Impressionen eines Deutschland-Flüchtlings (2) [neu mit Fotos]
Nauru – „aber das Wetter ist gut, die Sonne scheint jeden Tag…“
Unser Autor Johann U. Bahr hatte zusammen mit seiner Frau Deutschland vor einigen Jahren verlassen, in der Hoffnung, irgendwo anders in der Welt einen warmen Ort zu finden, in dem er leben und arbeiten kann. Wenige Tage nach den Anschlägen der so genannten Rucksackbomber in London, gelang es ihnen von Heathrow in die USA nach Texas zu fliegen. Als die Aufenthaltserlaubnis dort ablief, fanden sie Jobs in Dubai und gerieten in einen Mordkomplott, sie sollten helfen, den Vater eines Ministers mittels unpassender Medikamente umzubringen. Gerade noch rechtzeitig erkannten sie das Vorhaben, kündigten ihre Jobs und flogen nach Australien. Nach vielen Fotos niedlicher Koalabären lief auch dort die Aufenthaltsgenehmigung ab. Aber gerade noch rechtzeitig fanden sie Arbeit auf der Südsee-Insel Nauru, wo sie von den Einheimischen freundlich empfangen wurden. Johann U. Bahr schreibt: „Sie freuen sich darüber, dass wir ihnen die Arbeit wegnehmen.“
Johann U. Bahr - Hallo Ihr Lieben, viele Grüße von Nauru. Wir haben mal einen netten Text angehängt, der die Insel perfekt beschreibt. Leider ist der Text älter und es ist viel schlimmer hier: Vom Wohlstand zurück zur Bambushütte! Nur haben die Insulaner verlernt eine Bambushütte zu bauen.
Die Naurans selbst warten weiter auf bessere Zeiten, auf Hilfe von außen, oder sie haben resigniert. Auch meinen die meisten der Menschen hier, die Inselregierung habe genug Geld, tue aber nichts.
Tatsache ist: Ohne Geld von außen (Australien und die WHO) ginge hier nichts mehr, die Menschen hier wären längst ausgestorben, verhungert oder verdurstet.
Nauru ist hoffnungslos bankrott und hat auch keine wirklichen Ressourcen, um irgendetwas aufzubauen, was der Insel für die Zukunft ein Auskommen sichern könnte.
Die Bevölkerung kauft Kokosmilch im Supermarkt in Dosen, obwohl es hier mehr als genug davon auf den Palmen gibt, 3 Minuten-Nudelpacks und so weiter oder die Menschen gehen zum Chinesen, um fertiges Essen kaufen. Selber kochen? Das können viele nicht.
Wasser und Strom sind rationiert: Die Insel ist in zwei Bereiche unterteilt, in denen wechselseitig für je 6 Stunden Wasser und Strom abgestellt oder angestellt wird. Unser Hotel hat meistens Strom und auch eine eigene Wasserversorgung. Im Moment gibt es aber nicht genug Diesel, wir haben jetzt auch immer nur zwischen drei und neun Uhr Wasser, bzw. zwischen 15 und 21 Uhr. Unser Tank ist auch fast leer.
Insel-Idylle auf Nauru. "Nachts sind alle Katzen grau", sagt man. Für Nauru müsste es heißen: "Die Nacht macht den Müll schön."
Nauru tagsüber
Wir freuen uns darauf am Dienstag für eine Woche nach Honiara (Salomon Islands) zu fliegen und sind sehr gespannt, was da so los ist. Die letzte Kommission, aus Honolulu, die hier war, hat zu meinem Erstaunen festgestellt, dass der OP und das ganze Krankenhaus viel besser ausgestattet sei als auf den anderen Inseln. Ich kann es mir nicht vorstellen. Wir melden uns wieder, wenn wir aus Honiara zurück sind, Telefon und Internet sind nach wie vor fast unmöglich. Aber das Wetter ist gut, die Sonne scheint jeden Tag, es ist warm und auch das Wasser ist warm.
Krank auf Nauru? Das war einmal das Hospital.
© alle Fotos: Johann U. Bahr, Nauru
mare, Nr. 19, 2000 - Nur noch der Schatten eines Paradieses
Unser Autor Johann U. Bahr hatte zusammen mit seiner Frau Deutschland vor einigen Jahren verlassen, in der Hoffnung, irgendwo anders in der Welt einen warmen Ort zu finden, in dem er leben und arbeiten kann. Wenige Tage nach den Anschlägen der so genannten Rucksackbomber in London, gelang es ihnen von Heathrow in die USA nach Texas zu fliegen. Als die Aufenthaltserlaubnis dort ablief, fanden sie Jobs in Dubai und gerieten in einen Mordkomplott, sie sollten helfen, den Vater eines Ministers mittels unpassender Medikamente umzubringen. Gerade noch rechtzeitig erkannten sie das Vorhaben, kündigten ihre Jobs und flogen nach Australien. Nach vielen Fotos niedlicher Koalabären lief auch dort die Aufenthaltsgenehmigung ab. Aber gerade noch rechtzeitig fanden sie Arbeit auf der Südsee-Insel Nauru, wo sie von den Einheimischen freundlich empfangen wurden. Johann U. Bahr schreibt: „Sie freuen sich darüber, dass wir ihnen die Arbeit wegnehmen.“
Johann U. Bahr - Hallo Ihr Lieben, viele Grüße von Nauru. Wir haben mal einen netten Text angehängt, der die Insel perfekt beschreibt. Leider ist der Text älter und es ist viel schlimmer hier: Vom Wohlstand zurück zur Bambushütte! Nur haben die Insulaner verlernt eine Bambushütte zu bauen.
Die Naurans selbst warten weiter auf bessere Zeiten, auf Hilfe von außen, oder sie haben resigniert. Auch meinen die meisten der Menschen hier, die Inselregierung habe genug Geld, tue aber nichts.
Tatsache ist: Ohne Geld von außen (Australien und die WHO) ginge hier nichts mehr, die Menschen hier wären längst ausgestorben, verhungert oder verdurstet.
Nauru ist hoffnungslos bankrott und hat auch keine wirklichen Ressourcen, um irgendetwas aufzubauen, was der Insel für die Zukunft ein Auskommen sichern könnte.
Die Bevölkerung kauft Kokosmilch im Supermarkt in Dosen, obwohl es hier mehr als genug davon auf den Palmen gibt, 3 Minuten-Nudelpacks und so weiter oder die Menschen gehen zum Chinesen, um fertiges Essen kaufen. Selber kochen? Das können viele nicht.
Wasser und Strom sind rationiert: Die Insel ist in zwei Bereiche unterteilt, in denen wechselseitig für je 6 Stunden Wasser und Strom abgestellt oder angestellt wird. Unser Hotel hat meistens Strom und auch eine eigene Wasserversorgung. Im Moment gibt es aber nicht genug Diesel, wir haben jetzt auch immer nur zwischen drei und neun Uhr Wasser, bzw. zwischen 15 und 21 Uhr. Unser Tank ist auch fast leer.
Insel-Idylle auf Nauru. "Nachts sind alle Katzen grau", sagt man. Für Nauru müsste es heißen: "Die Nacht macht den Müll schön."
Nauru tagsüber
Wir freuen uns darauf am Dienstag für eine Woche nach Honiara (Salomon Islands) zu fliegen und sind sehr gespannt, was da so los ist. Die letzte Kommission, aus Honolulu, die hier war, hat zu meinem Erstaunen festgestellt, dass der OP und das ganze Krankenhaus viel besser ausgestattet sei als auf den anderen Inseln. Ich kann es mir nicht vorstellen. Wir melden uns wieder, wenn wir aus Honiara zurück sind, Telefon und Internet sind nach wie vor fast unmöglich. Aber das Wetter ist gut, die Sonne scheint jeden Tag, es ist warm und auch das Wasser ist warm.
Krank auf Nauru? Das war einmal das Hospital.
© alle Fotos: Johann U. Bahr, Nauru

onlineredaktion - 22. Mai, 11:40 Article 1449x read