Von Königen, Rittern & anderen Helden
Nebel wird aufziehen und das schnauben der Streitrosse wird zu vernehmen sein. Unbehaglichkeit, Untertänigkeit, vielleicht gar Furcht wird sich verbreiten dann, wenn sich von den Rossen die Mannen in ihren schweren Rüstungen vom Sattel stemmen um sich schweren Schrittes in die Gewölbe zu begeben und ausgerechnet auf den Bänken neben ihnen Platz zu nehmen.

Strenger Geruch nach alter Suppe
Heldenhafte Ritter, Kämpfer und Abenteurer, vielleicht gar König Ludowich wird sich zu ihnen gesellen. Ein strenger Geruch nach alter Suppe, Urin und Schweiss, gepaart mit Pferdescheisse und altem Moder wird ihr Näschen brüskiert sein lassen. Von weit her werden die schwarzen Horden mit ihren Burschen, Fahnen und Schwertern gekommen sein, einige flüstern sich auch die unverhoffte Ankunft der Ritterschaft Otto des III. von Grandson zu, sie seien unweit vor den Toren des Berner ONO an der Kramgasse 6 gesehen worden.
Ob die Melder dies anhand der ranzigen Burgsuppe von Grandson gerochen haben, die an den Rittern klebt wie das Blut auf den Schlachtfeldern, ist noch nicht klar.
An zwei Tagen wird die Streitschar und ihr Gefolge die Suppenkessel im ONO aufstellen und den alten Balladen von Angelo Nef und Luzi Rohner lauschen. «Von Königen, Rittern und anderen Helden» berichten die beiden. Die klassischen Erzählgedichte stellen bald eindringliche Dramen, bald satirische Grotesken dar. Kunde aus fernen Schlachten, fernen Landen und Herren wird zu vernehmen sein, Balladen von Lenau, Uhland, Schiller, Heine, Mörike und dazu Klavierstücke von Prokoreff, Zimmermann, Diestel und Schubert, gespielt von Andreas Wittner. Liederabende wie diese, man hörte einiges aus fremden Burgen, arten auch schon mal wüst aus. Dann, wenn die Ritterschaft, oder gar Otto der III, nicht mehr recht wissen wie die Ballade nun eigentlich gemeint ist.
Nehmen sie sich in Acht, die Burschen verstehen manchmal keinen Spaß außer, derjenige handle über den Thurgauer Walter von Klingen. Mutig sind die beiden Lyriker, erzählen sie doch über das Drama des problematischen König- und Kaiserseins und um die Sehnsucht nach Heldentum. Herrscher tauchen in den Geschichten auf, die sich den niedrigsten Machttrieben hingeben, gar mancher wird sich dabei ertappt fühlen um wutentbrannt aufzustehen. Die Balladen sprechen auch von jenen ruhmsüchtigen Abenteuern, die der Glorie der Mächtigen blind nacheifern und dabei werden mittelalterliche Hahnenkämpfe gleichermaßen vorgeführt wie halsbrecherische Mutproben.
Aus weiter ferner Lande berichtet die Ballade «Schlachtfeld bei Hastings» von Heinrich Heine, in der es um die Suche des gefallenen Königs auf dem Schlachtfeld geht. Dabei nimmt ein Botenbericht zweier Mönche die vom Überfall der Normannen auf Britannien berich- ten, seinen skurrilen Lauf. Dies, ein tragisch – bizarres Szenario, eines typisch mittelalterlichen Dramas, denn auf dem Schlachtfeld der Männer, bleibt es danach den Frauen vorbehalten die geschundenen Leiber zu bergen. Von Kunde aus irischer Erde weiß die «Traurige Krönung» zu berichten. Ein Machtbesessener hat in Irland die Krone an sich gerissen, dabei hat er nicht vor Mord zurückgeschreckt! Ein raunen wird wohl durch den ONO Keller gehen, die Bänke werden näher herangezogen, die letzten Helmvisiere werden aufgeklappt. Angelo Nef und Luzi Rohner erzählen, was einige Ritter lieber nicht hören wollen: Offensichtlich dringt ein Geisterchor in einer der nächsten Nächte in die Gemächer des irischen Meuchelkönigs und hält ihm den Spiegel seines Gewissens vor Augen! Einige Visiere im ONO Keller schnappen sicher unweigerlich wieder zu und es wird leise mit den tapferen Streitern.
Doch damit noch nicht genug der Wunder; die Balladen berichten noch von anderen Ungeheuerlichkeiten. Bischoff Kletus fordert den vor Reichtum strotzende Kaiser auf, sein rücksichtsloses Ausbeuten des Volkes niederzulegen. Jetzt stehen sie aber auf, die nach Burgsuppe stinkenden Ritter. Genug ist genug schreien einige, doch sie werden flugs wieder zur Raison gebracht, denn was wahr ist, ist wahr: Bischof Kletus bewies dem König nämlich, dass sein Vermögen auf Blut und Tränen aufgebaut ist. Unter uns EnsuitlerInnen, die Kriegermänner müssen ja nicht wissen, dass der gute Kletus eine kleine Wundertat gewirkt hat... oder war es doch anders?
Weich geworden von den Darbietungen, kommt es den Rittern wohl auch nicht mehr darauf an, dass die beiden Lyriker die Dreistigkeit besitzen, den Willen zum Widerstand zu stärken und offen plädieren für die Freiheit der Unterdrückten zu kämpfen. Kein Wort, kein Faustschwert das sich in den steinernen Boden rammt um das Treiben der beiden Vortragenden zu unterbinden, denn zu wahr ist deren Kunde. Geschichten von gestern – für Ohren von heute! Die Ritter aus dunklen Zeiten sind nicht ausgestorben, sie sind unter uns! Die teilweise schaurig – gruseligen Erzählgedichte von machtgierigen Herrschern und ritterlich– heldenhaften Kämpfern gemahnen an gegenwärtige Ereignisse, die uns in ihrem Anachronismus, in ihrer Mittelalterlichkeit, erschrecken... noch werden Machtkämpfe mit rüden Methoden durchgeführt, noch sind fanatische «Helden» und «Kämpfer für das Ehere und Grosse» wie die Rattenfänger unterwegs. Das Mittelalter will kein Ende nehmen.
Dieser Artikel erschien im Berner ensuite - Kulturmagazin. Die PDF Datei der Printausgabe finden sie unter: Von Königen, Rittern & anderen Helden

Strenger Geruch nach alter Suppe
Heldenhafte Ritter, Kämpfer und Abenteurer, vielleicht gar König Ludowich wird sich zu ihnen gesellen. Ein strenger Geruch nach alter Suppe, Urin und Schweiss, gepaart mit Pferdescheisse und altem Moder wird ihr Näschen brüskiert sein lassen. Von weit her werden die schwarzen Horden mit ihren Burschen, Fahnen und Schwertern gekommen sein, einige flüstern sich auch die unverhoffte Ankunft der Ritterschaft Otto des III. von Grandson zu, sie seien unweit vor den Toren des Berner ONO an der Kramgasse 6 gesehen worden.
Ob die Melder dies anhand der ranzigen Burgsuppe von Grandson gerochen haben, die an den Rittern klebt wie das Blut auf den Schlachtfeldern, ist noch nicht klar.
An zwei Tagen wird die Streitschar und ihr Gefolge die Suppenkessel im ONO aufstellen und den alten Balladen von Angelo Nef und Luzi Rohner lauschen. «Von Königen, Rittern und anderen Helden» berichten die beiden. Die klassischen Erzählgedichte stellen bald eindringliche Dramen, bald satirische Grotesken dar. Kunde aus fernen Schlachten, fernen Landen und Herren wird zu vernehmen sein, Balladen von Lenau, Uhland, Schiller, Heine, Mörike und dazu Klavierstücke von Prokoreff, Zimmermann, Diestel und Schubert, gespielt von Andreas Wittner. Liederabende wie diese, man hörte einiges aus fremden Burgen, arten auch schon mal wüst aus. Dann, wenn die Ritterschaft, oder gar Otto der III, nicht mehr recht wissen wie die Ballade nun eigentlich gemeint ist.
Nehmen sie sich in Acht, die Burschen verstehen manchmal keinen Spaß außer, derjenige handle über den Thurgauer Walter von Klingen. Mutig sind die beiden Lyriker, erzählen sie doch über das Drama des problematischen König- und Kaiserseins und um die Sehnsucht nach Heldentum. Herrscher tauchen in den Geschichten auf, die sich den niedrigsten Machttrieben hingeben, gar mancher wird sich dabei ertappt fühlen um wutentbrannt aufzustehen. Die Balladen sprechen auch von jenen ruhmsüchtigen Abenteuern, die der Glorie der Mächtigen blind nacheifern und dabei werden mittelalterliche Hahnenkämpfe gleichermaßen vorgeführt wie halsbrecherische Mutproben.
Aus weiter ferner Lande berichtet die Ballade «Schlachtfeld bei Hastings» von Heinrich Heine, in der es um die Suche des gefallenen Königs auf dem Schlachtfeld geht. Dabei nimmt ein Botenbericht zweier Mönche die vom Überfall der Normannen auf Britannien berich- ten, seinen skurrilen Lauf. Dies, ein tragisch – bizarres Szenario, eines typisch mittelalterlichen Dramas, denn auf dem Schlachtfeld der Männer, bleibt es danach den Frauen vorbehalten die geschundenen Leiber zu bergen. Von Kunde aus irischer Erde weiß die «Traurige Krönung» zu berichten. Ein Machtbesessener hat in Irland die Krone an sich gerissen, dabei hat er nicht vor Mord zurückgeschreckt! Ein raunen wird wohl durch den ONO Keller gehen, die Bänke werden näher herangezogen, die letzten Helmvisiere werden aufgeklappt. Angelo Nef und Luzi Rohner erzählen, was einige Ritter lieber nicht hören wollen: Offensichtlich dringt ein Geisterchor in einer der nächsten Nächte in die Gemächer des irischen Meuchelkönigs und hält ihm den Spiegel seines Gewissens vor Augen! Einige Visiere im ONO Keller schnappen sicher unweigerlich wieder zu und es wird leise mit den tapferen Streitern.
Doch damit noch nicht genug der Wunder; die Balladen berichten noch von anderen Ungeheuerlichkeiten. Bischoff Kletus fordert den vor Reichtum strotzende Kaiser auf, sein rücksichtsloses Ausbeuten des Volkes niederzulegen. Jetzt stehen sie aber auf, die nach Burgsuppe stinkenden Ritter. Genug ist genug schreien einige, doch sie werden flugs wieder zur Raison gebracht, denn was wahr ist, ist wahr: Bischof Kletus bewies dem König nämlich, dass sein Vermögen auf Blut und Tränen aufgebaut ist. Unter uns EnsuitlerInnen, die Kriegermänner müssen ja nicht wissen, dass der gute Kletus eine kleine Wundertat gewirkt hat... oder war es doch anders?
Weich geworden von den Darbietungen, kommt es den Rittern wohl auch nicht mehr darauf an, dass die beiden Lyriker die Dreistigkeit besitzen, den Willen zum Widerstand zu stärken und offen plädieren für die Freiheit der Unterdrückten zu kämpfen. Kein Wort, kein Faustschwert das sich in den steinernen Boden rammt um das Treiben der beiden Vortragenden zu unterbinden, denn zu wahr ist deren Kunde. Geschichten von gestern – für Ohren von heute! Die Ritter aus dunklen Zeiten sind nicht ausgestorben, sie sind unter uns! Die teilweise schaurig – gruseligen Erzählgedichte von machtgierigen Herrschern und ritterlich– heldenhaften Kämpfern gemahnen an gegenwärtige Ereignisse, die uns in ihrem Anachronismus, in ihrer Mittelalterlichkeit, erschrecken... noch werden Machtkämpfe mit rüden Methoden durchgeführt, noch sind fanatische «Helden» und «Kämpfer für das Ehere und Grosse» wie die Rattenfänger unterwegs. Das Mittelalter will kein Ende nehmen.
Dieser Artikel erschien im Berner ensuite - Kulturmagazin. Die PDF Datei der Printausgabe finden sie unter: Von Königen, Rittern & anderen Helden
sfux - 14. Mai, 21:19 Article 3484x read