Benazir Bhutto nennt posthum die Namen ihrer möglichen Mörder - aber nicht zum ersten Mal
World Content News - Die Londoner Times hat soeben Auszüge aus einer in Kürze erscheinenden Autobiografie Bhuttos veröffentlicht. Darin nennt sie, wie zuvor schon in einem Interview mit der BBC im November letzten Jahres die Namen derer, die ihr nach dem Leben trachteten. Darunter: Hamza Bin Laden, der 16-jährige Sohn von Osama Bin Laden.
Die BBC hatte die Video-Aufzeichnung des Interviews mit David Frost im nachhinein aufwändig manipuliert und die entsprechende Passage mit der Namensaufzählung herausgeschnitten und sogar die Tonspur geschleift, damit die Lücken nicht auffielen. Möglicher Grund: Dort ging es auch um die Behauptung Bhuttos, Bin Laden wäre ermordet worden. Erst nachdem es Proteste von Zuschauern hagelte, stellte die BBC vor kurzem wieder die Original-Version des Interviews ins Netz.
Hamza Bin Laden soll der Anführer von vier Gruppen sein, die ihren Tod wollten: der Talibanführer Baitullah Mehsud, ein militante Gruppe aus der Umgebung der Roten Moschee und eine weitere militante Gruppe aus Karachi. So die Autobiographie.
Im Interview dagegen, das sie nach dem ersten misslungenen Mordanschlag am 2. November 2007 mit David Frost führte (einen Tag vor Verhängung des Ausnahmezustandes in Pakistan), hatte sie zusätzlich einen hohen Militärbeamten der pakistanischen Regierung beschuldigt.
Nach dem Tode zensiert, weil "versprochen": Bin Laden was murdered ...
Der von der BBC zensierte Teil des Interviews sei hier nochmals dokumentiert (ab 03:50):
...
Frost: “Does anyone know yet who was responsible for this assassination attempt? There was one report that you had arranged to send President Musharraf a letter, to be sent in the event of your death by assassination, urging him to investigate certain individuals in his government. Is that true?”
Bhutto: “Yes, it is true that I wrote to General Musharraf. I received information from General Musharraf that a friendly country had passed on to them. The information that I could be attacked by a gang from the Afghan warlord Baitullah Mehsud, or by Hamza bin Laden, the son of Usama bin Laden, or by the Pakistani Taliban in Islamabad, or by a group in Karachi. So, I sent back a letter saying that while these groups may be used, I thought it was more important to go after the people who supported them, who organized them, who could possibly be the financers, or the organizers of the finance, for those groups, and I named three individuals who I thought were the sympathizers.
Now I understand that I could be wrong, and my suspicions could be misplaced, but these are the people that I suspect want to stop the restoration of democracy, they want to stop my return, because they know in 1993, when Pakistan was on the brink of being declared a terrorist state, I stopped the rise of terrorism, and they know that I can do it again. So I feel that these are the forces that want to stop, not just me, but the democratic process and the will of the people from triumphing.
Frost: “And in terms of these three people that you mentioned, were they members of or associated with the government?”
Bhutto: “Yes, well one of them is a very key figure in security. He is a former military officer. He is someone who has had dealings with the Jesha Muhammad, one of the banned groups, with Maulana Azhar, who was in an Indian jail for decapitating three British tourists, and three American tourists, and he also had dealings with Omar Sheikh, the man who murdered Osama Bin Laden.
Ein durchaus merk-würdiges Zitat. Wohl meinende Beobachter gehen davon aus, dass sich Bhutto hier schlicht versprochen hat und in Wirklichkeit meinte: "Omar Sheikh, der Mann der den Journalisten Daniel Pearl ermordete". Doch ganz so einfach sollte man es sich nicht machen:
Zum einen soll unter US-Folter einer der Anführer von Al Kaida, Khalid Scheich Mohammed, ein Geständnis abgelegt haben, Daniel Pearl enthauptet zu haben. Sicher wusste auch Frau Bhutto, dass es beträchtliche Zweifel um die tatsächliche Urheberschaft des Mordes gab und sie machte durchaus nicht den Eindruck, als müsste sie sich korrigieren. Offensichtlich war ihr bewusst, was sie da Ungeheuerliches sagte.
Ahmed Omar Saeed Sheikh, von dem es Berichte gibt, dass er zur Zeit noch am Leben ist und in einem pakistanischen Foltergefängnis festgehalten wird, war vor seinem Überlauf zu Al Kaida laut mehrerer übereinstimmender Quellen ein britischer MI6-Agent und soll auch für den pakistanischen Geheimdienst ISI und möglicherweise sogar für die CIA gearbeitet haben. Zehn Tage nach der Entführung Pearls, als dieser noch am Leben war, tauchte er unbehelligt in der pakistanischen ISI-Residentur von Lahore auf und wurde erst eine Woche später festgenommen. Er wurde zum Tode verurteilt, ohne ihn jedoch der Durchführung des Mordes bezichtigt zu haben.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass erst vor wenigen Monaten zwei Mitglieder der militanten sunnitischen Gruppe Lashkar-e-Jhangvi festgenommen wurden, die als die mutmaßlichen Anführer der Entführung gelten. Einer der beiden, Saud Memon, wurde von der CIA so schwer gefoltert, dass er daran gestorben sein soll.
Und andererseits: Welcher Teufel hat die BBC geritten, die oben zitierte Passage im Video nach dem Tod von Benazir Bhutto so kunstvoll umzumodulieren, dass auch technisch geschulte Betrachter nicht auf Anhieb feststellen konnten, dass das Video in den so entscheidenden Stellen zusammen geschnitten war: Kein Wort mehr über ihre Feinde und den Tod Bin Ladens.
So hat die Times denn vorschnell verkauft, exklusiv über die letztendlich tödlichen Vorahnungen berichten zu können. Und der Rest der Presse plappert nun nach. Ganz im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen des gleichen Blattes, wo eisernes Schweigen dazu herrscht, als es um den US-Atom-Proliferationsskandal ging. Das einfache westliche Weltbild darf halt nicht zu sehr zerrüttet werden.
Quellen:
Exclusive: Benazir Bhutto's last testament
(timesonline.co.uk, 03.02.2008)
Benazir Bhutto accuses Osama Bin Laden's son from beyond the grave
(timesonline.co.uk, 03.02.2008)
Bin Ladens Sohn soll Mordpläne gegen Bhutto geschmiedet haben
(Spiegel Online, 03.02.2008)
Ließ bin Ladens Sohn Benazir Bhutto ermorden? (Die Welt, 03.02.2008)
BBC entschuldigt sich für Zensur des Bhutto-Interviews
(diekritischeyogini.wordpress.com, 08.01.2008)
Hamza Bin Laden - The little boy who learnt to kill (The Age, 22.01.2006)
Dieser Artikel erschien erstmalig bei World Content News
Die BBC hatte die Video-Aufzeichnung des Interviews mit David Frost im nachhinein aufwändig manipuliert und die entsprechende Passage mit der Namensaufzählung herausgeschnitten und sogar die Tonspur geschleift, damit die Lücken nicht auffielen. Möglicher Grund: Dort ging es auch um die Behauptung Bhuttos, Bin Laden wäre ermordet worden. Erst nachdem es Proteste von Zuschauern hagelte, stellte die BBC vor kurzem wieder die Original-Version des Interviews ins Netz.
Hamza Bin Laden soll der Anführer von vier Gruppen sein, die ihren Tod wollten: der Talibanführer Baitullah Mehsud, ein militante Gruppe aus der Umgebung der Roten Moschee und eine weitere militante Gruppe aus Karachi. So die Autobiographie.
Im Interview dagegen, das sie nach dem ersten misslungenen Mordanschlag am 2. November 2007 mit David Frost führte (einen Tag vor Verhängung des Ausnahmezustandes in Pakistan), hatte sie zusätzlich einen hohen Militärbeamten der pakistanischen Regierung beschuldigt.
Nach dem Tode zensiert, weil "versprochen": Bin Laden was murdered ...
Der von der BBC zensierte Teil des Interviews sei hier nochmals dokumentiert (ab 03:50):
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Frost: “Does anyone know yet who was responsible for this assassination attempt? There was one report that you had arranged to send President Musharraf a letter, to be sent in the event of your death by assassination, urging him to investigate certain individuals in his government. Is that true?”
Bhutto: “Yes, it is true that I wrote to General Musharraf. I received information from General Musharraf that a friendly country had passed on to them. The information that I could be attacked by a gang from the Afghan warlord Baitullah Mehsud, or by Hamza bin Laden, the son of Usama bin Laden, or by the Pakistani Taliban in Islamabad, or by a group in Karachi. So, I sent back a letter saying that while these groups may be used, I thought it was more important to go after the people who supported them, who organized them, who could possibly be the financers, or the organizers of the finance, for those groups, and I named three individuals who I thought were the sympathizers.
Now I understand that I could be wrong, and my suspicions could be misplaced, but these are the people that I suspect want to stop the restoration of democracy, they want to stop my return, because they know in 1993, when Pakistan was on the brink of being declared a terrorist state, I stopped the rise of terrorism, and they know that I can do it again. So I feel that these are the forces that want to stop, not just me, but the democratic process and the will of the people from triumphing.
Frost: “And in terms of these three people that you mentioned, were they members of or associated with the government?”
Bhutto: “Yes, well one of them is a very key figure in security. He is a former military officer. He is someone who has had dealings with the Jesha Muhammad, one of the banned groups, with Maulana Azhar, who was in an Indian jail for decapitating three British tourists, and three American tourists, and he also had dealings with Omar Sheikh, the man who murdered Osama Bin Laden.
Ein durchaus merk-würdiges Zitat. Wohl meinende Beobachter gehen davon aus, dass sich Bhutto hier schlicht versprochen hat und in Wirklichkeit meinte: "Omar Sheikh, der Mann der den Journalisten Daniel Pearl ermordete". Doch ganz so einfach sollte man es sich nicht machen:
Zum einen soll unter US-Folter einer der Anführer von Al Kaida, Khalid Scheich Mohammed, ein Geständnis abgelegt haben, Daniel Pearl enthauptet zu haben. Sicher wusste auch Frau Bhutto, dass es beträchtliche Zweifel um die tatsächliche Urheberschaft des Mordes gab und sie machte durchaus nicht den Eindruck, als müsste sie sich korrigieren. Offensichtlich war ihr bewusst, was sie da Ungeheuerliches sagte.
Ahmed Omar Saeed Sheikh, von dem es Berichte gibt, dass er zur Zeit noch am Leben ist und in einem pakistanischen Foltergefängnis festgehalten wird, war vor seinem Überlauf zu Al Kaida laut mehrerer übereinstimmender Quellen ein britischer MI6-Agent und soll auch für den pakistanischen Geheimdienst ISI und möglicherweise sogar für die CIA gearbeitet haben. Zehn Tage nach der Entführung Pearls, als dieser noch am Leben war, tauchte er unbehelligt in der pakistanischen ISI-Residentur von Lahore auf und wurde erst eine Woche später festgenommen. Er wurde zum Tode verurteilt, ohne ihn jedoch der Durchführung des Mordes bezichtigt zu haben.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass erst vor wenigen Monaten zwei Mitglieder der militanten sunnitischen Gruppe Lashkar-e-Jhangvi festgenommen wurden, die als die mutmaßlichen Anführer der Entführung gelten. Einer der beiden, Saud Memon, wurde von der CIA so schwer gefoltert, dass er daran gestorben sein soll.
Und andererseits: Welcher Teufel hat die BBC geritten, die oben zitierte Passage im Video nach dem Tod von Benazir Bhutto so kunstvoll umzumodulieren, dass auch technisch geschulte Betrachter nicht auf Anhieb feststellen konnten, dass das Video in den so entscheidenden Stellen zusammen geschnitten war: Kein Wort mehr über ihre Feinde und den Tod Bin Ladens.
So hat die Times denn vorschnell verkauft, exklusiv über die letztendlich tödlichen Vorahnungen berichten zu können. Und der Rest der Presse plappert nun nach. Ganz im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen des gleichen Blattes, wo eisernes Schweigen dazu herrscht, als es um den US-Atom-Proliferationsskandal ging. Das einfache westliche Weltbild darf halt nicht zu sehr zerrüttet werden.
Quellen:
Exclusive: Benazir Bhutto's last testament
(timesonline.co.uk, 03.02.2008)
Benazir Bhutto accuses Osama Bin Laden's son from beyond the grave
(timesonline.co.uk, 03.02.2008)
Bin Ladens Sohn soll Mordpläne gegen Bhutto geschmiedet haben
(Spiegel Online, 03.02.2008)
Ließ bin Ladens Sohn Benazir Bhutto ermorden? (Die Welt, 03.02.2008)
BBC entschuldigt sich für Zensur des Bhutto-Interviews
(diekritischeyogini.wordpress.com, 08.01.2008)
Hamza Bin Laden - The little boy who learnt to kill (The Age, 22.01.2006)

softlabhennef - 4. Feb, 16:54 Article 4318x read