Das grosse „Interview" mit Profi-Aufmischer Thilo Sarrazin: „Ich will zurück in die gute alte Zeit“
Dr. Alexander von Paleske ---- 28.2. 2014 ------
Folgendes Interview landete heute in meiner Mailbox:
Interviewer:
Herr Sarrazin, Ihr neues Buch über den angeblichen Tugend-Terror ist raus, das Echo ist gross, und, wie nicht anders zu erwarten, gespalten. Haben Sie das herbeigewünscht oder nur in Kauf genommen
Thilo Sarrazin:
Herbeigewünscht, denn mein Hauptinteresse ist ja im Gespräch zu bleiben, täglich in Fernsehtalkshows und Diskussionsveranstaltungen präsent zu sein, als ein sog. narzistisches Ego-Boosting, dann den Absatz meiner Traktate zu fördern, und damit natürlich auch noch ordentlich Geld zu verdienen.
Aber ich hiesse nicht Thilo Sarrazin, wenn es mir nicht auch ein klein wenig um weitergesteckte Ziele ginge, die ich natürlich nicht in aller Offenheit darlegen kann.

Neues Buch - Starkes Ego-Boosting
Welche Ziele wären das denn?
Das Rad der Geschichte zurückdrehen, zurück in die Zeit Anfang der 60er Jahre, als die Axel-Springer-Rechtspresse meinungsmässig Deutschland fest im Griff, die BILD-Zeitung noch eine Auflage von 5 Millionen hatte, und als noch nicht diese Journo-Gleichmacher-Sozis das Sagen hatten. Damals, als lediglich im SPIEGELund dem Blättchen KONKRET diese Links-Journos sich ausbreiten konnten, ohne grösseren gesellschaftlichen Flurschaden anrichten zu können.
Als Sekundärtugenden wie Fleiss, Ordnung und Pünktlichkeit selbstverständlich waren, wo in der Schule frontal unterrichtet wurde, und gelegentlich der Lehrer den Rohrstock rausholen durfte.
Als individueller Reichtum erstrebenswert, der erreichte Reichtum als bewundernswert angesehen, und von deren Inhabern offen gezeigt werden konnte, wie bei den Flicks, den Quandts, und dem Axel Springer.
Wo es keine Immigranten sondern nur Gastarbeiter gab, die als Gäste bestenfalls geduldet aber keine Aufenthaltsberechtigung hatten, die in Massenunterkünften eingepfercht waren, und deren Familien dort blieben, wo sie hingehören: in Anatolien und Sizilien. Wo ganz offen von „Kümmeltürken“ und „Spaghettis“ geredet werden konnte, ohne sogleich vom Bannstrahl der Tugendterroristen getroffen zu werden.

Gastarbeiter-Unterkunmft 1971 - .....8 Personen pro Zimmer, 100 DM pro Monat pro Bett
Warum können sie das denn nicht offen darlegen
Weil meine Bücher ja von Stammtisch-Aufmisch-Kritik leben, aber nicht von meinen rückwärts gerichteten Vorstellungen, die ich in meinem Hinterkopf habe. Meine Kunden würden mich ja sonst auslachen.
Aber nähert sich dann ihr Weltbild nicht dem der Rechtsradikalen an, die "Deutschland den Deutschen und Ausländer raus" fordern?
Nein natürlich nicht. Diese Rechts-Krakeeler sind ja Bewunderer von Adolf Hitler, mit solchen Leuten will ich nichts zu tun haben. Ich bin erzkonservativ bis auf die Knochen, aber kein NPD-Symphatisant.
Meinen Sie nicht, dass Sie mit diesen Ihren Vorstellungen die SPD besser verlassen sollten?
Nein ganz und gar nicht. Diese SPD „Betroffenheitsgimpel“ schreien ja immer sofort auf, wenn ich ein neues Aufklärungswerk herausbringe, das fördert die Debatte ganz enorm.
Ausserdem verleiht mein SPD-Parteibuch meinen Tiraden mehr Gewicht. Eine taktische Parteimitgliedschaft, wenn Sie so wollen. Das Schlimmste was mir passieren könnte, wäre, dass meine Ergüsse totgeschwiegen würden: eine Katastrophe für die Verkaufszahlen.
Nun ist es ja so, dass die Milliarden-Zockereien der Banken die Welt-Finanzkrise ausgelöst haben, insbesondere mit diesen Derivaten wie Swaps. Wäre es nicht Ihre Aufgabe als Banker gewesen, nicht nur vor der Krise zu warnen, ggf. in Buchform, sondern auch drastische Veränderungen zu fordern, wie z.B. George Soros und Warren Buffett das taten?
Nein, mit derartigen Warnungen, zumal aus dem Munde eines Bundesbankers, hätte ich meinen Rauswurf aus der Bundesbank und damit Einbussen bei meinen Pensionszahlungen riskiert, das wollte ich auf gar keinen Fall, zumal ich damals noch nicht ahnte, was für ein erfolgreicher Aufmisch-Bestseller-Autor ich eines Tages sein würde.
Ich habe darüber hinaus ja selbst derartige Zockereien als Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Verkehrsbetriebe seinerzeit freudig abgesegnet: Einmal der Abschluss von Hochrisiko-Swaps, und dann sog. Cross-Border-Leasing Geschäfte, wo wir „Tafelsilber“ an sogenannte „Heuschrecken“ in den USA verhökerten, und anschliessend zurückmieteten.
Beide Geschäfte sind ja - nicht ganz unerwartet - voll in die Hose gegangen, mit dreistelligen Millionenverlusten. Trifft Sie da nicht eine schwere Verantwortung? Zu diesem ganzen Problemkreis findet sich- wenn überhaupt – herzlich wenig in Ihren Büchern
Das sind Themen, die ich natürlich zweckgerichtet ausklammere, weil ansonsten ich dann sofort meine (Schein-)Glaubwürdigkeit verlieren würde. Also hüte ich mich davor. Ich bitte dafür um Verständnis.
Sie bekämpfen, unter dem Stichwort „Gleichmacherei,“ die Forderung nach Kürzung der hohen Vorstandsbezüge deutscher Unternehmen, insbesondere der Banken, selbst wenn diese von Vorständen an die Wand gefahren werden. Ich zitiere mal:
Der Normalbürger hat ja keinen Begriff davon – und kann ihn auch gar nicht haben – wie unternehmerische Leistungen zustande kommen, wie Vorstände entlohnt werden. Er sieht nur die Zahlen und denkt: es kann doch niemand so viel arbeiten, dass er wie z.B. der ehemalige Porsche-Vorstand Wiedeking 65 Millionen Euro im Jahr bekommt.
Wäre es nicht gerechtfertigt, diese Vorstände auch zur Rechenschaft zu ziehen, z.B. die Deutsche Bank-Vorstände Ackermann, Breuer Fitschen. Ich nenne die Stichworte Kirch-Pleite, reichlichst Prozesse mit Steitwerten im Multimillionen- ja sogar im Milliardenbereich in den USA wegen angeblich krummer Hypothekengeschäfte, Libormanipulationen u.s.w.?
Nein, die Deutschbanker wie Ackermann, Breuer, Fitschen und Co sollten nicht zur Verantwortung gezogen werden, weil dies ja ihre Risikofreude, der Motor der wirtschaftlichen Expansion, einschränken würde, das kommt der Gleichmacherei nahe, die ich in meinem neuen Buch so vehement bekämpfe.
Schliesslich lässt sich die Arbeit eines Vorstandsmitglieds nicht mit der Arbeit, sagen wir mal eines Filialangestellten der Deutschen Bank vergleichen. Wenn bei dem die Portokasse nicht stimmt, muss der natürlich zur Verantwortung gezogen werden. Die Aufrechterhaltung dieser Ungleichheit, und der Kampf gegen die Propagandisten der Gleichheit, sind mein grosses Thema.
Was leitete sie dann sonst bei der Themenauswahl für neue Aufmisch-Bücher?
Natürlich zunächst mal nichts, was die Gesellschaftspyramide in Frage stellen könnte: also insbesondere keine Angriffe auf unsere Reichen und Superreichen, also die Oberschicht. Keine Zerstörung der Aufstiegs- Illusionen der Mittelschicht, es auch eines Tages in die Oberschicht zu schaffen. Bestes Beispiel: mein Auftritt bei der Buchvorstellung im Dussmann-Keller im Jahre 2010 in Berlin.Mein Ziel ist es, die Mittelschicht gegen die Unterschicht aufzubringen. Gleichzeitig in der Unterschicht die (scheinbare) Verantwortung für ihren miserablen Zustand den Ausländern und dem Euro zuzuschieben.
Verbinden tue ich das mit heftigen Angriffen gegen die Teile der Unterschicht, die von Hartz IV leben, also die Gruppe, die ich als "Sozialparasiten" bezeichnen würde: Arbeitsscheue, und natürlich deren viel zu grosszügige Alimentierung. Ich spiele also auch Unterschicht gegen Unterschicht aus.
Damit begann ich bereits, als ich noch Finanzsenator in Berlin war: Diese "Sozialparasiten" waren mein beliebtes Angriffsziel. Ich prangerte an: ihren Stolz auf ihren Status, statt sich zu schämen; ihre Verantwortungslosigkeit, im Winter die Zimmertemperatur über das Öffnen und Schliessen der Fenster zu regeln, Warmduschen statt kalt; ihr Geld für Alkohol, Lotto und Zigaretten ausgeben und tagsüber in Trainingsanzügen herumzuschlurfen.
Wie sähen denn nach ihrer Ansicht nach die geeigneten Gegenmassnahmen aus?
Drastische Kürzungen und zeitliche Begrenzung von Hartz IV; Kochkurse, um zu lernen, wie man sich mit 3 Euro pro Tag vollwertig ernähren kann; Abschaffung der Suppenküchen; Druck auf Arbeitslose, selbst Jobs bei Firmen als "Drücker" anzunehmen, schliesslich unbezahlte gemeinnützige Tätigkeiten. Harz IV muss als Entlohnung für gemeinnützige Tätigkeiten neu entdeckt werden, dadurch liesse sich die Infrastruktur in vielen Gemeinden reparieren, die zu verlottern droht.
Weitere für mich interessante Stammtischthemen erfahre ich oftmals aus den Leserzuschriften der BILD-Zeitung, die ich regelmässig studiere.
Der "kleine Mann" ist ja der Ansicht, dass seine Probleme von „denen da oben“ ignoriert werden, und dieser Einschätzung hab ich einen gewaltigen Schub verliehen durch meine Aufklärungsfibel „Tugendterror“.
Fördert das nicht den ohnehin schon weitverbreiteten Defätismus?
Nein, nicht den Defätismus sondern die Empörung. Zweck meines neuen Buches ist, dass diesen öffentlich rechtlichen Sendeanstalten, deren Tugendterror von uns allen alimentiert wird, und diesen tugendterrorisierenden Journalisten kein Glaube mehr geschenkt wird.
Noch einen Satz zum Schluss?
Ungleicheit ist die Lokomotive unserer Gesellschaft. Die Tugendterroristen wollen diese Lokomotive zum Stillstand bringen. Dagegen schreibe ich an.
Vielen Dank für dieses „Interview“
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Folgendes Interview landete heute in meiner Mailbox:
Interviewer:
Herr Sarrazin, Ihr neues Buch über den angeblichen Tugend-Terror ist raus, das Echo ist gross, und, wie nicht anders zu erwarten, gespalten. Haben Sie das herbeigewünscht oder nur in Kauf genommen
Thilo Sarrazin:
Herbeigewünscht, denn mein Hauptinteresse ist ja im Gespräch zu bleiben, täglich in Fernsehtalkshows und Diskussionsveranstaltungen präsent zu sein, als ein sog. narzistisches Ego-Boosting, dann den Absatz meiner Traktate zu fördern, und damit natürlich auch noch ordentlich Geld zu verdienen.
Aber ich hiesse nicht Thilo Sarrazin, wenn es mir nicht auch ein klein wenig um weitergesteckte Ziele ginge, die ich natürlich nicht in aller Offenheit darlegen kann.

Neues Buch - Starkes Ego-Boosting
Welche Ziele wären das denn?
Das Rad der Geschichte zurückdrehen, zurück in die Zeit Anfang der 60er Jahre, als die Axel-Springer-Rechtspresse meinungsmässig Deutschland fest im Griff, die BILD-Zeitung noch eine Auflage von 5 Millionen hatte, und als noch nicht diese Journo-Gleichmacher-Sozis das Sagen hatten. Damals, als lediglich im SPIEGELund dem Blättchen KONKRET diese Links-Journos sich ausbreiten konnten, ohne grösseren gesellschaftlichen Flurschaden anrichten zu können.
Als Sekundärtugenden wie Fleiss, Ordnung und Pünktlichkeit selbstverständlich waren, wo in der Schule frontal unterrichtet wurde, und gelegentlich der Lehrer den Rohrstock rausholen durfte.
Als individueller Reichtum erstrebenswert, der erreichte Reichtum als bewundernswert angesehen, und von deren Inhabern offen gezeigt werden konnte, wie bei den Flicks, den Quandts, und dem Axel Springer.
Wo es keine Immigranten sondern nur Gastarbeiter gab, die als Gäste bestenfalls geduldet aber keine Aufenthaltsberechtigung hatten, die in Massenunterkünften eingepfercht waren, und deren Familien dort blieben, wo sie hingehören: in Anatolien und Sizilien. Wo ganz offen von „Kümmeltürken“ und „Spaghettis“ geredet werden konnte, ohne sogleich vom Bannstrahl der Tugendterroristen getroffen zu werden.

Gastarbeiter-Unterkunmft 1971 - .....8 Personen pro Zimmer, 100 DM pro Monat pro Bett
Warum können sie das denn nicht offen darlegen
Weil meine Bücher ja von Stammtisch-Aufmisch-Kritik leben, aber nicht von meinen rückwärts gerichteten Vorstellungen, die ich in meinem Hinterkopf habe. Meine Kunden würden mich ja sonst auslachen.
Aber nähert sich dann ihr Weltbild nicht dem der Rechtsradikalen an, die "Deutschland den Deutschen und Ausländer raus" fordern?
Nein natürlich nicht. Diese Rechts-Krakeeler sind ja Bewunderer von Adolf Hitler, mit solchen Leuten will ich nichts zu tun haben. Ich bin erzkonservativ bis auf die Knochen, aber kein NPD-Symphatisant.
Meinen Sie nicht, dass Sie mit diesen Ihren Vorstellungen die SPD besser verlassen sollten?
Nein ganz und gar nicht. Diese SPD „Betroffenheitsgimpel“ schreien ja immer sofort auf, wenn ich ein neues Aufklärungswerk herausbringe, das fördert die Debatte ganz enorm.
Ausserdem verleiht mein SPD-Parteibuch meinen Tiraden mehr Gewicht. Eine taktische Parteimitgliedschaft, wenn Sie so wollen. Das Schlimmste was mir passieren könnte, wäre, dass meine Ergüsse totgeschwiegen würden: eine Katastrophe für die Verkaufszahlen.
Nun ist es ja so, dass die Milliarden-Zockereien der Banken die Welt-Finanzkrise ausgelöst haben, insbesondere mit diesen Derivaten wie Swaps. Wäre es nicht Ihre Aufgabe als Banker gewesen, nicht nur vor der Krise zu warnen, ggf. in Buchform, sondern auch drastische Veränderungen zu fordern, wie z.B. George Soros und Warren Buffett das taten?
Nein, mit derartigen Warnungen, zumal aus dem Munde eines Bundesbankers, hätte ich meinen Rauswurf aus der Bundesbank und damit Einbussen bei meinen Pensionszahlungen riskiert, das wollte ich auf gar keinen Fall, zumal ich damals noch nicht ahnte, was für ein erfolgreicher Aufmisch-Bestseller-Autor ich eines Tages sein würde.
Ich habe darüber hinaus ja selbst derartige Zockereien als Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Verkehrsbetriebe seinerzeit freudig abgesegnet: Einmal der Abschluss von Hochrisiko-Swaps, und dann sog. Cross-Border-Leasing Geschäfte, wo wir „Tafelsilber“ an sogenannte „Heuschrecken“ in den USA verhökerten, und anschliessend zurückmieteten.
Beide Geschäfte sind ja - nicht ganz unerwartet - voll in die Hose gegangen, mit dreistelligen Millionenverlusten. Trifft Sie da nicht eine schwere Verantwortung? Zu diesem ganzen Problemkreis findet sich- wenn überhaupt – herzlich wenig in Ihren Büchern
Das sind Themen, die ich natürlich zweckgerichtet ausklammere, weil ansonsten ich dann sofort meine (Schein-)Glaubwürdigkeit verlieren würde. Also hüte ich mich davor. Ich bitte dafür um Verständnis.
Sie bekämpfen, unter dem Stichwort „Gleichmacherei,“ die Forderung nach Kürzung der hohen Vorstandsbezüge deutscher Unternehmen, insbesondere der Banken, selbst wenn diese von Vorständen an die Wand gefahren werden. Ich zitiere mal:
Der Normalbürger hat ja keinen Begriff davon – und kann ihn auch gar nicht haben – wie unternehmerische Leistungen zustande kommen, wie Vorstände entlohnt werden. Er sieht nur die Zahlen und denkt: es kann doch niemand so viel arbeiten, dass er wie z.B. der ehemalige Porsche-Vorstand Wiedeking 65 Millionen Euro im Jahr bekommt.
Wäre es nicht gerechtfertigt, diese Vorstände auch zur Rechenschaft zu ziehen, z.B. die Deutsche Bank-Vorstände Ackermann, Breuer Fitschen. Ich nenne die Stichworte Kirch-Pleite, reichlichst Prozesse mit Steitwerten im Multimillionen- ja sogar im Milliardenbereich in den USA wegen angeblich krummer Hypothekengeschäfte, Libormanipulationen u.s.w.?
Nein, die Deutschbanker wie Ackermann, Breuer, Fitschen und Co sollten nicht zur Verantwortung gezogen werden, weil dies ja ihre Risikofreude, der Motor der wirtschaftlichen Expansion, einschränken würde, das kommt der Gleichmacherei nahe, die ich in meinem neuen Buch so vehement bekämpfe.
Schliesslich lässt sich die Arbeit eines Vorstandsmitglieds nicht mit der Arbeit, sagen wir mal eines Filialangestellten der Deutschen Bank vergleichen. Wenn bei dem die Portokasse nicht stimmt, muss der natürlich zur Verantwortung gezogen werden. Die Aufrechterhaltung dieser Ungleichheit, und der Kampf gegen die Propagandisten der Gleichheit, sind mein grosses Thema.
Was leitete sie dann sonst bei der Themenauswahl für neue Aufmisch-Bücher?
Natürlich zunächst mal nichts, was die Gesellschaftspyramide in Frage stellen könnte: also insbesondere keine Angriffe auf unsere Reichen und Superreichen, also die Oberschicht. Keine Zerstörung der Aufstiegs- Illusionen der Mittelschicht, es auch eines Tages in die Oberschicht zu schaffen. Bestes Beispiel: mein Auftritt bei der Buchvorstellung im Dussmann-Keller im Jahre 2010 in Berlin.Mein Ziel ist es, die Mittelschicht gegen die Unterschicht aufzubringen. Gleichzeitig in der Unterschicht die (scheinbare) Verantwortung für ihren miserablen Zustand den Ausländern und dem Euro zuzuschieben.
Verbinden tue ich das mit heftigen Angriffen gegen die Teile der Unterschicht, die von Hartz IV leben, also die Gruppe, die ich als "Sozialparasiten" bezeichnen würde: Arbeitsscheue, und natürlich deren viel zu grosszügige Alimentierung. Ich spiele also auch Unterschicht gegen Unterschicht aus.
Damit begann ich bereits, als ich noch Finanzsenator in Berlin war: Diese "Sozialparasiten" waren mein beliebtes Angriffsziel. Ich prangerte an: ihren Stolz auf ihren Status, statt sich zu schämen; ihre Verantwortungslosigkeit, im Winter die Zimmertemperatur über das Öffnen und Schliessen der Fenster zu regeln, Warmduschen statt kalt; ihr Geld für Alkohol, Lotto und Zigaretten ausgeben und tagsüber in Trainingsanzügen herumzuschlurfen.
Wie sähen denn nach ihrer Ansicht nach die geeigneten Gegenmassnahmen aus?
Drastische Kürzungen und zeitliche Begrenzung von Hartz IV; Kochkurse, um zu lernen, wie man sich mit 3 Euro pro Tag vollwertig ernähren kann; Abschaffung der Suppenküchen; Druck auf Arbeitslose, selbst Jobs bei Firmen als "Drücker" anzunehmen, schliesslich unbezahlte gemeinnützige Tätigkeiten. Harz IV muss als Entlohnung für gemeinnützige Tätigkeiten neu entdeckt werden, dadurch liesse sich die Infrastruktur in vielen Gemeinden reparieren, die zu verlottern droht.
Weitere für mich interessante Stammtischthemen erfahre ich oftmals aus den Leserzuschriften der BILD-Zeitung, die ich regelmässig studiere.
Der "kleine Mann" ist ja der Ansicht, dass seine Probleme von „denen da oben“ ignoriert werden, und dieser Einschätzung hab ich einen gewaltigen Schub verliehen durch meine Aufklärungsfibel „Tugendterror“.
Fördert das nicht den ohnehin schon weitverbreiteten Defätismus?
Nein, nicht den Defätismus sondern die Empörung. Zweck meines neuen Buches ist, dass diesen öffentlich rechtlichen Sendeanstalten, deren Tugendterror von uns allen alimentiert wird, und diesen tugendterrorisierenden Journalisten kein Glaube mehr geschenkt wird.
Noch einen Satz zum Schluss?
Ungleicheit ist die Lokomotive unserer Gesellschaft. Die Tugendterroristen wollen diese Lokomotive zum Stillstand bringen. Dagegen schreibe ich an.
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onlinedienst - 28. Feb, 14:04 Article 2675x read
ach herrje
Stimmt, je ach Herr
Dr. v. Paleske