Zurück in die braune Zukunft?
In der Schweiz hat der harte Kern der rechtsextremen Aktivisten im Jahr 2001 weiter Zulauf erhalten. Nach Einschätzung des Dienstes Analyse und Prävention des schweizerischen Bundesamtes für Polizei besteht der harte Kern heute aus 900 bis 950 Aktivisten. Das allerdings ist nur die Sturmfront der so genannten Skinheads, die im «Kampf um die Strasse» immer aktiver und hemmungsloser werden. Sie funktionieren ähnlich wie die Schlägertrupps der Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre, die gefürchtete SA, Hitlers Schläger Truppe zu seinem persönlichen Schutz bei dessen Feuerreden. Hinter den Schlägertrupps, steht eine breite intellektuelle und philosophische Front, aus der sich auch eine neue Schutzstaffel SS abzuzeichnen droht und die versucht den Kampf um die Strasse mit geistigen Inhalten zu füllen.

«Ich begrüße alle Anzeichen, dass ein männlicheres, ein kriegerisches Zeitalter anhebt."
Nährboden, auf dem okkulte Finsterlinge die paranoiden Ideen vom Übermenschen propagieren, ist wieder gewachsen und vermengt sich mit dem Gedankengut rassistischer Hetzer. Wie Friedrich Nietzsche in seiner fröhlichen Wissenschaft schreibt: «Ich begrüße alle Anzeichen, dass ein männlicheres, ein kriegerisches Zeitalter anhebt, das vor allem die Tapferkeit wieder zu Ehren bringen wird! Denn es soll einem noch höheren Zeitalter den Weg bahnen und die Kraft sammeln. Denn glaubt mir! - das Geheimnis heißt gefährlich leben! Seid Räuber und Eroberer, so lange ihr nicht Herrscher und Besitzer sein könnt.»
Ein Katalysator, um Okkultismus und Neonazismus zu verschmelzen, war Anton Szandor Lavey. Er gründete in der Walpurgisnacht von 1966 in San Francisco die Church of Satan. Lavey hatte zu den letzten noch lebenden Mitgliedern okkulter Bruderschaften der Vorkriegszeit Kontakt aufgenommen und war eifrig damit beschäftigt, sich ihre Philosophien und geheimen Rituale, die aus der Ära von Hitler übrig geblieben waren, anzueignen. Die Bruderschaften, von denen er sprach, sind die heroische teutonische vergangenheitsverklärende Guido- von-List-Gesellschaft und die Thule-Gesellschaft, bei der Himmler, Hitler, Rosenberg und andere die Knetmasse zum Übermenschen studierten und ihren Bluthass zu dem entwickelten, was unter der SS für Millionen zum Holocaust wurde.
Im Jahre 1912 gründete Rudolf von Sebottendorf den Germanenorden. Der Germanenorden gab 1918 sein Wahrzeichen, das Hakenkreuz, an den aus ihm hervorgegangenen Thule- Förder- und Freundschaftskreis weiter. Der Name, so Sebottendorf, klang geheimnisvoll genug, sagte aber dem Wissenden sofort, worum es sich handelte. Nach einem Jahr der Prüfung im Förderkreis konnte der Adept dann in die eigentliche Thule-Gesellschaft eingeführt werden. Sebottendorf kaufte die Sportzeitung «Münchner Beobachter» und formte sie zu seiner eigentlichen Thule-Zeitung. Adolf Hitler schließlich übernahm die Zeitung seinerseits, be- nannte sie um zum «Völkischen Beobachter», dem NSDAP-Kampfblatt, und übernahm gleich auch noch das Hakenkreuz, die SS-Zeichen und andere Symbole. Die Mitglieder der SS fühlten sich als Herrenrasse.
Heinrich Himmler, oberster Chef der SS, war seit seiner Jugend an Übersinnlichem interessiert und las reichlich esoterische und mythologische Literatur, die mit antisemitischen und völkischen Tendenzen verbunden war. Er glaubte z. B. an eine atlantische Urzivilisation, die er im Norden bei Grönland ortete. Nachfahren von Atlantis vermutete er im Tibet und in Südamerika. Er schickte sogar SS-Expeditionen dorthin, um nach einem «nordischen Rassetypus» suchen zu lassen. Spuren dieser nordischen Rasse entdeckte er auch in Deutschland in Form von Megalith-Kultstätten.
1933 veröffentlichte der Esoteriker und Hellsichtige Karl-Maria Wiligut (866-946), ein ehemaliger Oberst der österreichisch-ungarischen Armee, eine Studie über den «Kreuzzug gegen den Gral», die ihm im Bereich der Templer- und Ketzerforschung Himmlers Aufmerksamkeit weckte. Himmler war beeindruckt von Wiliguts Fähigkeiten und entschied sich, diese einmalige Informationsquelle über alte germanische Traditionen und Religion soviel wie möglich zu benutzen. So entstand zwischen Himmler und Wiligut eine enge Beziehung. Im September 933 trat Wiligut unter dem Pseudonym «Karl-Maria Weisthor» in die SS ein und wurde zum Vorsteher des Departements für Vor- und Frühgeschichte innerhalb des Rasse- und Siedlungshauptamtes der SS ernannt. Zur Entwicklung eines gemeinsamen Korpsgeistes in der SS ließ Himmler von Weisthor den Totenkopfring als Symbol der SS entwerfen.
Weisthors Korrespondenz beinhaltete viele Notizen über gereimte Verse, Runen-Weisheiten, mythologische Dichtung, Aufsätze über Kosmologie und die Epochen der Weltprähistorie, eine Kopie seiner «neun heidnischen Gebote» von 908 mit einem Trankskript in Runenschrift und einem Irminen-Vaterunser in gotischer Sprache. Vieles war von Himmler abgezeichnet worden. Durch seine Arbeit stieg er bis zum SS-Brigadeführer und zum engsten weltanschaulichen und mythologischen Berater Himmlers auf.
Weisthor meinte von dem germanischen Göttergeschlecht der Asen abzustammen. So behauptete er, dass die Bibel ursprünglich in germanischer Sprache geschrieben worden sei. Geschichte, Kultur und Religion der alten Germanen gehen, so Weisthor, ins Jahr 228 000 vor Christus zurück. Damals seien drei Sonnen am Himmel gestanden, und auf der Erde lebten Riesen, Zwerge und andere mythische Wesen. Er verehrte einen germanischen Gott Namens «Krist», den das Christentum sich später als seinen eigenen Erlöser angeeignet haben soll. Um 2 500 v. Chr. sei der Irminenglauben von Krist verkündet worden, dem alle Germanen von da an angehörten. Bei diesem Irrglauben handelt es sich um eine vollständige Umwertung der gesamten christlichen Lehre. Die Satanische Kirche von Anton Szandor Lavey und seine Schweizer Vertretung, die Ritterschaft des Schwarzen Ordens von Luzifer, erheben nun Weisthor und den SS-Totenkopf-Orden zur mystischen Religion. Sie unterhalten die so genannten Totenkopf-Grottos, die der Pflege und Weiterentwicklung dieser Lehren verpflichtet sind.
Im Jahre 934 mietete Heinrich Himmler die Wewelsburg vom Kreis Büren für den symbolischen Mietpreis von einer Reichsmark jährlich. Dort plante er die «Reichsführerschule SS», in der eine einheitliche ideologische Ausrichtung des Führungskaders der Schutzstaffel gewährleistet werden sollte. Der Impuls zur Gestaltung der Wewelsburg ging von Wiligut aus. Er machte Himmler mit einer alten westrätischen Sage von der «Schlacht am Birkenbaum» bekannt, die im 9. Jahrhundert in eine romantische Versform umgesetzt worden war. Diese Sage berichtete von einer künftigen «letzten Schlacht am Birkenbaum», in der ein «gewaltiges Heer aus dem Osten» endgültig vom «Westen» geschlagen würde.
Wiligut sagte Himmler voraus, dass die Wewelsburg das «Bollwerk» sei, an dem sich der «Hunnensturm» bei der von Himmler erwarteten künftigen Rolle der SS in der «großen Auseinandersetzung zwischen Asien und Europa» brechen werde. Eine vom Burghauptmann Manfred von Knobelsdorff ausgesuchte Gruppe junger «ideologisch gefestigter» Wissenschaftler für «germanische Vor- und Frühgeschichte, mittelalterliche Geschichte, Volkskunde und Sippenforschung» wurde für «Grundlagenforschung» im Sinne der SS-Ideologie eingestellt. Gleichzeitig arbeiteten dort Anhänger einer gewissen «SS-Esoterik», einer fantastischen Germanenmystik, die, gepaart mit pseudowissenschaftlicher Rassentheorie, Ahnenkult und Runenverehrung als Extrakt des zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit verbreiteten, deutsch-völkischen Gedankengutes entstanden war und durch den Germanenorden zur Thule-Gesellschaft seinen Weg in die SS fand. Seit 1936 verdichteten sich Himmlers Vorstellungen, in der Wewelsburg nicht nur eine SS-Forschungsstätte unter dem Projekt Ahnenerbe einzurichten, sondern sie darüber hinaus zur repräsentativen und ideologischen Zentrale des SS-Ordens auszubauen. Die Wewelsburg sollte zum «Zentrum der Welt» ausgebaut werden. Im Nordturm befand sich der so genannte «Obergruppenführersaal». 939 legte der Architekt Hermann Bartels einen ersten Entwurf für die Nutzung des Nordturms vor, in dessen Marmorfußboden das Ornament eines zwölfstrahligen Sonnenrads, die «Schwarze Sonne», eingelassen ist.
1943 waren die Bauarbeiten jedoch bereits eingestellt worden. Keine der für Himmler wesentlichen Baumassnahmen in Wewelsburg wurde vollendet. Am 3. März 945 ließ Himmler die Wewelsburg durch den SS-Hauptsturmführer Heinz Macher sprengen, um sie nicht von den amerikanischen i Truppen erobern zu lassen, die zwei Tage später in Wewelsburg einmarschierten. Bis auf die beiden Räume im Nordturm brannte die Wewelsburg vollständig aus. War der angeblich eingeschworene Zirkel um Himmlers Totenkopf- SS tatsächlich auf der Suche nach dem Urhaften Gottesbild, dem faustischen Mensch nahe und dem «Geheimen Wissen» auf der Spur? Spielt gar keine Rolle! Tatsache ist, dass die Zirkel, die das weltanschauliche Fundament erst ermöglicht haben, zielsicher wieder
aufgebaut worden sind.
Wiligut alias Weisthor war zwar einige Jahre lang im engsten Kreis um Himmler tätig. Es ist aber bis heute unklar, ob der Begriff der «Schwarzen Sonne» in der SS und bei der Ausgestaltung der Wewelsburg wirklich eine maßgebliche Rolle spielte, wie es in der rechten Szene immer wieder behauptet wird. Auf jeden Fall taucht das Symbol in den 50er Jahren bei den SS- Führern Mund (Mythos der Schwarzen Sonne) und Landig (Romantrilogie «Götzen gegen Thule») auf. Dort wird die «Schwarze Sonne» zum «Ausgangspunkt der arischen Sendungsüberlieferung und Urquell der arischen Kräfte».
Die Hauptbedeutung dieses Symbols sei das durch die jüdisch-christliche Religion verdrängte «Urwissen um die «Geburt der nordischen Seele aus dem Sternenlicht» und um die Herkunft der Germanen vom «Mitternachtsberg» im hohen Norden, wo einst «Luzifer» als Lichtbringer herrschte, bevor man ihn in das Dunkel der Hölle stieß. An seine Stelle hätten die Juden ihren «zeternden, racheheischenden Stammesgott» gesetzt und damit den Lauf der Weltgeschichte als ewigen Kampf zwischen Thule und Juda programmiert.
Gegen diese behauptete Verdrängung ursprünglicher nordischer Größe ruft Landig die «Schwarze Sonne» als Widerstandssymbol auf. Als ein solches Symbol erscheint das Sonnenrad der Wewelsburg nun auch weltweit im Logo des Online-Dienstes «Thule- Netz». Unübersehbar beherrscht die «Schwarze Sonne» die Hauptseite. Es erscheint im Logo des Thule-Seminars, die Kaderschmiede der Neonazis, unter denen die prominentesten Vordenker der neuen Rechten anzutreffen sind und etlichen anderen Orden, Gruppen und Kulten.
Den Besuchern des Online- Dienstes Thule- Netz wird der in Köln ansässige Armaden-Orden AO, der 976 aus der erwähnten neugermanisch-rassistischen «Guido von List Gesellschaft» heraus gebildet wurde, empfohlen. Der «Armanenorden» wendet sich gegen die von der Schöpfung her gegebene Gleichwertigkeit aller Menschen.
An der Spitze der hierarchisch gegliederten Organisation, deren Glaubensinhalte durch einen Rassen Okkultismus mit theosophischem Einschlag geprägt sind, steht der Großmeister Adolf Schleipfer. Stimme der «Armanenschaft» ist die Zeitschrift «Irminsul», wohl in Anlehnung an Wiliguts Irminenglauben. Regelmäßige Anzeigen finden sich in «Huginn und Muninn», dem Organ der «Arbeitsgemeinschaft naturreligiöser Stammesverbände Europas» (ANSE), welche auch zum Förderkreis des neuen Thule-Seminars zählt.
Auch ANSE kann auf prominente Köpfe zurückgreifen: Anton Pfahler war Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann sowie der ebenfalls verbotenen neonazistischen Wiking-Jugend. Er ist Kopf des Naturreligiösen Stammesverbandes der Bajuwaren, der eng mit der Arbeitsgemeinschaft Naturreligiöser Stammesverbände Europas (ANSE) zusammenarbeitet.
Die treibende Kraft hinter der auf der Strasse sichtbaren neuen Szene der Rechten ist die Ideologie des immerwährenden Gerangels, der ewige sozialdarwinistische Kampf um Blut, Boden, Überleben und den paranoiden Glauben an den Übermenschen. Hinter den Schlägertrupps steht eine breite intellektuelle und philosophische Front, die versucht, den Kampf mit geistigen Inhalten zu füllen. Thule ist tatsächlich wieder da, das Fundament ist gelegt.
Quellen:
http://www.ns-gedenkstaetten.de/
http://www.infoladen.de/
http://www.idgr.de/
http://www.schwartzeorden.org
http://www.thulenet.com
http://www.thule-seminar.org/
Bundesamt für Polizei Pressemitteilung
Grafik: Thule-Seminar.
Dieser Artikel erschien 2002 in diversen Printmedien


«Ich begrüße alle Anzeichen, dass ein männlicheres, ein kriegerisches Zeitalter anhebt."
Nährboden, auf dem okkulte Finsterlinge die paranoiden Ideen vom Übermenschen propagieren, ist wieder gewachsen und vermengt sich mit dem Gedankengut rassistischer Hetzer. Wie Friedrich Nietzsche in seiner fröhlichen Wissenschaft schreibt: «Ich begrüße alle Anzeichen, dass ein männlicheres, ein kriegerisches Zeitalter anhebt, das vor allem die Tapferkeit wieder zu Ehren bringen wird! Denn es soll einem noch höheren Zeitalter den Weg bahnen und die Kraft sammeln. Denn glaubt mir! - das Geheimnis heißt gefährlich leben! Seid Räuber und Eroberer, so lange ihr nicht Herrscher und Besitzer sein könnt.»
Ein Katalysator, um Okkultismus und Neonazismus zu verschmelzen, war Anton Szandor Lavey. Er gründete in der Walpurgisnacht von 1966 in San Francisco die Church of Satan. Lavey hatte zu den letzten noch lebenden Mitgliedern okkulter Bruderschaften der Vorkriegszeit Kontakt aufgenommen und war eifrig damit beschäftigt, sich ihre Philosophien und geheimen Rituale, die aus der Ära von Hitler übrig geblieben waren, anzueignen. Die Bruderschaften, von denen er sprach, sind die heroische teutonische vergangenheitsverklärende Guido- von-List-Gesellschaft und die Thule-Gesellschaft, bei der Himmler, Hitler, Rosenberg und andere die Knetmasse zum Übermenschen studierten und ihren Bluthass zu dem entwickelten, was unter der SS für Millionen zum Holocaust wurde.
Im Jahre 1912 gründete Rudolf von Sebottendorf den Germanenorden. Der Germanenorden gab 1918 sein Wahrzeichen, das Hakenkreuz, an den aus ihm hervorgegangenen Thule- Förder- und Freundschaftskreis weiter. Der Name, so Sebottendorf, klang geheimnisvoll genug, sagte aber dem Wissenden sofort, worum es sich handelte. Nach einem Jahr der Prüfung im Förderkreis konnte der Adept dann in die eigentliche Thule-Gesellschaft eingeführt werden. Sebottendorf kaufte die Sportzeitung «Münchner Beobachter» und formte sie zu seiner eigentlichen Thule-Zeitung. Adolf Hitler schließlich übernahm die Zeitung seinerseits, be- nannte sie um zum «Völkischen Beobachter», dem NSDAP-Kampfblatt, und übernahm gleich auch noch das Hakenkreuz, die SS-Zeichen und andere Symbole. Die Mitglieder der SS fühlten sich als Herrenrasse.
Heinrich Himmler, oberster Chef der SS, war seit seiner Jugend an Übersinnlichem interessiert und las reichlich esoterische und mythologische Literatur, die mit antisemitischen und völkischen Tendenzen verbunden war. Er glaubte z. B. an eine atlantische Urzivilisation, die er im Norden bei Grönland ortete. Nachfahren von Atlantis vermutete er im Tibet und in Südamerika. Er schickte sogar SS-Expeditionen dorthin, um nach einem «nordischen Rassetypus» suchen zu lassen. Spuren dieser nordischen Rasse entdeckte er auch in Deutschland in Form von Megalith-Kultstätten.
1933 veröffentlichte der Esoteriker und Hellsichtige Karl-Maria Wiligut (866-946), ein ehemaliger Oberst der österreichisch-ungarischen Armee, eine Studie über den «Kreuzzug gegen den Gral», die ihm im Bereich der Templer- und Ketzerforschung Himmlers Aufmerksamkeit weckte. Himmler war beeindruckt von Wiliguts Fähigkeiten und entschied sich, diese einmalige Informationsquelle über alte germanische Traditionen und Religion soviel wie möglich zu benutzen. So entstand zwischen Himmler und Wiligut eine enge Beziehung. Im September 933 trat Wiligut unter dem Pseudonym «Karl-Maria Weisthor» in die SS ein und wurde zum Vorsteher des Departements für Vor- und Frühgeschichte innerhalb des Rasse- und Siedlungshauptamtes der SS ernannt. Zur Entwicklung eines gemeinsamen Korpsgeistes in der SS ließ Himmler von Weisthor den Totenkopfring als Symbol der SS entwerfen.
Weisthors Korrespondenz beinhaltete viele Notizen über gereimte Verse, Runen-Weisheiten, mythologische Dichtung, Aufsätze über Kosmologie und die Epochen der Weltprähistorie, eine Kopie seiner «neun heidnischen Gebote» von 908 mit einem Trankskript in Runenschrift und einem Irminen-Vaterunser in gotischer Sprache. Vieles war von Himmler abgezeichnet worden. Durch seine Arbeit stieg er bis zum SS-Brigadeführer und zum engsten weltanschaulichen und mythologischen Berater Himmlers auf.
Weisthor meinte von dem germanischen Göttergeschlecht der Asen abzustammen. So behauptete er, dass die Bibel ursprünglich in germanischer Sprache geschrieben worden sei. Geschichte, Kultur und Religion der alten Germanen gehen, so Weisthor, ins Jahr 228 000 vor Christus zurück. Damals seien drei Sonnen am Himmel gestanden, und auf der Erde lebten Riesen, Zwerge und andere mythische Wesen. Er verehrte einen germanischen Gott Namens «Krist», den das Christentum sich später als seinen eigenen Erlöser angeeignet haben soll. Um 2 500 v. Chr. sei der Irminenglauben von Krist verkündet worden, dem alle Germanen von da an angehörten. Bei diesem Irrglauben handelt es sich um eine vollständige Umwertung der gesamten christlichen Lehre. Die Satanische Kirche von Anton Szandor Lavey und seine Schweizer Vertretung, die Ritterschaft des Schwarzen Ordens von Luzifer, erheben nun Weisthor und den SS-Totenkopf-Orden zur mystischen Religion. Sie unterhalten die so genannten Totenkopf-Grottos, die der Pflege und Weiterentwicklung dieser Lehren verpflichtet sind.
Im Jahre 934 mietete Heinrich Himmler die Wewelsburg vom Kreis Büren für den symbolischen Mietpreis von einer Reichsmark jährlich. Dort plante er die «Reichsführerschule SS», in der eine einheitliche ideologische Ausrichtung des Führungskaders der Schutzstaffel gewährleistet werden sollte. Der Impuls zur Gestaltung der Wewelsburg ging von Wiligut aus. Er machte Himmler mit einer alten westrätischen Sage von der «Schlacht am Birkenbaum» bekannt, die im 9. Jahrhundert in eine romantische Versform umgesetzt worden war. Diese Sage berichtete von einer künftigen «letzten Schlacht am Birkenbaum», in der ein «gewaltiges Heer aus dem Osten» endgültig vom «Westen» geschlagen würde.
Wiligut sagte Himmler voraus, dass die Wewelsburg das «Bollwerk» sei, an dem sich der «Hunnensturm» bei der von Himmler erwarteten künftigen Rolle der SS in der «großen Auseinandersetzung zwischen Asien und Europa» brechen werde. Eine vom Burghauptmann Manfred von Knobelsdorff ausgesuchte Gruppe junger «ideologisch gefestigter» Wissenschaftler für «germanische Vor- und Frühgeschichte, mittelalterliche Geschichte, Volkskunde und Sippenforschung» wurde für «Grundlagenforschung» im Sinne der SS-Ideologie eingestellt. Gleichzeitig arbeiteten dort Anhänger einer gewissen «SS-Esoterik», einer fantastischen Germanenmystik, die, gepaart mit pseudowissenschaftlicher Rassentheorie, Ahnenkult und Runenverehrung als Extrakt des zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit verbreiteten, deutsch-völkischen Gedankengutes entstanden war und durch den Germanenorden zur Thule-Gesellschaft seinen Weg in die SS fand. Seit 1936 verdichteten sich Himmlers Vorstellungen, in der Wewelsburg nicht nur eine SS-Forschungsstätte unter dem Projekt Ahnenerbe einzurichten, sondern sie darüber hinaus zur repräsentativen und ideologischen Zentrale des SS-Ordens auszubauen. Die Wewelsburg sollte zum «Zentrum der Welt» ausgebaut werden. Im Nordturm befand sich der so genannte «Obergruppenführersaal». 939 legte der Architekt Hermann Bartels einen ersten Entwurf für die Nutzung des Nordturms vor, in dessen Marmorfußboden das Ornament eines zwölfstrahligen Sonnenrads, die «Schwarze Sonne», eingelassen ist.
1943 waren die Bauarbeiten jedoch bereits eingestellt worden. Keine der für Himmler wesentlichen Baumassnahmen in Wewelsburg wurde vollendet. Am 3. März 945 ließ Himmler die Wewelsburg durch den SS-Hauptsturmführer Heinz Macher sprengen, um sie nicht von den amerikanischen i Truppen erobern zu lassen, die zwei Tage später in Wewelsburg einmarschierten. Bis auf die beiden Räume im Nordturm brannte die Wewelsburg vollständig aus. War der angeblich eingeschworene Zirkel um Himmlers Totenkopf- SS tatsächlich auf der Suche nach dem Urhaften Gottesbild, dem faustischen Mensch nahe und dem «Geheimen Wissen» auf der Spur? Spielt gar keine Rolle! Tatsache ist, dass die Zirkel, die das weltanschauliche Fundament erst ermöglicht haben, zielsicher wieder
aufgebaut worden sind.
Wiligut alias Weisthor war zwar einige Jahre lang im engsten Kreis um Himmler tätig. Es ist aber bis heute unklar, ob der Begriff der «Schwarzen Sonne» in der SS und bei der Ausgestaltung der Wewelsburg wirklich eine maßgebliche Rolle spielte, wie es in der rechten Szene immer wieder behauptet wird. Auf jeden Fall taucht das Symbol in den 50er Jahren bei den SS- Führern Mund (Mythos der Schwarzen Sonne) und Landig (Romantrilogie «Götzen gegen Thule») auf. Dort wird die «Schwarze Sonne» zum «Ausgangspunkt der arischen Sendungsüberlieferung und Urquell der arischen Kräfte».
Die Hauptbedeutung dieses Symbols sei das durch die jüdisch-christliche Religion verdrängte «Urwissen um die «Geburt der nordischen Seele aus dem Sternenlicht» und um die Herkunft der Germanen vom «Mitternachtsberg» im hohen Norden, wo einst «Luzifer» als Lichtbringer herrschte, bevor man ihn in das Dunkel der Hölle stieß. An seine Stelle hätten die Juden ihren «zeternden, racheheischenden Stammesgott» gesetzt und damit den Lauf der Weltgeschichte als ewigen Kampf zwischen Thule und Juda programmiert.
Gegen diese behauptete Verdrängung ursprünglicher nordischer Größe ruft Landig die «Schwarze Sonne» als Widerstandssymbol auf. Als ein solches Symbol erscheint das Sonnenrad der Wewelsburg nun auch weltweit im Logo des Online-Dienstes «Thule- Netz». Unübersehbar beherrscht die «Schwarze Sonne» die Hauptseite. Es erscheint im Logo des Thule-Seminars, die Kaderschmiede der Neonazis, unter denen die prominentesten Vordenker der neuen Rechten anzutreffen sind und etlichen anderen Orden, Gruppen und Kulten.
Den Besuchern des Online- Dienstes Thule- Netz wird der in Köln ansässige Armaden-Orden AO, der 976 aus der erwähnten neugermanisch-rassistischen «Guido von List Gesellschaft» heraus gebildet wurde, empfohlen. Der «Armanenorden» wendet sich gegen die von der Schöpfung her gegebene Gleichwertigkeit aller Menschen.
An der Spitze der hierarchisch gegliederten Organisation, deren Glaubensinhalte durch einen Rassen Okkultismus mit theosophischem Einschlag geprägt sind, steht der Großmeister Adolf Schleipfer. Stimme der «Armanenschaft» ist die Zeitschrift «Irminsul», wohl in Anlehnung an Wiliguts Irminenglauben. Regelmäßige Anzeigen finden sich in «Huginn und Muninn», dem Organ der «Arbeitsgemeinschaft naturreligiöser Stammesverbände Europas» (ANSE), welche auch zum Förderkreis des neuen Thule-Seminars zählt.
Auch ANSE kann auf prominente Köpfe zurückgreifen: Anton Pfahler war Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann sowie der ebenfalls verbotenen neonazistischen Wiking-Jugend. Er ist Kopf des Naturreligiösen Stammesverbandes der Bajuwaren, der eng mit der Arbeitsgemeinschaft Naturreligiöser Stammesverbände Europas (ANSE) zusammenarbeitet.
Die treibende Kraft hinter der auf der Strasse sichtbaren neuen Szene der Rechten ist die Ideologie des immerwährenden Gerangels, der ewige sozialdarwinistische Kampf um Blut, Boden, Überleben und den paranoiden Glauben an den Übermenschen. Hinter den Schlägertrupps steht eine breite intellektuelle und philosophische Front, die versucht, den Kampf mit geistigen Inhalten zu füllen. Thule ist tatsächlich wieder da, das Fundament ist gelegt.
Quellen:
http://www.ns-gedenkstaetten.de/
http://www.infoladen.de/
http://www.idgr.de/
http://www.schwartzeorden.org
http://www.thulenet.com
http://www.thule-seminar.org/
Bundesamt für Polizei Pressemitteilung
Grafik: Thule-Seminar.
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sfux - 2. Feb, 21:17 Article 3387x read