Affenpocken – droht eine Pandemie?
Dr. Alexander von Paleske — 22.5. 2022 —
Eine “neue” von Viren verursachte Erkrankung, die Affenpocken, macht zur Zeit Schlagzeilen.
Am Anfang stand und steht von offizieller Seite, wie so oft, die Verharmlosung, wie seinerzeit bei dem Coronavirus Sars-CoV-2, dem Erreger von Covid-19 auch. Parallel zu jeder neuen Seuche, so auch hier, breiten sich Virusleugner und Verschwörungstheoretiker in den sozialen Netzwerken aus.
Was ist also dran, an dieser “neuen” Erkrankung? Hat sie das Potential für eine Epidemie oder gar Pandemie?
Neu sind diese Affenpocken allerdings nicht – jedenfalls nicht in Afrika. Die Errger waren 1958 erstmals bei Affen aus Zentralafrika entdeckt worden, eine endemische Zoonose, wobei Nagetiere als Errgerreservoir gelten.
Uebertragungen auf den Menschen waren aber sehr selten. Erst im Jahre 1970 wurde der erste Fall im Kongo bei einem 9 Monate alten Kleinkind beschrieben. Seitdem gab es immer wieder einzelne Fallberichte aus West- und Zentralafrika.. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) registrierte von 1981 bis 1986 in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) 338 Fälle mit 33 Toten und 511 Fälle von 1991-1997.
Importierte Erkrankungen ausserhalb Afrikas
Im Jahr 2003 wurde der erste nicht direkt importierte Fall von Affenpocken außerhalb Afrikas bekannt. Ueberträger waren als Haustiere gehaltene Präriehunde, die zuvor in engem Kontakt mit Gambia-Riesenhamsterratten gestanden hatten. Der Ausbruch führte zu 70 menschlichen Infektionen, die allesamt milde verliefen. Todesfälle gab es keine.
Weitere, durch Reisende aus Nigeria eingeschleppte Infektionen gab es im September 2018 in Israel, im September 2018, Dezember 2019 und Mai 2021 im Vereinigten Königreich, im Mai 2019 in Singapur und im Juli und November 2021 in den Vereinigten Staaten.
Endemie ausserhalb Afrikas
Im Mai 2022 kam es zu einem größeren Ausbruch von Affenpocken außerhalb der Endemiegebiete in Afrika.Alle Patienten waren vorher nicht in Afrika gewesen:
- Anfang Mai 2022 sieben Fälle in Grossbritannien.
- In Spanien und Portugal 13 bestätigte Fälle.
- In Belgien und Schweden im Mai 2022 einzelne Fälle.
- In Deutschland der erste Fall am 19.5. 2022 , und am 21. Mai 2022 ein zweiter Fall von Affenpocken bestätigt. Ansteckung eines Patienten offenbar bei einer Party in einem Club in Berlin.
Verändertes Ansteckungsmuster
Offenbar hat sich das Ansteckungsmuster geändert: das Virus verbreitet sich nicht mehr nur von Tier zu Mensch, sondern mittlerweile auch von Mensch zu Mensch. Es muss daher vermutet werden, dass durch Neumutationen das Virus leichter von Mensch zu Mensch übertragen werden kann, von den Coronaviren her bestens bekannt. Sollte sich eine derartige Genmutation mit leichterer Uebertragbarkeit bestätigen, dann könnten wir es bald mit einer neuen Epidemie zu tun haben.
Die Uebertragung des Virus findet sehr wahrscheinlich durch Körpersekrete statt.. So ist es dann keine Ueberraschung, dass Veranstaltungen mit engem (intimen) Kontakt wie Sexparties, Swinger-Clubs, Bordelle etc. geeignete Uebertragungsorte waren.
Krankheitssymptome und Verlauf :
- Beginn mit Fieber und Gelenkschmerzen – wie eine Grippe, also unspezifisch
- dann kommen Hautbläschen wie bei den schwarzen Pocken hinzu, in deren Sekret sich das Virus befindet.
- Die Erkrankung endet selten tödlich, wobei aber zwei Varianten unterschieden werden müssen: Die zentralafrikanische Virusvariante, die im Allgemeinen einen schwereren Krankheitsverlauf verursacht (10% Todesfälle), und die westafrikanische (1% Todesfälle).
Allerdings gibt es längst eine Impfung dagegen: Die alte Pockenschutzimpfung, die nach der weltweiten Ausrottung der Pocken 1983 abgeschafft wurde.
Diese Impfung bietet einen lebenslangen Schutz, einer der Gründe, warum die Affenpocken zuerst bei Kindern in Afrika auftraten, die nicht (mehr) geimpft waren. In den Jahren von 1970 bis 1989 waren es daher vor allem Kinder im Alter von 4 bis 5 Jahren; zwischen 2000 und 2009 erkrankten vor allem 10-15 jährige. Nach 2009 steckten sich in der Regel junge Erwachsene im Alter von 21 Jahren und jünger an.
So kann erwartet werden, dass ältere Menschen, die seinerzeit geimpft worden waren, also von 40 Jahren aufwärts, noch gut, insbesondere gegen schwere Verläufe geschützt sind, aber jüngere eben nicht.
Weitere Ansteckungen mit Affenpocken sind daher auch in Deutschland zu erwarten.
Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Zur Verharmlosung besteht jedoch überhaupt kein Grund.
Eine “neue” von Viren verursachte Erkrankung, die Affenpocken, macht zur Zeit Schlagzeilen.
Am Anfang stand und steht von offizieller Seite, wie so oft, die Verharmlosung, wie seinerzeit bei dem Coronavirus Sars-CoV-2, dem Erreger von Covid-19 auch. Parallel zu jeder neuen Seuche, so auch hier, breiten sich Virusleugner und Verschwörungstheoretiker in den sozialen Netzwerken aus.
Was ist also dran, an dieser “neuen” Erkrankung? Hat sie das Potential für eine Epidemie oder gar Pandemie?
Neu sind diese Affenpocken allerdings nicht – jedenfalls nicht in Afrika. Die Errger waren 1958 erstmals bei Affen aus Zentralafrika entdeckt worden, eine endemische Zoonose, wobei Nagetiere als Errgerreservoir gelten.
Uebertragungen auf den Menschen waren aber sehr selten. Erst im Jahre 1970 wurde der erste Fall im Kongo bei einem 9 Monate alten Kleinkind beschrieben. Seitdem gab es immer wieder einzelne Fallberichte aus West- und Zentralafrika.. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) registrierte von 1981 bis 1986 in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) 338 Fälle mit 33 Toten und 511 Fälle von 1991-1997.
Importierte Erkrankungen ausserhalb Afrikas
Im Jahr 2003 wurde der erste nicht direkt importierte Fall von Affenpocken außerhalb Afrikas bekannt. Ueberträger waren als Haustiere gehaltene Präriehunde, die zuvor in engem Kontakt mit Gambia-Riesenhamsterratten gestanden hatten. Der Ausbruch führte zu 70 menschlichen Infektionen, die allesamt milde verliefen. Todesfälle gab es keine.
Weitere, durch Reisende aus Nigeria eingeschleppte Infektionen gab es im September 2018 in Israel, im September 2018, Dezember 2019 und Mai 2021 im Vereinigten Königreich, im Mai 2019 in Singapur und im Juli und November 2021 in den Vereinigten Staaten.
Endemie ausserhalb Afrikas
Im Mai 2022 kam es zu einem größeren Ausbruch von Affenpocken außerhalb der Endemiegebiete in Afrika.Alle Patienten waren vorher nicht in Afrika gewesen:
- Anfang Mai 2022 sieben Fälle in Grossbritannien.
- In Spanien und Portugal 13 bestätigte Fälle.
- In Belgien und Schweden im Mai 2022 einzelne Fälle.
- In Deutschland der erste Fall am 19.5. 2022 , und am 21. Mai 2022 ein zweiter Fall von Affenpocken bestätigt. Ansteckung eines Patienten offenbar bei einer Party in einem Club in Berlin.
Verändertes Ansteckungsmuster
Offenbar hat sich das Ansteckungsmuster geändert: das Virus verbreitet sich nicht mehr nur von Tier zu Mensch, sondern mittlerweile auch von Mensch zu Mensch. Es muss daher vermutet werden, dass durch Neumutationen das Virus leichter von Mensch zu Mensch übertragen werden kann, von den Coronaviren her bestens bekannt. Sollte sich eine derartige Genmutation mit leichterer Uebertragbarkeit bestätigen, dann könnten wir es bald mit einer neuen Epidemie zu tun haben.
Die Uebertragung des Virus findet sehr wahrscheinlich durch Körpersekrete statt.. So ist es dann keine Ueberraschung, dass Veranstaltungen mit engem (intimen) Kontakt wie Sexparties, Swinger-Clubs, Bordelle etc. geeignete Uebertragungsorte waren.
Krankheitssymptome und Verlauf :
- Beginn mit Fieber und Gelenkschmerzen – wie eine Grippe, also unspezifisch
- dann kommen Hautbläschen wie bei den schwarzen Pocken hinzu, in deren Sekret sich das Virus befindet.
- Die Erkrankung endet selten tödlich, wobei aber zwei Varianten unterschieden werden müssen: Die zentralafrikanische Virusvariante, die im Allgemeinen einen schwereren Krankheitsverlauf verursacht (10% Todesfälle), und die westafrikanische (1% Todesfälle).
Allerdings gibt es längst eine Impfung dagegen: Die alte Pockenschutzimpfung, die nach der weltweiten Ausrottung der Pocken 1983 abgeschafft wurde.
Diese Impfung bietet einen lebenslangen Schutz, einer der Gründe, warum die Affenpocken zuerst bei Kindern in Afrika auftraten, die nicht (mehr) geimpft waren. In den Jahren von 1970 bis 1989 waren es daher vor allem Kinder im Alter von 4 bis 5 Jahren; zwischen 2000 und 2009 erkrankten vor allem 10-15 jährige. Nach 2009 steckten sich in der Regel junge Erwachsene im Alter von 21 Jahren und jünger an.
So kann erwartet werden, dass ältere Menschen, die seinerzeit geimpft worden waren, also von 40 Jahren aufwärts, noch gut, insbesondere gegen schwere Verläufe geschützt sind, aber jüngere eben nicht.
Weitere Ansteckungen mit Affenpocken sind daher auch in Deutschland zu erwarten.
Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Zur Verharmlosung besteht jedoch überhaupt kein Grund.
onlinedienst - 23. Mai, 09:43 Article 829x read