Dokumentation: Arctic Sea meets Arctic Spirit
World Content News - Arctic Sea wieder da - Mannschaft wohlauf hieß es in den letzten Meldungen. Doch auch die Presse ist zunehmend skeptischer geworden. Wer sagt uns denn, dass das Drama - wenn es denn überhaupt eins gab - inzwischen vorbei ist? Nachrichten Heute bleibt auf Kurs und hat ein Schwesterchen der Arctic Sea entdeckt, das kurz zuvor einen Unfall hatte. Und jetzt geht es in die Vollen: War es ein Versicherungsbetrug? Oder vielleicht doch ein stilles atomares russisch-finnisches Partnerschaftsprojekt?
Fangen wir von vorne an: Bevor die Arctic Sea Kurs auf den finnischen Hafen Pietarsaari nahm, hielt sie sich zwei Wochen lang auf der Pregol-Werft im russischen Kaliningrad auf. Dort ist sie angeblich repariert worden.
Am 18.07., am frühen Abend, das Schiff befindet sich auf Nordkurs nach Finnland, kommt es zu einer familiären Begegnung: Die "Arctic Sea" dürfte etwa auf der Höhe von Gotland in Sichtweite an ihrem Schwesterschiff, der "Arctic Spirit" (AIS hier, Foto hier) vorbeigetuckert sein, das südwärts in den englischen Kanal unterwegs war. Die Arctic Spirit wird ebenfalls von der finnisch-russischen Reederei Solchart gemanagt und sollte ursprünglich nach dem Willen der Eigentümer für Erdgastransporte umgebaut werden. Sie fährt erst seit kurzem unter der Flagge von Malta (vorher Bahamas, Teekay Ltd).


Arctic Sea, Arctic Spirit: Auf dem Holzweg oder des Rätsels Lösung?
OK- eigentlich nichts Besonderes. Warum sich eine Beschäftigung mit diesem Schiff dennoch lohnen könnte: Zum einen sind alle Webseiten, die Solchart als Manager ausweisen, kürzlich gelöscht worden und befinden sich nur noch im Google-Cache. Der nächste Schock folgt auf dem Fuße: Am 16. Juli 2009 berichtet die finnische Zeitung "Kymen Sanomat" folgende Begebenheit:
Loviisa ist eine Stadt an der Südostküste Finnlands. Dort brütet auch ein Atomkraftwerk sowjetischer Bauart namens Olkiluoto vor sich hin, und ein Endlager lässt ebenfalls grüßen. Klick? Soviel Pech aber auch für diesen Reeder - zwei große Vorkommnisse innerhalb einer Woche - oder waren es gar keine?
Rekonstruktion: Das Schwesterschiff hatte also in Finnland ebenfalls Holz geladen, Wasser war in die "Arctic Spirit" eingedrungen. Möglicherweise Beschädigungen im Maschinenraum, vielleicht war auch die Holzladung betroffen. Dieses Schiff trifft sich zwei Tage später mit der Arctic Sea am 18.07. vor Gotland, die zu diesem Zeitpunkt ohne Ladung gewesen sein dürfte. Oder sie hatte eben doch etwas aus Kaliningrad an Bord (siehe unten), das beim Stelldichlein "über die Reling ging".
Eine andere Quelle aus Russland (Maritime Sovfracht) bestätigt sowohl den Unfall als auch den Operator:
Aha. Da verwundert es nicht - das stand u.a. auch in der taz:
"...Auch Michail Wojtenko, Chefredakteur des Fachdienstes Sovfracht Maritime Bulletin (siehe oben) glaubt an die Theorie einer "geheimen Ladung", möglicherweise in Kaliningrad an Bord genommen. Er vermutet eine wie immer geartete "staatliche Beteiligung". ...(Quelle)
Folgt man seiner Theorie, bleibt eigentlich nur noch eine Frage offen: Hat die Arctic Sea etwas nach Pietarsaari mitgebracht oder die Arctic Spirit etwas von Loviisa herausgeschafft? Oder umgekehrt, oder war gar noch ein drittes Schiff von Solchart im Spiel? Oder, oder ... die Hirnrinde dreht sich weiter.
Übrigens, Wojtenko hat inzwischen die Segel gestrichen: "Für mich ist die Sache vorbei".
Wer den obigen Quellen nicht glaubt, sogar einen deutschen Bericht gibt es inzwischen:
Wer ist Solchart Management? From lloydslist.com:
Fehlt noch die Meldung: Die Arctic Sea soll bei ihrer Befreiung aus Piratenhand beschädigt worden sein. Doch Versicherungsbetrug mit staatlicher Beihilfe? - oder siehe oben.
Punkt. Aus. Letzter Beitrag zu diesem Thema auf WCN. Spekulieren und untersuchen mögen ab jetzt andere, mehr als ein kleines Bullauge lässt sich mit Internetrecherchen alleine bei diesem Kaliber nicht aufmachen ... Die jüngsten Märchenversionen wie immer bei Google News. Mit etwas Glück findet man ja vielleicht dort auch bald die Arctic Spirit.
Arctic Sea: Bisherige Artikel von World.Content.News
Arctic Sea: Bisherige Artikel vom Seefahrer-Blog
Dieser Artikel erschien erstmalig bei World Content News
Fangen wir von vorne an: Bevor die Arctic Sea Kurs auf den finnischen Hafen Pietarsaari nahm, hielt sie sich zwei Wochen lang auf der Pregol-Werft im russischen Kaliningrad auf. Dort ist sie angeblich repariert worden.
Am 18.07., am frühen Abend, das Schiff befindet sich auf Nordkurs nach Finnland, kommt es zu einer familiären Begegnung: Die "Arctic Sea" dürfte etwa auf der Höhe von Gotland in Sichtweite an ihrem Schwesterschiff, der "Arctic Spirit" (AIS hier, Foto hier) vorbeigetuckert sein, das südwärts in den englischen Kanal unterwegs war. Die Arctic Spirit wird ebenfalls von der finnisch-russischen Reederei Solchart gemanagt und sollte ursprünglich nach dem Willen der Eigentümer für Erdgastransporte umgebaut werden. Sie fährt erst seit kurzem unter der Flagge von Malta (vorher Bahamas, Teekay Ltd).


Arctic Sea, Arctic Spirit: Auf dem Holzweg oder des Rätsels Lösung?
OK- eigentlich nichts Besonderes. Warum sich eine Beschäftigung mit diesem Schiff dennoch lohnen könnte: Zum einen sind alle Webseiten, die Solchart als Manager ausweisen, kürzlich gelöscht worden und befinden sich nur noch im Google-Cache. Der nächste Schock folgt auf dem Fuße: Am 16. Juli 2009 berichtet die finnische Zeitung "Kymen Sanomat" folgende Begebenheit:
LOVIISA. The timber was loaded, the ship called the Arctic Spirit began to flood Valkonen port of Loviisa. Eastern Uusimaa rescue received a notification of a sinking ship on Wednesday evening. The water has been pumped up about. Water flooding of the ship began in the engine room, but the precise cause of water entry is not yet known. The ship would have been ready to go.
(finnisch-englische Übersetzung, Quelle im Original)
(finnisch-englische Übersetzung, Quelle im Original)
Loviisa ist eine Stadt an der Südostküste Finnlands. Dort brütet auch ein Atomkraftwerk sowjetischer Bauart namens Olkiluoto vor sich hin, und ein Endlager lässt ebenfalls grüßen. Klick? Soviel Pech aber auch für diesen Reeder - zwei große Vorkommnisse innerhalb einer Woche - oder waren es gar keine?
Rekonstruktion: Das Schwesterschiff hatte also in Finnland ebenfalls Holz geladen, Wasser war in die "Arctic Spirit" eingedrungen. Möglicherweise Beschädigungen im Maschinenraum, vielleicht war auch die Holzladung betroffen. Dieses Schiff trifft sich zwei Tage später mit der Arctic Sea am 18.07. vor Gotland, die zu diesem Zeitpunkt ohne Ladung gewesen sein dürfte. Oder sie hatte eben doch etwas aus Kaliningrad an Bord (siehe unten), das beim Stelldichlein "über die Reling ging".
Eine andere Quelle aus Russland (Maritime Sovfracht) bestätigt sowohl den Unfall als auch den Operator:
Leaks in the engine department of the Russian dry cargo ship, Finland
July 16, discovered a leak in the engine department of the Russian dry cargo ship Arctic Spirit, when the Finnish port of Loviisa. That is all that is known. Bulk carrier Arctic Spirit (formerly Peacock Vinogradov) - 7850 deadweight tons, built in 1987, the flag of Malta, the operator Solchart Arkhangelsk Ltd Arkhangelsk.
(russisch-englische Übersetzung)
July 16, discovered a leak in the engine department of the Russian dry cargo ship Arctic Spirit, when the Finnish port of Loviisa. That is all that is known. Bulk carrier Arctic Spirit (formerly Peacock Vinogradov) - 7850 deadweight tons, built in 1987, the flag of Malta, the operator Solchart Arkhangelsk Ltd Arkhangelsk.
(russisch-englische Übersetzung)
Aha. Da verwundert es nicht - das stand u.a. auch in der taz:
"...Auch Michail Wojtenko, Chefredakteur des Fachdienstes Sovfracht Maritime Bulletin (siehe oben) glaubt an die Theorie einer "geheimen Ladung", möglicherweise in Kaliningrad an Bord genommen. Er vermutet eine wie immer geartete "staatliche Beteiligung". ...(Quelle)
Folgt man seiner Theorie, bleibt eigentlich nur noch eine Frage offen: Hat die Arctic Sea etwas nach Pietarsaari mitgebracht oder die Arctic Spirit etwas von Loviisa herausgeschafft? Oder umgekehrt, oder war gar noch ein drittes Schiff von Solchart im Spiel? Oder, oder ... die Hirnrinde dreht sich weiter.
Übrigens, Wojtenko hat inzwischen die Segel gestrichen: "Für mich ist die Sache vorbei".
Wer den obigen Quellen nicht glaubt, sogar einen deutschen Bericht gibt es inzwischen:
Frachter hatte Wassereinbruch im Maschinenraum
( 17.7.09 ) Der unter Malta-Flagge laufende Frachter "Arctic Spirit", 6.395 BRZ (IMO-Nr.: 8419128) erlitt am 16.7. im Hafen des finnischen Loviisa einen Wassereinbruch im Maschinenraum. Das Schiff war dort am 12.7. von Felixstowe kommend eingetroffen. Das Schiff gehört zur Klasse der Holzfrachter, die in der Vergangenheit mehrfach durch Untergang oder Ladungsverlust auffielen. Schwesterschiffe sind z.B. die im Ärmelkanal gesunkene "Ice Prince", die "Kodima" und die "Sinegorsk".
(Quelle: Seenotfälle Juli 2009)
( 17.7.09 ) Der unter Malta-Flagge laufende Frachter "Arctic Spirit", 6.395 BRZ (IMO-Nr.: 8419128) erlitt am 16.7. im Hafen des finnischen Loviisa einen Wassereinbruch im Maschinenraum. Das Schiff war dort am 12.7. von Felixstowe kommend eingetroffen. Das Schiff gehört zur Klasse der Holzfrachter, die in der Vergangenheit mehrfach durch Untergang oder Ladungsverlust auffielen. Schwesterschiffe sind z.B. die im Ärmelkanal gesunkene "Ice Prince", die "Kodima" und die "Sinegorsk".
(Quelle: Seenotfälle Juli 2009)
Wer ist Solchart Management? From lloydslist.com:
Solchart Arkhangelsk is one of three companies within a small group involved in chartering of dry cargo vessels for the transport of timber, predominantly from Finland, but also from Sweden and, to a lesser degree Russia. Mostly they serve on long-term contracts with major timber exporters, including Finnforest and Rauma-Enso, also known as Rets Timber.
The group controls five general cargo ships. In addition to Arctic Sea, these include 1996-built, 7,239 dwt Arctic Sky; 1987-built, 7,850 dwt Arctic Spirit; 1990-built, 7,850 dwt Arctic Star; and 1990-built, 7,075 dwt Solombala. All are ultimately owned by single shipowning companies registered in Liberia and Malta.
Quelle (Cache)
The group controls five general cargo ships. In addition to Arctic Sea, these include 1996-built, 7,239 dwt Arctic Sky; 1987-built, 7,850 dwt Arctic Spirit; 1990-built, 7,850 dwt Arctic Star; and 1990-built, 7,075 dwt Solombala. All are ultimately owned by single shipowning companies registered in Liberia and Malta.
Quelle (Cache)
Fehlt noch die Meldung: Die Arctic Sea soll bei ihrer Befreiung aus Piratenhand beschädigt worden sein. Doch Versicherungsbetrug mit staatlicher Beihilfe? - oder siehe oben.
Punkt. Aus. Letzter Beitrag zu diesem Thema auf WCN. Spekulieren und untersuchen mögen ab jetzt andere, mehr als ein kleines Bullauge lässt sich mit Internetrecherchen alleine bei diesem Kaliber nicht aufmachen ... Die jüngsten Märchenversionen wie immer bei Google News. Mit etwas Glück findet man ja vielleicht dort auch bald die Arctic Spirit.
Arctic Sea: Bisherige Artikel von World.Content.News
Arctic Sea: Bisherige Artikel vom Seefahrer-Blog

sfux - 19. Aug, 20:47 Article 2461x read
Bravo