Private Spione drängen auf heisses Terrain
Cyber-spy nennt man sie. Geheimagenten die sich einer Spinne gleich durch die tiefen der virtuellen Welt, des WWW fortbewegen. Nachts werden sie aktiv, benutzen alias Namen und begeben sich auf die Jagd nach Terroristen.

Sich in die Eingeweide wühlen
Sie winden sich in die Eingeweide der virtuellen Welt, sie sehen die Welt der Propaganda, des Zorns und mit ein wenig Glück auch ein Stück in die Zukunft, just Tage oder Stunden bevor es wieder irgendwo auf der Welt kracht. Ein Cyber-spy arbeitet bisweilen derart klandestin, dass selbst die Ehepartner und Kinder der AgentInnen keine Ahnung haben was Nachts, vom Heimcomputer in der Stube aus alles geschieht. Die Cyber Agenten arbeiten nicht für das FBI, oder für sonstige spezialisierten Institutionen, sie arbeiten aus Überzeugung. Dem "Krieg gegen den Terror".
Eine von ihnen ist Shannen Rossmiller aus Conrad. Conrad ist ein Nest mit 2'753 Einwohnern im amerikanischen Bundesstaat Montana. Eine grosse Kommune der pazifistisch–christlichen Hutterer Sekte, ähnlich der Amish People, dominiert das Städtchen. In der Umgebung sind 17 Abschussstellungen für Strategische Interkontinental Raketen stationiert, die von der nahe liegenden Malmstrom Air Force Base befehligt werden. Niemand in Conrad konnte ahnen, dass die beliebte 34 jährige Rossmiller, Mutter von drei Kindern und Richterin des Städtchens, nachts über das WWW mit radikalen Muslims am Jiahd teilnimmt. In verdeckter Agenten Manier infiltriert sie den muslimischen "Feind", kommuniziert mit ihm und folgt ihm in die tiefen der geheimer Chat rooms. Dabei versucht sie aus ihren Chat Komplizen möglichst viele Information zu entlocken, Verbindungen festzustellen und neue Anschlagspläne zu entdecken.
Undercover Agent Rossmiller spielt auch "agent provocateur". In ihrer Tarnidentität gab sie sich als Algerier mit Verbindungen zur verbotenen "Armed Islamic Group" aus und schrieb einem jungen Mann Namens Amir Abdul Talhah Rashid ein E-Mail mit dem Aufruf: "A Call to Jihad!" Eine deutliche Aufforderung. Rashid biss an. Er bezeichnet sich als "Bruder der auf der falschen Seite kämpft", und fragt seinen neuen vermeintlichen algerischen Terror Kameraden, ob er trotzdem am Jiahd teilnehmen könne.
Selbstverständlich könne er das... meint Rossmiller. Über eine Periode von 4 Monaten entwickelt sich so eine Serie von 27 E-Mails. Bald stellt sich heraus, dass der Bruder der auf der falschen Seite kämpft, 26 Jahre alt ist, dass er ein zum Muslim konvertierter Amerikaner ist und in kürze als Nationalgardist, der "National Guard's 81st Armor Brigade" von Fort Lewis in den Irak verlegt werden soll. Er möchte, so schreibt er seinem Terrorpaten, den Jiahdisten möglichst viele Informationen über die Verwundbarkeit der im Irak stationierten amerikanischer Truppen preisgeben. Ein trojanisches Pferd also. Er wünschte sich, als infiltrierter muslimischer Geheimagent, dass aufgrund seiner Informationen möglichst viele Anschläge auf Amerikaner verübt werden.
Rossmiller kontaktiert die Homeland Security, die kontaktierte das FBI und die Armee. Der milchgesichtige Soldat, mit richtigem Namen Ryan Anderson wurde am 12. Februar 2004 verhaftet und die Zeitungen schrieben vom El Kaida Überläufer und El Kaida Terroristen der in einer bravourösen "Sting Operation" festgenommen wurde.[1] Rossmiller wurde als Zeugin gegen Anderson zum lokalen Super Star.
Ryan Anderson ist natürlich kein El Kaida Terrorist in dem Sinne. Seine Geschichte, die im WWW bis in das Jahr 1995 verfolgbar ist, zeichnet eher die eines traurigen Versagers. Am 18. Dezember des selben Jahres schrieb er: "Suche Anschluss an Washington State Miltias! Ich bin College Student und suche Anschluss an patriotische Gruppen. Ich habe eigene Waffen und besuchte Kurse für deren Handhabung. Bitte meldet euch so schnell wie möglich!"[2] Kein Patriot meldete sich. Dann schrieb er im Oktober 1996 auf alt.religion.islam, einem Internet Chat Forum: "Hilfe! Ich möchte zum Islam konvertieren, aber ich weiss nicht wie! Ich bin ein 19 Jähriger Armee Offizier in Ausbildung. Inshallah. Ryan." Niemand antwortete. Am 26. September 1997 schrieb er: "Salaam alaaykum all, ich bin ein konvertierter Muslim und würde gerne in Ägypten oder in der Türkei ein Studien Jahr absolvieren. Kann mir jemand helfen? Salaam, Amir (Ryan)." Niemand antwortete. So gehen seine Mails weiter und werden über die Jahre radikaler, er bittet und bettelt um Anschluss an die rechtsgerichtete Milizia und später an muslimische Terrorgruppen. Tragisch, keiner will den Naivling... Keiner ausser Shannen Rossmiller aus Conrad und sie war definitiv die falsche Adresse. Vielleicht konnte Rossmiller dadurch eine Katastrophe verhindern, vielleicht auch nicht.
Rossmiller ist nicht der einzige Cyber-spy. Es gibt sie in Kanada, in England, in Australien und auf dem europäischen Kontinent. Sie arbeiten alleine oder in Gruppen wie Shannen Rossmiller. Ihre Gruppe nennt sich "7-Seas Global Intelligence Security Team".[3] 7-Seas, das sind 7 Agenten, darunter ein arbeitsloser Physiker, ein ehemaliger Detektiv, ein "global Media" Spezialist, ein Architekt und ein Häusermakler. Die wahre Identität der Mitglieder behalten sie Geheim. Erfolge haben sie zu verbuchen: Am 12. Mai 2002 zum Beispiel, veröffentlichten sie eine Warnung auf der Seite itshappening.com. Die Warnung hatte sich bestätigt, einige Tage später wurde ein Australier bei einer Bombenattacke in Riad, Saudi Arabien, getötet.[4] Das ist nicht schlecht, denn keiner der Sieben weissen Ritter spricht arabisch, oder hat tief greifende Kenntnisse der Spionage.
Und da wird es gefährlich. Die Hobby Spione kommen bisweilen den richtigen Agenten in die Quere, denn auch FBI und CIA sowie andere Dienste mit Lizenz jagen in den tiefen des Webnetzes. Vereinzelt hat das auch schon zu heiklen Situationen geführt. Astley, einer der 7-Seas Agenten wurde von regulären Diensten brüsk zurückgepfiffen weil er, ohne es zu wissen, einen richtigen Agenten an der Angel hatte. Spion vs. Spion... Doch die Bundesbehörden verschliessen beide Augen und lassen, ganz nach dem Motto "neighborhood watching" die privaten spionieren. Die Kultur des "neighborhood watching" wird zum Teil vom "Departement of Homeland Security" gefördert, denn der "Krieg gegen den Terror" kennt keine eigentlichen Frontverläufe mehr. Die einfache Technik des WWW und ein bisschen Talent gekoppelt mit vermeintlicher Anonymität lässt somit jedes Sherlock Holmes Herz höher schlagen. Bis zu 80% der geheimdienstlich benötigten Nachrichtenbeschaffungen können über das Internet zusammen getragen werden. Wer die richtigen Tools, Datenbanken und die richtige Nase entwickelt, kann relevante Lagebilder erstellen. Fast wie die richtigen Geheimdienste. Laut FBI sind es hunderte, die sich an diesem privaten Geheimagenten Krieg beteiligen und sie sind sich der Gefahr für die Hobbyspione durchaus Bewusst. Technisch ist es für die Profis des FBI relativ einfach einer virtuellen Spur zu folgen und das bis in die Fingerspitzen des Computeranwenders. Auch die Profis der Terrorkommandos können das. Seit einiger Zeit ist Rossmiller unter Polizeischutz. Ihr bislang virtueller Gegner ist bereits in physischer Nähe. So wird das private Agentenspiel, harmlos anzusehen in der anonymen Welt der Daten, plötzlich sehr lebendig... oder eben tödlich.
Dieser Artikel erschien zuerst auf Telepolis. Die PDF Datei aus Teleopolis finden sie unter online-spitzel gehen auf terroristenjagd im web

Sich in die Eingeweide wühlen
Sie winden sich in die Eingeweide der virtuellen Welt, sie sehen die Welt der Propaganda, des Zorns und mit ein wenig Glück auch ein Stück in die Zukunft, just Tage oder Stunden bevor es wieder irgendwo auf der Welt kracht. Ein Cyber-spy arbeitet bisweilen derart klandestin, dass selbst die Ehepartner und Kinder der AgentInnen keine Ahnung haben was Nachts, vom Heimcomputer in der Stube aus alles geschieht. Die Cyber Agenten arbeiten nicht für das FBI, oder für sonstige spezialisierten Institutionen, sie arbeiten aus Überzeugung. Dem "Krieg gegen den Terror".
Eine von ihnen ist Shannen Rossmiller aus Conrad. Conrad ist ein Nest mit 2'753 Einwohnern im amerikanischen Bundesstaat Montana. Eine grosse Kommune der pazifistisch–christlichen Hutterer Sekte, ähnlich der Amish People, dominiert das Städtchen. In der Umgebung sind 17 Abschussstellungen für Strategische Interkontinental Raketen stationiert, die von der nahe liegenden Malmstrom Air Force Base befehligt werden. Niemand in Conrad konnte ahnen, dass die beliebte 34 jährige Rossmiller, Mutter von drei Kindern und Richterin des Städtchens, nachts über das WWW mit radikalen Muslims am Jiahd teilnimmt. In verdeckter Agenten Manier infiltriert sie den muslimischen "Feind", kommuniziert mit ihm und folgt ihm in die tiefen der geheimer Chat rooms. Dabei versucht sie aus ihren Chat Komplizen möglichst viele Information zu entlocken, Verbindungen festzustellen und neue Anschlagspläne zu entdecken.
Undercover Agent Rossmiller spielt auch "agent provocateur". In ihrer Tarnidentität gab sie sich als Algerier mit Verbindungen zur verbotenen "Armed Islamic Group" aus und schrieb einem jungen Mann Namens Amir Abdul Talhah Rashid ein E-Mail mit dem Aufruf: "A Call to Jihad!" Eine deutliche Aufforderung. Rashid biss an. Er bezeichnet sich als "Bruder der auf der falschen Seite kämpft", und fragt seinen neuen vermeintlichen algerischen Terror Kameraden, ob er trotzdem am Jiahd teilnehmen könne.
Selbstverständlich könne er das... meint Rossmiller. Über eine Periode von 4 Monaten entwickelt sich so eine Serie von 27 E-Mails. Bald stellt sich heraus, dass der Bruder der auf der falschen Seite kämpft, 26 Jahre alt ist, dass er ein zum Muslim konvertierter Amerikaner ist und in kürze als Nationalgardist, der "National Guard's 81st Armor Brigade" von Fort Lewis in den Irak verlegt werden soll. Er möchte, so schreibt er seinem Terrorpaten, den Jiahdisten möglichst viele Informationen über die Verwundbarkeit der im Irak stationierten amerikanischer Truppen preisgeben. Ein trojanisches Pferd also. Er wünschte sich, als infiltrierter muslimischer Geheimagent, dass aufgrund seiner Informationen möglichst viele Anschläge auf Amerikaner verübt werden.
Rossmiller kontaktiert die Homeland Security, die kontaktierte das FBI und die Armee. Der milchgesichtige Soldat, mit richtigem Namen Ryan Anderson wurde am 12. Februar 2004 verhaftet und die Zeitungen schrieben vom El Kaida Überläufer und El Kaida Terroristen der in einer bravourösen "Sting Operation" festgenommen wurde.[1] Rossmiller wurde als Zeugin gegen Anderson zum lokalen Super Star.
Ryan Anderson ist natürlich kein El Kaida Terrorist in dem Sinne. Seine Geschichte, die im WWW bis in das Jahr 1995 verfolgbar ist, zeichnet eher die eines traurigen Versagers. Am 18. Dezember des selben Jahres schrieb er: "Suche Anschluss an Washington State Miltias! Ich bin College Student und suche Anschluss an patriotische Gruppen. Ich habe eigene Waffen und besuchte Kurse für deren Handhabung. Bitte meldet euch so schnell wie möglich!"[2] Kein Patriot meldete sich. Dann schrieb er im Oktober 1996 auf alt.religion.islam, einem Internet Chat Forum: "Hilfe! Ich möchte zum Islam konvertieren, aber ich weiss nicht wie! Ich bin ein 19 Jähriger Armee Offizier in Ausbildung. Inshallah. Ryan." Niemand antwortete. Am 26. September 1997 schrieb er: "Salaam alaaykum all, ich bin ein konvertierter Muslim und würde gerne in Ägypten oder in der Türkei ein Studien Jahr absolvieren. Kann mir jemand helfen? Salaam, Amir (Ryan)." Niemand antwortete. So gehen seine Mails weiter und werden über die Jahre radikaler, er bittet und bettelt um Anschluss an die rechtsgerichtete Milizia und später an muslimische Terrorgruppen. Tragisch, keiner will den Naivling... Keiner ausser Shannen Rossmiller aus Conrad und sie war definitiv die falsche Adresse. Vielleicht konnte Rossmiller dadurch eine Katastrophe verhindern, vielleicht auch nicht.
Rossmiller ist nicht der einzige Cyber-spy. Es gibt sie in Kanada, in England, in Australien und auf dem europäischen Kontinent. Sie arbeiten alleine oder in Gruppen wie Shannen Rossmiller. Ihre Gruppe nennt sich "7-Seas Global Intelligence Security Team".[3] 7-Seas, das sind 7 Agenten, darunter ein arbeitsloser Physiker, ein ehemaliger Detektiv, ein "global Media" Spezialist, ein Architekt und ein Häusermakler. Die wahre Identität der Mitglieder behalten sie Geheim. Erfolge haben sie zu verbuchen: Am 12. Mai 2002 zum Beispiel, veröffentlichten sie eine Warnung auf der Seite itshappening.com. Die Warnung hatte sich bestätigt, einige Tage später wurde ein Australier bei einer Bombenattacke in Riad, Saudi Arabien, getötet.[4] Das ist nicht schlecht, denn keiner der Sieben weissen Ritter spricht arabisch, oder hat tief greifende Kenntnisse der Spionage.
Und da wird es gefährlich. Die Hobby Spione kommen bisweilen den richtigen Agenten in die Quere, denn auch FBI und CIA sowie andere Dienste mit Lizenz jagen in den tiefen des Webnetzes. Vereinzelt hat das auch schon zu heiklen Situationen geführt. Astley, einer der 7-Seas Agenten wurde von regulären Diensten brüsk zurückgepfiffen weil er, ohne es zu wissen, einen richtigen Agenten an der Angel hatte. Spion vs. Spion... Doch die Bundesbehörden verschliessen beide Augen und lassen, ganz nach dem Motto "neighborhood watching" die privaten spionieren. Die Kultur des "neighborhood watching" wird zum Teil vom "Departement of Homeland Security" gefördert, denn der "Krieg gegen den Terror" kennt keine eigentlichen Frontverläufe mehr. Die einfache Technik des WWW und ein bisschen Talent gekoppelt mit vermeintlicher Anonymität lässt somit jedes Sherlock Holmes Herz höher schlagen. Bis zu 80% der geheimdienstlich benötigten Nachrichtenbeschaffungen können über das Internet zusammen getragen werden. Wer die richtigen Tools, Datenbanken und die richtige Nase entwickelt, kann relevante Lagebilder erstellen. Fast wie die richtigen Geheimdienste. Laut FBI sind es hunderte, die sich an diesem privaten Geheimagenten Krieg beteiligen und sie sind sich der Gefahr für die Hobbyspione durchaus Bewusst. Technisch ist es für die Profis des FBI relativ einfach einer virtuellen Spur zu folgen und das bis in die Fingerspitzen des Computeranwenders. Auch die Profis der Terrorkommandos können das. Seit einiger Zeit ist Rossmiller unter Polizeischutz. Ihr bislang virtueller Gegner ist bereits in physischer Nähe. So wird das private Agentenspiel, harmlos anzusehen in der anonymen Welt der Daten, plötzlich sehr lebendig... oder eben tödlich.
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sfux - 18. Nov, 13:34 Article 1403x read