Teuflisches um den Papst

Kommentar von Harald Haack
Dunkle Schatten
Papst Johannes Paul II. sah dunkle Schatten auf der Menschheit liegen. Als Papst war er kein Heiliger, aber dank des von ihm forciert eingesetzten Selig- und Heiligsprechungsritus des Vatikans ist nun er auf dem Weg dorthin. "Es wäre wunderbar für den deutschen Papst(Benedikt XVI.), einen polnischen Papst in Köln heilig zu sprechen", hatte sich Erzbischof Stanislaw Dziwisz Anfang Juli 2005 ereifert und hinzugefügt: "Niemand hat die Jugend so geliebt wie Johannes Paul, und die Jugend liebte ihn."
Kein Wunder! Hatte er sich doch äußerlich der Gestalt des possierlichen Yoda aus der weltweit beliebten Star-Wars-Saga des Hollywood Trickfilmmoguls George Lukas in ungewollter und verblüffender Weise angenähert. Und wie Yoda, dem Lukas übersinnliche und übermenschliche Kräfte verliehen und mit dem belehrenden Starrsinn eines Weisen ausgestattet hatte, stellte Johannes Paul II. in einem seiner Briefe fest, die er am 22. Februar vor seinem Tod verfasst hatte: "In unserer Zeit scheint die menschliche Gesellschaft, erschüttert von tragischen Ereignissen und verheerenden Naturkatastrophen, von dunklen Schatten umhüllt zu sein". Laut Vatikan wollte der Papst mit dem Brief die Gläubigen auf den Weltmissionstag im Oktober einstimmen. Den Weltjugendtag in Köln jedoch, zu dem er seinen Besuch zugesagt hatte, scheint er (zumindest in diesem Brief) vergessen zu haben.
Papst Johannes Paul II. starb seinen nahezu öffentlichen Tod. "Amen" soll sein letztes Wort gewesen sein, das er auf dem Sterbebett von sich gab. Doch als echter Pole wird er - wenn auch in sicherlich frommer Absicht - anderes angesichts der Gewissheit seines nahen Todes gedacht haben. "Kurva", die Abkürzung der gebräuchlichsten polnischen Kundmachung einer Erkenntnis, wird sich zweifellos irgendwann in seinem Leben in seinen Hirnzellen verfangen haben wie guter polnischer Wodka. Für ihn war sein "Kurva", was gemeinhin mit "Deine Mutter ist eine Hure" übersetzt wird, möglicherweise eine liebevolle Analogie zum Leben der Maria, der Mutter des Begründers der christlichen Religion, die laut Bibel "vom Heiligen Geist" geschwängert wurde. Johannes Paul II. starb gewiss in der Erkenntnis, den Folgen einer Vergiftung zu erliegen. Es war sein Kampf mit dem Gift in seinem Körper gewesen. Wahrscheinlich glaubte er schon, es besiegt zu haben. Darauf deuten zweifellos seine wiederholten Versuche, sich den Gläubigen am Fenster zu zeigen und zu ihnen sprechen zu wollen, hin. Ob ihm das Gift heimtückisch verabreicht wurde oder ob es eine Folge infizierter Infusionsschläuche war, werden - außer den Medizinern, die ihn behandelt hatten, wohl nur die wissen, die ihm "nahe" genug standen. Sein Camerlengo und - Josef Kardinal Ratzinger, der derzeitige Papst Benedikt XVI.
Fernsehen - Medium globaler Propaganda
Zu seiner Zeit als Oberhaupt der katholischen Kirche hatte Radio Vatikan im Bereich der Fernsehtechnik aufgerüstet, sicherlich auf die irgendwann garantiert stattfindenden Begräbnisfeierlichkeiten hinarbeitend. Den weltweit übertragenen Fernsehbildern des inszenierten Todes konnte man es auch ansehen. Der Vatikan vertraute sich nicht nur modernster Technik an, er versteht diese sogar ausgezeichnet als Propagandamedium zu nutzen und schlachtete damit das von ihm geschaffene Fernsehmonopol für die Übertragung aus dem Vatikan gründlich aus, um das Spektakel um den Tod des Papstes in ein "nekrophiles Woodstock" auf den Petersplatz zu verwandeln. Von den Dächern rings um den Petersplatz waren Scheinwerfer auf die riesige Beerdigungsgesellschaft gerichtet. Vatikanische Kameramänner und die Scharfschützen der italienischen Polizei hatten sich dort Seite an Seite positioniert.
Die Macht der Bilder von den Begräbnisfeierlichkeiten wie auch die nachfolgenden Übertragungen von der Papstwahl und die Einführung des neuen Papstes in sein Amt erfüllten für den Vatikan ihren Zweck, nämlich der Verfestigung des Glaubens der Zuschauer - an die Herrschaft des Vatikans übers Kirchenvolk, jede Skepsis unterdrückend. Abscheulich die Zurschaustellung des toten Papstes. Aber der systematisch durch vergötternde Allegorien erzeugte Glaube der Katholiken und deren daraus resultierendes Abschiedstrauma schien den führenden Köpfen des Vatikans offensichtlich wichtiger als die Würde des Verblichenen.
Unvergessen der Moment, als sich eine Windbö in der auf dem Zypressenholz-Sarg liegenden Schwarte, ein Evangelium, verfangen hatte und die Seiten wie von Geisterhand umgeblättert wurden. Einige der auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen hielten dies für einen göttlichen Seufzer - andere, die daheim vor den Fernsehern ausharrten, für einen teuflischen Furz. Religiöse Fanatiker sprachen hinterher sogar von einem Wunder. Doch alle Wunder, selbst wenn dies eines gewesen sein sollte, müssen vom Vatikan genehmigt und zum Wunder erklärt worden sein. Dies ist bis heute nicht geschehen. Es wäre doch immerhin möglich, dass jemand zwischen den Scheinwerfern, den Kameramännern und den Scharfschützen die Windmaschine entdeckt und fotografiert hätte. Denn Kameras oder Fotohandys hatte auf dem Petersplatz nahezu jeder Anhänger von Johannes Paul II. in den Händen gehalten und damit wild um sich geschossen.
Manche der einprägsamen Einstellungen der vatikanischen Massenveranstaltungen erinnerten enorm an den filmischen Pathos der Diktaturen von Mussolini und Hitler. Szenen der frenetisch jubelnden Menschen, an die der neue Papst Benedikt XVI. stehend im offenen "Papamobil" vorbeifuhr, wurden nicht nur überschattet von der Erinnerung an ähnliche historische Bilder faschistischer Herrscher, sondern auch von einem grimmig blickenden Dicken mit mutmaßlich orientalischer Herkunft inmitten der jubelnden Menge, an dem der Papst vorbeirauschte.

In alle Welt gesendet: Nekrophiles Woodstock auf dem Petersplatz.
Was die Mikrophone von Radio Vatikan nicht erfassten, zeigte eine Fernseh-Kamera. Viele der freudig erregten Menschen unmittelbar hinter der Absperrung der Gasse, durch die das Papamobil gelenkt wurde, riefen: "Papa, Papa!" und "Bravo!" Um dies von ihren Lippen ablesen zu können, musste man kein Gehörloser sein. Deutlich formten ihre Lippen diese Worte. Und mit einem Mal kam dann dieser Dicke ins Bild. Er legte seine Hand wie einen Trichter an seinen Mund und rief: "Asshole!" Trotz des tosenden Lärms müssen dies die auf beiden Seiten neben dem Papamobil gehenden Leibwächter gehört haben; wie auch jener junge Kameramann, sehr wahrscheinlich Mitglied der Schweizer Garde, der im Wagen hinter Benedikt XVI. stand. Besorgt suchten sie die Jubelnden nach dem dicken Rufer ab. Der brandneue Papst lächelte plötzlich gequält. Er wird die Beschimpfung ebenso gehört haben. Das Bad des Papstes in der Menge wurde jäh abgebrochen. Man eilte mit dem Papst in die sicheren Räumlichkeiten des Petersdoms zurück.

Der Moment des Erschreckens.

Gequält lächelnder Papst und sein sorgenvoller Leibwächter (unten rechts am Bildrand).
Dass die Sicherheitskräfte des Vatikans die Aufzeichnungen der im Trubel eingefangenen Fernsehbilder geheimdienstlich verwerteten, dürfte sehr wahrscheinlich sein. Vielleicht haben sie den zumindest verbalen Attentäter identifizieren können und beobachten ihn. Immerhin könnte aus Benedikt XVI. mittels Anschlag schnell jener "Übergangspapst" werden, von denen in den Medien unmittelbar nach der Papstwahl eifrig gesprochen wurde. Weltweit hatte die Nachricht, dass er, der als Kardinal Ratzinger wegen seiner erzkonservativen Strenge gefürchtet war, nun zum Papst erkoren wurde, nicht nur Freude, sondern weitaus mehr Entsetzen ausgelöst.
Fette Fete
Die Erde hat es nicht leicht mit uns. Sie wird schwerer mit jedem neuen Menschen und mit jedem neuen Tag, an dem ein junger Mensch wächst und sich mittels teuflischer Fast-Food-Fressereien fetter und fetter macht. Wie schwer aber Köln unter der Last jugendlicher, katholischer Pilger sein wird, die sich im August zum Kölner Dom anlässlich des Weltjugendtages wälzen soll, vermag sich niemand vorzustellen. Es wäre irrsinnig und zynisch, darüber Berechnungen aufzustellen. Obwohl das Fasten unverzichtbarer Bestandteil katholischer Rite ist, sind Kurse der katholischen Kirche über Schlankheitskuren für übergewichtige Jugendliche unbekannt. Wenn von Abnehmen in der katholischen Kirche die Rede ist, dann wohl nur darüber, wie man einen Papierstern nach den "Chaos-Tagen", nämlich Advent, Weihnachten und "Heilige Drei Könige" von der Zimmerdecke nimmt.
Dennoch sollten Kölner Sicherheitsexperten alarmiert sein. Immerhin wäre es möglich, dass der Boden Kölns rund um den Dom, von vergessenen Katakomben und städtischen Versorgungsschächten unterhöhlt und damit mutmaßlich instabil für die Masse schwergewichtiger Pilger, die den Segen des ebenfalls angereisten Papstes empfangen wollen, in sich zusammenbräche und öffnen könnte wie die Hölle. Und es könnten – wie schon in der Vatikanstadt - beleidigende Rufer den Weg des Papstes säumen.
Teuflische Bauwut
Der Dom, der mit seinen 1880 fertig gestellten Türmen eine Höhe von 144,58 Meter über dem Boden erreicht und seine Entstehung einem "unheilvollen Pakt mit dem Teufel" verdankt, so eine Legende, überragte lange Zeit als höchste Bauwerk Kölns die Stadt und wurde damit zu ihrem Wahrzeichen. Von weitem konnte jeder sehen, wo Kölns Mittelpunkt liegt und hatte die Gewissheit, dass sich die Hölle dort noch nicht geöffnet hat. Doch damit ist es nun vorbei. Wer sich auf der Autobahn aus Richtung Siegburg nähert, sucht den Kölner Dom vergebens. An dessen Stelle überragt ein 103,5 Meter hoher Hochhausturm die Dächer. Seine Erbauer: der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und die Rheinische Zusatzversorgungskasse. Für die Finanzierung sollen Pensionsgelder ver(sch)wendet worden sein.
Kölns Stadtplaner haben bereits Bauten ähnlicher Dimension genehmigt. Unbekannt ist, ob für deren Finanzierung Gelder der Bundesversicherungsanstalt abgezweigt werden. Sicher ist, dass die "Rückenkratzer des Teufels" alle wichtigen Sichtachsen zum Dom blockieren und Köln damit des Doms berauben - jedenfalls visuell. UNESCO-Experten drohten deshalb, die derart schändlich umbaute gotische Kathedrale künftig von der Liste des Weltkulturerbes zu streichen. Was nicht mehr sichtbar ist, wäre nicht mehr vorhanden und müsse daher nicht mehr aufgelistet sein; der Kölner Dom ohne Weltkulturerbe-Status.
Kölns CDU-Oberbürgermeister Fritz Schramma indes verteidigte kürzlich vor dem in Wien tagenden UNESCO-Tribunal die Allmacht der Kölner Stadtspitze und entrüstete sich hinterher, er wisse "gar nicht, was die UNESCO eigentlich will". Hätte Schramma nicht gefragt, was die UNESCO will, sondern erzählt, was Köln will, so wüsste man jetzt mehr über die teuflische Sucht, den Himmel Kölns mit Türmen zu zerschrammen und den globalistischen Glauben, mit angeblich genialen Hochhäusern und lauten Autostraßen eine Stadt menschenwürdig und lebensfähig machen zu wollen.
Warum also will die Stadt Köln ihren Dom verstecken? Die meisten Sagen um den Dom erzählen vom Teufel, der enormen Anteil am Dom haben soll, und in dessen Namen die "Unglücksglocke" des Doms gegossen wurde. Sollte er der Grund für Kölns Bausünden sein?
Teufel und Vatikan - ein berüchtigtes Paar
Unabhängig von der christlichen Religion kannten ihn die alten Griechen als Verleumder, Durcheinanderwerfer und Verwirrer - als Diàbolos. Ein Wirken, das in der Politik unserer Tage weltweit gang und gebe und sogar im Vatikan zu Hause ist, doch leider nur selten umfassend als diabolisch enttarnt wird. Es mag als heuchlerisch gelten, wenn der Vatikan, nun unter der Führung von Bendikt XVI., ein Satanismus-Seminar eingerichtet hat. Man könnte glauben, der Teufel hätte sein Haus wieder gefunden. Wie dem auch sei: Der Vatikan und der Teufel sind seit vielen Jahrhunderten als nicht unbedingt gegensätzliche Partner miteinander verbunden.
So verdankt der Kirchenstaat, Vorgänger der Vatikanstadt, sogar einer teuflischen Tat sein Entstehen. Im Jahre 754 legitimierte Papst Stephan II. mit der Berufung auf eine Schenkungsurkunde Konstantins, das Entstehen des Kirchenstaates.
Reich geworden durch "Schenkungen" seit dem 4. Jahrhundert, hatte Papst Gregor I. den Wechsel zu einer straffen Zentralverwaltung erreicht und damit die Grundlage für das Herrschaftsgebilde des Kirchenstaates geschaffen, die Papst Stephan II. (752 bis 757) zur Lüge verleitete. Denn: Die Schenkungsurkunde Konstantins hat es nie gegeben, und obwohl anno 1440 die Wahrheit ans Licht gekommen, blieb die Lüge des Papstes Grundlage für seinen Anspruch auf eine unabhängige geistliche und weltliche Landesherrschaft in Italien.
Verleumden, Durcheinanderwerfen, Verwirren: Nachdem Napoleon I. den Kirchenstaat 1798/99 und erneut 1809-1814 vollständig aufgelöst hatte, führten politische Gaunereien europäischer Großmächte, namentlich von Österreich, zur einer Erneuerung päpstlicher Herrschaft. 1920 ging es wieder um eine Legitimation.
Seit jenem Jahr existiert die Vatikanstadt, geschaffen mit den so genannten Lateranverträgen, die der Camerlengo Pietro Gasparri, von Papst Benedikt XV. zum Präsidenten der Päpstlichen Kommission für die authentische Auslegung des Codex Iuris Canonici (Codex des kanonischen Rechts, das Gesetzbuch der katholischen Kirche im lateinischen Bereich) sowie von Papst Pius XI. zum Präfekten der Kurialkongregation für Außerordentliche Kirchliche Angelegenheiten ernannt, gemeinsam mit dem faschistischen Ministerpräsidenten Benito Mussolini unterzeichnete. Um der neuen Staats- und Gesellschaftsform des Faschismus Legitimität zu verschaffen, war Mussolini an einer Aussöhnung des italienischen Staates mit der katholischen Kirche interessiert. So trafen sich zwei nicht gegensätzliche Bünde (italienisch: fascio), denn der Faschismus Italiens hat katholisch-sozialistische Tradition. Und die Farbe Schwarz liebten beide Bünde: auf der einen Seite die Schwarzhemden Mussolini, auf der anderen die schwarzen Priestergewänder. Wen wundert's also, dass sich der Vatikan während der Nazi-Herrschaft in Deutschland nicht grundsätzlich gegen den Holocaust stellte, Verfolgten nur widerwillig Unterschlupf gewährte, aber nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Nazi-Täter, die vor den Alliierten aus Deutschland geflohen waren, durch die Gemächer des Vatikans nach Südamerika schleuste. Eine teuflische Haltung, von der sich der Vatikan erst sehr spät unter Papst Johannes Paul II. distanzierte. Wenn auch halbherzig. Unbeirrt traf er sich mit dem Chef der französischen rechtsradikalen Nationalen Front sowie Italiens obersten Neofaschisten Giorgio Almirante. Dieser triumphierte nach der Unterredung mit Johannes Paul II.: "Mit dem Papst befinden wir uns auf dem rechten Weg gegen Marxismus und Kapitalismus." Einwendungen gegen diese Auslegung hatte der "Heilige Stuhl" damals Mitte April 1985, nicht - wahrscheinlich, weil nach römischem Selbstverständnis der Papst sowieso immer auf dem rechten Ufer steht.
Die Verleumdung Johannes Pauls II.
Lügen, Betrügen und Verfolgen im Namen Gottes? Der Vatikan – ständig verschlossenen für Ideen, die zu hoch entwickelten Gesellschaften sowie zur Sicherung humanistischen Denkens führen könnten.
Was Letzteres betrifft, so hatte es unter Johannes Paul II. eine gemäßigte Zeit gegeben. Doch nun unter Benedikt XVI. scheint der Vatikan politisch in ein dunkles, grauenvolles Zeitalter zurück zu stürzen. Aus Österreich meldete sich jüngst einer, den die Wiener einen "scharfen Hund" nennen: Christoph Kardinal Schönborn, von morbidem Adel, war einer der jüngsten unter allen möglichen Papst-Nachfolgern, die in diesem Frühjahr gemustert wurden, gerade mal 60 Jahre alt.
Schönborn fühlte sich aufgefordert, in der " New York Times" das Verhältnis von Katholizismus und Wissenschaft zurechtzurücken. Wahrscheinlich hatte er gerade Dan Browns Schmöker "Illuminati" verschlungen. "Die Verteidiger des neodarwinistischen Dogmas", schimpfte er im liberalen Ostküstenblatt, "haben sich oft auf die angebliche Anerkennung - oder doch Duldung - durch die römisch-katholische Kirche berufen, wenn sie ihre Theorie als irgendwie vereinbar mit dem christlichen Glauben verteidigen. Aber das ist nicht wahr."
Evolution sei mehr als ein Spiel von Zufall und Auslese, so Schönborn, Evolution sei durchgängig von Gott gewollt. Eine Äußerung, die man gelassen in die Kammer abgehängter Dogmen des Vatikans hätte zurück hängen können. Doch Schönborn ereifert sich zur Verleumdung. Differenziertere Äußerungen "unseres geliebten Johannes Pauls" von 1996 seien "ziemlich vage und unwichtig", giftete er.
Der SPIEGEL schreibt hierzu: "Immerhin war der vage und unwichtige Brief, den Schönborn erwähnt, eine Botschaft Johannes Pauls II. auch an die Mitglieder der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Darin schrieb er, die Evolutionstheorie sei mehr als nur eine Hypothese. Und immerhin gilt Schönborn manchen als Kronprinz Joseph Ratzingers. So stellt sich die Frage: Macht er das im Auftrag von Benedikt XVI.?"
Es ist anzunehmen. Diktaturen wie die des Kirchenstaates oder des Italiens unter der Herrschaft Mussolinis oder des Deutschlands unter der Führung des Österreichers Adolf Hitler pflegten ihre Darstellung der "Tatsachen" mittels Terror und Ausschaltung aller gegenteiligen Informationen beim Volk durchzusetzen. Die Hexenverbrennungen und die Inquisition, der Verfolgung Andersdenkender, die nur mittels Lügen und unter Folter erpresster Geständnisse funktionierte, haben sich ins kollektive Gedächtnis der westlichen Welt eingebrannt. Weisheit hat die Kardinäle des Kirchenstaates wie auch des Vatikans nie beflügelt. Die Politik des Vatikans scheint Ausdruck einer ewig greisen Kamarilla zu sein.

Verbitterung und Betroffenheit in den Gesichtern der Kardinäle unmittelbar nach der Wahl von Kardinal Ratzinger zum Papst. Links hinten: der 62-jährige Jean-Louis Pierre Tauran, Vorsteher der Vatikanischen Geheimarchive. 1969 wurde er im Alter von 26 Jahren in Bordeaux zum Priester geweiht. In den vergangenen 15 Jahren hat er in Rom Karriere gemacht, 2003 erhob ihn Johannes Paul II. zum Kardinal.
Eine Fälschung war es auch, der "Brief des Priesters Johannes", der im Mittelalter ursächlich zu den vom Papst unter scheinheiligen Vorwänden verkündeten Kreuzzügen im Orient führte. Deren Folgen, die Antwort fanatischer Muslime, sind Teil des gegenwärtigen, ständig zunehmenden Terrorismus'.
Terror im Namen Gottes
Man kann darüber rätseln, welche teuflische Anmaßung hinter der Forderung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, steckt, von in Deutschland lebenden Muslimen ein Verfassungsbekenntnis zu fordern. Dieses sollten, so Lehmann, staatliche Organe von Muslimen vor der Verleihung der deutschen Staatsbürgerschaft verlangen. Lehmann forderte außerdem von muslimischen Gemeinden eine stärkere Kooperation mit Geheimdiensten. Es darf wohl ebenso darüber gerätselt werden, ob er von ausländischen Katholiken kein Verfassungsbekenntnis fordert, weil diese vielleicht ohnehin mit Geheimdiensten zusammenarbeiten - in einer Art, wie sich Denunzianten dem Nazi-Deutschland andienten und wie die Stasi der ehemaligen "DDR" massenweise Bürger zu Bespitzelungen ihrer Mitbürger zwang. Der Katholizismus als Gütesiegel für die inquisitorische Verfolgung von Menschen einer anderen, wenn auch ähnlichen Religion?
Seitdem der Kirchenstaat existiert, ging es ihm - Gottes angeblichen Willen vorschiebend - um Geld und Macht und noch mehr Geld und Reichtum sowie die Unterdrückung und Vernichtung Andersdenkender, Ungläubiger. Die katholische Religion muss dabei zeitweise mutmaßlich als Verkleidung, als Schafsfell des bösen Wolfes gesehen werden. Ein Lügengebilde, das ständig neue Lügen schafft - und Terror.
Perversionen, Magier und Neider
Auf Lügen beruht der rege Handel mit den Gebeinen von Verstorbenen, die - natürlich der Papst - zuvor als heilig erklärt hatte. Vielfach handelte es sich bei den perversen Schätzen des Kirchenstaates um die Knochen irgendwelcher Toten, möglicherweise auf dem Scheiterhaufen Hingerichteter, die fälschlicherweise den religiösen Prominenten des Christentums zugeschrieben und zu Reliquien gemacht wurden. An Knochen gab es keinen Mangel. Wem es gelang, sie ungestraft auszugraben und treffend mit einer unwiderlegbaren Lügengeschichte zu verkaufen, wurde später selbst als heilig erklärt. Grabräuberei war schon in der Antike ein einträgliches Geschäft. Niemand vermochte die Fälschungen in jenen Jahrhunderten, als das anatomische Wissen noch eine Geheimlehre war - aufzudecken. Manchmal aber kam es zu wundersamen Verwandlungen, als der klägliche Rest des Skeletts eines fanatisch verehrten Menschen sich zufällig als Karnickelknochen offenbarte. Manchem mag das "Salz", als Propaganda gestreut in die Augen des Kirchenvolkes, im wahrsten Sinne des Wortes wie Schuppen von den Augen gefallen sein.
Es mag sicherlich die andere Seite der Wahrheit sein, dass für Reliquien kunstvoll mit Gold und Edelsteinen verzierte Behältnisse geschaffen wurden, um den Betrug vor forensischer Entlarvung zu schützen. Wer wollte denn auch derart Kostbares zerstören, nur um den Inhalt auf seine Echtheit hin zu überprüfen? Eine vom Kirchenstaat geschaffene teuflische Crux, die den christlichen Glauben nicht nur fordert, sondern erforderlich machte. Eine genetische Zuordnung von vermoderten Knochen zu den angeblichen Heiligen gab es damals noch nicht. Selbst heute, wo wir die Mittel und das Wissen dazu hätten, ist es nahezu unmöglich – da vergleichbares, verwandtschaftliches Material fehlt – eine Echheitsbestimmung vorzunehmen. Hinzu käme, dass die Knochen keine verwertbare DNA mehr enthielten. Also bleiben die Reliquien besser dort wo sie sind: Hübsch und teuer verpackt. Und jeder kann daran glauben oder auch nicht.
Immerhin: Ohne eine Reliquie gäbe es den Kölner Dom heute sicherlich nicht. Wenn man so will, ist der Kölner Dom die äußere Hülle eines Lügenelaborats mit gigantischen Ausmaßen um den Schrein der "Heiligen Drei Könige", von denen ein Teil hier und ein anderer Teil in Mailand liegen soll. Der Anthropologe Herbert Ullrich erklärt in seinem Buch "Schädel-Schicksale historischer Persönlichkeiten", dass der Schrein anno 1864 anlässlich der Siebenhundertjahrfeier der Translation zum letzten Mal geöffnet wurde. Dabei habe man festgestellt, "dass sich die mumifizierten Gebeine eines etwa zwölfjährigen Knaben, eines dreißigjährigen und eines circa fünfzigjährigen Mannes im Reliquiar befinden. Eine wissenschaftliche Untersuchung hat nicht stattgefunden. Sie würde auch niemals zu einem Identitätsnachweis führen können, da die Geschichte der im Kölner Dom aufbewahrten Reliquien zu lückenhaft ist und es zudem keinen Hinweis darauf gibt, dass die nach Bethlehem gekommenen Drei Weisen auch dort gestorben sind." Aber genau dort will sie Helena, die Mutter Konstantins, im Jahr 365 entdeckt und ausgegraben haben.
Wer nicht will, dass seine Knochen in der Welt verteilt werden, sondern in einem Grab gemächlich und ruhig vermodern, sollte sein Leben weiterhin sündhaft gestalten. Das verhindert sicherlich eine Heiligsprechung - so sollte man annehmen.
Vielleicht hatte dies auch Papst Formosus (816-896) gedacht und sich mit weltlichen Herrschern wie auch mit Kardinälen des Kirchenstaates angelegt. Nach seinem Tod wurde er von seinem Nachfolger Papst Stephan VI. wegen angeblicher Missbräuche während seiner Amtsführung sowie Amtsanmaßung beschuldigt. Ein Grund für den Schauprozess dürften auch Zweifel an der Rechtmäßigkeit von Stephans VI. Papstwahl gewesen sein. Wahrscheinlich versuchte sich dieser mit dem Prozess vor einem vatikanischen Gericht von dem Vorwurf der unrechtmäßigen Erhebung zum Papst zu reinigen. Immerhin war es niemand anderes als Formosus gewesen, der ihn vor seiner Papstwahl unrechtmäßig zum Bischof von Anagni gemacht hatte.
Da Formosus längst tot war, ließ Papst Stephan VI. die halbverweste Leiche ausgraben und auf die Anklagebank setzen. Es wurde ein kurzer Schauprozess, da das Urteil von Beginn an feststand. Formosus wurde für abgesetzt sowie alle seine Amtshandlungen und von ihm gespendeten Weihen für ungültig erklärt. Damit löste Papst Stephan VI. sein eigenes Problem. Infolge dessen war er nie Bischof gewesen.
Man hätte die Leiche wieder begraben können, doch die Leichenfledderei wurde ekstatisch fortgesetzt. Nachdem man die Leiche wieder der päpstlichen Gewänder entkleidet hatte, ließ ihr Stephan VI. die Schwurfinger der rechten Hand abhacken und auf den Begräbnisplatz der Fremden in Rom verscharren. Doch bald wurde Formosus erneut exhumiert und in den Tiber geworfen. Von seinen Anhängern aber wurde er aus dem Fluss gefischt und wieder in der Krypta des Petersdomes begraben. Nachdem Stephan VI. im August 897 gestürzt, in den Kerker geworfen und dort erwürgt worden war, ließ Sergius III. (Papst von 904 bis 911) die Leiche des Formosus erneut ausgraben, um ihr den Kopf abzuschlagen und die restlichen Finger der Schwurhand abzuhacken. Und wieder wurde sie in den Tiber geworfen und erneut aus dem Fluss geborgen und im Petersdom beigesetzt. Die Machtkämpfe zwischen den verschiedenen Adelsparteien, der Familie Formosas und jener von Stephan VI und Sergius III., die sich im Kirchenstaat parasitär eingenistet hatten und nach den Gesetzen lebten, wie sie erst Anfang des 19. Jahrhunderts von der Camorra, einem italienischen Geheimbund bekannt geworden waren, nahmen in den nächsten Jahren an Heftigkeit und Grausamkeit noch zu.
Wo die Finger der Schwurhand des Formosus geblieben sind, ist unbekannt. Möglicherweise wurden sie zu satanischen Riten im Vatikan verwendet oder aber als Reliquie irgend eines Heiligen verhökert.
Aber ob die "Heiligen Drei Könige", die sich laut Bibel Balthasar, Caspar und Melchior nannten und nach orientalischer Art großkotziges Benehmen zeigten (weshalb man die Gang im römischen Reich abfällig zu "Kings" erklärte), die als Schaulustige umherzogen, einem Stern gefolgt sein wollten, um sich von der Geburt eines neuen Herrschers im Land der Juden zu überzeugen und unversehens vom Geschrei des frisch geborenen Nazareners Joshua, das sie aus einem Stall in Bethlehem hörten, aufgehalten wurden, jemals frei von Sünde waren, darf durchaus bezweifelt werden.
Dass die Legende umstritten ist, weiß man in der katholischen Kirche sehr wohl. Immerhin war es niemand anderes als Tertullian, der römische Kirchenschriftsteller und Schöpfer der lateinischen Kirchensprache, der Anfang des 3. Jahrhunderts von ihnen gesagt hatte, sie seien fast wie Könige aufgetreten. In der Bibel steht weder, dass sie Heilige, noch, dass sie drei, noch, dass sie Könige gewesen seien. Matthäus erwähnt sie als "Weise aus dem Morgenland". Sicher war man sich offensichtlich nie, wer die Burschen denn nun wirklich waren. Und vielleicht, um sich nicht festzulegen und um gleichermaßen der Kirche ihre weit reichende Macht zu bestätigen, symbolisierten Künstler sie in ihren religiösen Darstellungen oft als die drei Lebensalter und die drei Kontinente Europa, Asien und Afrika. Nun im ausgehenden Harry-Potter-Zeitalter wurden sie von Dr. theol. Manfred Becker-Huberti vom Metropolitankapitel am Hohen Dom zu Köln, auf der Website des Kölner Doms, zu "Magiern" gemacht.
Damit wird er ohne Zustimmung von Benedikt XVI, dem "deutschen" Papst, gehandelt haben. Der verteufelte kürzlich die Literatur der britischen Schriftstellerin Joanne Kathleen Rowling, die die Figur Harry Potter 1990 erfand. Ihr erster Band wurde von mehreren Verlegern abgelehnt, bis er schließlich bei Bloomsbury landete und publiziert wurde. Mit umgerechnet auf einer Milliarde Dollar geschätztem Privatvermögen ist J.K. Rowling inzwischen die reichste Frau Großbritanniens und stellt damit Königin Elizabeth II. in den Schatten. Außerdem ist sie die erste Autorin, die mit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit zur Milliardärin wurde. Eine Frau mit so viel Geld! Das muss einen erzkonservativen Mann wie dem Papst, Autor des Bestsellers "Salz der Erde", nerven. Schon als Kardinal Ratzinger machte er eindringlich klar, wie sehr ihm der Protagonist Rowlings, der Zauberlehrling Harry Potter, und die von ihr geschaffene phantastische, übernatürliche Welt der Magie ein Dorn im Auge sind. Es sei gut, dass sie die Menschen in Sachen Harry Potter aufkläre, schrieb Ratzinger an die christliche Potter-Kritikerin Gabriele Kuby. "Denn dies sind subtile Verführungen, die unmerklich und gerade dadurch tief wirken und das Christentum in der Seele zersetzen, ehe es überhaupt recht wachsen konnte". Benedikt XVI. kann seine Wurzel als "Salzmännchen" nicht leugnen.
Eine Stellungnahme dazu gab es vom Vatikan bislang nicht. Schließlich versteht der Vatikan die Kunst der subtilen Verführung seit etlichen Jahrhunderten.
Fluch des orientalischen Duftwahns
Mit Gold, Myrrhe und Weihrauch sollen die "Heiligen Drei Könige" das "Christkind" beschenkt haben. Zweifellos werden sich Maria und Josef über die damals schon kostbaren Gaben hergemacht und versucht haben mit Weihrauch den teuflischen Stallgestank zu vertreiben. Doch man kann eine Luftbelastung nicht mit einer weiteren Luftbelastung bekämpfen. In den letzten Jahrhunderten, als es noch üblich war, Verstorbene in Kirchen zu bestatten, war die Luft in diesen "Gotteshäusern" mit dem schauderhaften Odeur der Verwesung erfüllt. Deshalb wurde Weihrauch nach orientalischem Vorbild als "Luftverbesserer" eingesetzt. Empfindliche Gläubige glaubten diesen Schwachsinn und atmeten den Brodem tief ein. Prompt fielen sie in Ohnmacht. Nicht selten wurden sie demzufolge des Teufels bezichtigt, weil sie den "Duft Gottes", den penetranten Weihrauch, nicht vertrugen.
Als Gottesduft gilt Weihrauch auch heute noch für viele Christen und soll Zeichen für Vergeistigung und Emporstreben sein. Sein Aufsteigen während der Messe soll die Anwesenheit Gottes sinnlich erfahrbar machen. Tatsächlich greift Weihrauch unmerklich und tief in die Psyche ein. Es ist eine Droge, mit deren Anwendung im medizinischen Bereich experimentiert wird. Besonders Kinder reagieren auf Weihrauch empfindlicher als Erwachsene. Bei Kindern ist die Blut-Hirn-Schranke noch nicht hinreichend entwickelt, um den über die Luft ins Blut aufgenommenen Schadstoffen den Zugang zum empfindlichen Gehirn, der Schaltzentrale von Stoffwechsel, Geist und Seele, zu verwehren. So bleibt ihnen der Weihrauch-Rausch, der ihnen subtil eine Gottesnähe vorgaukelt, ein Leben lang als "Glaubenserfahrung" erhalten und führt zu einer Verfestigung dessen, was ihnen die katholische Kirche an Regeln und Vorschriften einbläute, wie der französische Schriftsteller Henri Michaux, der sich überdies am Meskalinrausch versuchte, klarstellt.
So versuchte die Zeitung "La Repubblica" von der Drogenproblematik abzulenken und lieferte ihre Auslegung der verteufelnden Worte Ratzingers. Die Zeitung spekulierte, der "Heilige Stuhl" sei weniger wegen der in den Harry-Potter-Büchern beschriebenen Magie beunruhigt als vielmehr wegen der "Vision, in der Realität und Übernatürlichkeit sich vermischen und die sich nicht an die präzisen Regeln und Vorschriften der kirchlichen Hierarchie hält". Offenbar scheint der Vatikan für die eine Seite des Teufels, die Verblendung, ein Monopol zu beanspruchen.

Diabolisch oder Opfer der blendenden Frühlungssonne: Joseph Kardinal Ratzinger beim Begräbnis Johannes Pauls II.
Mit dem Teufel muss es 1961 in der St. Nikolaus-Kirche zu Mühldorf zugegangen sein. Die damals dort anstehende Firmung der Kinder der Gläubigen konnte der Bischof nicht vornehmen. Er war plötzlich krank geworden, und es hätte eines wahren Wunder bedurft, um ihn von seinem Krankenlager in die Kirche zur Firmung zu treiben. Für diesen Notfall wurde der damalige Ordinarius für Fundamentaltheologie an der Universität Bonn, Josef Ratzinger, nach Mühldorf geholt. Schließlich zählt Mühldorf zu seinem Heimatkreis. Im nur rund 29 Kilometer entfernten Marktl war er zur Welt gekommen. Zwischen Marktl und Mühldorf liegt der berühmte und berüchtigte niederbayerische Wallfahrtsort Altötting.
Den jungen Administranten der St. Nikolaus-Kirche war die damals 12jährige Christel (Name red. geändert) aufgefallen. Immer dann, wenn sie das Mädchen mit Weihrauch umschwenkten, kippte es besinnungslos von der Kirchenbank. Für die Jungen war das eine echte Gaudi gewesen, ihr deshalb eine Extraportion Weihrauch zu gönnen.
Da Christel zu den Firmlingen zählte und Weihrauch zur Firmung seit je her verwendet wurde, gab es ein Problem. Der Pfarrer meinte, wenn das Mädchen Weihrauch nicht vertrüge, dann müsse es vom Teufel besessen sein, weil der Teufel Weihrauch ebenso vermiede wie Weihwasser. Das entsprach genau der orthodoxen Haltung des aus Bonn angereisten Ersatzmannes, dem Josef Ratzinger. Doch damit hatten sie die Rechnung ohne ihren Vater gemacht. Der nahm sich den Pfarrer vor die Brust. Und dermaßen des Erdbodens beraubt, hörte er den vor Wut schnaubenden Vater: "Wenn Du meiner Christel den Teufel andichtest, sollst Du selbst des Teufels sein!"
Trotzdem pochte Ratzinger unerbittlich streng auf die Einhaltung von Liturgievorschriften und verharrte auf Christels Einduftung während ihrer Firmung mit Weihrauch.
Nach langem Ringen fanden Christels Eltern mit dem Pfarrer der St. Nikolaus-Kirche und dem Ordinarius Ratzinger schließlich einen Kompromiss: Die Administranten wurden angewiesen, ums sensible Kind während der Firmung einen genügend großen Bogen zu machen, so dass nur ein dünnes Wölkchen des Weihrauches Christel umnebelte.
Pharisäertum und Scheinheiligkeit
Ob Ratzinger bzw. Benedikt XVI, dessen Eltern Vornamen trugen wie die Eltern des Glaubensbegründers, nämlich Maria und Josef, sich blutig peitschen und ans Kreuz sich nageln lässt, darf bezweifelt werden. Wie teuflisch seine "Strenge" ist, zeigte er mehrfach.
U. a. ließ er einen Priester kaltstellen, der auf unorthodoxe Weise für Abrüstung eingetreten war. Wortgewaltig hatte Ratzinger, damals Münchner Erzbischof, designierter Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, zu Silvester selbst Frieden und Abrüstung gepredigt und den "Abbau und die Ächtung aller Vernichtungswaffen" auf der Welt gefordert. "Wo ganze Landstriche zerstört und wehrlose Menschen getötet werden", so kanzelte er, "wird amoralisch und rechtswidrig gehandelt."
Entgegen des katholischen Kirchenrechts handelte in den Augen Ratzingers auch ein Priester, "der sich erdreistet, Frieden und Abrüstung auf unorthodoxe Weise zu predigen, und es dann gar noch unternimmt, sich mit weltlichen Mitteln gegen falsche Darstellungen eines Erzbischöflichen Ordinariats zur Wehr zu setzen."
Der Münchner Jesuitenpater Hans Bischlager, 33, der von Ratzinger Getadelte, ist überzeugt, dass er eigentlich nicht für einen zeremoniellen Verstoß, sondern für sein Engagement in der christlichen Friedensinitiative "Ohne Rüstung leben" gemaßregelt wurde. "Man sagt Liturgie und meint Politik. Offensichtlich soll durch rigoroses Vorgehen gegen einen in der Friedensbewegung engagierten Priester ein Exempel statuiert werden." Des Priesters "Ärgernis erregende Verletzung der kirchlichen Riten" (Ratzinger) bestand in einem "Friedensgottesdienst"", den er zum 40. Jahrestag des deutschen Angriffs auf die Sowjet-Union zusammen mit drei Dutzend "Ohne Rüstung"-Streitern auf dem Münchner Marienplatz veranstaltet hatte.
"Die Messfeier unter freiem Himmel hätte er, streng genommen, nur mit oberhirtlicher Erlaubnis zelebrieren dürfen; auch fehlten auf seinem improvisierten Altar ein paar vorgeschriebene Requisiten, und vor allem trug der Priester kein liturgisches Messgewand, sondern einen Kittel aus Sackleinen - als "symbolisches Bußgewand", wie er es nennt", berichtete 1982 der SPIEGEL.
Nachdem Kardinal Ratzinger den Kleidungsverstoß als "Missbrauch des Testaments unseres Herrn zu einem Vehikel politischer Demonstration" erklärt hatte, qualifizierte sein politischer Referent Monsignore Curt M. Genewein den Auftritt als "Versuch einer Fälschung der christlichen Friedensbotschaft für durchsichtige politische Ziele".
Ratzingers "angemessene Sühnstrafe" folgte in Form einer Erpressung, nachdem sich der Erzbischof in einem monatelangen Schriftwechsel mit Bischlager von der "Unverbesserlichkeit"" des promovierten Priesters überzeugt hatte: Dem Pater, der eine vorformulierte
Unterwerfungserklärung nicht "blindlings unterschreiben" mochte, wurde jegliche Priestertätigkeit "in einer öffentlichen oder halböffentlichen Kirche oder Kapelle der Erzdiözese" verboten.

"Wir haben einen neuen Papst": Plötzlich einsetzender Regen verzerrte das Gesicht einer im dunklen Raum hinter dem Vorhang wartenden unbekannten Gestalt zu einer teuflischen Fratze.
Der Ex-Pater riskierte ein christliches Werturteil: "Glaube ohne Werke ist tot und wird von den Fernstehenden nur als Pharisäertum und Scheinheiligkeit verstanden."
Ratzinger galt einst als ein aufgeschlossener Kleriker, "ein gewandter und intelligenter Debattierer". Damals noch hatte er selber befürchtet, dass es einer der schwersten Fehler der Kirche wäre, sich in das "dürftige Ghetto der Orthodoxie" einzuschließen. Längst aber hat Ratzinger seine Haltung geändert. Progressive Katholiken in Rom meinten, das Kurienamt habe ihn verhärtet, und als Deutscher neige er sowieso zum Dogmatismus.
Nun, als Papst Benedikt XVI., kommt Josef Ratzinger so richtig in Fahrt. Unmittelbar nach seiner Einführung als Papst kündigte er die katholische Mobilmachung und die Zerschlagung der anderen Kirchen, wie beispielsweise die evangelische oder die anglikanische Kirche an. Nach seinem Willen soll es nur noch eine Kirche geben. Verschwommen nannte er seinen Krieg "die Einheit der Christen".
Doch das ist längst nicht alles. Seitens der Münchner Jesuiten-Hochschule war nun zu hören, dass sie Erwin Teufel, ehemaliger Ministerpräsident Baden-Württembergs und als echter Rottweiler Mitglied der CDU, erlauben will, ohne Abitur Philosophie zu studieren. Der Teufel kann sich nun zwischen dem 4. und 14. Oktober an der Universität einschreiben. Das Wintersemester beginnt am 17. Oktober mit einer Vorlesung über "Erkenntnislehre". Dann folgen Veranstaltungen zur "Philosophischen Gotteslehre" und zur Religionsphilosophie.

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CURRENT
Pediatric Diagnostic & Treatment, Lange medical book, Kapitel 33, Seiten 956 bis 958
Herbert Ullrich
Schädel-Schicksale historischer Persönlichkeiten
Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 2004
ISBN 3-89937-055-4
Fotos: Fernseh-Übertragung Radio Vatikano
sfux - 5. Aug, 10:17 Article 5353x read