Kreuzfahrtschiff von „starker Strömung“ erfaßt – Seemannsgarn des Kapitäns?
onlineredaktion - Der griechische Rundfunk soll gestern die Meldung gesendet haben, der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes „Sea Diamond“ sei von der Staatsanwaltschaft verhört worden und habe die „volle Verantwortung“ für das Unglück übernommen. Sein Schiff war am Nachmittag des 5. April 2007 an einem Riff in Nähe des Hafens der Insel Santorin gestrandet, daraufhin gekentert und am darauffolgenden Tag – nachdem Rettungskräfte fast alle Passagiere und Besatzungsmitglieder vom Schiff geholt hatten – gesunken. Starke Strömungen hätten das Schiff vom Kurs abgebracht. Eine Kollision mit dem Riff habe er deshalb nicht mehr verhindern können.

Die gestrandete "Sea Diamond". © Foto: Mads Hansen

Die gesunkene "Sea Diamond".© Foto: Athina TV
„Alles Unsinn!“ meint Mads Hansen. Der dänische Skipper hielt sich mit seiner Yacht im Hafen von Naxos auf, wo wir ihn gestern telefonisch erreichten. „Da gibt es höchstens in der Mitte der Kaldera des ehemaligen Vulkans von Santorini eine kleine Insel, bei der es qualmt und mächtig nach Schwefelgas stinkt,“ sagt er. „Aber Strömungen, die kräftig genug sind einen solchen Koloss von Kreuzfahrtschiff auf ein Riff zu drücken, gibt es dort nicht.“
Auch der in Kalkar lebende Segler Helmut van Straelen hält die Aussage des Kapitäns für eine faule Ausrede: „Es gibt für alle Skipper, Schiffer, Kapitäne jede Menge Möglichkeiten sich über gefährliche Gebiete genau zu informieren. Ich kenne diese Inselgruppe aus eigenen Segeltagen ziemlich gut. Eine Strömung gibt es und kann es dort nicht geben - wegen der fehlenden Tide. Allerdings ist dieses Gebiet gespickt mit gefährlichen Untiefen (Felsen), die zum Teil unter Wasser liegen und deshalb nicht zu erkennen sind. Trotzdem - die gesamte Ägäis ist hervorragend vermessen. Dies schon seit den Tagen der alten Griechen, Türken und Römer. Das Seegebiet war das erste Revier, welches komplett mit allen Untiefen und Buchten seit mehr als 2.000 Jahren für alle Boote keine Gefahr mehr darstellt, wenn man sich schlau gemacht hat und aktuelle Seekarten nutzt. Das mit der Strömung ist eine faule Ausrede, weil schlicht gepennt wurde.“
Eine einzige Möglichkeit, die im Mittelmeer vor Santorin eine Strömung erzeugen könnte, wäre ein Tsunamie, der von einem Seebeben verursacht wurde. Doch das konnte bei den Erdbebenwarten nicht registriert werden. Die letzten Erdbeben liegen für die Entstehung eines Tsunami auch schon zu weit zurück und ereigneten sich am 25. und 30. März 2007 in der Türkei. Auch aus unterseeischen Erdspalten entwichene vulkanische Gase hätten eine Strömung verursachen können, doch in dieser Menge, die notwendig ist, um eine Strömung zu erzeugen, wären die Gase nach oben zur Meeresoberfläche aufgestiegen und man hätte sie riechen können. Darüber aber gibt es keine Zeugenaussage; jedenfalls noch nicht…
Private Webseite von Helmut van Straelen
Taucher im Kreuzfahrtschiff „Sea Diamond“
Kreuzfahrtschiff gesunken – „Es ging alles sehr schnell…“
Kreuzfahrtschiff droht vor Santorini zu kentern

Die gestrandete "Sea Diamond". © Foto: Mads Hansen

Die gesunkene "Sea Diamond".© Foto: Athina TV
„Alles Unsinn!“ meint Mads Hansen. Der dänische Skipper hielt sich mit seiner Yacht im Hafen von Naxos auf, wo wir ihn gestern telefonisch erreichten. „Da gibt es höchstens in der Mitte der Kaldera des ehemaligen Vulkans von Santorini eine kleine Insel, bei der es qualmt und mächtig nach Schwefelgas stinkt,“ sagt er. „Aber Strömungen, die kräftig genug sind einen solchen Koloss von Kreuzfahrtschiff auf ein Riff zu drücken, gibt es dort nicht.“
Auch der in Kalkar lebende Segler Helmut van Straelen hält die Aussage des Kapitäns für eine faule Ausrede: „Es gibt für alle Skipper, Schiffer, Kapitäne jede Menge Möglichkeiten sich über gefährliche Gebiete genau zu informieren. Ich kenne diese Inselgruppe aus eigenen Segeltagen ziemlich gut. Eine Strömung gibt es und kann es dort nicht geben - wegen der fehlenden Tide. Allerdings ist dieses Gebiet gespickt mit gefährlichen Untiefen (Felsen), die zum Teil unter Wasser liegen und deshalb nicht zu erkennen sind. Trotzdem - die gesamte Ägäis ist hervorragend vermessen. Dies schon seit den Tagen der alten Griechen, Türken und Römer. Das Seegebiet war das erste Revier, welches komplett mit allen Untiefen und Buchten seit mehr als 2.000 Jahren für alle Boote keine Gefahr mehr darstellt, wenn man sich schlau gemacht hat und aktuelle Seekarten nutzt. Das mit der Strömung ist eine faule Ausrede, weil schlicht gepennt wurde.“
Eine einzige Möglichkeit, die im Mittelmeer vor Santorin eine Strömung erzeugen könnte, wäre ein Tsunamie, der von einem Seebeben verursacht wurde. Doch das konnte bei den Erdbebenwarten nicht registriert werden. Die letzten Erdbeben liegen für die Entstehung eines Tsunami auch schon zu weit zurück und ereigneten sich am 25. und 30. März 2007 in der Türkei. Auch aus unterseeischen Erdspalten entwichene vulkanische Gase hätten eine Strömung verursachen können, doch in dieser Menge, die notwendig ist, um eine Strömung zu erzeugen, wären die Gase nach oben zur Meeresoberfläche aufgestiegen und man hätte sie riechen können. Darüber aber gibt es keine Zeugenaussage; jedenfalls noch nicht…




onlineredaktion - 8. Apr, 12:25 Article 3895x read