Innenansichten eines CIA-Folterkerkers
World Content News - Guantánamo ist nur die Spitze eines Eisbergs: US-amerikanische Geheimdienste verschleppten mehrere hundert Menschen in geheime Haftzentren auf der ganzen Welt, misshandelten und folterten sie. Dabei bedienten sie sich auch der Unterstützung anderer Länder.
Erstmals liegt nun ein umfassendes Protokoll über die Zustände in einem der geheimen Gefängnisse der CIA vor. Der Jemenite Mohamed Bashmilah beschreibt detailliert anhand von Skizzen die Örtlichkeiten in einem afghanischen Geheimknast, berichtet über die 19 Monate andauernde Brutalität und die psychische Folter, die er dort erdulden musste. WCN hat seine Schilderungen, die jetzt auch gerichtlich aktenkundig sind und vor kurzem im renommierten Magazin Salon.com erschienen, übersetzt.
Inside the CIA's notorious "black sites"
Von Mark Benjamin (14.12.07)
Der US-Geheimdienst CIA hielt Mohamed Farag Ahmad Bashmilah in mehreren verschiedenen Zellen, als er in dem Netzwerk geheimer Gefängnisse eingekerkert wurde, die auch als "Black Sites" bekanntgeworden sind. Die kleinen Zellen waren alle ähnlich gebaut, vielleicht 7 Fuß breit und 10 Fuß lang. Manchmal musste er sich nackt ausziehen und manchmal war er wochenlang mit Handschellen gefesselt. In einer Zelle wurde sein Fuß an einen Bolzen im Boden angekettet. Es gab eine kleine Toilette. In einer anderen Zelle war nur ein Eimer für die Notdurft vorhanden. Videokameras zeichneten jede Bewegung von ihm auf. Die Lichter blieben immer an, für ihn gab es weder Tag noch Nacht. Ein Lautsprecher peinigte ihn ununterbrochen mit elektronischen Geräuschen, manchmal war es auch Rap-Musik, 24 Stunden pro Tag.

Grundriss von Bashmilah's erster Zelle in Afghanistan
Die Wächter trugen schwarze Masken und schwarze Kleidung. Sie sagten kein Wort, als sie Bashmilah aus seiner Zelle zum Verhör herauszogen -- eine seiner wenigen Interaktionen mit anderen Menschen während seiner 19 Monate andauernden Gefangenschaft. Niemand sagte ihm, wo er war, oder wann er je frei kommen würde.
Es reichte aus, um jeden verrückt zu machen. Bashmilah versuchte darauf hin, sich seine Handgelenke mit einem kleinen Stück Metall aufzuritzen und schmierte mit seinem Blut die Worte "Ich bin unschuldig" an die Wand seiner Zelle. Aber die CIA nähte ihm seine Wunden wieder zu.
Daraufhin verweigerte Bashmilah die Nahrung. Nachdem er bis auf 45 Kg abgemagert war, wurde er in ein Verhörzimmer geschleppt, wo sie einen Tubus in seine Nase und in seinen Magen rammten. Flüssigkeit wurde in ihn gepumpt. Die CIA wollte ihn nicht sterben lassen.

Grundriss des Verhörraums, auch als Zelle genutzt
Zuweilen, als sich Bashmilah's Seelenzustand gefährlich zu verschlechtern drohte, ergriff die CIA andere Maßnahmen: Sie versuchten psychisch auf ihn einzuwirken. Bashmilah glaubt, dass die Verhörspezialisten als Psychologen oder Psychiater ausgebildet wurden. "Sie bemühten sich mich wieder aufzurichten und mich zu beruhigen", sagte Bashmilah in einem von einem Dolmetscher übersetzten Telefoninterview aus dem Jemen. "Ich sollte aus mir herausgehen und mir erlauben, zu weinen und durch zu atmen."
Im Juni dieses Jahres berichtete Salon über die Hinzuziehung von Psychologen, die die Verhöre der Terrorverdächtigen unterstützen sollten. Aber die Rolle sowie das Ausmaß der professionellen Seelenbearbeiter, die in den Black Sites der CIA fungierten, ist in dieser gruseligen kafkaesken Geschichte von den geheimen Überseegefängnissen des Geheimdienstes noch weitgehend unerforscht.
Bisher ist nur wenig über die Umstände von Bashmilah's Einkerkerung öffentlich bekannt. Seine ausführlichen Beschreibungen in einem Interview mit Salon sowie kürzlich veröffentlichte Gerichtsakten geben erstmalig einen tiefen Einblick in die Haftbedingungen eines Gefangenen in einem geheimen CIA-Gefängnis. Menschenrechtsaktivisten und Rechtsanwälte haben seinen Fall sorgfältig zusammen getragen und zogen Bashmilah's Beschreibungen von seinen Zellen und seinen Häschern heran, sowie Dokumente der jordanischen und der jemenitischen Regierung und dem UN-Büro des Oberkommissars für Menschenrechte, um seine Aussagen zu verifizieren. Auch Flugaufzeichnungen, die die Bewegungen der CIA-Flugzeuge auflisten, bestätigen Bashmilah's Aussagen und verfolgen seinen Pfad während seiner Gefangenschaft vom Nahen Osten nach Afghanistan und wieder zurück.
Bashmilah's Geschichte scheint auch klar aufzuzeigen, dass er unschuldig ist. Nach 19 Monaten Inhaftierung und Peinigung ließ die CIA ihn wieder frei, genau so, wie er inhaftiert worden war - nämlich ohne jegliche Erklärung. Ihm wurde kein Prozess gemacht. Man gestattete ihm keinen Anwalt. Er sah keinen Richter. Er wurde einfach freigelassen, als gebrochener Mensch.
"Dieser Fall zeigt die tatsächliche Auswirkung des CIA-Rendition-Programmes auf den Menschen und wie Menschenleben dadurch ruiniert werden", sagte Margaret Satterthwaite, die Rechtsanwältin Bashmilah's und Professorin an der New York University School of Law. "Es geht um psychologische Folter und um die Erfahrung des spurlosen Verschwundenseins."
Bashmilah, im Alter von 39 Jahren jetzt physisch ein freier Mann, leidet noch immer an den psychischen Folgen von anhaltender Haft und Missbrauch. Er ist wegen der Schäden die ihm von der U.S.-Regierung angetan wurden, in ärztlicher Behandlung. Am Freitag übergab Bashmilah seine Erklärungen an ein U.S.-Bezirksgericht, die in einen Zivilprozess einfließen werden, der von ACLU gegen Jeppesen Dataplan Inc angestrengt wird. Diese Firma ist eine Tochtergesellschaft von Boeing, die beschuldigt wird, geheime CIA-Entführungsflüge organisiert zu haben.
Bashmilah sagte im Telefoninterview, dass die psychologische Peinigung in einem CIA -Gefängnis dadurch verschlimmert wird, dass Häftlinge absichtlich und unergründlich im Unklaren gehalten werden. Als er herausfand, dass er sich in den Händen von Amerikanern befand, wusste Bashmilah nicht warum er festgehalten wurde, noch wo er war, und ob er je wieder seine Familie sehen würde. Er sagte: "Jedes Mal wenn ich mir vorstelle, dass es vielleicht andere gibt, die jetzt immer noch dort sind wo ich litt, falle ich jedesmal aufs Neue - wie jene unschuldigen Leute - in ein tiefes Loch."

Grundriss eines Gebäudekomplexes in der Black Site von Afghanistan
Es mag vielleicht bizarr für den Geheimdienst anmuten, für die Seelsorge eines Häftlings zu sorgen, während er geistig gleichzeitig zerbrochen wird, eine Art humanitärer Aspekt zu einem Programm, das auf der anderen Seite den systematischen psychologischen Missbrauch ausbeutet. Doch es ist durchaus möglich, dass diese Psychologen dazu dienen, die Häftlinge absichtlich aus ihrer emotionalen Finsternis zurückzuholen, da sie angesichts ihres überreizten Zustandes für weitere Verhöre unbrauchbar würden. "Nach meinem Verständnis ist der Anwesenheits-Zweck von Psychiatern, dass, wenn sich der Häftling besser fühlt, er dann eher bereit wäre, seinen Vernehmern mehr zu erzählen", sagte Bashmilah.
Realistisch betrachtet, könnten Psychiater in solch einer Situation wenig dazu beitragen, die tieferen Leiden der Häftlinge auszuloten. "Sie hatten tatsächlich keine Kompetenz, diese Fragen zu anzusprechen", sagte Bashmilah über seine seelischen Schmerzen. Er sagte, dass die Ärzte ihm auftrugen, "auf den Tag zu hoffen, an dem Sie Ihre Unschuld beweisen werden, bzw. dass Sie eines Tages zu Ihrer Familie zurückkommen werden." Die Psychiater gaben ihm Medikamente, vermutlich Beruhigungsmittel. Sie analysierten seine Träume. Aber da war auch nicht sehr viel, was sie sonst für ihn tun konnten. "Sie gaben mir auch einen Rubik 's Cube, mit dem ich die Zeit totschlagen konnte und diverse Puzzlespiele", erinnert sich Bashmilah.
Für ihn begann der Albtraum im Herbst 2003. Bashmilah war von Indonesien, wo er mit seiner Frau lebte und ein Bekleidungsgeschäft unterhielt, nach Jordanien gereist um Bashmilah's Mutter zu besuchen, die sich dort vorübergehend aufhielt. Die Familie hoffte, einen herzchirurgischen Eingriff für Bashmilah's Mutter in einem Krankenhaus in Amman arrangieren zu können. Bevor er Indonesien verließ, hatte Bashmilah seinen Pass verloren und bekam dort Ersatzpapiere ausgestellt. Nach seiner Ankunft in Jordanien wurde er wegen eines fehlenden Stempels in seinem Pass befragt. Er machte sich zusätzlich verdächtig, als er zugab, dass er im Jahr 2000 Afghanistan besucht hatte. An diesem Tag, es war der 21. Oktober 2003, wurde Bashmilah von den jordanischen Behörden in Haft genommen. Seitdem wurde er nicht wieder gesehen, bis er am 5. Mai 2005 im Jemen aus einem CIA-Flugzeug stieg.
Bashmilah's offenkundige Unschuld war den Beamten des jordanischen Geheimdienstes ziemlich egal. Nach seiner Verhaftung wurde er brutal geschlagen und mit Fragen zu Al-Qaida bombardiert. Er wurde gezwungen, in einem Hof herum zu joggen bis er zusammenbrach. Offiziere hingen ihn mit gefesselten Händen mit dem Kopf nach unten an einem Ledergurt auf. Er bekam Schläge auf seine Fußsohlen und in die Seite. Sie drohten, ihn mit Drähten durch einen Stromschlag zu töten. Sie erzählten ihm, sie würden seine Frau und seine Mutter vergewaltigen.
Es war zu viel für ihn. Bashmilah unterzeichnete ein mehrseitiges Geständnis, war dabei so desorientiert und eingeschüchtert, dass er vorher nicht einmal mehr durchlas, was er da unterschrieb. "Ich wusste, dass es Dinge beinhaltete, die ich nicht sagte", schrieb er in seiner Erklärung an das Gericht, die letzten Freitag dort einging. "Ich war bereit, hunderte Blätter zu unterschreiben, wenn sie nur das Verhör beenden würden."
"Wann immer ich eine Fliege in meiner Zelle sah, war ich mit Freude erfüllt"
Bashmilah wurde in den frühen Morgenstunden des 26. Oktober 2003 an die CIA übergeben. Jordanische Beamte übergaben ihn an einen "groß gewachsenen, korpulenten weißen Mann mit schütterem Haar, der Zivilkleidung und eine dunkle Sonnenbrille mit kleinen runden Linsen" trug, schrieb er in seiner Erklärung. Er hatte keine Ahnung, wer seine neuen Häscher waren, oder dass für ihn nun in der Obhut der U.S.-Regierung eine 19 Monate andauernde Hölle beginnen sollte. Und obwohl er in seiner U.S.-Gefangenschaft selten physisch geschlagen wurde, beschreibt er, dass das Gefängnisregime darauf ausgerichtet war, jemandem absichtlich extreme psychische Qual zuzufügen.
Ich fragte Bashmilah, was schlimmer war: die physischen Schläge der Jordanier oder der psychologische Missbrauch, wie ihn die CIA betrieb. "Ich sehe es so, dass diese psychologische Folter, die ich ertrug, schlimmer war als die physische Folter", antwortete er. Er nannte seine Gefangenschaft bei der CIA "ähnlich, als ob man in einem Grab liegen würde."
"Wann immer ich eine Fliege in meiner Zelle sah, war ich mit Freude erfüllt", sagte er. "Wenngleich ich mir auch wünschte, sie möge unter den Türspalt hindurch krabbeln, um nicht länger eingesperrt zu sein."
Nach einer kurzen Autofahrt zu einem Flughafengebäude wurde Bashmilah's Kleidung von schwarz gekleideten maskierten Wächtern heruntergerissen, die chirurgische Handschuhe trugen. Er wurde geschlagen. Ein Wächter steckte seinen Finger in Bashmilah's Anus. Er wurde in eine Windel, ein blaues Hemd und in eine kurze Hose gesteckt. Mit verbundenen Augen und Ohrenschützer tragend, wurde er dann angekettet. Man streifte ihm eine Kapuze über und gurtete ihn auf einer Bahre in einem Flugzeug fest.
Flug-Aufzeichnungen beweisen, dass Bashmilah nach Kabul geflogen wurde. (Sie zeigen auch, dass das Flugzeug [N379P] ursprünglich aus Washington kam, mit Zwischenlandungen in Prag und Bukarest.) Nach der Landung wurde er gezwungen, sich 15 Minuten lang auf den Boden eines holpernden Jeeps hinzulegen, anschließend wurde er in ein Gebäude hineingeführt. Die Augenbinde wurde entfernt, und Bashmilah wurde von einem amerikanischen Arzt untersucht.
Er wurde dann in einer fensterlosen, eisig-kalten Zelle, ungefähr 6.5 Fuß und 10 Fuß (= ca. 2m x 3m) untergebracht. Es gab eine Schaumstoffmatratze, eine Decke und einen Eimer für die Toilette, der einmal pro Tag geleert wurde. Eine nackte Glühbirne blieb ständig an. Oberhalb einer massiven Metalltür war eine Videokamera montiert. Im ersten Monat wurde seine Zelle mit lautem Rap und arabischer Musik beschallt, 24 Stunden pro Tag, durch ein Loch gegenüber der Tür. Seine Beinketten waren an der Mauer befestigt. Die Wachen ließen ihn nicht schlafen und zwangen Bashmilah, jede halbe Stunde seine Hand zu heben, um zu beweisen, dass er immer noch wach war.
Die Zellen waren aneinander gereiht und jeweils mit Zwischenräumen versehen. Hoch oben über den niedrigen Zellendecke schien eine weitere Decke vorhanden zu sein, es hatte den Anschein als ob das Gefängnis sich in einem Flugzeughangar befände.

Ausgestaltung des Verhörraums in diesem Gefängnistrakt
Nach drei Monaten wurde die Situation unerträglich. Bashmilah bemühte sich erfolglos, sich mit seiner Decke zu erhängen und schlitzte seine Pulsadern auf. Er schlug seinen Kopf mit voller Wucht gegen die Mauer, in der Hoffnung dadurch das Bewusstsein zu verlieren, Während seiner Haft in Kabul wurde er in drei verschiedenen, aber ähnlichen Zellen gehalten. In einem Fall wurde die ihm gegenüber liegende Zelle für Verhöre benutzt. "Während ich selbst nicht in der Folter und im Verhörzimmer geschlagen wurde, musste ich mir bald die Schreie der Häftlinge anhören, die dort gefoltert wurden", schrieb er.
Auch wenn er nicht geschlagen wurde, wurde Bashmilah doch häufig verhört. "Während der ganzen Periode meiner Haft wurde ich in einsamer Beengtheit gehalten und sah niemanden anders als meine Wachen, Vernehmer und anderes Gefängnispersonal", schrieb er in seiner Erklärung. Einer der Verhörenden beschuldigte ihn, Briefe an einen Kontakt in England schicken zu wollen, obwohl Bashmilah beteuerte, er kenne niemanden in diesem Land. Bei anderen Gelegenheiten wurden ihm Bilder von Personen gezeigt, von denen er sagt, dass er sie nicht kannte.
"Dies ist eine Form der Folter", sagte er mir. "Besonders, wenn die davon betroffene Person nichts gemacht hat."
In seiner Erklärung stellte Bashmilah klar, dass die meisten Gefängnisbeamten Englisch mit einem amerikanischen Akzent sprachen. "Die Vernehmer bezogen sich auch häufig auf Berichte, die aus Washington kamen", schrieb er.
Nach sechs Monaten wurde er abgeholt, ohne jegliche Warnung oder einer Erklärung. Am oder um den 24. April 2004 herum wurde Bashmilah aus seiner Zelle gezogen und in ein Verhörzimmer gesetzt, in dem er nackt ausgezogen wurde. Ein amerikanischer Arzt mit einer verkrüppelten Hand untersuchte ihn und notierte auffällige Punkte auf einem Diagramm des menschlichen Körpers. Schwarz maskierte Wachen steckten ihn wieder in eine Windel, Baumwollhosen und Hemd. Ihm wurde die Augen verbunden, er wurde angekettet, mit einer Kapuze versehen, man zwang ihn, Kopfhörer zu tragen und stapelte ihn liegend in einem Jeep mit anderen Häftlingen. Dann erinnert er sich daran, wie er Stufen zu einem wartenden Flugzeug hinaufstieg, für einen Flug, der mehrere Stunden dauern sollte, gefolgt wiederum von mehreren Stunden, wo er gezwungen wird, auf dem Boden eines Hubschraubers zu kauern.
Nach der Landung wurde er für eine kurze Fahrt in ein Fahrzeug gesteckt. Danach waren es nur noch wenige Schritte in ein anderes geheimes Gefängnis, dessen Lage noch unbekannt ist.
Er wurde in ein Zimmer befohlen und wurde wieder nackt ausgezogen. Fotos wurden von allen Seiten seines Körpers gemacht. Er war von ungefähr 15 Leuten umgeben. "Bis auf die Person, die Fotos von ihm machte, waren alle anderen mit schwarzen Masken verkleidet, von der Art, die Räuber tragen, um ihre Gesichter zu verstecken", schrieb Bashmilah in der Erklärung.
Er wurde erneut von einem Arzt untersucht, der Notizen auf das Diagramm des menschlichen Körpers machte. (Es waren die gleichen Vordrucke wie ihn Afghanistan. Bashmilah sah, dass man sogar seine Impfnarbe auf dem Diagramm markierte.) Der Arzt sah sich seine Augen, Ohren, Nase und Rachen an.
Schließlich wurde er wurde dann in eine kalte Zelle geworfen, verlassen, nackt.
Es war eine andere winzige Zelle, neu oder frisch renoviert mit einem unbenutzten Stahlspülbecken und einer Toilette. Bis er seine Kleidung erhielt, die mehrere Tage später ankam, musste sich Bashmilah in eine Decke hüllen. In dieser Zelle gab es zwei Videokameras, eine beobachtete ihn von der Tür aus, die andere war in eine Wand eingelassen. Über der Tür hing auch ein Lautsprecher. Ein "weißes Geräusch", ähnlich wie ein atmosphärisches Rauschen, erfüllte den Raum - Tag und Nacht. Er verbrachte den ersten Monat in Handschellen. In dieser Zelle wurde sein Fußgelenk an einer 110-gliedrigen Kette gefesselt, die an einem Bolzen auf dem Boden befestigt war.
Die Tür hatte eine kleine Öffnung in der Nähe des Bodens, durch die das Essen erscheinen würde: gebratener Reis, in Scheiben geschnittenes Fleisch und Brot, Käse-Dreiecke, Bratkartoffeln, Tomatenscheiben und Oliven, serviert auf einem Plastikteller.
Die Wärter trugen schwarze Hosen mit Taschen, langärmelige schwarze Hemden, Gummihandschuhe oder schwarze Handschuhe und Masken, die den Kopf und den Hals bedeckten. Die Masken wiesen in Höhe der Augen gelbes getöntes Plastik auf. "Ich hörte nie die Wachen mit einander sprechen, und sie sprachen nie mit mir", schrieb Bashmilah in seiner Erklärung.
Die Anzahl der Verhöre erhöhte sich. Bashmilah erinnert sich an eine Präsentation auf einem Laptop über einen islamischen Gelehrten. Der Vernehmer wollte wissen, ob Bashmilah den Mann kannte, aber woher auch. Es war in dieser Einrichtung, in der sich Bashmilah die Pulsadern aufschlitzte und seinen Hungerstreik begann, um dann durch eine Kanüle zwangsernährt zu werden, die man durch seine Nase zwang.
Irgendwann im September 2004 schien der CIA ein Licht aufzugehen, dass Bashmilah nichts mit Al-Kaida zu tun hatte, als er wiederum in eine andere, ähnlich aussehende Zelle verlagert wurde. Aber das "weiße Geräusch" war nun verschwunden. Er bekam zwar weiterhin Fußfesseln, diese wurden aber nicht mehr mit einer Kette an den Boden geschraubt. Ihm wurde erlaubt, sich einmal pro Woche zu duschen. Er wurde nicht mehr verhört und wurde meistens in Ruhe gelassen.
Bashmilah bekam eine Liste mit Büchern, die er lesen durfte. Ungefähr einen Monat vor seiner Freilassung wurde ihm für 15 Minuten pro Woche der Zugang zu einem Sportraum gewährt. Und er hatte Kontakt zu Psychologen. "Die Psychiater baten mich, darüber zu reden, warum ich so verzweifelt war, interpretierten meine Träume, fragten mich, wie ich schlief, ob ich Appetit hatte, und boten Medikamente wie z.B. Beruhigungsmittel an."
Am 5. Mai 2005 wurden Bashmilah Handschellen angelegt, er wurde mit einer Kapuze versehen und in den Jemen geflogen. Dokumente der jemenitischen Regierung bestätigen, dass der Flug sechs oder sieben Stunden dauerte, und dass er aus der Kontrolle der U.S.-Regierung übernommen wurde. Er musste erfahren, dass inzwischen im Herbst 2004 sein Vater gestorben war, ohne Gewissheit zu haben, wohin sein Sohn verschwand und ob er überhaupt noch am Leben war.
Am Ende meines Interviews mit Bashmilah fragte ich ihn, ob es noch etwas Besonderes gab, von dem er möchte, dass alle Leute es wissen sollen. "Ich möchte der amerikanischen Bevölkerung mitteilen, dass der Islam anderen Nationen nicht feindlich gesonnen ist", sagte er. "Die amerikanische Bevölkerung sollte ein Mitspracherecht darüber haben, ob verantwortliche Personen, die unschuldigen Leuten Schmerzen zugefügt haben, dafür haftbar zu machen sind", fügte er hinzu. "Und wenn es ein Verbrechen gegen das amerikanische Volk gegeben hat, sollte es nicht durch ein weiteres Verbrechen wettgemacht werden."
Dieser Text wurde mit der Intention einer möglichst wortgetreuen Übernahme aus dem Amerikanischen übersetzt.
Originalquelle: Inside the CIA's notorious "black sites" (salon.com, 14.12.2007)
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(foxreno.com, 14.12.2007)
Jordan's Spy Agency: Holding Cell for the CIA
(Washington Post, 01.12.2007)
Dieser Artikel erschien bei World Content News
Erstmals liegt nun ein umfassendes Protokoll über die Zustände in einem der geheimen Gefängnisse der CIA vor. Der Jemenite Mohamed Bashmilah beschreibt detailliert anhand von Skizzen die Örtlichkeiten in einem afghanischen Geheimknast, berichtet über die 19 Monate andauernde Brutalität und die psychische Folter, die er dort erdulden musste. WCN hat seine Schilderungen, die jetzt auch gerichtlich aktenkundig sind und vor kurzem im renommierten Magazin Salon.com erschienen, übersetzt.
Inside the CIA's notorious "black sites"
Von Mark Benjamin (14.12.07)
Der US-Geheimdienst CIA hielt Mohamed Farag Ahmad Bashmilah in mehreren verschiedenen Zellen, als er in dem Netzwerk geheimer Gefängnisse eingekerkert wurde, die auch als "Black Sites" bekanntgeworden sind. Die kleinen Zellen waren alle ähnlich gebaut, vielleicht 7 Fuß breit und 10 Fuß lang. Manchmal musste er sich nackt ausziehen und manchmal war er wochenlang mit Handschellen gefesselt. In einer Zelle wurde sein Fuß an einen Bolzen im Boden angekettet. Es gab eine kleine Toilette. In einer anderen Zelle war nur ein Eimer für die Notdurft vorhanden. Videokameras zeichneten jede Bewegung von ihm auf. Die Lichter blieben immer an, für ihn gab es weder Tag noch Nacht. Ein Lautsprecher peinigte ihn ununterbrochen mit elektronischen Geräuschen, manchmal war es auch Rap-Musik, 24 Stunden pro Tag.

Grundriss von Bashmilah's erster Zelle in Afghanistan
Die Wächter trugen schwarze Masken und schwarze Kleidung. Sie sagten kein Wort, als sie Bashmilah aus seiner Zelle zum Verhör herauszogen -- eine seiner wenigen Interaktionen mit anderen Menschen während seiner 19 Monate andauernden Gefangenschaft. Niemand sagte ihm, wo er war, oder wann er je frei kommen würde.
Es reichte aus, um jeden verrückt zu machen. Bashmilah versuchte darauf hin, sich seine Handgelenke mit einem kleinen Stück Metall aufzuritzen und schmierte mit seinem Blut die Worte "Ich bin unschuldig" an die Wand seiner Zelle. Aber die CIA nähte ihm seine Wunden wieder zu.
Daraufhin verweigerte Bashmilah die Nahrung. Nachdem er bis auf 45 Kg abgemagert war, wurde er in ein Verhörzimmer geschleppt, wo sie einen Tubus in seine Nase und in seinen Magen rammten. Flüssigkeit wurde in ihn gepumpt. Die CIA wollte ihn nicht sterben lassen.

Grundriss des Verhörraums, auch als Zelle genutzt
Zuweilen, als sich Bashmilah's Seelenzustand gefährlich zu verschlechtern drohte, ergriff die CIA andere Maßnahmen: Sie versuchten psychisch auf ihn einzuwirken. Bashmilah glaubt, dass die Verhörspezialisten als Psychologen oder Psychiater ausgebildet wurden. "Sie bemühten sich mich wieder aufzurichten und mich zu beruhigen", sagte Bashmilah in einem von einem Dolmetscher übersetzten Telefoninterview aus dem Jemen. "Ich sollte aus mir herausgehen und mir erlauben, zu weinen und durch zu atmen."
Im Juni dieses Jahres berichtete Salon über die Hinzuziehung von Psychologen, die die Verhöre der Terrorverdächtigen unterstützen sollten. Aber die Rolle sowie das Ausmaß der professionellen Seelenbearbeiter, die in den Black Sites der CIA fungierten, ist in dieser gruseligen kafkaesken Geschichte von den geheimen Überseegefängnissen des Geheimdienstes noch weitgehend unerforscht.
Bisher ist nur wenig über die Umstände von Bashmilah's Einkerkerung öffentlich bekannt. Seine ausführlichen Beschreibungen in einem Interview mit Salon sowie kürzlich veröffentlichte Gerichtsakten geben erstmalig einen tiefen Einblick in die Haftbedingungen eines Gefangenen in einem geheimen CIA-Gefängnis. Menschenrechtsaktivisten und Rechtsanwälte haben seinen Fall sorgfältig zusammen getragen und zogen Bashmilah's Beschreibungen von seinen Zellen und seinen Häschern heran, sowie Dokumente der jordanischen und der jemenitischen Regierung und dem UN-Büro des Oberkommissars für Menschenrechte, um seine Aussagen zu verifizieren. Auch Flugaufzeichnungen, die die Bewegungen der CIA-Flugzeuge auflisten, bestätigen Bashmilah's Aussagen und verfolgen seinen Pfad während seiner Gefangenschaft vom Nahen Osten nach Afghanistan und wieder zurück.
Bashmilah's Geschichte scheint auch klar aufzuzeigen, dass er unschuldig ist. Nach 19 Monaten Inhaftierung und Peinigung ließ die CIA ihn wieder frei, genau so, wie er inhaftiert worden war - nämlich ohne jegliche Erklärung. Ihm wurde kein Prozess gemacht. Man gestattete ihm keinen Anwalt. Er sah keinen Richter. Er wurde einfach freigelassen, als gebrochener Mensch.
"Dieser Fall zeigt die tatsächliche Auswirkung des CIA-Rendition-Programmes auf den Menschen und wie Menschenleben dadurch ruiniert werden", sagte Margaret Satterthwaite, die Rechtsanwältin Bashmilah's und Professorin an der New York University School of Law. "Es geht um psychologische Folter und um die Erfahrung des spurlosen Verschwundenseins."
Bashmilah, im Alter von 39 Jahren jetzt physisch ein freier Mann, leidet noch immer an den psychischen Folgen von anhaltender Haft und Missbrauch. Er ist wegen der Schäden die ihm von der U.S.-Regierung angetan wurden, in ärztlicher Behandlung. Am Freitag übergab Bashmilah seine Erklärungen an ein U.S.-Bezirksgericht, die in einen Zivilprozess einfließen werden, der von ACLU gegen Jeppesen Dataplan Inc angestrengt wird. Diese Firma ist eine Tochtergesellschaft von Boeing, die beschuldigt wird, geheime CIA-Entführungsflüge organisiert zu haben.
Bashmilah sagte im Telefoninterview, dass die psychologische Peinigung in einem CIA -Gefängnis dadurch verschlimmert wird, dass Häftlinge absichtlich und unergründlich im Unklaren gehalten werden. Als er herausfand, dass er sich in den Händen von Amerikanern befand, wusste Bashmilah nicht warum er festgehalten wurde, noch wo er war, und ob er je wieder seine Familie sehen würde. Er sagte: "Jedes Mal wenn ich mir vorstelle, dass es vielleicht andere gibt, die jetzt immer noch dort sind wo ich litt, falle ich jedesmal aufs Neue - wie jene unschuldigen Leute - in ein tiefes Loch."

Grundriss eines Gebäudekomplexes in der Black Site von Afghanistan
Es mag vielleicht bizarr für den Geheimdienst anmuten, für die Seelsorge eines Häftlings zu sorgen, während er geistig gleichzeitig zerbrochen wird, eine Art humanitärer Aspekt zu einem Programm, das auf der anderen Seite den systematischen psychologischen Missbrauch ausbeutet. Doch es ist durchaus möglich, dass diese Psychologen dazu dienen, die Häftlinge absichtlich aus ihrer emotionalen Finsternis zurückzuholen, da sie angesichts ihres überreizten Zustandes für weitere Verhöre unbrauchbar würden. "Nach meinem Verständnis ist der Anwesenheits-Zweck von Psychiatern, dass, wenn sich der Häftling besser fühlt, er dann eher bereit wäre, seinen Vernehmern mehr zu erzählen", sagte Bashmilah.
Realistisch betrachtet, könnten Psychiater in solch einer Situation wenig dazu beitragen, die tieferen Leiden der Häftlinge auszuloten. "Sie hatten tatsächlich keine Kompetenz, diese Fragen zu anzusprechen", sagte Bashmilah über seine seelischen Schmerzen. Er sagte, dass die Ärzte ihm auftrugen, "auf den Tag zu hoffen, an dem Sie Ihre Unschuld beweisen werden, bzw. dass Sie eines Tages zu Ihrer Familie zurückkommen werden." Die Psychiater gaben ihm Medikamente, vermutlich Beruhigungsmittel. Sie analysierten seine Träume. Aber da war auch nicht sehr viel, was sie sonst für ihn tun konnten. "Sie gaben mir auch einen Rubik 's Cube, mit dem ich die Zeit totschlagen konnte und diverse Puzzlespiele", erinnert sich Bashmilah.
Für ihn begann der Albtraum im Herbst 2003. Bashmilah war von Indonesien, wo er mit seiner Frau lebte und ein Bekleidungsgeschäft unterhielt, nach Jordanien gereist um Bashmilah's Mutter zu besuchen, die sich dort vorübergehend aufhielt. Die Familie hoffte, einen herzchirurgischen Eingriff für Bashmilah's Mutter in einem Krankenhaus in Amman arrangieren zu können. Bevor er Indonesien verließ, hatte Bashmilah seinen Pass verloren und bekam dort Ersatzpapiere ausgestellt. Nach seiner Ankunft in Jordanien wurde er wegen eines fehlenden Stempels in seinem Pass befragt. Er machte sich zusätzlich verdächtig, als er zugab, dass er im Jahr 2000 Afghanistan besucht hatte. An diesem Tag, es war der 21. Oktober 2003, wurde Bashmilah von den jordanischen Behörden in Haft genommen. Seitdem wurde er nicht wieder gesehen, bis er am 5. Mai 2005 im Jemen aus einem CIA-Flugzeug stieg.
Bashmilah's offenkundige Unschuld war den Beamten des jordanischen Geheimdienstes ziemlich egal. Nach seiner Verhaftung wurde er brutal geschlagen und mit Fragen zu Al-Qaida bombardiert. Er wurde gezwungen, in einem Hof herum zu joggen bis er zusammenbrach. Offiziere hingen ihn mit gefesselten Händen mit dem Kopf nach unten an einem Ledergurt auf. Er bekam Schläge auf seine Fußsohlen und in die Seite. Sie drohten, ihn mit Drähten durch einen Stromschlag zu töten. Sie erzählten ihm, sie würden seine Frau und seine Mutter vergewaltigen.
Es war zu viel für ihn. Bashmilah unterzeichnete ein mehrseitiges Geständnis, war dabei so desorientiert und eingeschüchtert, dass er vorher nicht einmal mehr durchlas, was er da unterschrieb. "Ich wusste, dass es Dinge beinhaltete, die ich nicht sagte", schrieb er in seiner Erklärung an das Gericht, die letzten Freitag dort einging. "Ich war bereit, hunderte Blätter zu unterschreiben, wenn sie nur das Verhör beenden würden."
"Wann immer ich eine Fliege in meiner Zelle sah, war ich mit Freude erfüllt"
Bashmilah wurde in den frühen Morgenstunden des 26. Oktober 2003 an die CIA übergeben. Jordanische Beamte übergaben ihn an einen "groß gewachsenen, korpulenten weißen Mann mit schütterem Haar, der Zivilkleidung und eine dunkle Sonnenbrille mit kleinen runden Linsen" trug, schrieb er in seiner Erklärung. Er hatte keine Ahnung, wer seine neuen Häscher waren, oder dass für ihn nun in der Obhut der U.S.-Regierung eine 19 Monate andauernde Hölle beginnen sollte. Und obwohl er in seiner U.S.-Gefangenschaft selten physisch geschlagen wurde, beschreibt er, dass das Gefängnisregime darauf ausgerichtet war, jemandem absichtlich extreme psychische Qual zuzufügen.
Ich fragte Bashmilah, was schlimmer war: die physischen Schläge der Jordanier oder der psychologische Missbrauch, wie ihn die CIA betrieb. "Ich sehe es so, dass diese psychologische Folter, die ich ertrug, schlimmer war als die physische Folter", antwortete er. Er nannte seine Gefangenschaft bei der CIA "ähnlich, als ob man in einem Grab liegen würde."
"Wann immer ich eine Fliege in meiner Zelle sah, war ich mit Freude erfüllt", sagte er. "Wenngleich ich mir auch wünschte, sie möge unter den Türspalt hindurch krabbeln, um nicht länger eingesperrt zu sein."
Nach einer kurzen Autofahrt zu einem Flughafengebäude wurde Bashmilah's Kleidung von schwarz gekleideten maskierten Wächtern heruntergerissen, die chirurgische Handschuhe trugen. Er wurde geschlagen. Ein Wächter steckte seinen Finger in Bashmilah's Anus. Er wurde in eine Windel, ein blaues Hemd und in eine kurze Hose gesteckt. Mit verbundenen Augen und Ohrenschützer tragend, wurde er dann angekettet. Man streifte ihm eine Kapuze über und gurtete ihn auf einer Bahre in einem Flugzeug fest.
Flug-Aufzeichnungen beweisen, dass Bashmilah nach Kabul geflogen wurde. (Sie zeigen auch, dass das Flugzeug [N379P] ursprünglich aus Washington kam, mit Zwischenlandungen in Prag und Bukarest.) Nach der Landung wurde er gezwungen, sich 15 Minuten lang auf den Boden eines holpernden Jeeps hinzulegen, anschließend wurde er in ein Gebäude hineingeführt. Die Augenbinde wurde entfernt, und Bashmilah wurde von einem amerikanischen Arzt untersucht.
Er wurde dann in einer fensterlosen, eisig-kalten Zelle, ungefähr 6.5 Fuß und 10 Fuß (= ca. 2m x 3m) untergebracht. Es gab eine Schaumstoffmatratze, eine Decke und einen Eimer für die Toilette, der einmal pro Tag geleert wurde. Eine nackte Glühbirne blieb ständig an. Oberhalb einer massiven Metalltür war eine Videokamera montiert. Im ersten Monat wurde seine Zelle mit lautem Rap und arabischer Musik beschallt, 24 Stunden pro Tag, durch ein Loch gegenüber der Tür. Seine Beinketten waren an der Mauer befestigt. Die Wachen ließen ihn nicht schlafen und zwangen Bashmilah, jede halbe Stunde seine Hand zu heben, um zu beweisen, dass er immer noch wach war.
Die Zellen waren aneinander gereiht und jeweils mit Zwischenräumen versehen. Hoch oben über den niedrigen Zellendecke schien eine weitere Decke vorhanden zu sein, es hatte den Anschein als ob das Gefängnis sich in einem Flugzeughangar befände.

Ausgestaltung des Verhörraums in diesem Gefängnistrakt
Nach drei Monaten wurde die Situation unerträglich. Bashmilah bemühte sich erfolglos, sich mit seiner Decke zu erhängen und schlitzte seine Pulsadern auf. Er schlug seinen Kopf mit voller Wucht gegen die Mauer, in der Hoffnung dadurch das Bewusstsein zu verlieren, Während seiner Haft in Kabul wurde er in drei verschiedenen, aber ähnlichen Zellen gehalten. In einem Fall wurde die ihm gegenüber liegende Zelle für Verhöre benutzt. "Während ich selbst nicht in der Folter und im Verhörzimmer geschlagen wurde, musste ich mir bald die Schreie der Häftlinge anhören, die dort gefoltert wurden", schrieb er.
Auch wenn er nicht geschlagen wurde, wurde Bashmilah doch häufig verhört. "Während der ganzen Periode meiner Haft wurde ich in einsamer Beengtheit gehalten und sah niemanden anders als meine Wachen, Vernehmer und anderes Gefängnispersonal", schrieb er in seiner Erklärung. Einer der Verhörenden beschuldigte ihn, Briefe an einen Kontakt in England schicken zu wollen, obwohl Bashmilah beteuerte, er kenne niemanden in diesem Land. Bei anderen Gelegenheiten wurden ihm Bilder von Personen gezeigt, von denen er sagt, dass er sie nicht kannte.
"Dies ist eine Form der Folter", sagte er mir. "Besonders, wenn die davon betroffene Person nichts gemacht hat."
In seiner Erklärung stellte Bashmilah klar, dass die meisten Gefängnisbeamten Englisch mit einem amerikanischen Akzent sprachen. "Die Vernehmer bezogen sich auch häufig auf Berichte, die aus Washington kamen", schrieb er.
Nach sechs Monaten wurde er abgeholt, ohne jegliche Warnung oder einer Erklärung. Am oder um den 24. April 2004 herum wurde Bashmilah aus seiner Zelle gezogen und in ein Verhörzimmer gesetzt, in dem er nackt ausgezogen wurde. Ein amerikanischer Arzt mit einer verkrüppelten Hand untersuchte ihn und notierte auffällige Punkte auf einem Diagramm des menschlichen Körpers. Schwarz maskierte Wachen steckten ihn wieder in eine Windel, Baumwollhosen und Hemd. Ihm wurde die Augen verbunden, er wurde angekettet, mit einer Kapuze versehen, man zwang ihn, Kopfhörer zu tragen und stapelte ihn liegend in einem Jeep mit anderen Häftlingen. Dann erinnert er sich daran, wie er Stufen zu einem wartenden Flugzeug hinaufstieg, für einen Flug, der mehrere Stunden dauern sollte, gefolgt wiederum von mehreren Stunden, wo er gezwungen wird, auf dem Boden eines Hubschraubers zu kauern.
Nach der Landung wurde er für eine kurze Fahrt in ein Fahrzeug gesteckt. Danach waren es nur noch wenige Schritte in ein anderes geheimes Gefängnis, dessen Lage noch unbekannt ist.
Er wurde in ein Zimmer befohlen und wurde wieder nackt ausgezogen. Fotos wurden von allen Seiten seines Körpers gemacht. Er war von ungefähr 15 Leuten umgeben. "Bis auf die Person, die Fotos von ihm machte, waren alle anderen mit schwarzen Masken verkleidet, von der Art, die Räuber tragen, um ihre Gesichter zu verstecken", schrieb Bashmilah in der Erklärung.
Er wurde erneut von einem Arzt untersucht, der Notizen auf das Diagramm des menschlichen Körpers machte. (Es waren die gleichen Vordrucke wie ihn Afghanistan. Bashmilah sah, dass man sogar seine Impfnarbe auf dem Diagramm markierte.) Der Arzt sah sich seine Augen, Ohren, Nase und Rachen an.
Schließlich wurde er wurde dann in eine kalte Zelle geworfen, verlassen, nackt.
Es war eine andere winzige Zelle, neu oder frisch renoviert mit einem unbenutzten Stahlspülbecken und einer Toilette. Bis er seine Kleidung erhielt, die mehrere Tage später ankam, musste sich Bashmilah in eine Decke hüllen. In dieser Zelle gab es zwei Videokameras, eine beobachtete ihn von der Tür aus, die andere war in eine Wand eingelassen. Über der Tür hing auch ein Lautsprecher. Ein "weißes Geräusch", ähnlich wie ein atmosphärisches Rauschen, erfüllte den Raum - Tag und Nacht. Er verbrachte den ersten Monat in Handschellen. In dieser Zelle wurde sein Fußgelenk an einer 110-gliedrigen Kette gefesselt, die an einem Bolzen auf dem Boden befestigt war.
Die Tür hatte eine kleine Öffnung in der Nähe des Bodens, durch die das Essen erscheinen würde: gebratener Reis, in Scheiben geschnittenes Fleisch und Brot, Käse-Dreiecke, Bratkartoffeln, Tomatenscheiben und Oliven, serviert auf einem Plastikteller.
Die Wärter trugen schwarze Hosen mit Taschen, langärmelige schwarze Hemden, Gummihandschuhe oder schwarze Handschuhe und Masken, die den Kopf und den Hals bedeckten. Die Masken wiesen in Höhe der Augen gelbes getöntes Plastik auf. "Ich hörte nie die Wachen mit einander sprechen, und sie sprachen nie mit mir", schrieb Bashmilah in seiner Erklärung.
Die Anzahl der Verhöre erhöhte sich. Bashmilah erinnert sich an eine Präsentation auf einem Laptop über einen islamischen Gelehrten. Der Vernehmer wollte wissen, ob Bashmilah den Mann kannte, aber woher auch. Es war in dieser Einrichtung, in der sich Bashmilah die Pulsadern aufschlitzte und seinen Hungerstreik begann, um dann durch eine Kanüle zwangsernährt zu werden, die man durch seine Nase zwang.
Irgendwann im September 2004 schien der CIA ein Licht aufzugehen, dass Bashmilah nichts mit Al-Kaida zu tun hatte, als er wiederum in eine andere, ähnlich aussehende Zelle verlagert wurde. Aber das "weiße Geräusch" war nun verschwunden. Er bekam zwar weiterhin Fußfesseln, diese wurden aber nicht mehr mit einer Kette an den Boden geschraubt. Ihm wurde erlaubt, sich einmal pro Woche zu duschen. Er wurde nicht mehr verhört und wurde meistens in Ruhe gelassen.
Bashmilah bekam eine Liste mit Büchern, die er lesen durfte. Ungefähr einen Monat vor seiner Freilassung wurde ihm für 15 Minuten pro Woche der Zugang zu einem Sportraum gewährt. Und er hatte Kontakt zu Psychologen. "Die Psychiater baten mich, darüber zu reden, warum ich so verzweifelt war, interpretierten meine Träume, fragten mich, wie ich schlief, ob ich Appetit hatte, und boten Medikamente wie z.B. Beruhigungsmittel an."
Am 5. Mai 2005 wurden Bashmilah Handschellen angelegt, er wurde mit einer Kapuze versehen und in den Jemen geflogen. Dokumente der jemenitischen Regierung bestätigen, dass der Flug sechs oder sieben Stunden dauerte, und dass er aus der Kontrolle der U.S.-Regierung übernommen wurde. Er musste erfahren, dass inzwischen im Herbst 2004 sein Vater gestorben war, ohne Gewissheit zu haben, wohin sein Sohn verschwand und ob er überhaupt noch am Leben war.
Am Ende meines Interviews mit Bashmilah fragte ich ihn, ob es noch etwas Besonderes gab, von dem er möchte, dass alle Leute es wissen sollen. "Ich möchte der amerikanischen Bevölkerung mitteilen, dass der Islam anderen Nationen nicht feindlich gesonnen ist", sagte er. "Die amerikanische Bevölkerung sollte ein Mitspracherecht darüber haben, ob verantwortliche Personen, die unschuldigen Leuten Schmerzen zugefügt haben, dafür haftbar zu machen sind", fügte er hinzu. "Und wenn es ein Verbrechen gegen das amerikanische Volk gegeben hat, sollte es nicht durch ein weiteres Verbrechen wettgemacht werden."
Dieser Text wurde mit der Intention einer möglichst wortgetreuen Übernahme aus dem Amerikanischen übersetzt.
Originalquelle: Inside the CIA's notorious "black sites" (salon.com, 14.12.2007)
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softlabhennef - 18. Dez, 17:02 Article 2567x read