Schwarz-gelbe Bildungsmiserere – Demo gegen Kopfnoten in Düsseldorf
Michael Schulze von Glaßer – Verhalten kann sich ändern – die Kopfnote bleibt ein Leben lang. Am Samstag letzter Woche, demonstrierten rund 2.000 Schülerinnen und Schüler auf den Straßen der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf gegen die Einführung von Kopfnoten - einen Tag nach der Halbjahreszeugnisvergabe. Neben den Fachnoten wurden Noten in den beiden Kategorien Arbeits- und Sozialverhalten verteilt, welche wiederum in jeweils drei Kompetenzbereiche unterteilt sind: Leistungsbereitschaft; Zuverlässigkeit und Sorgfalt; Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft; Konfliktverhalten; Kooperationsfähigkeit.
Die Kopfnotenvergabe ist jedoch sehr umstritten. So zeigten auf der Demonstration nicht nur Schülerinnen und Schüler ihren Unmut über Kopfnoten, sondern auch die Oppositionsparteien im Land-NRW – Grüne, SPD und LINKE – so wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Laut LandesschülerInnenvertretung wurde mit den Kopfnoten ein weiteres Druckmittel gegenüber den SchülerInnen geschaffen; eine Maßnahme, die die Individualität der Schüler gefährdet und kritische SchülerInnen unterdrückt. Wer wird dem Lehrer noch widersprechen, wenn dieser einen für den Rest des Lebens durch eine schlechte Kopfnote degradieren kann?
Der Kurs der Schwarz-Gelben-Landesregierung war abzusehen, schon im Jahr 2006 mussten die SchülerInnen zusehen wie ihnen die Stimme genommen wurde. Das damals verabschiedete neue Schulgesetz sah vor, dass der Stimmanteil der Schüler bei Schulkonferenzen geschmälert wird. Hielten bisher Schüler, Lehrer und Eltern jeweils ein Drittel der Stimmen wurde der Anteil der Schüler und Lehrer jeweils auf ein Viertel reduziert und die Dominanz der Lehrer noch vergrößert. Die jetzige Einführung von Kopfnoten ist ein weiterer Machtzuwachs der Lehrerschaft, von denen ein Großteil diese Macht jedoch gar nicht will. Kopfnoten seien aus erziehungswissenschaftlicher wie aus psychologischer Sicht ein untaugliches Mittel zur Beurteilung von Schülerinnen und Schülern, damit sei Willkür und Subjektivität Tür und Tor geöffnet, behauptet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). In ihr sind viele Lehrer organisiert.
Besonders der Mehraufwand führt zur Abneigung der Lehrkräfte gegen Kopfnoten. Wenn je Kopfnote nur vier Minuten Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer gerechnet werden würden, verbräuchten sie dafür 2.000.000 Arbeitsstunden pro Schuljahr, was der Leistung von 1.100 vollen Lehrerstellen entspricht. Viele Schulen in NRW folgen den Anweisungen des Bildungsministeriums indes nicht und boykottieren die Benotung.
Die Kopfnoten-boykottierenden Schulen vergeben ohne Abweichungen nur „sehr gut“ – andere Schulen ein pauschales „gut“. Eine unfaire Behandlung. Gerade jetzt wo das Gerücht kursiert, viele Unternehmen stellten nur noch junge Menschen mit „sehr guten“ Kopfnoten ein. Die LandesschülerInnenvertretung rief die Schüler dazu auf, gegen jede Kopfnote, die nicht „sehr gut“ ist, Einspruch einzulegen und eine Begründung für die Note zu verlangen; diese ist in den meisten Fällen einfach nicht möglich. Mit dieser Taktik will die SchülerInnenvertretung das Kopfnoten-System zum Einsturz bringen.
NRW-Bildungsministerin Barbara Sommer verteidigt ihren Vorstoß: „Es geht darum, den Schülern die Bedeutung von Tugenden wie Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbereitschaft deutlich zu machen“, außerdem habe die Wirtschaft ein Recht darauf zu erfahren welches Arbeitsverhalten die jungen Menschen an den Tag legen, so Sommer.
Dass die SchülerInnen eben nicht nur Humankapital für die Wirtschaft sind, wollten sie auf der Düsseldorfer Demonstration klar machen. Trotz schlechten Wetters wurde lautstark, friedlich und bunt demonstriert. Der Demozug setzte sich kurz vor 15 Uhr in Bewegung - durchquerte die Düsseldorfer Innenstadt, beginnend vom Hauptbahnhof und endete nach einer Abschlusskundgebung mit zahlreichen Reden von SchülerInnenvertretungen und verschiedenen Organisationen gegen 17 Uhr am Ufer des Rheins.









Impressionen von der Demonstration gegen Kopfnoten vom 19. Januar 2008 in Düsseldorf
© Copyright Alle Fotos: Michael Schulze von Glaßer
Nordrhein-Westfalen ist ein Vorreiter bei der Schaffung neuer Bildungsgesetze. Viele Bundesländer sind noch längst nicht so weit. Doch sind die meisten Änderungen sehr Kritik-würdig und die Demokratie blieb schon längst auf der Strecke.
Was wäre den jungen Menschen in NRW ohne die schwarz-gelbe Landesregierung erspart geblieben?
Studenten müssten wahrscheinlich keine Studiengebühren zahlen, Bildung wäre kostenlos und im Kindergarten wären die Kinder gut betreut, doch das neue Kinder-Bildungsgesetz (KiBiz) sieht eine drastische Reduzierung des Kindergartenpersonals vor. Und für die Schülerinnen und Schüler? Nach der Abschaffung der Drittelparität und der Einführung von Kopfnoten fragen sich viele, wann die Prügelstrafe an Schulen wieder eingeführt wird. Zum vermeintlichen Wohle der Wirtschaft geht es mit der schwarz-gelben Landesregierung zurück ins Mittelalter!
Links:
www.kopfnoten-abschaffen.de
www.lsvnrw.de
Die Kopfnotenvergabe ist jedoch sehr umstritten. So zeigten auf der Demonstration nicht nur Schülerinnen und Schüler ihren Unmut über Kopfnoten, sondern auch die Oppositionsparteien im Land-NRW – Grüne, SPD und LINKE – so wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Laut LandesschülerInnenvertretung wurde mit den Kopfnoten ein weiteres Druckmittel gegenüber den SchülerInnen geschaffen; eine Maßnahme, die die Individualität der Schüler gefährdet und kritische SchülerInnen unterdrückt. Wer wird dem Lehrer noch widersprechen, wenn dieser einen für den Rest des Lebens durch eine schlechte Kopfnote degradieren kann?
Der Kurs der Schwarz-Gelben-Landesregierung war abzusehen, schon im Jahr 2006 mussten die SchülerInnen zusehen wie ihnen die Stimme genommen wurde. Das damals verabschiedete neue Schulgesetz sah vor, dass der Stimmanteil der Schüler bei Schulkonferenzen geschmälert wird. Hielten bisher Schüler, Lehrer und Eltern jeweils ein Drittel der Stimmen wurde der Anteil der Schüler und Lehrer jeweils auf ein Viertel reduziert und die Dominanz der Lehrer noch vergrößert. Die jetzige Einführung von Kopfnoten ist ein weiterer Machtzuwachs der Lehrerschaft, von denen ein Großteil diese Macht jedoch gar nicht will. Kopfnoten seien aus erziehungswissenschaftlicher wie aus psychologischer Sicht ein untaugliches Mittel zur Beurteilung von Schülerinnen und Schülern, damit sei Willkür und Subjektivität Tür und Tor geöffnet, behauptet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). In ihr sind viele Lehrer organisiert.
Besonders der Mehraufwand führt zur Abneigung der Lehrkräfte gegen Kopfnoten. Wenn je Kopfnote nur vier Minuten Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer gerechnet werden würden, verbräuchten sie dafür 2.000.000 Arbeitsstunden pro Schuljahr, was der Leistung von 1.100 vollen Lehrerstellen entspricht. Viele Schulen in NRW folgen den Anweisungen des Bildungsministeriums indes nicht und boykottieren die Benotung.
Die Kopfnoten-boykottierenden Schulen vergeben ohne Abweichungen nur „sehr gut“ – andere Schulen ein pauschales „gut“. Eine unfaire Behandlung. Gerade jetzt wo das Gerücht kursiert, viele Unternehmen stellten nur noch junge Menschen mit „sehr guten“ Kopfnoten ein. Die LandesschülerInnenvertretung rief die Schüler dazu auf, gegen jede Kopfnote, die nicht „sehr gut“ ist, Einspruch einzulegen und eine Begründung für die Note zu verlangen; diese ist in den meisten Fällen einfach nicht möglich. Mit dieser Taktik will die SchülerInnenvertretung das Kopfnoten-System zum Einsturz bringen.
NRW-Bildungsministerin Barbara Sommer verteidigt ihren Vorstoß: „Es geht darum, den Schülern die Bedeutung von Tugenden wie Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbereitschaft deutlich zu machen“, außerdem habe die Wirtschaft ein Recht darauf zu erfahren welches Arbeitsverhalten die jungen Menschen an den Tag legen, so Sommer.
Dass die SchülerInnen eben nicht nur Humankapital für die Wirtschaft sind, wollten sie auf der Düsseldorfer Demonstration klar machen. Trotz schlechten Wetters wurde lautstark, friedlich und bunt demonstriert. Der Demozug setzte sich kurz vor 15 Uhr in Bewegung - durchquerte die Düsseldorfer Innenstadt, beginnend vom Hauptbahnhof und endete nach einer Abschlusskundgebung mit zahlreichen Reden von SchülerInnenvertretungen und verschiedenen Organisationen gegen 17 Uhr am Ufer des Rheins.









Impressionen von der Demonstration gegen Kopfnoten vom 19. Januar 2008 in Düsseldorf
© Copyright Alle Fotos: Michael Schulze von Glaßer
Nordrhein-Westfalen ist ein Vorreiter bei der Schaffung neuer Bildungsgesetze. Viele Bundesländer sind noch längst nicht so weit. Doch sind die meisten Änderungen sehr Kritik-würdig und die Demokratie blieb schon längst auf der Strecke.
Was wäre den jungen Menschen in NRW ohne die schwarz-gelbe Landesregierung erspart geblieben?
Studenten müssten wahrscheinlich keine Studiengebühren zahlen, Bildung wäre kostenlos und im Kindergarten wären die Kinder gut betreut, doch das neue Kinder-Bildungsgesetz (KiBiz) sieht eine drastische Reduzierung des Kindergartenpersonals vor. Und für die Schülerinnen und Schüler? Nach der Abschaffung der Drittelparität und der Einführung von Kopfnoten fragen sich viele, wann die Prügelstrafe an Schulen wieder eingeführt wird. Zum vermeintlichen Wohle der Wirtschaft geht es mit der schwarz-gelben Landesregierung zurück ins Mittelalter!
Links:
www.kopfnoten-abschaffen.de
www.lsvnrw.de
onlineredaktion - 23. Jan, 21:03 Article 3857x read