Österreich vor dem Papstbesuch: Der Heilige Vater wird gesoftet
Malte Olschewski - Er trinkt am liebsten lauwarmes Fanta. Fisch und Gemüse sind seine bevorzugten Speisen. Er spielt recht gut Klavier. Er steht um fünf Uhr auf und geht um 23 Uhr ins Bett. Er hat eine Schwäche für modische Acessoirs: So trägt er des öfteren feuerrote Prada-Schuhe und modische Sonnenbrillen. Er suchte vergeblich seinen langjährigen Schneider Raniero Mancinelli als offiziellen Herrenausstatter seiner Firma durchzusetzen.
Er wechselt sehr oft die Kopfbedeckung. Er scheut sich nicht, fallweise auch einen „Camauro“ aufzusetzen, der ihn wie einen Weihnachts-Mann aussehen lässt. Bei dem an-stehenden Besuch in Österreich wird er ein Messgewand aus grüner Seite tragen, das mit Bernstein und Perlen als Symbolen für Schöpfung und Himmels-Glanz besetzt ist. Papst Benedikt XVI. besucht von 7. bis 9. September Österreich. Das Bild des strengen, über-dogmatischen Papstes wird hierzulande von eifrigen Medien mit Petitessen aus seinem Privatleben weichgespült. So ist in langen Titelgeschichten das zu erfahren, was man immer schon vom Papst nicht wissen wollte.
Dass er mit gezielten Äußerungen völlig unnötig die islamische, die lateinamerikanische und protestantische Welt verärgert und schockiert hat, ist in Österreich schon vergessen. Man blickt freudig erregt dem Heiligen Vater entgegen. Der offizielle Anlass für seinen Besuch ist das etwas künstliche Jubiläum des Gnadenortes von Mariazell. Genau 850 Jahre sollen vergangen sein, seit der Benediktinermönch Magnus 1157 mit einer holzgeschnitzten Marien-statue vom Kloster St. Lambrecht aus in die Einöde der oberen Steiermark vorstiess. Die Legende erzählt, dass ihm plötzlich ein Felsen den Weg versperrt hat. Er rief die Gottesmutter Maria an, die prompt den Felsen spaltete. Magnus stellte die Statue auf einen Baumstumpf und begann eine „Zelle“, das ist eine notdürftige Behausung, zu bauen. Daher kommt auch der Name des „Gnadenortes“.
Schon 1200 ließ Heinrich Vladislaus von Mähren als Dank für Heilung von einer Krankheit an dieser Stelle eine Kirche errichten. 1370 hat König Ludwig nach seinem Sieg über die Türken zusätzliche Bauten angefügt. Die Maria von Mariazell wurde religiöses Sinnbild für die Verbundenheit Österreichs mit Osteuropa. Als eine Schnitz-Figur aus Lindenholz steht sie heute in der Gnadenkapelle, während sie am Hochaltar als typische Schutzmantelmadonna abgebildet ist. Sie wird nicht nur als „Magna Mater Austriae (Grosse Mutter Österreichs)“ verehrt, sie gilt auch als „Magna Domina Hunganorum(Grosse Herrin der Ungarn)“ und die „Mater Gentium Slavorum (Mutter der slawischen Völker)“. Marizell wurde ein Pilgerort, zu dem man über besonders romantische Wege gelangen konnte. Mariazell wird vom Benediktinerorden gemanagt. Da trifft es sich bestens, dass auch der besuchende Papst auf den Namen Benedikt hört.
Zu den Regeln dieses Ordens gehört auch die Gast-Freundschaft. Ungeachtet dessen hat sich in Mariazell Pilgerbusiness mit viel Kitsch und zu erhöhten Preisen etabliert. Das nerventötende Werben um Spenden für die Renovierung der Basilika hat viele Gläubigen verstört. Die durchaus begüterte, katholische Kirche hat regel-rechten Spendenterror ausgeübt. Schon Ende 2006 wurde mit eine Serie von Festlichkeiten im Hinblick auf das nicht allzu runde Jubiläum von 850 Jahren begonnen. Einer Wallfahrt der österreichischen Blasmusik schloss sich eine Pilgerreise des Roten Kreuzes an.
Es Wallfahrteten des weiteren nach Mariazell: Jugendverbände, Behinderte, Soldaten, Sintis und Romas, Fussballer und auch der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Am 31.5. 2007 kam es zu einem Gottesdienst für „Groß-Sponsoren“, während einen Tag später der „Kleinspender“ gedacht wurde. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn bedankte sich mit den Worten: „Kein Opfer ist zuviel, denn dieser Ort leuchtet und lässt die Menschen Gott verherrlichen, wenn sie dieses Licht sehen.“ Die Gesamtkosten der seit 1992 laufenden Renovierung betrugen 30 Millionen Euro. Man hätte auch etwas billiger renovieren können. Eine Pilger-Tagesstätte mit chemischen Toiletten ist eingerichtet worden. Dort kostet eine Warmwasserdusche schon einige Euro. Nichts ist umsonst im Gnadenort. In einer eigenen Grotte können Kerzen entzündet werden, was in den Haupträumen der Kirche wegen der Rauchbelastung ver-boten ist.
Nun werden mit dem Papst rund 40 000 Menschen in Mariazell erwartet. In den Küchen der umliegenden Hotels und Gasthäuser werden papistische Menüs ausgebrütet: Papstschnitzel, Benedikt-Bier oder Papapizza sind im Angebot. Die Devotionalienhändler haben ihre Ware vatikanisch ausgerichtet. Kitsch und Religion feiern Hochzeit. Eine Marienstatue, 17 Zentimeter natur, ist für 49 Euro zu haben, eine Bienen-Wachskerze mit aufgeklebten „Bienchen“ kostet fünf Euro. Papst-T-Shirt, Fünfmandler-Lebkuchen, Rosenkränze, Heiligenbildchen, Miniaturen der Basilika und anderes werden angeboten. Doch die Linden am Hautplatz, die man 1983 zu Ehren des Besuches von Papst Johannes Paul II. gepflanzt hatte, sind gefällt worden, da sie den Errichtung einer großen Zuschauertribüne im Weg standen.
Er wechselt sehr oft die Kopfbedeckung. Er scheut sich nicht, fallweise auch einen „Camauro“ aufzusetzen, der ihn wie einen Weihnachts-Mann aussehen lässt. Bei dem an-stehenden Besuch in Österreich wird er ein Messgewand aus grüner Seite tragen, das mit Bernstein und Perlen als Symbolen für Schöpfung und Himmels-Glanz besetzt ist. Papst Benedikt XVI. besucht von 7. bis 9. September Österreich. Das Bild des strengen, über-dogmatischen Papstes wird hierzulande von eifrigen Medien mit Petitessen aus seinem Privatleben weichgespült. So ist in langen Titelgeschichten das zu erfahren, was man immer schon vom Papst nicht wissen wollte.
Dass er mit gezielten Äußerungen völlig unnötig die islamische, die lateinamerikanische und protestantische Welt verärgert und schockiert hat, ist in Österreich schon vergessen. Man blickt freudig erregt dem Heiligen Vater entgegen. Der offizielle Anlass für seinen Besuch ist das etwas künstliche Jubiläum des Gnadenortes von Mariazell. Genau 850 Jahre sollen vergangen sein, seit der Benediktinermönch Magnus 1157 mit einer holzgeschnitzten Marien-statue vom Kloster St. Lambrecht aus in die Einöde der oberen Steiermark vorstiess. Die Legende erzählt, dass ihm plötzlich ein Felsen den Weg versperrt hat. Er rief die Gottesmutter Maria an, die prompt den Felsen spaltete. Magnus stellte die Statue auf einen Baumstumpf und begann eine „Zelle“, das ist eine notdürftige Behausung, zu bauen. Daher kommt auch der Name des „Gnadenortes“.
Schon 1200 ließ Heinrich Vladislaus von Mähren als Dank für Heilung von einer Krankheit an dieser Stelle eine Kirche errichten. 1370 hat König Ludwig nach seinem Sieg über die Türken zusätzliche Bauten angefügt. Die Maria von Mariazell wurde religiöses Sinnbild für die Verbundenheit Österreichs mit Osteuropa. Als eine Schnitz-Figur aus Lindenholz steht sie heute in der Gnadenkapelle, während sie am Hochaltar als typische Schutzmantelmadonna abgebildet ist. Sie wird nicht nur als „Magna Mater Austriae (Grosse Mutter Österreichs)“ verehrt, sie gilt auch als „Magna Domina Hunganorum(Grosse Herrin der Ungarn)“ und die „Mater Gentium Slavorum (Mutter der slawischen Völker)“. Marizell wurde ein Pilgerort, zu dem man über besonders romantische Wege gelangen konnte. Mariazell wird vom Benediktinerorden gemanagt. Da trifft es sich bestens, dass auch der besuchende Papst auf den Namen Benedikt hört.
Zu den Regeln dieses Ordens gehört auch die Gast-Freundschaft. Ungeachtet dessen hat sich in Mariazell Pilgerbusiness mit viel Kitsch und zu erhöhten Preisen etabliert. Das nerventötende Werben um Spenden für die Renovierung der Basilika hat viele Gläubigen verstört. Die durchaus begüterte, katholische Kirche hat regel-rechten Spendenterror ausgeübt. Schon Ende 2006 wurde mit eine Serie von Festlichkeiten im Hinblick auf das nicht allzu runde Jubiläum von 850 Jahren begonnen. Einer Wallfahrt der österreichischen Blasmusik schloss sich eine Pilgerreise des Roten Kreuzes an.
Es Wallfahrteten des weiteren nach Mariazell: Jugendverbände, Behinderte, Soldaten, Sintis und Romas, Fussballer und auch der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Am 31.5. 2007 kam es zu einem Gottesdienst für „Groß-Sponsoren“, während einen Tag später der „Kleinspender“ gedacht wurde. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn bedankte sich mit den Worten: „Kein Opfer ist zuviel, denn dieser Ort leuchtet und lässt die Menschen Gott verherrlichen, wenn sie dieses Licht sehen.“ Die Gesamtkosten der seit 1992 laufenden Renovierung betrugen 30 Millionen Euro. Man hätte auch etwas billiger renovieren können. Eine Pilger-Tagesstätte mit chemischen Toiletten ist eingerichtet worden. Dort kostet eine Warmwasserdusche schon einige Euro. Nichts ist umsonst im Gnadenort. In einer eigenen Grotte können Kerzen entzündet werden, was in den Haupträumen der Kirche wegen der Rauchbelastung ver-boten ist.
Nun werden mit dem Papst rund 40 000 Menschen in Mariazell erwartet. In den Küchen der umliegenden Hotels und Gasthäuser werden papistische Menüs ausgebrütet: Papstschnitzel, Benedikt-Bier oder Papapizza sind im Angebot. Die Devotionalienhändler haben ihre Ware vatikanisch ausgerichtet. Kitsch und Religion feiern Hochzeit. Eine Marienstatue, 17 Zentimeter natur, ist für 49 Euro zu haben, eine Bienen-Wachskerze mit aufgeklebten „Bienchen“ kostet fünf Euro. Papst-T-Shirt, Fünfmandler-Lebkuchen, Rosenkränze, Heiligenbildchen, Miniaturen der Basilika und anderes werden angeboten. Doch die Linden am Hautplatz, die man 1983 zu Ehren des Besuches von Papst Johannes Paul II. gepflanzt hatte, sind gefällt worden, da sie den Errichtung einer großen Zuschauertribüne im Weg standen.
sfux - 16. Aug, 08:03 Article 1854x read