Marcel Leemann's Balamouk

Leemann, der bereits bei Richard Wherlock eigene Stücke choreographierte, verzeichnet eine eindeutige Steigerung in der Architektur seiner neusten Produktion. Die einzelnen Bewegungsbilder sind im neuen Stück "Balamouk" zu abgeschlossenen Einheiten geworden, die er intelligent verknüpft und daraus eine fließende Komposition geschaffen hat. "Balamouk" zeigt die Einfachheit des sich Treibenlassens. Das Stück versucht, die in der Tiefe versteckten Wünsche von Harmonie in der Einfachheit zu sehen, es zeigt die geglückte Reise des weitergekommenen Seins.
Mit offenen, geschmeidigen Bewegungen punktiert er den Raum, zum Teil mit fernöstlich geprägten Kampfformen, die er mit ästhetischer Leichtigkeit wieder auflöst. Seine Produktion überrascht mit Pas-de-deux und Solo Kombinationen die nicht wie sonst üblich in Konkurrenz ausgetragen werden, sondern persönliche Eigenständigkeit und Charakter beweisen. Tänzerisch, lassen sie den Zuschauer in eine Traumwelt sinken, die das Tor zur Schönheit des modernen Tanzes öffnet.
Daß der gelernte Zimmermann klare Vorstellungen hat wie Bühne, Licht und Organisation zusammenspielt, beweist er auch durch die jiddisch gewählte Musik, das dezente aber ausdrucksstarke Ausleuchten der Bühne und den vier asketisch im Raum stehenden und schwebenden Säulen. Somit lässt er dem Zuschauer Raum, symbolische Gedankenwelten entstehen zu lassen, getragen von den am Boden stehenden Tempelsäulen, "Jachin", (er lässt feststehen) und "Booz" (In ihm ist Kraft) und den beiden schwebenden Feuer- und Wolkensäulen die das Volk Israel durch die Wüste führten. Zumindest hat Marcel Leemann sein Quintett innerhalb einer Woche Trainingszeit nach Luzern geführt und das verdient Respekt für diese tänzerisch anspruchsvolle Produktion. Aus Leemann's Mitte wird sicher ein Schmetterling geboren werden und man darf gespannt sein, was er 2001 in Bern zeigen wird.
sfux - 10. Mär, 12:28 Article 2834x read