Ein Staatstrauerakt und eine Beerdigung in Hamburg
Dr. Alexander von Paleske ----- 22.11.2015 ---- Am Montag findet das Staatsbegräbnis des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt statt, der am 10.11. 2015 im Alter von 96 Jahren verstarb.
Hochrangige Politiker aus aller Welt werden erwartet, Reden werden gehalten, die sicher voll des Lobes sein werden.
Die Feier selbst hatte Schmidt im Detail geplant: erst eine Trauerfeier im Michel und dann ein Staatsempfang im Hamburger Rathaus. Auch wer unbedingt auf der Einladungsliste zu stehen habe.

Helmut Schmidt 1918 - 2015
Ansehen stieg
Wie auch in Willy Brandts letztem Lebensabschnitt: das Ansehen in der Bevölkerung von beiden Ex-Kanzlern - und bei Brandt auch noch die Zuneigung - stieg, ihr Wort hatte Gewicht.
Das gilt für Helmut Schmidt eigentlich erst nach dem Tode Brandts. Der hatte den Nachrüstungsbeschluss Schmidts nur aus Parteisolidarität mitgetragen – solange Schmidt im Amt war. Danach geisselte er ihn.
Helmut Schmidt war in seiner Zeit als Politiker – anders als Brandt - kein Visionär. Schmidt war vielmehr der zweifellos hochintelligente und erfolgreiche, aber kalte Manager der Macht, der aber in seiner eigenen Partei der SPD, mit seiner Aufrüstungs- Nachrüstungspolitik schliesslich den Rückhalt verlor.
Länder der Dritten Welt wie Mozambique, für das der damalige Entwicklungshilfeminister Egon Bahr um finanzielle Hilfe nach der Unabhängigkeit bat, interessierten ihn wenig oder gar nicht, die Bitte Bahrs wurde abgebürstet.
´
Weiter Einmischung
Anders als der britische Premier Winston Churchill, der nach seiner zweiten Amtszeit schwieg, auch als auf ein Wort von ihm in der Suezkrise 1956 erwartet und erhofft wurde, mischten sich Brandt und Schmidt weiter ein.
Helmut Schmidt wurde 1982 Mit-Herausgeber der ZEIT und dies gab ihm eine Plattform, in unzähligen Artikeln sich zu einer Bandbreite von Themen zu äussern: Weltwirtschaft, Raubtierkapitalismus, Politik gegenüber Russland und China.
Nichts am Hut
Mit Menschenrechten, und der Forderung nach deren Einhaltung gegenüber anderen Ländern, hatte er nichts am Hut. Einer der Hauptgründe, warum er mit dem damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter nicht klar kam, und der nicht mit ihm.
Keine Überraschung umgekehrt, dass Schmidt und den US-Aussenminister Henry Kissinger eine enge Freundschaft verband. Henry Kissinger, der den blutigen Putsch in Chile 1973, der die gewählte Regierung Allende wegfegte und Tausenden das Leben kostete, initiierte, finanzieren half und politisch die Putschisten danach nach Kräften unterstützte.
Der die Bombenangriffe auf Kambodscha anordnete, die das Land in den Krieg und dann in den Bürgerkrieg führten. Das alles schadete der Freundschaft keineswegs.
Erstmals 1962
Ich habe Helmut Schmidt erstmals im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe in Hamburg 1962 wahrgenommen, wo er als Innensenator Hamburgs mit dem Spitznamen „Schmidt Schnauze“ die Katastrophenhilfe höchst effektiv managte.
Für den Bundeskanzler Schmidt hatte ich jedoch keine besonderen Sympathien übrig.
Im Deutschen Herbst 1977 hatte er aus „Gründen der Staatsraison“ wie er das nannte, das Leben der Geiseln in Mogadischu aufs Spiel gesetzt. Das Geiseldrama hätte auch anders ausgehen können.
Leviten gelesen
Je grösser der Abstand zu seiner Zeit als Politiker wurde, umso mehr wuchs sein Ansehen, durch seine dezidierten und wohlüberlegten Stellungnahmen, mit denen er nicht nur zu den brennenden Fragen, wie in der Wirtschaftskrise 2008, Stellung nahm und drastische Reformen forderte, um dem Raubtierkapitalismus die Zähne zu ziehen, sondern auch den Berliner Polit-Toren die Leviten las. Zuletzt wegen deren Politik gegenüber Russland.
Nicht nur in Artikeln in der ZEIT, sondern auch in zahlreichen Talkshows und Diskussionsveranstaltungen.
Die Sanktionen gegenüber Russland bezeichnete er bereits vor deren Verhängung als „dummes Zeug“, er geisselte die Expansionspolitik von Nato und EU nach Osten bis nach Georgien, er teilte nicht das Kriegs-Hurrageschrei im Afghanistan-Konflikt – und behielt Recht damit.
Sein Dogma: In der Politik darf es nur eine Leidenschaft geben: Die Leidenschaft zur Vernunft“.
Orakel von Langenhorn
Der Hauptgrund allerdings, warum dieser SPD-Politiker, ehemalige Bundeskanzler, gelernte Volkswirt, und in späten Jahren noch Zeitungsmann, zum „Orakel von Hamburg-Langenhorn“ aufsteigen konnte, warum auf seine Antworten und Stellungnahmen gewartet wurde, hing auch mit dem erschreckenden Mittelmass, um nicht zu sagen Unfähigkeit, Berliner Politiker zusammen.
Ob Merkel, Gabriel, Nahles, Özdemir, die berufsaufgeregte Claudia Roth, die berufslose Katrin Göring-Eckardt: weder Visionäre, noch hochkompetente Politiker mit Geschichtsverständnis, und oftmals nicht einmal bereit den Deutschen reinen Wein einzuschenken, und substantielle Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit zu liefern.
Statt inhaltlich tiefschürfenden Debatten: Gezänk und Geschwätz.
Ob es die Afghanistanpolitik, die in Scherben liegt, ob die Ukraine-Politik, dort, wo von Demokratie und Rechtsstaat kaum eine Rede sein kann: Schmidt hatte mit über 90 Jahren noch weit mehr im Laden, als die Berliner Politik-Toren ins Schaufester stellen konnten.
Für ihn traf zu, was in Afrika ein Sprichwort ist: Ein alter Mann sieht im Sitzen mehr als ein junger Mann im Stehen.
Hochrangige Politiker aus aller Welt werden erwartet, Reden werden gehalten, die sicher voll des Lobes sein werden.
Die Feier selbst hatte Schmidt im Detail geplant: erst eine Trauerfeier im Michel und dann ein Staatsempfang im Hamburger Rathaus. Auch wer unbedingt auf der Einladungsliste zu stehen habe.

Helmut Schmidt 1918 - 2015
Ansehen stieg
Wie auch in Willy Brandts letztem Lebensabschnitt: das Ansehen in der Bevölkerung von beiden Ex-Kanzlern - und bei Brandt auch noch die Zuneigung - stieg, ihr Wort hatte Gewicht.
Das gilt für Helmut Schmidt eigentlich erst nach dem Tode Brandts. Der hatte den Nachrüstungsbeschluss Schmidts nur aus Parteisolidarität mitgetragen – solange Schmidt im Amt war. Danach geisselte er ihn.
Helmut Schmidt war in seiner Zeit als Politiker – anders als Brandt - kein Visionär. Schmidt war vielmehr der zweifellos hochintelligente und erfolgreiche, aber kalte Manager der Macht, der aber in seiner eigenen Partei der SPD, mit seiner Aufrüstungs- Nachrüstungspolitik schliesslich den Rückhalt verlor.
Länder der Dritten Welt wie Mozambique, für das der damalige Entwicklungshilfeminister Egon Bahr um finanzielle Hilfe nach der Unabhängigkeit bat, interessierten ihn wenig oder gar nicht, die Bitte Bahrs wurde abgebürstet.
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Weiter Einmischung
Anders als der britische Premier Winston Churchill, der nach seiner zweiten Amtszeit schwieg, auch als auf ein Wort von ihm in der Suezkrise 1956 erwartet und erhofft wurde, mischten sich Brandt und Schmidt weiter ein.
Helmut Schmidt wurde 1982 Mit-Herausgeber der ZEIT und dies gab ihm eine Plattform, in unzähligen Artikeln sich zu einer Bandbreite von Themen zu äussern: Weltwirtschaft, Raubtierkapitalismus, Politik gegenüber Russland und China.
Nichts am Hut
Mit Menschenrechten, und der Forderung nach deren Einhaltung gegenüber anderen Ländern, hatte er nichts am Hut. Einer der Hauptgründe, warum er mit dem damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter nicht klar kam, und der nicht mit ihm.
Keine Überraschung umgekehrt, dass Schmidt und den US-Aussenminister Henry Kissinger eine enge Freundschaft verband. Henry Kissinger, der den blutigen Putsch in Chile 1973, der die gewählte Regierung Allende wegfegte und Tausenden das Leben kostete, initiierte, finanzieren half und politisch die Putschisten danach nach Kräften unterstützte.
Der die Bombenangriffe auf Kambodscha anordnete, die das Land in den Krieg und dann in den Bürgerkrieg führten. Das alles schadete der Freundschaft keineswegs.
Erstmals 1962
Ich habe Helmut Schmidt erstmals im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe in Hamburg 1962 wahrgenommen, wo er als Innensenator Hamburgs mit dem Spitznamen „Schmidt Schnauze“ die Katastrophenhilfe höchst effektiv managte.
Für den Bundeskanzler Schmidt hatte ich jedoch keine besonderen Sympathien übrig.
Im Deutschen Herbst 1977 hatte er aus „Gründen der Staatsraison“ wie er das nannte, das Leben der Geiseln in Mogadischu aufs Spiel gesetzt. Das Geiseldrama hätte auch anders ausgehen können.
Leviten gelesen
Je grösser der Abstand zu seiner Zeit als Politiker wurde, umso mehr wuchs sein Ansehen, durch seine dezidierten und wohlüberlegten Stellungnahmen, mit denen er nicht nur zu den brennenden Fragen, wie in der Wirtschaftskrise 2008, Stellung nahm und drastische Reformen forderte, um dem Raubtierkapitalismus die Zähne zu ziehen, sondern auch den Berliner Polit-Toren die Leviten las. Zuletzt wegen deren Politik gegenüber Russland.
Nicht nur in Artikeln in der ZEIT, sondern auch in zahlreichen Talkshows und Diskussionsveranstaltungen.
Die Sanktionen gegenüber Russland bezeichnete er bereits vor deren Verhängung als „dummes Zeug“, er geisselte die Expansionspolitik von Nato und EU nach Osten bis nach Georgien, er teilte nicht das Kriegs-Hurrageschrei im Afghanistan-Konflikt – und behielt Recht damit.
Sein Dogma: In der Politik darf es nur eine Leidenschaft geben: Die Leidenschaft zur Vernunft“.
Orakel von Langenhorn
Der Hauptgrund allerdings, warum dieser SPD-Politiker, ehemalige Bundeskanzler, gelernte Volkswirt, und in späten Jahren noch Zeitungsmann, zum „Orakel von Hamburg-Langenhorn“ aufsteigen konnte, warum auf seine Antworten und Stellungnahmen gewartet wurde, hing auch mit dem erschreckenden Mittelmass, um nicht zu sagen Unfähigkeit, Berliner Politiker zusammen.
Ob Merkel, Gabriel, Nahles, Özdemir, die berufsaufgeregte Claudia Roth, die berufslose Katrin Göring-Eckardt: weder Visionäre, noch hochkompetente Politiker mit Geschichtsverständnis, und oftmals nicht einmal bereit den Deutschen reinen Wein einzuschenken, und substantielle Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit zu liefern.
Statt inhaltlich tiefschürfenden Debatten: Gezänk und Geschwätz.
Ob es die Afghanistanpolitik, die in Scherben liegt, ob die Ukraine-Politik, dort, wo von Demokratie und Rechtsstaat kaum eine Rede sein kann: Schmidt hatte mit über 90 Jahren noch weit mehr im Laden, als die Berliner Politik-Toren ins Schaufester stellen konnten.
Für ihn traf zu, was in Afrika ein Sprichwort ist: Ein alter Mann sieht im Sitzen mehr als ein junger Mann im Stehen.
onlinedienst - 22. Nov, 11:22 Article 3570x read
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