Mugabe in Kenia – stürmischer Applaus für hohle Phrasen
Dr. Alexander von Paleske - In Kenia fand während der vergangenen zwei Tage das Treffen der Staatschefs des gemeinsamen Marktes für das östliche und südliche Afrika COMESA statt. Harmonisierung von Tarifen und Zöllen wurde beschlossen. Vielleicht ein bescheidener Anfang, nachdem COMESA im vergangenen Jahrzehnt nicht von der Stelle gekommen ist, im Gegenteil, einstmals gemeinsame Schecks, die in allen Ländern von COMESA akzeptiert werden, gehören längst der Vergangenheit an.
Mugabe darf loslegen
Aber es war auch die Gelegenheit, für Simbabwes Präsident Robert Mugabe, bei dem ihm erteilten Schlusswort noch einmal richtig auf die Pauke zu hauen. Der zentrale Angriff in seiner Rede richtete sich gegen die USA und Großbritannien, die er des Neokolonialismus bezichtigte. “Wo kommt denn der englische Tee her, er habe noch nie in England eine Teeplantage gesehen, und wo die Baumwolle, aus denen die englische Kleidung hergestellt werden” fragte er. Afrika müsse sich auf seine eigene Kraft besinnen und die Rohstoffe selbst verarbeiten und dann Fertigprodukte exportieren. Donnernder Applaus war die Antwort.
Hohle Phrasen, wenn man nach Simbabwe schaut. Simbabwe besaß einstmals eine Textilindustrie, von der so gut wie nichts übrig geblieben ist. Jetzt wird stattdessen Baumwolle, allerdings in sehr bescheidenem Umfang, exportiert. Simbabwe produzierte einstmals Busse und LKW’s , besonders für schlechte Strassen geeignet, die in viele Länder Afrikas verkauft wurden. Davon ist nichts mehr vorhanden.
Fertig mit der Milchschwemme
Simbabwe exportierte einstmals Milchprodukte in die Nachbarländer, jetzt ist die Milchschwemme versiegt, anstelle wird jetzt Trockenmilch aus Neuseeland importiert. Milch, soweit vorhanden, ist für die meisten Menschen in Simbabwe unerschwinglich geworden. Hier in Botswana sind Produkte aus Simbabwe aus den Regalen der Supermärkte weitgehend verschwunden, sie werden nicht mehr produziert. Auch eine eigene Schuhindustrie hat es einmal gegeben, auch die ist zerstört.
Diese eigene Industrie, die Mugabe als Zukunftsvision für Afrika darstellt, ist nicht etwa von Großbritannien zerstört worden, sondern durch Mugabes eigene ruinöse Wirtschaftspolitik. Man verfuhr nach dem Motto: Wir brauchen kein Geld zu verdienen, wir drucken es. Und so richtig seine grundsätzlichen Feststellungen zum Neokolonialismus waren, so lächerlich wirken sie, wenn man den Blick auf sein eigenes Land wirft.
Mugabe und sein Demokratieverständnis
Was er allerdings dann zur Demokratie im allgemeinen und zur Opposition im eigenen Land im besonderen zu sagen hatte, das war reinster Zynismus. Das Verprügeln des Oppositionsführers Tsvangirai vor wenigen Wochen, rechtfertigte er mit der Gewalt durch die Opposition. Das Opfer wird zum Täter. Dass ihm dafür beispielsweise König Mswati von Swaziland Beifall zollte, versteht sich von selbst: Auch in dessen Land werden die Opposition und die Gewerkschaften unterdrückt und für seine knapp zwei Dutzend Frauen jeweils einen Palast hingestellt, wahrend sein Volk in Armut lebt..
Talfahrt ohne Ende
Währenddessen setzt sich die Talfahrt in Simbabwe mit unverminderter Geschwindigkeit weiter fort. Tausende von Lehrern kehrten nach den Schulferien nicht in die Schulen zurück, weil der Verdienst nicht einmal die Fahrtkosten abdeckt. Und die Ärzte, die weniger als umgerechnet 50 US Dollar pro Monat verdienen, sind wieder einmal in den Streik getreten. Zum Vergleich: Als ich meine Tätigkeit in Simbabwe vor 20 Jahre begann, lag das Einkommen eines angestellten Krankenhausarztes in der mittleren Stufe bei umgerechnet 1000 US Dollar.
Und weil Simbabwe seine Stromlieferungen aus Mozambique vom Cabora Bassa Staudamm nicht mehr bezahlen kann, hat die Regierung in Maputo erst einmal den Stromexport drastisch gedrosselt. Stromabschaltungen in großem Umfang sind jetzt in Simbabwe an der Tagesordnung. Und die Goldproduktion ist auf den Stand von 1916 zurückgefallen. Aber Mugabe bekommt Ovationen – außerhalb Simbabwes versteht sich.
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Mugabe darf loslegen
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Hohle Phrasen, wenn man nach Simbabwe schaut. Simbabwe besaß einstmals eine Textilindustrie, von der so gut wie nichts übrig geblieben ist. Jetzt wird stattdessen Baumwolle, allerdings in sehr bescheidenem Umfang, exportiert. Simbabwe produzierte einstmals Busse und LKW’s , besonders für schlechte Strassen geeignet, die in viele Länder Afrikas verkauft wurden. Davon ist nichts mehr vorhanden.
Fertig mit der Milchschwemme
Simbabwe exportierte einstmals Milchprodukte in die Nachbarländer, jetzt ist die Milchschwemme versiegt, anstelle wird jetzt Trockenmilch aus Neuseeland importiert. Milch, soweit vorhanden, ist für die meisten Menschen in Simbabwe unerschwinglich geworden. Hier in Botswana sind Produkte aus Simbabwe aus den Regalen der Supermärkte weitgehend verschwunden, sie werden nicht mehr produziert. Auch eine eigene Schuhindustrie hat es einmal gegeben, auch die ist zerstört.
Diese eigene Industrie, die Mugabe als Zukunftsvision für Afrika darstellt, ist nicht etwa von Großbritannien zerstört worden, sondern durch Mugabes eigene ruinöse Wirtschaftspolitik. Man verfuhr nach dem Motto: Wir brauchen kein Geld zu verdienen, wir drucken es. Und so richtig seine grundsätzlichen Feststellungen zum Neokolonialismus waren, so lächerlich wirken sie, wenn man den Blick auf sein eigenes Land wirft.
Mugabe und sein Demokratieverständnis
Was er allerdings dann zur Demokratie im allgemeinen und zur Opposition im eigenen Land im besonderen zu sagen hatte, das war reinster Zynismus. Das Verprügeln des Oppositionsführers Tsvangirai vor wenigen Wochen, rechtfertigte er mit der Gewalt durch die Opposition. Das Opfer wird zum Täter. Dass ihm dafür beispielsweise König Mswati von Swaziland Beifall zollte, versteht sich von selbst: Auch in dessen Land werden die Opposition und die Gewerkschaften unterdrückt und für seine knapp zwei Dutzend Frauen jeweils einen Palast hingestellt, wahrend sein Volk in Armut lebt..
Talfahrt ohne Ende
Währenddessen setzt sich die Talfahrt in Simbabwe mit unverminderter Geschwindigkeit weiter fort. Tausende von Lehrern kehrten nach den Schulferien nicht in die Schulen zurück, weil der Verdienst nicht einmal die Fahrtkosten abdeckt. Und die Ärzte, die weniger als umgerechnet 50 US Dollar pro Monat verdienen, sind wieder einmal in den Streik getreten. Zum Vergleich: Als ich meine Tätigkeit in Simbabwe vor 20 Jahre begann, lag das Einkommen eines angestellten Krankenhausarztes in der mittleren Stufe bei umgerechnet 1000 US Dollar.
Und weil Simbabwe seine Stromlieferungen aus Mozambique vom Cabora Bassa Staudamm nicht mehr bezahlen kann, hat die Regierung in Maputo erst einmal den Stromexport drastisch gedrosselt. Stromabschaltungen in großem Umfang sind jetzt in Simbabwe an der Tagesordnung. Und die Goldproduktion ist auf den Stand von 1916 zurückgefallen. Aber Mugabe bekommt Ovationen – außerhalb Simbabwes versteht sich.
















sfux - 24. Mai, 08:37 Article 2023x read