Tratschundlaber
Sonja Wenger - Die Vize-Miss Schweiz Xenia Tchoumitcheva war am Tag der Frau im Bundeshaus zu Besuch und gemäss «Facts» fand sie das «einfach toll. Die Leute, die Stimmung – es war faszinierend». Jaja, denn da wird knallharte Politik gemacht. Ganz besonders Frauenpolitik. Das kann man jetzt ja wieder verschärft im «SonntagsBlick» nachlesen.
Mit der üblichen rhetorischen Angstmache prophezeit uns Ueli Maurer «Zustände wie in der DDR», denn es «ist schlecht, wenn Mütter arbeiten». Aber schliesslich «steht die SVP dazu, dass es zwischen Mann und Frau Unterschiede gibt». Es sei nicht Aufgabe des Staates, zum Beispiel für die Kinderbetreuung zu sorgen. Eine allgemein beliebte Wendung, die aber eher an den beissenden Geruch von brennenden Hexen- Scheiterhaufen erinnert.
Wer links wählt, der oder die habe zumindest gemäss Maurer «nicht alle Tassen im Schrank». Diese Beobachtung mag zwar angesichts der egozentrischen Scheuklappenhaltung vieler durchaus stimmen, hört sich aber aus dem Mund eines SVP-Heinis wie ein Kompliment an. Schliesslich glauben die ja sonst auch jeden Mist, zum Beispiel dass die Wirtschaft zum Wohle aller handelt. Oder dass der Mensch am sechsten Tag aus einem Klumpen Dreck erschaffen wurde, entsprechend nicht mehr Wert besitzt und ausschliesslich als Figuren im «Was macht mich noch reicher»-Schachbrett einer Politik dient, die so unverfroren mit der Wirtschaft ins Bett geht, dass es an durchschaubarer Widerlichkeit kaum noch zu übertreffen ist.
Der Sexappeal von Frauen wird übrigens gemäss einer Universitätsstudie aus New York durch den Gang und eine Sanduhrfigur definiert. Wer mit «stolzer Schulter», schmaler Taille und breiten Hüften einhergeht wird in männlichen Augen als attraktiv eingestuft. Das sind schockierend relevante News.
Direkter war da schon Thomas Meyer in seinem «Weltwoche»-Beitrag «Ja, ich will mit dir schlafen» und der in seiner Ehrlichkeit bestechenden Grundaussage, dass «sexy das Adjektiv zu Sex ist». Eine Frau muss, um attraktiv zu sein, vor allem einfach «schön sein» - und er liefert die Übersetzung gleich nach: dass sie nämlich «nach Geschlechtsverkehr aussehen muss». Und sexy ist sie, wenn sie wie eine Tally-Weijl-Werbung rumläuft. Der rosa Hase als Accesoire ist dann zwar «erniedrigt und in seiner Würde als Tier verletzt», denn schliesslich habe Werbung «eine Signalwirkung», aber zum Glück können Frauen ja selber denken, nicht wahr? Das ist dann ein bisschen wie der Spruch auf einer Baileys-Werbung: «Bitte trinken Sie verantwortungsvoll.»
Dieser Artikel erschien erstmalig im berner ensuite kulturmagazin
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Mit der üblichen rhetorischen Angstmache prophezeit uns Ueli Maurer «Zustände wie in der DDR», denn es «ist schlecht, wenn Mütter arbeiten». Aber schliesslich «steht die SVP dazu, dass es zwischen Mann und Frau Unterschiede gibt». Es sei nicht Aufgabe des Staates, zum Beispiel für die Kinderbetreuung zu sorgen. Eine allgemein beliebte Wendung, die aber eher an den beissenden Geruch von brennenden Hexen- Scheiterhaufen erinnert.
Wer links wählt, der oder die habe zumindest gemäss Maurer «nicht alle Tassen im Schrank». Diese Beobachtung mag zwar angesichts der egozentrischen Scheuklappenhaltung vieler durchaus stimmen, hört sich aber aus dem Mund eines SVP-Heinis wie ein Kompliment an. Schliesslich glauben die ja sonst auch jeden Mist, zum Beispiel dass die Wirtschaft zum Wohle aller handelt. Oder dass der Mensch am sechsten Tag aus einem Klumpen Dreck erschaffen wurde, entsprechend nicht mehr Wert besitzt und ausschliesslich als Figuren im «Was macht mich noch reicher»-Schachbrett einer Politik dient, die so unverfroren mit der Wirtschaft ins Bett geht, dass es an durchschaubarer Widerlichkeit kaum noch zu übertreffen ist.
Der Sexappeal von Frauen wird übrigens gemäss einer Universitätsstudie aus New York durch den Gang und eine Sanduhrfigur definiert. Wer mit «stolzer Schulter», schmaler Taille und breiten Hüften einhergeht wird in männlichen Augen als attraktiv eingestuft. Das sind schockierend relevante News.
Direkter war da schon Thomas Meyer in seinem «Weltwoche»-Beitrag «Ja, ich will mit dir schlafen» und der in seiner Ehrlichkeit bestechenden Grundaussage, dass «sexy das Adjektiv zu Sex ist». Eine Frau muss, um attraktiv zu sein, vor allem einfach «schön sein» - und er liefert die Übersetzung gleich nach: dass sie nämlich «nach Geschlechtsverkehr aussehen muss». Und sexy ist sie, wenn sie wie eine Tally-Weijl-Werbung rumläuft. Der rosa Hase als Accesoire ist dann zwar «erniedrigt und in seiner Würde als Tier verletzt», denn schliesslich habe Werbung «eine Signalwirkung», aber zum Glück können Frauen ja selber denken, nicht wahr? Das ist dann ein bisschen wie der Spruch auf einer Baileys-Werbung: «Bitte trinken Sie verantwortungsvoll.»


sfux - 23. Apr, 09:56 Article 1278x read