! © ARD

Hatte keinen Frosch verschluckt, obwohl er so ausschaut, aber Herr Plöger durfte aus dem Studio heraus für den WDR regional übers Wetter reden. © WDR

Sonja Harpers: Kämpfte mit sich, ihrer Frisur und dem Orkan – live aus Winterberg. Gut, dass die Kneipe dort extra noch fürs WDR-Team geöffnet hatte. Sie sei ja nur kurz für den Aufsager heraus gegangen, ansonsten hingen sie alle drinnen herum. Also, Herr Wirt! Ich nehm dann auch noch einen… © WDR
Thorsten Schuld: In Monschau gab’s heftige Überschwemmungen und Regen und Sturm. Mehr nicht? Doch eine Moderatorin im schön warmen Studio… © WDR
© 2007 Copyright by Harald Haack - Alle Rechte vorbehalten. Die Übernahme und Nutzung des Artikels und der Fotos zu anderen Zwecken und auf anderen WebSeiten und in Print-Medien sowie Fernsehen und Hörfunk bedarf der schriftlichen Zustimmung des Autoren.
sfux - 19. Jan, 08:07 Article 5281x read