Firmenkultur, Stammesrituale & Guerillataktik
Geht es Ihnen auch so? Acht Stunden am Tag sitzen sie in ihrem Büro, starren die weiße Wand vor sich an und denken dabei: "Ja, das kulturelle Leben findet definitiv ohne mich statt." Kultur scheint immer dort zu geschehen wo wir nicht sind. Hand aufs Herz, wir sind nicht die einzigen. Zehntausenden geht es auch so.
Wußten sie das, laut einer Shell Studie, rund 80% aller Entlassungen aus kulturellen Gründen erfolgen? Wohlgemerkt; konjunkturbedingte Kündigungen ausgenommen. Sehen sie! So genommen sitzen sie unmittelbar am Puls der Kultur. Das hat eine gewisse Tragik, denn eine Kündigung reißt bei vielen enorm am Selbstwertgefühl und zieht in einigen Fällen eine regelrechte Depression nach sich. Die wenigsten sind sich nämlich bewußt, daß eine Kündigung in seltenen Fällen mit dem Mangel an fachlicher Kompetenz zu tun hat, als vielmehr ein ganz einfacher Grund aufweist: Sie passen nicht in die Stammesrituale ihrer Firma. Jede Firma, ob Einzelfirma oder ein multinationaler Konzern hat eine eigene Stammeskultur, oder eben in dem Sinne eine Firmenkultur. Symbole, Logos, Interieur, Dreßcodes, Kommunikationsformen, Ordnung, Glaubensbekenntnisse gegenüber dem Produkt etc. sind Manifestationen dieser Kultur.
Ich habe sie nun bewußt mit "sie" angesprochen. Ein simples Beispiel, aber von entscheidender Bedeutung, denn Aufgrund dessen wie sie das "sie" in ihrem Kulturfenster auffassen bin ich bei ihnen unten durch, oder eben nicht. Das saloppe "du Chef, ich hab hier mal ein Problem", funktioniert sicher in vielen amerikanischen Firmen und in trendigen dotcoms. Nicht aber in einer Genfer Privatbank, oder einer Bundesbehörde.
Die Situation ist bekannt: Sie sind neu in der Firma und voller Tatendrang und Elan. Ihr Rüstzeug, Top Ausbildung, sicheres Auftreten und knackige Witze haben den Chef überzeugt. Nicht aber den Mob in der Abteilung. Man empfindet sie als Chefschleimer und Emporkömmling, zudem gelten sie als peinlich. Resultat: Sie werden gemobbt. In einer anderen Firma, die vielleicht allgemein knackiger ist, wären sie die Ideale Ergänzung für ein innovatives, schlagkräftiges Team. Fazit: Der Chef der ersten Bude hat keine Ahnung über die Firmenkultur seines Unternehmens. Er ist es, der eigentlich ausgewechselt gehört.
Eine andere Situation: Sie arbeiten seit Jahren in derselben alteingesessenen Schweizerfirma. Sie haben ihre Jaßabende mit den Arbeitskollegen, sie haben seit Jahren korrekt und zuverlässig gearbeitet. Sie sind nicht der schnellste, aber ohne sie wäre vieles schlichtweg in die Hose gegangen. Man schätzt sie. Jetzt wird ihre Abteilung im Zuge einer Reorganisationsmaßname ausgegliedert und in ein Unternehmen aus Berlin neu integriert. Der neue Chef wirbelt rein und sagt: "Tach ma, ik bin der Jens, jetzt machen we hier ma richtich det Bär los und kiken ma wat da aus euch rauskommt!" Jens denkt das sei ein lustiger Witz, zumal er jetzt in Bern stationiert ist. Alles geht drunter und drüber, neue Computerprogramme werden im Zweimonatsrhythmus neu eingeführt, es gibt innovative Powermeetings und selbst ein Erfolgsbonus wird auf ende Monat ausbezahlt. Sie kriegen Magenschmerzen, schlafen schlecht, mögen mit ihren Arbeitskollegen nicht mehr Jassen gehen und sie sind müde. Jens, der neue Chef bestellt sie zu sich: "Wat is denn los mit dir? Haste jute qualifikationen und spielste hier wat rum, oder wat is denn!" meint er zu ihnen lässig und das "du" vertragen sie von dem jungen Kerl sowieso schlecht. Dennoch versprechen sie die Leistung zu verbessern. Auf Weihnachten haben sie die Kündigung, obwohl sie nur noch 5 Jahre vom wohlverdienten Ruhestand entfernt gewesen wären. Fazit: Sie haben nicht in die neue Firmenkultur gepaßt. "Inkompatibler Mitarbeiter" nennt man diesen tragischen Fall.
Firmenkultur ist der "Spirit" eines Unternehmens und umfaßt die Denkhaltungen und Grundüberzeugungen innerhalb einer Firma. Jens, in Berlin sicher der Beste am rechten Ort gewesen, bringt es sehrwahrscheinlich nicht fertig seine Firmenkultur im Schosse der behäbigen alterwürdigen Bernerfirma durchzusetzen außer, er wechselt sukzessive die gesamte Belegschaft aus und züchtet seine eigene neue Kulturversion nach. Es ist ein Kampf der Kulturen der da tobt. Faktisch wirkt die Firmenkultur wie eine Lupe. Durch sie hindurch wird definiert was im Unternehmen wichtig ist, wie das Unternehmen sich zelebriert und wohin es steuert. Vielfach ist Firmenkultur schlecht zu erkennen und schlummert unter einer dicken Eiskruste. Trotzdem wird sie unbewußt wahrgenommen. Man fühlt sich wohl, gefordert, akzeptiert und integriert, oder eben nicht.
Firmenkultur ist genau so wichtig wie jede andere Form von Kultur. Interessanterweise verhält sich die Firmenkultur beinahe parallel zur Freizeitkultur Musik, dem Schauspiel oder dem Tanz und ähnlichen kulturellen Zweigen. Einige Manager und Firmenleiter arbeiten sehr konkret und bewußt mit ihrer Firmenkultur, gehen feinfühlig mit ihren Stammesritualen und den Stammesmitgliedern um, indem Mitarbeiter gefördert und gestärkt werden und die stärken wie auch die schwächen der einzelnen Mitarbeiter konstruktiv genutzt werden. Andere wiederum beeinflussen dynamisch, indem verschiedene Kulturrituale zelebriert werden und zum Teil auch gezielt Subkultur, ja sogar Gegenkultur eingegliedert wird um am Puls der Zeit zu bleiben. Guerillataktik sozusagen.
So kann das kraftgespannte Powerteam in der Entwicklung, der Werbung und dem Verkauf versus das etablierte Produkt, wie zum Beispiel das einer Uhr oder Mode durchaus stimulierend sein. Die Spielereien sind vielschichtig und würden den Rahmen hier sprengen. Ein Beispiel aus der Kleiderbranche: Innovative Mode, junges Publikum, fetziger Sound im Laden und ziemlich sexy daherkommend, das Management wird jedoch wie ein Ritterorden mit sehr dogmatischem Kodex geführt. Solche Spielereien machen natürlich vielfach Sinn. Gerade da, wo das Management über die Straßenkultur erhaben ist und sich allein mit dem Produkt den jeweiligen Trends unterwirft, überlebt die Unternehmensführung mit der Ritterkultur sämtliche kurzatmigen Modegags. Die Firmenkultur führt entweder zum systematisch nachhaltigen Erfolg, oder in den garantierten Abstieg. Weder das Beharren an Traditionen die sich neuen Entwicklungen dogmatisch verschließen, noch das Zerstören von Glaubensbekenntnissen, die für alle Leistungsträger die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit darstellen, sind geeignete Ausprägungen einer Firmenkultur. Nicht alle, aber viele Manager wissen darum. Gehen sie doch in ihrem Büro mal auf Kulturreise, da macht das arbeiten gleich viel mehr Spaß. Fazit: Kultur ist spannender.
Wußten sie das, laut einer Shell Studie, rund 80% aller Entlassungen aus kulturellen Gründen erfolgen? Wohlgemerkt; konjunkturbedingte Kündigungen ausgenommen. Sehen sie! So genommen sitzen sie unmittelbar am Puls der Kultur. Das hat eine gewisse Tragik, denn eine Kündigung reißt bei vielen enorm am Selbstwertgefühl und zieht in einigen Fällen eine regelrechte Depression nach sich. Die wenigsten sind sich nämlich bewußt, daß eine Kündigung in seltenen Fällen mit dem Mangel an fachlicher Kompetenz zu tun hat, als vielmehr ein ganz einfacher Grund aufweist: Sie passen nicht in die Stammesrituale ihrer Firma. Jede Firma, ob Einzelfirma oder ein multinationaler Konzern hat eine eigene Stammeskultur, oder eben in dem Sinne eine Firmenkultur. Symbole, Logos, Interieur, Dreßcodes, Kommunikationsformen, Ordnung, Glaubensbekenntnisse gegenüber dem Produkt etc. sind Manifestationen dieser Kultur.
Ich habe sie nun bewußt mit "sie" angesprochen. Ein simples Beispiel, aber von entscheidender Bedeutung, denn Aufgrund dessen wie sie das "sie" in ihrem Kulturfenster auffassen bin ich bei ihnen unten durch, oder eben nicht. Das saloppe "du Chef, ich hab hier mal ein Problem", funktioniert sicher in vielen amerikanischen Firmen und in trendigen dotcoms. Nicht aber in einer Genfer Privatbank, oder einer Bundesbehörde.
Die Situation ist bekannt: Sie sind neu in der Firma und voller Tatendrang und Elan. Ihr Rüstzeug, Top Ausbildung, sicheres Auftreten und knackige Witze haben den Chef überzeugt. Nicht aber den Mob in der Abteilung. Man empfindet sie als Chefschleimer und Emporkömmling, zudem gelten sie als peinlich. Resultat: Sie werden gemobbt. In einer anderen Firma, die vielleicht allgemein knackiger ist, wären sie die Ideale Ergänzung für ein innovatives, schlagkräftiges Team. Fazit: Der Chef der ersten Bude hat keine Ahnung über die Firmenkultur seines Unternehmens. Er ist es, der eigentlich ausgewechselt gehört.
Eine andere Situation: Sie arbeiten seit Jahren in derselben alteingesessenen Schweizerfirma. Sie haben ihre Jaßabende mit den Arbeitskollegen, sie haben seit Jahren korrekt und zuverlässig gearbeitet. Sie sind nicht der schnellste, aber ohne sie wäre vieles schlichtweg in die Hose gegangen. Man schätzt sie. Jetzt wird ihre Abteilung im Zuge einer Reorganisationsmaßname ausgegliedert und in ein Unternehmen aus Berlin neu integriert. Der neue Chef wirbelt rein und sagt: "Tach ma, ik bin der Jens, jetzt machen we hier ma richtich det Bär los und kiken ma wat da aus euch rauskommt!" Jens denkt das sei ein lustiger Witz, zumal er jetzt in Bern stationiert ist. Alles geht drunter und drüber, neue Computerprogramme werden im Zweimonatsrhythmus neu eingeführt, es gibt innovative Powermeetings und selbst ein Erfolgsbonus wird auf ende Monat ausbezahlt. Sie kriegen Magenschmerzen, schlafen schlecht, mögen mit ihren Arbeitskollegen nicht mehr Jassen gehen und sie sind müde. Jens, der neue Chef bestellt sie zu sich: "Wat is denn los mit dir? Haste jute qualifikationen und spielste hier wat rum, oder wat is denn!" meint er zu ihnen lässig und das "du" vertragen sie von dem jungen Kerl sowieso schlecht. Dennoch versprechen sie die Leistung zu verbessern. Auf Weihnachten haben sie die Kündigung, obwohl sie nur noch 5 Jahre vom wohlverdienten Ruhestand entfernt gewesen wären. Fazit: Sie haben nicht in die neue Firmenkultur gepaßt. "Inkompatibler Mitarbeiter" nennt man diesen tragischen Fall.
Firmenkultur ist der "Spirit" eines Unternehmens und umfaßt die Denkhaltungen und Grundüberzeugungen innerhalb einer Firma. Jens, in Berlin sicher der Beste am rechten Ort gewesen, bringt es sehrwahrscheinlich nicht fertig seine Firmenkultur im Schosse der behäbigen alterwürdigen Bernerfirma durchzusetzen außer, er wechselt sukzessive die gesamte Belegschaft aus und züchtet seine eigene neue Kulturversion nach. Es ist ein Kampf der Kulturen der da tobt. Faktisch wirkt die Firmenkultur wie eine Lupe. Durch sie hindurch wird definiert was im Unternehmen wichtig ist, wie das Unternehmen sich zelebriert und wohin es steuert. Vielfach ist Firmenkultur schlecht zu erkennen und schlummert unter einer dicken Eiskruste. Trotzdem wird sie unbewußt wahrgenommen. Man fühlt sich wohl, gefordert, akzeptiert und integriert, oder eben nicht.
Firmenkultur ist genau so wichtig wie jede andere Form von Kultur. Interessanterweise verhält sich die Firmenkultur beinahe parallel zur Freizeitkultur Musik, dem Schauspiel oder dem Tanz und ähnlichen kulturellen Zweigen. Einige Manager und Firmenleiter arbeiten sehr konkret und bewußt mit ihrer Firmenkultur, gehen feinfühlig mit ihren Stammesritualen und den Stammesmitgliedern um, indem Mitarbeiter gefördert und gestärkt werden und die stärken wie auch die schwächen der einzelnen Mitarbeiter konstruktiv genutzt werden. Andere wiederum beeinflussen dynamisch, indem verschiedene Kulturrituale zelebriert werden und zum Teil auch gezielt Subkultur, ja sogar Gegenkultur eingegliedert wird um am Puls der Zeit zu bleiben. Guerillataktik sozusagen.
So kann das kraftgespannte Powerteam in der Entwicklung, der Werbung und dem Verkauf versus das etablierte Produkt, wie zum Beispiel das einer Uhr oder Mode durchaus stimulierend sein. Die Spielereien sind vielschichtig und würden den Rahmen hier sprengen. Ein Beispiel aus der Kleiderbranche: Innovative Mode, junges Publikum, fetziger Sound im Laden und ziemlich sexy daherkommend, das Management wird jedoch wie ein Ritterorden mit sehr dogmatischem Kodex geführt. Solche Spielereien machen natürlich vielfach Sinn. Gerade da, wo das Management über die Straßenkultur erhaben ist und sich allein mit dem Produkt den jeweiligen Trends unterwirft, überlebt die Unternehmensführung mit der Ritterkultur sämtliche kurzatmigen Modegags. Die Firmenkultur führt entweder zum systematisch nachhaltigen Erfolg, oder in den garantierten Abstieg. Weder das Beharren an Traditionen die sich neuen Entwicklungen dogmatisch verschließen, noch das Zerstören von Glaubensbekenntnissen, die für alle Leistungsträger die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit darstellen, sind geeignete Ausprägungen einer Firmenkultur. Nicht alle, aber viele Manager wissen darum. Gehen sie doch in ihrem Büro mal auf Kulturreise, da macht das arbeiten gleich viel mehr Spaß. Fazit: Kultur ist spannender.
sfux - 6. Mär, 12:50 Article 1475x read