«The Kingdom»
Sonja Wenger - Es ist ein entspannter Feiertag in dem abgeschotteten Wohnviertel von US-Amerikanern im saudiarabischen Riad. Das Baseballspiel nähert sich dem Höhepunkt und das Barbecue ist in vollem Gange. Nur die schwerbewaffneten Polizisten der saudischen Nationalgarde mögen nicht so recht zu dieser Idylle passen.

Doch auch sie sind nicht in der Lage zu verhindern, dass muslimische Fundamentalisten in falschen Polizeiuniformen ein Fahrzeug kapern und auf dem Sportplatz willkürlich in die Menge schiessen. Erst das mutige Eingreifen von Sergeant Haytham (Ali Suliman) setzt dem ein Ende und macht klar, dass es sich dabei nur um ein Ablenkungsmanöver gehandelt hat. Ein zweiter Selbstmordattentäter sprengt sich in der panisch fliehenden Menge in die Luft.
Der FBI-Agent Ronald Fleury (Jamie Foxx) spricht gerade telefonisch mit seinem Kollegen in Riad, der den Anschlag untersuchen soll, als eine zweite, noch grössere Bombe explodiert. Diese seit einigen Jahren praktizierte Methode eines zeitlich verzögerten Doppelanschlages zielt darauf ab, unter den Hilfs- und Sicherheitskräften nach einem Anschlag so viele Opfer wie möglich zu fordern. Über hundert Menschen sterben dabei, darunter auch Fleurys Kollege.
In dem neuen Actionfilm von Regisseur Peter Berg («Welcome to the Jungle») versucht Fleury daraufhin alles, um ein kleines Spezialistenteam trotz diplomatischer Streitereien nach Riad zu bringen. Schliesslich ist das FBI die führende Organisation bei Untersuchungen von Angriffen gegen US-Bürger im Ausland. Es gelingt Fleury eine Genehmigung für den Sprengstofffachmann Grant Sykes (Chris Cooper), die forensische Expertin Janet Mayes (Jennifer Garner) und den Analysten Adam Leavitt (Jason Bateman) zu erhalten. Doch kaum in Riad angekommen, werden sie zum Spielball politischer Ränkespiele.
Auch der zu ihrem Schutz und noch mehr zu ihrer Kontrolle abkommandierte Colonel Al Ghazi (Ashraf Barhoum) betrachtet sie zu Beginn vor allem als unerwünschte Eindringlinge. Erst als er begreift, dass sie beide das gleiche Ziel verfolgen und er das Fachwissen der FBI-Leute zu respektieren beginnt, können sie am gleichen Strang ziehen - und werden dadurch zur neuen Zielscheibe der Terroristen.
Die klassischen Elemente der Buddy-Action- Filme, in denen sich zwei Welten, zwei Philosophien und zwei Stile zusammenraufen müssen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, funktionieren auch in «The Kingdom». Der Film ist einerseits gut gemachte Popcorn-Unterhaltung, andererseits ein eher intelligenter Politthriller. Diese Mischung vermag sich in den letzten Jahren immer mehr an der Kinokasse durchzusetzen, wie die Beispiele von «Munich», «A Mighty Heart» oder «United 93» zeigen.
«The Kingdom» ist allerdings weder ein komplex aufgebautes Politdrama wie «Syriana», noch eine jener unerträglich eindimensionalen «Hoppla- jetzt-kommt-Onkel-Sam»-Ballerorgien. Dennoch ist die dramaturgische Handschrift von Produzent Michael Mann gut erkennbar. Spätestens bei der bleilastigen Befreiungsaktion am Ende fühlt man sich an Manns «Heat» erinnert.
Es geht in «The Kingdom» nicht darum, eine Seite als gut und die andere als schlecht darzustellen. Der Film erhebt keinerlei Anspruch auf irgendeine moralische Überlegenheit und ist eindeutig anti-fundamentalistisch, nicht aber antimuslimisch. Es ist Regisseur Berg gelungen, ein spannendes wie auch berührendes Plädoyer dafür zu schaffen, dass die menschlichen Grundwerte unabhängig von der jeweiligen Kultur gelten, und dass die Politik in der Regel keine brauchbaren Lösungen bietet.
Tratschundlaber erscheint im Berner und Zürcher Kulturmagazin ensuite

Doch auch sie sind nicht in der Lage zu verhindern, dass muslimische Fundamentalisten in falschen Polizeiuniformen ein Fahrzeug kapern und auf dem Sportplatz willkürlich in die Menge schiessen. Erst das mutige Eingreifen von Sergeant Haytham (Ali Suliman) setzt dem ein Ende und macht klar, dass es sich dabei nur um ein Ablenkungsmanöver gehandelt hat. Ein zweiter Selbstmordattentäter sprengt sich in der panisch fliehenden Menge in die Luft.
Der FBI-Agent Ronald Fleury (Jamie Foxx) spricht gerade telefonisch mit seinem Kollegen in Riad, der den Anschlag untersuchen soll, als eine zweite, noch grössere Bombe explodiert. Diese seit einigen Jahren praktizierte Methode eines zeitlich verzögerten Doppelanschlages zielt darauf ab, unter den Hilfs- und Sicherheitskräften nach einem Anschlag so viele Opfer wie möglich zu fordern. Über hundert Menschen sterben dabei, darunter auch Fleurys Kollege.
In dem neuen Actionfilm von Regisseur Peter Berg («Welcome to the Jungle») versucht Fleury daraufhin alles, um ein kleines Spezialistenteam trotz diplomatischer Streitereien nach Riad zu bringen. Schliesslich ist das FBI die führende Organisation bei Untersuchungen von Angriffen gegen US-Bürger im Ausland. Es gelingt Fleury eine Genehmigung für den Sprengstofffachmann Grant Sykes (Chris Cooper), die forensische Expertin Janet Mayes (Jennifer Garner) und den Analysten Adam Leavitt (Jason Bateman) zu erhalten. Doch kaum in Riad angekommen, werden sie zum Spielball politischer Ränkespiele.
Auch der zu ihrem Schutz und noch mehr zu ihrer Kontrolle abkommandierte Colonel Al Ghazi (Ashraf Barhoum) betrachtet sie zu Beginn vor allem als unerwünschte Eindringlinge. Erst als er begreift, dass sie beide das gleiche Ziel verfolgen und er das Fachwissen der FBI-Leute zu respektieren beginnt, können sie am gleichen Strang ziehen - und werden dadurch zur neuen Zielscheibe der Terroristen.
Die klassischen Elemente der Buddy-Action- Filme, in denen sich zwei Welten, zwei Philosophien und zwei Stile zusammenraufen müssen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, funktionieren auch in «The Kingdom». Der Film ist einerseits gut gemachte Popcorn-Unterhaltung, andererseits ein eher intelligenter Politthriller. Diese Mischung vermag sich in den letzten Jahren immer mehr an der Kinokasse durchzusetzen, wie die Beispiele von «Munich», «A Mighty Heart» oder «United 93» zeigen.
«The Kingdom» ist allerdings weder ein komplex aufgebautes Politdrama wie «Syriana», noch eine jener unerträglich eindimensionalen «Hoppla- jetzt-kommt-Onkel-Sam»-Ballerorgien. Dennoch ist die dramaturgische Handschrift von Produzent Michael Mann gut erkennbar. Spätestens bei der bleilastigen Befreiungsaktion am Ende fühlt man sich an Manns «Heat» erinnert.
Es geht in «The Kingdom» nicht darum, eine Seite als gut und die andere als schlecht darzustellen. Der Film erhebt keinerlei Anspruch auf irgendeine moralische Überlegenheit und ist eindeutig anti-fundamentalistisch, nicht aber antimuslimisch. Es ist Regisseur Berg gelungen, ein spannendes wie auch berührendes Plädoyer dafür zu schaffen, dass die menschlichen Grundwerte unabhängig von der jeweiligen Kultur gelten, und dass die Politik in der Regel keine brauchbaren Lösungen bietet.

sfux - 23. Nov, 08:00 Article 2054x read