Covid-19, Massengräber in den USA und im Iran, eine Talkrunde bei Markus Lanz
Dr. Alexander von Paleske —– 11.4. 2020 —–
Der Kontrast könnte nicht grösser sein: Auf der einen Seite Bilder von Beerdigungen (Verscharren) in Massengräbern für an Covid-19-Verstorbene in New York und in iranischen Städten.
New York, die Stadt die „niemals schläft“, verzeichnet mittlerweile die höchsten Todeszahlen pro Tag, in den USA insgesamt sind es täglich mehr als 2000.
Talk Markus Lanz
Auf der anderen Seite vorgestern eine Talk- Sendung mit Markus Lanz, die gelassene Verharmlosung ausstrahlte. Dabei waren u.a. der Hamburger Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel, und der Bonner Virologe Prof Hendrik Streeck.
Püschel, der 50 – angeblich an Covid-19 Verstorbene – obduzierte, stellte fest, dass rund 25% jedoch an anderen Erkrankungen, wie z.B. Herzinfarkt, verstorben waren.
Mehr noch:
„Ich habe keinen COVID 19- Verstorbenen obduziert, der nicht eine Vorerkrankung hatte, und es handelte sich mehrheitlich um alte Menschen zwischen 70 und 90".
Seine Message, die er gegenüber der BILD-Zeitung wiederholte:
„Am Ende ist Corona eine Virus-Erkrankung wie die Grippe“
Also alles gar nicht so schlimm.
Obwohl Püschel betonte, nicht zynisch zu sein, war das gleichwohl die Botschaft, die herüber kam..
Eine derartige Denkweise kritisiert auch der SPIEGEL in seiner heutigen Print-Ausgabe (S. 98):
Mit Blick auf die Corona-Pandemie wirken die Relativierungen eher zynisch Zwar ist es recht wahrscheinlich, dass die Covid-19 Epidemie die Gesamtsterblichkeit 2020 nicht erhöhen wird, unter anderem deshalb, weil viele der betagten Opfer im Laufe der kommenden Monate ohnehin gestorben wären……Doch all diese Mutmassungen blenden die Dramen und Nebenwirkungen der Seuche komplett aus, die Grenzen des Gesundheitssystems, sowie die gewaltigen ökonomischen und sozialen Folgen.
Unvereinbar
Ganz offensichtlich lässt sich diese Aussage Püschels aber auch nicht mit den hohen Todeszahlen, insbesondere in Italien,Spanien, und den USA, vereinbaren. Ganz abgesehen davon, dass die betagten Menschen nicht selten an einer Lungenentzündung mit schwerer Atemnot versterben. Ein qualvoller Tod, den man niemanden wünschen möchte, Oft endet das Leben an einem Beatmungsgerät auf der Intensivstation, was nur knapp die Hälfte der Patienten überlebt.
Eine Studie im Kreis Heinsberg
In die gleiche Richtung wie Püschel deutet auch das Ergebnnis einer Studie des Bonner Virologen Hendrik Streeck. Der hatte im Auftrag der NRW-Landesregierung in dem schwer betroffenen Kreis Heinsberg 500 Personen darauf untersucht, ob sie an Cov-19 litten, oder diese Erkrankung bereits durchgemacht hatten. Sein vorläufiges Studienergebnis:
– 15% haben Antikörper gegen das Virus im Blut, also die Erkrankung bereits durchgemacht.
– Die Todesrate liegt bei 0,35% – also 5 mal weniger als bisher aus dem Vergleich zwischen bekannten Infektionsraten und Todesraten ermittelt, das sind zur Zeit 1,5-3% weltweit.
Die Konsequenz, auch wenn durch Streeck nicht ausdrücklich vorgetragen : Die Quarantäne kann gelockert werden.
Zweifel angemeldet
Es war der international renommierte Virologe Christian Drosten, der, ebenfalls am Beginn der Sendung zugeschaltet, seine Zweifel – zurückhaltend, wie es seine Art ist – anmeldete.
Mit diesen Zweifeln steht er keineswegs alleine da,
Sie konzentrieren sich vor allem auf die Nachvollziehbarkeit und die Zuverlässigkeit der eingesetzten Tests:
- Die angewandten Antikörpertests können möglicherweise eine ganze Reihe von falsch positiven Resultaten liefern, also die fehlende Spezifizität. So könnten beispielweise auch Antikörper gegen harmlose Corona-Schnupfenviren getestet worden sein.
- Die Auswahl der Untersuchten.
BILD-Kai mit an Bord
Ein weiterer Kritikpunkt war die Einschaltung einer PR-Agentur namens Storymachine durch das Forscherteam Streeck, um grösstmögliche Verbreitung seiner Ergebnisse in sozialen Netzwerken, auf Twitter und Facebook,. sicherzustellen. Derartige PR-Aktionen sind in Wissenschaftskreisen nicht nur unüblich, sondern als unakzeptabel zu bezeichnen.
Es wird auch keineswegs besser, wenn man sich anschaut, wer hinter dieser PR-Agentur Storymachine steht:
- Bild-Kai (Diekmann), der ehemalige Chefredakteur (2001-2015) von Deutschlands „Revolverblättchen“ BILD (Motto: Foget the facts, push the story)..
- Michael Mronz – Event-Manager mit Polit-Kontakten
- Philipp Jessen, ehemaliger Stern.de-Chef.
Unerquicklicher Geruch
Die ganze Studie umweht daher nicht nur ein unerquicklicher Geruch von Marktschreierei, sondern auch der Verdacht von schnellstmöglichem Liefern von Ergebnissen zu Lasten hieb- und stichfester wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Damit soll keineswegs die Notwendigkeit der Studie bestritten werden, aber was hätte man daraus machen können in Zusammenarbeit mit mehreren virologischen Zentren: Absolut wasserdichte Studienergebnisse, aus denen sich verlässlich ableiten lässt, wann die Quarantänmemassnahmen gelockert werden könnten. Hier tritt die jedoch die Jagd nach schnellen Ergebnissen in Konflikt mit der Glaubwürdigkeit.
Fazit
Das Fazit muss daher lauten:
– Das Studiendesign und die Studiendaten von Streecks Studie müssen schnellstmöglichst offengelegt werden.
– Aufgrund der insoweit bekannten Studienergebnisse gibt es jedenfalls bisher keinen Grund, die Politik zu ändern.
Allerdings muss die Bundesregierung endlich die Kriterien klar benennen, unter denen sie die Quarantäne lockern will.
- Das Tragen einer Nase-Mund-Schutzmaske muss allgemeine Pflicht werden.
Der Kontrast könnte nicht grösser sein: Auf der einen Seite Bilder von Beerdigungen (Verscharren) in Massengräbern für an Covid-19-Verstorbene in New York und in iranischen Städten.
New York, die Stadt die „niemals schläft“, verzeichnet mittlerweile die höchsten Todeszahlen pro Tag, in den USA insgesamt sind es täglich mehr als 2000.
Talk Markus Lanz
Auf der anderen Seite vorgestern eine Talk- Sendung mit Markus Lanz, die gelassene Verharmlosung ausstrahlte. Dabei waren u.a. der Hamburger Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel, und der Bonner Virologe Prof Hendrik Streeck.
Püschel, der 50 – angeblich an Covid-19 Verstorbene – obduzierte, stellte fest, dass rund 25% jedoch an anderen Erkrankungen, wie z.B. Herzinfarkt, verstorben waren.
Mehr noch:
„Ich habe keinen COVID 19- Verstorbenen obduziert, der nicht eine Vorerkrankung hatte, und es handelte sich mehrheitlich um alte Menschen zwischen 70 und 90".
Seine Message, die er gegenüber der BILD-Zeitung wiederholte:
„Am Ende ist Corona eine Virus-Erkrankung wie die Grippe“
Also alles gar nicht so schlimm.
Obwohl Püschel betonte, nicht zynisch zu sein, war das gleichwohl die Botschaft, die herüber kam..
Eine derartige Denkweise kritisiert auch der SPIEGEL in seiner heutigen Print-Ausgabe (S. 98):
Mit Blick auf die Corona-Pandemie wirken die Relativierungen eher zynisch Zwar ist es recht wahrscheinlich, dass die Covid-19 Epidemie die Gesamtsterblichkeit 2020 nicht erhöhen wird, unter anderem deshalb, weil viele der betagten Opfer im Laufe der kommenden Monate ohnehin gestorben wären……Doch all diese Mutmassungen blenden die Dramen und Nebenwirkungen der Seuche komplett aus, die Grenzen des Gesundheitssystems, sowie die gewaltigen ökonomischen und sozialen Folgen.
Unvereinbar
Ganz offensichtlich lässt sich diese Aussage Püschels aber auch nicht mit den hohen Todeszahlen, insbesondere in Italien,Spanien, und den USA, vereinbaren. Ganz abgesehen davon, dass die betagten Menschen nicht selten an einer Lungenentzündung mit schwerer Atemnot versterben. Ein qualvoller Tod, den man niemanden wünschen möchte, Oft endet das Leben an einem Beatmungsgerät auf der Intensivstation, was nur knapp die Hälfte der Patienten überlebt.
Eine Studie im Kreis Heinsberg
In die gleiche Richtung wie Püschel deutet auch das Ergebnnis einer Studie des Bonner Virologen Hendrik Streeck. Der hatte im Auftrag der NRW-Landesregierung in dem schwer betroffenen Kreis Heinsberg 500 Personen darauf untersucht, ob sie an Cov-19 litten, oder diese Erkrankung bereits durchgemacht hatten. Sein vorläufiges Studienergebnis:
– 15% haben Antikörper gegen das Virus im Blut, also die Erkrankung bereits durchgemacht.
– Die Todesrate liegt bei 0,35% – also 5 mal weniger als bisher aus dem Vergleich zwischen bekannten Infektionsraten und Todesraten ermittelt, das sind zur Zeit 1,5-3% weltweit.
Die Konsequenz, auch wenn durch Streeck nicht ausdrücklich vorgetragen : Die Quarantäne kann gelockert werden.
Zweifel angemeldet
Es war der international renommierte Virologe Christian Drosten, der, ebenfalls am Beginn der Sendung zugeschaltet, seine Zweifel – zurückhaltend, wie es seine Art ist – anmeldete.
Mit diesen Zweifeln steht er keineswegs alleine da,
Sie konzentrieren sich vor allem auf die Nachvollziehbarkeit und die Zuverlässigkeit der eingesetzten Tests:
- Die angewandten Antikörpertests können möglicherweise eine ganze Reihe von falsch positiven Resultaten liefern, also die fehlende Spezifizität. So könnten beispielweise auch Antikörper gegen harmlose Corona-Schnupfenviren getestet worden sein.
- Die Auswahl der Untersuchten.
BILD-Kai mit an Bord
Ein weiterer Kritikpunkt war die Einschaltung einer PR-Agentur namens Storymachine durch das Forscherteam Streeck, um grösstmögliche Verbreitung seiner Ergebnisse in sozialen Netzwerken, auf Twitter und Facebook,. sicherzustellen. Derartige PR-Aktionen sind in Wissenschaftskreisen nicht nur unüblich, sondern als unakzeptabel zu bezeichnen.
Es wird auch keineswegs besser, wenn man sich anschaut, wer hinter dieser PR-Agentur Storymachine steht:
- Bild-Kai (Diekmann), der ehemalige Chefredakteur (2001-2015) von Deutschlands „Revolverblättchen“ BILD (Motto: Foget the facts, push the story)..
- Michael Mronz – Event-Manager mit Polit-Kontakten
- Philipp Jessen, ehemaliger Stern.de-Chef.
Unerquicklicher Geruch
Die ganze Studie umweht daher nicht nur ein unerquicklicher Geruch von Marktschreierei, sondern auch der Verdacht von schnellstmöglichem Liefern von Ergebnissen zu Lasten hieb- und stichfester wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Damit soll keineswegs die Notwendigkeit der Studie bestritten werden, aber was hätte man daraus machen können in Zusammenarbeit mit mehreren virologischen Zentren: Absolut wasserdichte Studienergebnisse, aus denen sich verlässlich ableiten lässt, wann die Quarantänmemassnahmen gelockert werden könnten. Hier tritt die jedoch die Jagd nach schnellen Ergebnissen in Konflikt mit der Glaubwürdigkeit.
Fazit
Das Fazit muss daher lauten:
– Das Studiendesign und die Studiendaten von Streecks Studie müssen schnellstmöglichst offengelegt werden.
– Aufgrund der insoweit bekannten Studienergebnisse gibt es jedenfalls bisher keinen Grund, die Politik zu ändern.
Allerdings muss die Bundesregierung endlich die Kriterien klar benennen, unter denen sie die Quarantäne lockern will.
- Das Tragen einer Nase-Mund-Schutzmaske muss allgemeine Pflicht werden.
onlinedienst - 12. Apr, 18:33 Article 414x read