Teutonische Wahl
Harald Haack - Am 18. September soll in Deutschland gewählt werden. Jede Stimme zählt, so heißt es. Angeblich geht es wieder einmal um die Wurst. Also, wenn ich an diesem Tag wählen gehe, dann wahrscheinlich zu "Tante Erna" an der Ecke, wo ich Currywurst mit Pommes wählen und auch kriegen werde. Da gibt's keine leeren Versprechen. Da gibt es Currywurst! Das Theater bei der letzten Wahl mache ich nicht noch einmal mit.
"Ich krieg die Currywurst und eine Portion Pommes mit Ketschup und mit ohne Majo!" hatte ich laut gerufen, als ich die finstere Lobby der Grundschule, die sie zum Lokal umfunktioniert hatten, betrat. Aber da saßen an schäbigen Tischen nur eingetrocknete Typen herum. Es roch auch nicht nach Frittenfett. Vor sich hatten die stapelweise und ganz pedantisch verschiedenfarbige Briefumschläge und sehr lange, bedruckte Zettel liegen. Erwartungsvoll winkte mich einer dieser Bemitleidenswerten heran und verlangte meinen Perso und die Wahlkarte.
"Wahlkarte? Wieso das denn nun?" hatte ich dem Heini um die Ohren geblasen. "Ich schleppe doch nicht ständig den ganzen Werbemüll mit mir herum, der ihr mir in den Briefkasten gedonnert habt. Ich kenne die Karte auswendig. Ich wähle die…"
"Pssst!" unterbrach er mich. "Die Wahl ist geheim!" Dann nuschelte er, der Perso würde auch genügen und suchte hektisch in einem Endloscomputerausdruck herum.
"Mann, nun tu doch nicht so geheimratlich", hatte ich ihm zugeraunt.
"Ich will doch nur das indische Menü. Currywurst! Klar?"
"Ja ja", hatte der gequält gelächelt. "Soll's vielleicht auch noch ein Bier und ein Korn dazu sein?"
"Na, sag' mal, wofür hältst du mich denn eigentlich?" platzte ich heraus und knallte ihm meinen Perso vor die Nase auf den Tisch. "Glaubst du wirklich, ich will hier verdursten? Nee, nee! Nicht vielleicht ein Bier und nicht vielleicht ein Korn dazu! Nee! Nicht mit mir auf diese Tour! Also, damit das hier klar ist: Ich kriege ein Bier und einen Korn dazu, und beides hübsch gekühlt. Hasste das kapiert?"
Wie von der Hummel gepiekt, sprang der mit einem Mal auf und schnauzte mich an, es gebe weder Bier noch Korn, und Currywurst gebe es auch nicht.
"Na gut, nun reg' dich doch nicht gleich so auf", hatte ich ihm beschwichtigt und ihm meinen Perso ein Stück näher zugeschoben, "dann nehme ich eben nur die Pommes. Ketschup haste doch wohl noch. Oder etwa nicht?"
"Der hat sie doch nicht alle", nörgelte einer hinter mir in der langen Schlange.
"Wem sagst du das", lachte ich, "wem sagst du das?"
"Hier, ihre Wahlunterlagen", sagte der Heini hinter dem Stapel Briefumschläge und langer, bedruckter Zettel und schob mir eine Garnitur davon zu.
"Danke", sagte ich.
"Na bitte, es geht doch", sagte er und verdrehte die Augen.
"Ja, warum sollte es nicht", antwortete ich ihm. "Aber: Gibt es kein Besteck dazu?"
"Liegt alles hinten in der Kabine bereit", stöhnte er und zeigte auf einen Tisch, auf dem ein Kasten stand. "Dort finden Sie einen Kugelschreiber und mit dem machen Sie ihre Kreuze hier irgendwo auf dem Papier."
"Sie müssen sich nicht so verstellen", entgegnete ich ihm. "Ich bin kein Analphabet. Ich muss keine Kreuze machen. Ich weiß, wie man CURRYWURST schreibt."
"Ich krieg die Currywurst und eine Portion Pommes mit Ketschup und mit ohne Majo!" hatte ich laut gerufen, als ich die finstere Lobby der Grundschule, die sie zum Lokal umfunktioniert hatten, betrat. Aber da saßen an schäbigen Tischen nur eingetrocknete Typen herum. Es roch auch nicht nach Frittenfett. Vor sich hatten die stapelweise und ganz pedantisch verschiedenfarbige Briefumschläge und sehr lange, bedruckte Zettel liegen. Erwartungsvoll winkte mich einer dieser Bemitleidenswerten heran und verlangte meinen Perso und die Wahlkarte.
"Wahlkarte? Wieso das denn nun?" hatte ich dem Heini um die Ohren geblasen. "Ich schleppe doch nicht ständig den ganzen Werbemüll mit mir herum, der ihr mir in den Briefkasten gedonnert habt. Ich kenne die Karte auswendig. Ich wähle die…"
"Pssst!" unterbrach er mich. "Die Wahl ist geheim!" Dann nuschelte er, der Perso würde auch genügen und suchte hektisch in einem Endloscomputerausdruck herum.
"Mann, nun tu doch nicht so geheimratlich", hatte ich ihm zugeraunt.
"Ich will doch nur das indische Menü. Currywurst! Klar?"
"Ja ja", hatte der gequält gelächelt. "Soll's vielleicht auch noch ein Bier und ein Korn dazu sein?"
"Na, sag' mal, wofür hältst du mich denn eigentlich?" platzte ich heraus und knallte ihm meinen Perso vor die Nase auf den Tisch. "Glaubst du wirklich, ich will hier verdursten? Nee, nee! Nicht vielleicht ein Bier und nicht vielleicht ein Korn dazu! Nee! Nicht mit mir auf diese Tour! Also, damit das hier klar ist: Ich kriege ein Bier und einen Korn dazu, und beides hübsch gekühlt. Hasste das kapiert?"
Wie von der Hummel gepiekt, sprang der mit einem Mal auf und schnauzte mich an, es gebe weder Bier noch Korn, und Currywurst gebe es auch nicht.
"Na gut, nun reg' dich doch nicht gleich so auf", hatte ich ihm beschwichtigt und ihm meinen Perso ein Stück näher zugeschoben, "dann nehme ich eben nur die Pommes. Ketschup haste doch wohl noch. Oder etwa nicht?"
"Der hat sie doch nicht alle", nörgelte einer hinter mir in der langen Schlange.
"Wem sagst du das", lachte ich, "wem sagst du das?"
"Hier, ihre Wahlunterlagen", sagte der Heini hinter dem Stapel Briefumschläge und langer, bedruckter Zettel und schob mir eine Garnitur davon zu.
"Danke", sagte ich.
"Na bitte, es geht doch", sagte er und verdrehte die Augen.
"Ja, warum sollte es nicht", antwortete ich ihm. "Aber: Gibt es kein Besteck dazu?"
"Liegt alles hinten in der Kabine bereit", stöhnte er und zeigte auf einen Tisch, auf dem ein Kasten stand. "Dort finden Sie einen Kugelschreiber und mit dem machen Sie ihre Kreuze hier irgendwo auf dem Papier."
"Sie müssen sich nicht so verstellen", entgegnete ich ihm. "Ich bin kein Analphabet. Ich muss keine Kreuze machen. Ich weiß, wie man CURRYWURST schreibt."
sfux - 6. Sep, 08:09 Article 1682x read