Droht bald die nächste Weltfinanzkrise?
Dr. Alexander von Paleske —— 26.12. 2019 —–
Bücher, die einen neuen Weltfinanz-Crash vorhersagen, und zwar einen, wie ihn die Welt bisher noch nicht gesehen habe, sind Bestseller.
Die Autoren sagen nicht nur allgemein den Crash voraus, sondern relativ präzise: innerhalb der nächsten drei Jahre.
Das würde bedeuten: die westlichen Staaten, allen voran die USA und Europa, hätten nichts aus der Finanzkrise gelernt, die im Jahre 2008 zu einem gewaltigen Finanzcrash führte.
Massenvernichtungsmittel Swap
Drei Monate vor der letzten Weltfinanzkrise im Jahre 2008 warnten auch wir hier vor einer bevorstehenden Weltfinanzkrise, die sich mit der Subprimekrise, also der hemmungslosen Kreditvergabe an Hauseigentümer und deren anschliesende Vermarktung als CDO’s, und der Kreditabsicherung durch sogenannte Credit Default Swaps (CDS) anbahnte.
Damals war in der Swap-Abteilung des „Casinobetriebs“ Investmentbanking, die unvorstellbare Summe von 62.000 Milliarden Dollar angekommen (62.000.000.000.000, oder 62 Billionen), das war damals doppelt so viel wie der Aktienwert von 2500 Unternehmen, die an der New Yorker Börse gelistet waren.
40% der von den Banken vergebenen Kredite gingen seinerzeit an nicht kreditwürdige Kreditnehmer, wie die Ratingagentur Fitch ermittelte. Im Jahre 2002 waren es erst 8%. Daran hat sich nicht allzu viel geändert.
Swaps, die ursprünglich das Risiko bei der Kreditvergabe durch eine Art Kreditversicherung absichern sollten, haben diese Entwicklung befördert, nein: erst ermöglicht. Motto: Was interessiert uns die Bonität des Kreditnehmers, wir sind ja versichert. Aber Zug um Zug hatten sich diese CDSs von dem eigentlichen Absicherungs-Zweck gelöst, und wurden zu handelbaren Spekulationspapieren, die oft genug kaum noch etwas mit dieser Aufgabe der Absicherung (des Hedging) zu tun hatten: Durch teilweise enorme Ueberversicherung mit multiplen Swaps, oder gar keinerlei echte Versicherung (Absicherung) durch die sog. “synthetischen Swaps”. Längst sind sie so zu einem gigantischen Medium der Zockerei geworden, wobei für die synthetischen Swaps keinerlei Absicherungsbais mehr vorhanden war, es sich also um reine Wetten handelte, wie bei einem Pferderennen.
Sie spielten deshalb eine entscheidende Rolle bei Finanzcrash 2008, weil zwar einige faule Kredite durch Swaps abgesichert werden könnnen, aber nicht das massenhafte Faulwerden. Das ist so wie bei der Autoversicherung: einzelne Autoschäden können geregelt werden, nicht aber das plötzliche Auftreten von Hunderttausenden von Schäden.
Das Prinzip, Kredite an nicht kreditwürdige Kreditnehmer zu geben, hat sich in unglaublichem Masse auch auf die Notenbanken ausgedehnt – indirekt. Die kaufen nämlich Anleihen auch nicht kreditwürdiger Firmen auf, um sie so vor dem Konkurs zu bewahren, und stützten damit Zombie-Unternehmen und Zombie-Banken – verzweifelter Versuch des Crash-Aufschubs..
Was jetzt noch fehlt ist ein deutlicher Konjunkturabschwung dem die Zentralbanken nicht mehr weiter durch Zinsabsenkungen entgegensteuern können, das Pulver ist verbraucht, dank der Nullzinspolitik
Zu diesem erwartbaren Abschwung kämen dann als Verstärker die faulen Kredite und die dann fällig gestellten CDS hinzu.
Scheinbar gute Nachricht
Die CDS sind vom Umfang her heute etwa halb so gross wie 2008. Gute Nachricht könnte man meinen: Ein gewaltiger Irrtum. Denn mittlerweile liegt lediglich eine Gewichtsverschiebung vor: Weniger CDSs, dafür viel mehr Zinswetten, und hier insbesondere die Overnight REPOs. Das sind kurzfristige Verkäufe und Rückkäufe von Wertpapieren durch Banken, um sich kurzfristig Liquidität zu verschaffen. Liquidität “über Nacht”. Die Banken haben keineswegs Liquidität im Ueberfluss, wie in der “guten alten Zeit” sondern verschaffen sich die – kurzfristig – durch diesen Verkauf- Rückkauf.
Aber damit endet das alles nicht, denn für diese Transaktion müssen beim Rückkauf auch noch Zinsen gezahlt werden, und die haben nur bedingt etwas mit dem allüblichen niedrigen Zinssatz zu tun, dieser REPO- Zinssatz richtet sich vielmehr nach Angebot und Nachfrage. Gegen diese teils erheblichen Zinsschwankungen lässt sich dann wieder vortrefflich eine Absicherung abschliessen, und und damit vor allem: wie auch bei CDSs überversichern, synthetisieren und dann spekulieren, also Gang ins Casino.
Das System der REPOs geriet im September diesen Jahres heftig aus dem Lot, weil in den USA die Nachfrage kaum auf Angebote zu akzeptablem Zins stiess, sodass die US-Zentralbank, die Federal Reserve, im September eingreifen, und Liquidität bereitstellen musste, weil sonst dieser REPO-Zins völlig aus dem Ruder gelaufen, sprich: explodiert wäre. Bei einer Explosion der Zinsen wären auch die Zins-Absicherungen – real und synthetisch – explodiert, wie 2008 die CDS. Die Finanzkrise wäre da.
In diesem Casinobetrieb der Derivate, der Kreditabsicherungen, Währungsabsicherungen, Rohstoffabsicherungen, Zinsabsicherungen etc ist mittlerweile die schier unglaubliche Summe von 200 Billionen US-Dollar angekommen.
Wie risikoreich das bereits jetzt ist, zeigte sich bei der US-Grossbank Goldman-Sachs, die im 3. Quartal 2019 bei Spekulationen mit diesen Zinsderivaten einen satten Verlust von 1,2 Milliarden US Dollar einfuhr.
Weitere Untersuchungen zeigen, dass von diesen 200 Billionen US-Dollar Derivaten angeblich nur weniger als 10% dem eigentlichen Zweck der Absicherung dienten, sondern die Masse der reinen Spekulation. Mit anderen Worten: Geld sucht Investitionen, was aber nicht in neue Techniken, in Umweltschutz, in die Infrastruktur etc. fliesst, sondern das Geld wird in einem unvorstellbaren Umfang ins Derivate-Casino geschafft, um dort mit Glück noch viel mehr rauszuholen.
Die Risiken der CDS von 2008 sind somit auch noch die Zinswetten-Risiken von heute, hier insbesondere die REPO-Overnight-Zinsen.
Und wie es im Casino heisst : Rien ne va plus, das wird auch der Schreckensruf in der Finanzkrise sein .
Fazit
So ist heute das Risiko eines Finanzcrashes noch grösser als vor der letzten Weltfinanzkrise 2008, denn ein Abschwung der Wirtschaft steht bevor, Argentinien hat gerade seine Zahlungsunfähigkeit erklärt.Das südamerikanische Schwellenland ist praktisch pleite, befördert noch durch Eintreibung von Milliardenbeträgen durch sogenannte Geierfonds wie Elliott.
Allerdings besitzen – abgesehen vom massiven Gelddrucken mit konsekutiver galoppierender Inflation – die Regierungen und Zentralbanken keinerlei Instrumente mehr, um dem Dammbruch zu begegnen.
Aber eines ist völlig klar: die Politiker üben bei diesem Casinobetrieb keinerlei Einfluss aus, obwohl ihnen nicht die Schlüssel fehlen, um die Casinotür zu verrammeln – oder zumindest den Einlass und die Höhe des erlaubten Einsatzes zu limitieren.
Schon die nächsten Monate werden zeigen, wohin die Reise geht.
Bücher, die einen neuen Weltfinanz-Crash vorhersagen, und zwar einen, wie ihn die Welt bisher noch nicht gesehen habe, sind Bestseller.
Die Autoren sagen nicht nur allgemein den Crash voraus, sondern relativ präzise: innerhalb der nächsten drei Jahre.
Das würde bedeuten: die westlichen Staaten, allen voran die USA und Europa, hätten nichts aus der Finanzkrise gelernt, die im Jahre 2008 zu einem gewaltigen Finanzcrash führte.
Massenvernichtungsmittel Swap
Drei Monate vor der letzten Weltfinanzkrise im Jahre 2008 warnten auch wir hier vor einer bevorstehenden Weltfinanzkrise, die sich mit der Subprimekrise, also der hemmungslosen Kreditvergabe an Hauseigentümer und deren anschliesende Vermarktung als CDO’s, und der Kreditabsicherung durch sogenannte Credit Default Swaps (CDS) anbahnte.
Damals war in der Swap-Abteilung des „Casinobetriebs“ Investmentbanking, die unvorstellbare Summe von 62.000 Milliarden Dollar angekommen (62.000.000.000.000, oder 62 Billionen), das war damals doppelt so viel wie der Aktienwert von 2500 Unternehmen, die an der New Yorker Börse gelistet waren.
40% der von den Banken vergebenen Kredite gingen seinerzeit an nicht kreditwürdige Kreditnehmer, wie die Ratingagentur Fitch ermittelte. Im Jahre 2002 waren es erst 8%. Daran hat sich nicht allzu viel geändert.
Swaps, die ursprünglich das Risiko bei der Kreditvergabe durch eine Art Kreditversicherung absichern sollten, haben diese Entwicklung befördert, nein: erst ermöglicht. Motto: Was interessiert uns die Bonität des Kreditnehmers, wir sind ja versichert. Aber Zug um Zug hatten sich diese CDSs von dem eigentlichen Absicherungs-Zweck gelöst, und wurden zu handelbaren Spekulationspapieren, die oft genug kaum noch etwas mit dieser Aufgabe der Absicherung (des Hedging) zu tun hatten: Durch teilweise enorme Ueberversicherung mit multiplen Swaps, oder gar keinerlei echte Versicherung (Absicherung) durch die sog. “synthetischen Swaps”. Längst sind sie so zu einem gigantischen Medium der Zockerei geworden, wobei für die synthetischen Swaps keinerlei Absicherungsbais mehr vorhanden war, es sich also um reine Wetten handelte, wie bei einem Pferderennen.
Sie spielten deshalb eine entscheidende Rolle bei Finanzcrash 2008, weil zwar einige faule Kredite durch Swaps abgesichert werden könnnen, aber nicht das massenhafte Faulwerden. Das ist so wie bei der Autoversicherung: einzelne Autoschäden können geregelt werden, nicht aber das plötzliche Auftreten von Hunderttausenden von Schäden.
Das Prinzip, Kredite an nicht kreditwürdige Kreditnehmer zu geben, hat sich in unglaublichem Masse auch auf die Notenbanken ausgedehnt – indirekt. Die kaufen nämlich Anleihen auch nicht kreditwürdiger Firmen auf, um sie so vor dem Konkurs zu bewahren, und stützten damit Zombie-Unternehmen und Zombie-Banken – verzweifelter Versuch des Crash-Aufschubs..
Was jetzt noch fehlt ist ein deutlicher Konjunkturabschwung dem die Zentralbanken nicht mehr weiter durch Zinsabsenkungen entgegensteuern können, das Pulver ist verbraucht, dank der Nullzinspolitik
Zu diesem erwartbaren Abschwung kämen dann als Verstärker die faulen Kredite und die dann fällig gestellten CDS hinzu.
Scheinbar gute Nachricht
Die CDS sind vom Umfang her heute etwa halb so gross wie 2008. Gute Nachricht könnte man meinen: Ein gewaltiger Irrtum. Denn mittlerweile liegt lediglich eine Gewichtsverschiebung vor: Weniger CDSs, dafür viel mehr Zinswetten, und hier insbesondere die Overnight REPOs. Das sind kurzfristige Verkäufe und Rückkäufe von Wertpapieren durch Banken, um sich kurzfristig Liquidität zu verschaffen. Liquidität “über Nacht”. Die Banken haben keineswegs Liquidität im Ueberfluss, wie in der “guten alten Zeit” sondern verschaffen sich die – kurzfristig – durch diesen Verkauf- Rückkauf.
Aber damit endet das alles nicht, denn für diese Transaktion müssen beim Rückkauf auch noch Zinsen gezahlt werden, und die haben nur bedingt etwas mit dem allüblichen niedrigen Zinssatz zu tun, dieser REPO- Zinssatz richtet sich vielmehr nach Angebot und Nachfrage. Gegen diese teils erheblichen Zinsschwankungen lässt sich dann wieder vortrefflich eine Absicherung abschliessen, und und damit vor allem: wie auch bei CDSs überversichern, synthetisieren und dann spekulieren, also Gang ins Casino.
Das System der REPOs geriet im September diesen Jahres heftig aus dem Lot, weil in den USA die Nachfrage kaum auf Angebote zu akzeptablem Zins stiess, sodass die US-Zentralbank, die Federal Reserve, im September eingreifen, und Liquidität bereitstellen musste, weil sonst dieser REPO-Zins völlig aus dem Ruder gelaufen, sprich: explodiert wäre. Bei einer Explosion der Zinsen wären auch die Zins-Absicherungen – real und synthetisch – explodiert, wie 2008 die CDS. Die Finanzkrise wäre da.
In diesem Casinobetrieb der Derivate, der Kreditabsicherungen, Währungsabsicherungen, Rohstoffabsicherungen, Zinsabsicherungen etc ist mittlerweile die schier unglaubliche Summe von 200 Billionen US-Dollar angekommen.
Wie risikoreich das bereits jetzt ist, zeigte sich bei der US-Grossbank Goldman-Sachs, die im 3. Quartal 2019 bei Spekulationen mit diesen Zinsderivaten einen satten Verlust von 1,2 Milliarden US Dollar einfuhr.
Weitere Untersuchungen zeigen, dass von diesen 200 Billionen US-Dollar Derivaten angeblich nur weniger als 10% dem eigentlichen Zweck der Absicherung dienten, sondern die Masse der reinen Spekulation. Mit anderen Worten: Geld sucht Investitionen, was aber nicht in neue Techniken, in Umweltschutz, in die Infrastruktur etc. fliesst, sondern das Geld wird in einem unvorstellbaren Umfang ins Derivate-Casino geschafft, um dort mit Glück noch viel mehr rauszuholen.
Die Risiken der CDS von 2008 sind somit auch noch die Zinswetten-Risiken von heute, hier insbesondere die REPO-Overnight-Zinsen.
Und wie es im Casino heisst : Rien ne va plus, das wird auch der Schreckensruf in der Finanzkrise sein .
Fazit
So ist heute das Risiko eines Finanzcrashes noch grösser als vor der letzten Weltfinanzkrise 2008, denn ein Abschwung der Wirtschaft steht bevor, Argentinien hat gerade seine Zahlungsunfähigkeit erklärt.Das südamerikanische Schwellenland ist praktisch pleite, befördert noch durch Eintreibung von Milliardenbeträgen durch sogenannte Geierfonds wie Elliott.
Allerdings besitzen – abgesehen vom massiven Gelddrucken mit konsekutiver galoppierender Inflation – die Regierungen und Zentralbanken keinerlei Instrumente mehr, um dem Dammbruch zu begegnen.
Aber eines ist völlig klar: die Politiker üben bei diesem Casinobetrieb keinerlei Einfluss aus, obwohl ihnen nicht die Schlüssel fehlen, um die Casinotür zu verrammeln – oder zumindest den Einlass und die Höhe des erlaubten Einsatzes zu limitieren.
Schon die nächsten Monate werden zeigen, wohin die Reise geht.
onlinedienst - 27. Dez, 13:16 Article 505x read