Ein Knall und der Himmel öffnet sich…
Er der eigenwillige, aus aristokratischer Familie stammende Graf Giacinto Scelsi (1905- 1988) war wohl Zeit seines Lebens nicht einzuordnen: Der Komponist, Mystiker, Verrückter, Sphärenwanderer, der mit tibetanischen Mönchen betende und mit den berühmtesten Malern, Dichtern und Musikern befreundete Scelsi bleibt biographisch unerfassbar. Konsequent widersetzte sich der Ligurer aus La Spezia den Klischees seines Berufsstandes. Er war gewiss keiner der sich groß um das Publikum zu kümmern brauchte, keiner, der sich anzubiedern gedachte. Der Graf war ein wohlhabender Querdenker. Seine eigene Person stellte Scelsi demonstrativ in den Hintergrund, um sich kompromisslos seinen musikalischen Abenteuern und Gedanken zu widmen. Hätte Scelsi diese Freiheit nicht gehabt, er wäre wohl durch den äußerlichen Druck oder die erzwungene Kastration seiner unerhörten Improvisationsgabe zerbrochen. Er war besessen - besessen vom Klang und den daraus entstehenden mikrotonalen Veränderungen, seinen physikalischen Interaktionen. „Denn…“ so Scelsi, „…in Wahrheit ist der Ton sphärisch!“ Oder ist die Musik des eigenwilligen Komponisten Giacinto Scelsi einfach nur wertlos, verdient sie eigentlich gar keiner Beachtung, wie einer seiner italienischen Kollegen nach Scelsis Tod 1988 meinte? Scelsi wäre deshalb wohl kaum erschüttert gewesen, denn er verstand sich nie als Komponist in diesem Sinne, sondern vielmehr als Übermittler. Er empfing seine Werke auf dem Weg der Improvisation. Ein Jahr vor seinem Tod erst, erlebte der Greis 1987 den triumphalen Erfolg seiner Orchesterwerke in Köln.
Zu Ehren seines einhundertsten Geburtstages am kommenden 10. Januar, spielt die basel sinfonietta am 11. Januar in der Dampfzentrale fast alle großen Orchesterwerke aus Scelsis reifer Schaffensperiode aus den 1960er Jahren. Eine seltene Hommage an den brisanten Grafen, wahrlich ein Geburtstagsgeschenk.
Auch Geburtstag, den fünfundzwanzigsten, feiert das zelebrierende Orchester, die basel sinfonietta. Aber, weit gefehlt, ohne Geburtstagsgeschenk: An der Basler Volksabstimmung vom 26. September 2004, strich die eiserne Sparfaust der Schweizerischen Volks Partei SVP Basel-Landschaft und ein grotesker Kantönligeist dem international renommierten Orchester die Subventionen. Mit wüster Polemik, die zum Teil im Reich dreister Geschmacklosigkeit gipfelte und einer wirtschaftlich erstaunlichen Kurzsichtigkeit, offenbarten sich die SVP Politiker, die ihrer Basler Kultur keine wohlwollende Beachtung schenkt. Das „Komitee gegen Luxus-Subventionen“ eliminiert vielleicht sogar ein Stück Schweizer Kultur, denn die basel sinfonietta ist ein Exportschlager und begeistert durch ihre Eigenart auch ein junges Publikum. Die Zukunft für das Orchester mit seinen 90 Musikern ist nun ungewiss. Die basel sinfonietta hätte vom Kanton Basel-Landschaft für die Jahre 2004 – 2006 jährlich einen Betrag in Höhe von CHF 650.000,- erhalten sollen, womit die mittelfristige Zukunft des 90-köpfigen Orchesters gesichert gewesen wäre. Diese ist nun, da der Subventionsvertrag mit dem Kanton Basel-Stadt Ende 2005 (jährlicher Beitrag CHF 305.000,-) auslaufen wird, aufs äußerste gefährdet und die Existenz des Orchesters ist nun, im 25-jährigen Jubiläum ernsthaft in Frage gestellt.
Doch die Musikerinnen und Musiker des Vereins basel sinfonietta stehen geschlossen für die Zukunft des Klangkörpers: Innovation, Programmwitz und das engagierte Musizieren sowie ein privatwirtschaftlicher Eigenfinanzierungsgrad von 2/3 des Budgets sind weltweit einmalig und kommen Basel und der ganzen Region zu Gute. Seit 25 Jahren bringt es die basel sinfonietta mit Bravour und oft in kürzester Zeit fertig, vielschichtige und begeisternde Projekte zusammenzustellen. Zur Aufführung gelangen bekannte aber auch unbekannte moderne und klassische Werke, die untereinander oder mit Musik aus den Bereichen Jazz, Performance oder Chorgesang gekonnt verbunden werden.
Dieser international renommierte Klangkörper ist in der Tat einmalig: Die Musiker, allesamt Profis, arbeiten mit Herzblut und höchster Qualität für das eigensinnige Orchester. Für unglaublich bescheidene Honorare, tief unter dem Schnitt jedes anderen Musikers in klassischen Orchestern, realisieren sie Projekte und Musikerlebnisse, die so in der Schweiz einzigartig sind. Geld müssen die Musiker in den Musikschulen verdienen.
Die Erfolge der Konzerte der letzten Jahre und die stetig steigenden Abonnentenzahlen lassen dem Orchester keine andere Wahl als weiterzumachen. Nur die Weiterführung des qualitativ hoch stehenden Programms sichert das Prestige und die Anerkennung und damit die Zukunft der basel sinfonietta. Im Zusammenhang mit der in den letzten Jahren vorangetriebenen Professionalisierung des Orchesters verfügt die sinfonietta, die 1980 als Alternative zum konventionellen Orchesterbetrieb aus der Taufe gehoben worden war, mittlerweile über einen vollamtlichen Geschäftsführer und zwei weitere Personen, die für die Öffentlichkeitsarbeit und die Konzertorganisation besorgt sind. Der Ausbau der Managementkapazitäten hat nicht nur zu höheren Kosten, sondern auch zu einer besseren Vermarktung des Ensembles und zu einer Verdreifachung der Sponsoring-Einnahmen geführt. Längst ist die basel sinfonietta weit über die Kantons- und Landesgrenze heraus berühmt geworden, bewirbt durch ihre Arbeit die beiden Halbkantone von Basel und bringt damit rückwirkende Gelder. Nicht nur dies, sie sichert den Jugendlichen eine profunde musikalische Ausbildung an den Musikschulen durch die MusikerInnen der basel sinfonietta - doch das überstieg wohl die Weitsicht des SVP dominierten Komitees.
Gut möglich, dass die basel sinfonietta bei anderen Kantonen, oder als schweizerische Eigenart gar beim Bund Asyl erhalten könnte. Verdient hätte es das Orchester zweifellos. Einblicke in die Bedeutsamkeit des Orchester und in die Schaffenswelt Scelsis, unter anderem mit seinem Stück Phat, dem jüngsten und kürzesten von Scelsis Orchesterwerken zeigen sie am 11. Januar in der Dampfzentrale. Der Himmel über Bern möge sich öffnen.
So unverbunden ist Bern der basel sinfonietta nicht, denn sie bringt ein Wiedersehen mit dem Berner Dirigenten und Komponisten Jürg Wyttenbach. Als Dirigent hat Wyttenbach über 100 Werke zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten, die meisten in Ur- oder Erstaufführungen mit den großen Orchestern Europas aufgeführt, unter anderem die Uraufführung von Scelsis Phat im Jahre 1986, zwei Jahre vor Scelsis Tod. Für die Einspielung des Gesamtwerkes von Giacinto Scelsi für Chor und Orchester erhielt Wyttenbach die Auszeichnung des „Grand Prix du Disque“ und der Preis der deutschen Schallplattenkritik. Er konzertierte u.a. mit der Dresdener Philharmonie und dem Sinfonieorchester Krakau. Auch die Solistin, Bettina Boller, ist Bernerin. Sie hat sich als eigenwillige und ausdrucksstarke Violinistin einen Namen gemacht und die Werke schweizerischer Komponisten zu internationaler Beachtung geführt. Bettina Boller, bekannt auch als Gastgeberin in der Kultursendung des Schweizer Fernsehens „Sternstunde Religion, Philosophie und Kunst“, spielte als Solistin an der Carnegie Hall in New York, konzertierte die meisten europäischen Länder und brillierte als Solistin in preisgekrönten Musikvisualisierungen. Unterstützt wird die basel sinfonietta durch die Chöre des Gymnasiums Neufeld Bern und des Gymnasiums Liestal.
Die basel sinfonietta sind Musiker, die mit Herzblut die Geschichte großer Meister weitertragen. Ganz im Sinne des mystic Scelsi, der sich zeitlebens den berauschenden Erfolgen und dem Ruhm verschloss, sich aber der Musik öffnete und sich ins Innerste, in das Herz des Klanges drängte: „Wissen sie, ich liebe die Verrückten. Geben sie sich ein bißchen Mühe!“ Bern wäre stolz auf ein Orchester wie die basel sinfonietta und gewiss, die basel sinfonietta sind Verrückte.

Zu Ehren seines einhundertsten Geburtstages am kommenden 10. Januar, spielt die basel sinfonietta am 11. Januar in der Dampfzentrale fast alle großen Orchesterwerke aus Scelsis reifer Schaffensperiode aus den 1960er Jahren. Eine seltene Hommage an den brisanten Grafen, wahrlich ein Geburtstagsgeschenk.
Auch Geburtstag, den fünfundzwanzigsten, feiert das zelebrierende Orchester, die basel sinfonietta. Aber, weit gefehlt, ohne Geburtstagsgeschenk: An der Basler Volksabstimmung vom 26. September 2004, strich die eiserne Sparfaust der Schweizerischen Volks Partei SVP Basel-Landschaft und ein grotesker Kantönligeist dem international renommierten Orchester die Subventionen. Mit wüster Polemik, die zum Teil im Reich dreister Geschmacklosigkeit gipfelte und einer wirtschaftlich erstaunlichen Kurzsichtigkeit, offenbarten sich die SVP Politiker, die ihrer Basler Kultur keine wohlwollende Beachtung schenkt. Das „Komitee gegen Luxus-Subventionen“ eliminiert vielleicht sogar ein Stück Schweizer Kultur, denn die basel sinfonietta ist ein Exportschlager und begeistert durch ihre Eigenart auch ein junges Publikum. Die Zukunft für das Orchester mit seinen 90 Musikern ist nun ungewiss. Die basel sinfonietta hätte vom Kanton Basel-Landschaft für die Jahre 2004 – 2006 jährlich einen Betrag in Höhe von CHF 650.000,- erhalten sollen, womit die mittelfristige Zukunft des 90-köpfigen Orchesters gesichert gewesen wäre. Diese ist nun, da der Subventionsvertrag mit dem Kanton Basel-Stadt Ende 2005 (jährlicher Beitrag CHF 305.000,-) auslaufen wird, aufs äußerste gefährdet und die Existenz des Orchesters ist nun, im 25-jährigen Jubiläum ernsthaft in Frage gestellt.
Doch die Musikerinnen und Musiker des Vereins basel sinfonietta stehen geschlossen für die Zukunft des Klangkörpers: Innovation, Programmwitz und das engagierte Musizieren sowie ein privatwirtschaftlicher Eigenfinanzierungsgrad von 2/3 des Budgets sind weltweit einmalig und kommen Basel und der ganzen Region zu Gute. Seit 25 Jahren bringt es die basel sinfonietta mit Bravour und oft in kürzester Zeit fertig, vielschichtige und begeisternde Projekte zusammenzustellen. Zur Aufführung gelangen bekannte aber auch unbekannte moderne und klassische Werke, die untereinander oder mit Musik aus den Bereichen Jazz, Performance oder Chorgesang gekonnt verbunden werden.
Dieser international renommierte Klangkörper ist in der Tat einmalig: Die Musiker, allesamt Profis, arbeiten mit Herzblut und höchster Qualität für das eigensinnige Orchester. Für unglaublich bescheidene Honorare, tief unter dem Schnitt jedes anderen Musikers in klassischen Orchestern, realisieren sie Projekte und Musikerlebnisse, die so in der Schweiz einzigartig sind. Geld müssen die Musiker in den Musikschulen verdienen.
Die Erfolge der Konzerte der letzten Jahre und die stetig steigenden Abonnentenzahlen lassen dem Orchester keine andere Wahl als weiterzumachen. Nur die Weiterführung des qualitativ hoch stehenden Programms sichert das Prestige und die Anerkennung und damit die Zukunft der basel sinfonietta. Im Zusammenhang mit der in den letzten Jahren vorangetriebenen Professionalisierung des Orchesters verfügt die sinfonietta, die 1980 als Alternative zum konventionellen Orchesterbetrieb aus der Taufe gehoben worden war, mittlerweile über einen vollamtlichen Geschäftsführer und zwei weitere Personen, die für die Öffentlichkeitsarbeit und die Konzertorganisation besorgt sind. Der Ausbau der Managementkapazitäten hat nicht nur zu höheren Kosten, sondern auch zu einer besseren Vermarktung des Ensembles und zu einer Verdreifachung der Sponsoring-Einnahmen geführt. Längst ist die basel sinfonietta weit über die Kantons- und Landesgrenze heraus berühmt geworden, bewirbt durch ihre Arbeit die beiden Halbkantone von Basel und bringt damit rückwirkende Gelder. Nicht nur dies, sie sichert den Jugendlichen eine profunde musikalische Ausbildung an den Musikschulen durch die MusikerInnen der basel sinfonietta - doch das überstieg wohl die Weitsicht des SVP dominierten Komitees.
Gut möglich, dass die basel sinfonietta bei anderen Kantonen, oder als schweizerische Eigenart gar beim Bund Asyl erhalten könnte. Verdient hätte es das Orchester zweifellos. Einblicke in die Bedeutsamkeit des Orchester und in die Schaffenswelt Scelsis, unter anderem mit seinem Stück Phat, dem jüngsten und kürzesten von Scelsis Orchesterwerken zeigen sie am 11. Januar in der Dampfzentrale. Der Himmel über Bern möge sich öffnen.
So unverbunden ist Bern der basel sinfonietta nicht, denn sie bringt ein Wiedersehen mit dem Berner Dirigenten und Komponisten Jürg Wyttenbach. Als Dirigent hat Wyttenbach über 100 Werke zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten, die meisten in Ur- oder Erstaufführungen mit den großen Orchestern Europas aufgeführt, unter anderem die Uraufführung von Scelsis Phat im Jahre 1986, zwei Jahre vor Scelsis Tod. Für die Einspielung des Gesamtwerkes von Giacinto Scelsi für Chor und Orchester erhielt Wyttenbach die Auszeichnung des „Grand Prix du Disque“ und der Preis der deutschen Schallplattenkritik. Er konzertierte u.a. mit der Dresdener Philharmonie und dem Sinfonieorchester Krakau. Auch die Solistin, Bettina Boller, ist Bernerin. Sie hat sich als eigenwillige und ausdrucksstarke Violinistin einen Namen gemacht und die Werke schweizerischer Komponisten zu internationaler Beachtung geführt. Bettina Boller, bekannt auch als Gastgeberin in der Kultursendung des Schweizer Fernsehens „Sternstunde Religion, Philosophie und Kunst“, spielte als Solistin an der Carnegie Hall in New York, konzertierte die meisten europäischen Länder und brillierte als Solistin in preisgekrönten Musikvisualisierungen. Unterstützt wird die basel sinfonietta durch die Chöre des Gymnasiums Neufeld Bern und des Gymnasiums Liestal.
Die basel sinfonietta sind Musiker, die mit Herzblut die Geschichte großer Meister weitertragen. Ganz im Sinne des mystic Scelsi, der sich zeitlebens den berauschenden Erfolgen und dem Ruhm verschloss, sich aber der Musik öffnete und sich ins Innerste, in das Herz des Klanges drängte: „Wissen sie, ich liebe die Verrückten. Geben sie sich ein bißchen Mühe!“ Bern wäre stolz auf ein Orchester wie die basel sinfonietta und gewiss, die basel sinfonietta sind Verrückte.

sfux - 22. Dez, 08:53 Article 887x read