Freigelassener Matrose der Arctic Sea: "Da war nur Holz"
World Content News - Gibt es bald neue Einzelheiten über die tatsächlichen Vorgänge an Bord der Arctic Sea? Nach einem fast zweiwöchigen Verhör durch den russischen Geheimdienst sind die meisten Besatzungsmitglieder des Frachters seit Samstag wieder in Freiheit und wurden in der Stadt Archangelsk von ihren Angehörigen in Empfang genommen. Und auch an der Piratenfront tun sich inzwischen erstaunliche Erkenntnisse auf.

Freigelassene Seeleute: "Das Schiff war im Bermuda-Dreieck und die Piraten fütterten uns mit Eiskrem" (Quelle: Life.ru)
Zunächst hielten sich die Matrosen der Arctic Sea über die Geschehnisse reichlich bedeckt. Nicht besonders wohl hätten sie sich bei der Vernehmung gefühlt, sagte einer der Männer. Ansonsten gab es erst einmal keine weiteren Auskünfte. Vier Personen der Besatzung, unter ihnen der Kapitän, halten sich mutmaßlich weiterhin auf der Arctic Sea auf.
Später ließ sich dann wenigster der Ehefrau eines Matrosen entlocken:
"Die Piraten haben ihn böse geschlagen, und ihm einen Finger gebrochen. ... Sie waren die ganze Zeit unter Waffen. Und Sergej sagte zu mir: Es ist nicht nötig, dass Du alles weißt. ...". Auf die Frage was er über die Fracht an Bord der Arctic Sea wisse, sagte die Frau: "Sergei sagte mir, da war nur Holz. Und alle andere Vermutungen über eine verbotene Ladung sind Nonsense" (Quelle: Komsomolskaya Pravda).
Von den russischen Behörden gab es auch 24 Stunden nach der Freilassung noch keine amtliche Verlautbarung.
Gestern noch erhielt das Gerücht um einen möglichen heimlichen Waffentransport neue Nahrung". Ein Koordinator der Befreiungsaktion glaubt, dass das Schiff durchaus eine verbotene Ladung an Bord gehabt haben könnte, sieht aber die Auftraggeber nicht in russischen Armee- oder Geheimdienstkreisen. Und eine mögliche Zusammenarbeit der Crew mit den Amateur-"Hijackern" wird weiterhin nicht ausgeschlossen.

Anhand von diversen Medienberichten, die mit den Angehörigen der Personen sprachen, die inzwischen der Piraterie beschuldigt werden, kristallisiert sich heraus: Sie waren auf Jobsuche und sie waren keinesfalls die knallharten Profis, wie die Bilder von der Festnahme suggerierten. Wer sie aber anheuerte und wie viele von den Crewmitgliedern in den Coup involviert waren, bleibt unklar.
Ziemlich sicher scheint, dass die über ihren Anwalt verbreitete Darstellung, sie wären vom estnischen Hafen Pärnu aus mit ihrem motorisierten Schlauchboot in See gestartet, völliger Humbug ist.
"Es ist ein kleiner Hafen, jeder der hier rein- und rausfährt, wird in unserem Logbuch festgehalten", sagt der dortige Hafenmeister Riho Prints. "Und falls doch, hätten sie es an einer abseitigen Stelle in der Nacht wagen müssen. Dazu kommt: Die Männer hätten mindestens 500 Liter Treibstoff in dem kleinen Boot mitnehmen müssen, um die Strecke zum angeblichen Überfallsort zu schaffen. Die dortige Tankstelle hätte aber keine erhöhte Spritabgabe an diesem Tag gehabt.
Damit steht ihre Version, die Männer wären vom Kapitän der Arctic Sea zum Bleiben gezwungen worden, ebenfalls auf schwachen Füßen. „Die Angeklagten haben die Besatzungsmitglieder in verschiedene Kajüten gesperrt und sie dort isoliert, so dass sie keinerlei Möglichkeit zum Widerstand hatten“, sagte der Sprecher der russischen Ermittlungsbehörde.
Alle Besatzungsmitglieder?
Es war der 17. Juli abends, als sich sechs Esten in Tallinn sich von ihren Angehörigen verabschiedeten und sich auf den Weg machten. Sie fuhren zum Hafen, möglicherweise nahmen sie die Fähre nach Helsinki. Einer von ihnen, Yevgeny Mironov, dem wegen einer früheren Strafe eine Meldepflicht auferlegt wurde, hatte sich sogar vorher ordnungsgemäß bei der Polizei abgemeldet. Am nächsten Tag machten sich dann Dmitry Savin und Vitaly Lepin aus Litauen auf die Reise, um sich mit den Esten zu treffen. Wo ist nicht belegt.

Mal so gesehen: "Pirat" und "Umweltschützer" Andrej Lunev
(Quelle: Komsomolskaya Pravda)
Es sieht nicht nach einer eigenständig geplanten und durchorganisierten Aktion aus, eher nach einem jener Gelegenheitsjobs, wo man nicht allzuviele Fragen stellen, sondern einfach mit anpacken sollte. Die Mutter von Dmitri Bartenev beteuert in der Zeitung "Komsomolskaya Pravda", die "Piraten" hatten sogar einen ordentlichen Vertrag:

Hasste die See: Komplize Dmitri Bartenev mit seiner Großmutter
(Quelle: Komsomolskaya Pravda)
Das ist der momentane Stand, wenn man den Angehörigen glauben darf, danach verliert sich alles in Spekulationen. Dazu kommt das grandiose Versteckspiel Russlands mit dem Schiff, das "gnädige" Verhalten der NATO und der europäischen Behörden, der massive Geheimdiensteinsatz von angeblich 20 Ländern. Die seltsamen Manöver der Arctic Sea vor dem "Überfall" nicht zu vergessen. Die späte Meldung der Reederei von dem Vorfall an die Behörden.
Die These, dass die Männer unter Eigenregie oder unter fremder Federführung ein Schiff überfallen haben, nur um in einem sehr späten Stadium ein im Vergleich mickriges Lösegeld in Höhe von 1,5 Millionen Dollar zu fordern, vertritt inzwischen fast niemand mehr. Auch nicht der eingangs zitierte namentlich ungenannte Militärexperte, der in der "Komsomolskaya Pravda" zugab, er wisse mehr als er sagen dürfe und gleichzeitig eine unbestimmte baltische Waffenschmuggler-Mafia beschuldigte.
Seiner Ansicht nach sind Waffen in der baltischen See erst dann zugeladen worden, nachdem die Arctic Sea den finnischen Hafen Pietarsaari mit Holz an Bord verlassen hatte. Womöglich noch vor dem "Überfall". Klingt auch nicht sehr plausibel, da technisch wohl ziemlich aufwändig. Der Stopp auf Hoher See Stunden vor dem Einlaufen in den finnischen Hafen und die verrückte Herumkurverei auf dem Rückweg Dutzende Seemeilen vor dem Überfallort Öland sprechen wohl eine komplexere Sprache. Spekulationen kommen und gehen, das Rätsel aber bleibt.
Nach Informationen des russischen Marineexperten Mikhail Vojtenko soll das Schiff nicht direkt nach Noworossijsk geschleppt werden, sondern zuvor noch einen anderen Hafen anlaufen. Nach Angaben der russischen Presse könnte dies Algerien sein, da das Holz ursprünglich für dieses Land bestimmt gewesen sei. Eine Bestätigung gab es nicht. Laut Medien liegt der Frachter extrem tief im Wasser.
Quellen:
"Arctic-Sea"-Seeleute wieder mit Angehörigen vereint
(Sächsische Zeitung, 30.08.2009)
Geheimdienst lässt Besatzung der „Arctic Sea“ frei
(Handelsblatt, 30.08.2009)
'Arctic Sea' was carrying illegal arms, says general
(The Independent, 29.08.2009)
Pirated ship 'had missile cargo'
(The Sun, 28.08.2009)
Newspaper reveals more information about alleged hijackers of Arctic Sea from Latvia (Axis, 28.08.2009)
siehe auch:
Arctic Sea: Platzt das Bömbchen noch?
(WCN, 28.08.2009)
Dieser Artikel erschien erstmalig bei world Content News

Freigelassene Seeleute: "Das Schiff war im Bermuda-Dreieck und die Piraten fütterten uns mit Eiskrem" (Quelle: Life.ru)
Zunächst hielten sich die Matrosen der Arctic Sea über die Geschehnisse reichlich bedeckt. Nicht besonders wohl hätten sie sich bei der Vernehmung gefühlt, sagte einer der Männer. Ansonsten gab es erst einmal keine weiteren Auskünfte. Vier Personen der Besatzung, unter ihnen der Kapitän, halten sich mutmaßlich weiterhin auf der Arctic Sea auf.
Später ließ sich dann wenigster der Ehefrau eines Matrosen entlocken:
"Die Piraten haben ihn böse geschlagen, und ihm einen Finger gebrochen. ... Sie waren die ganze Zeit unter Waffen. Und Sergej sagte zu mir: Es ist nicht nötig, dass Du alles weißt. ...". Auf die Frage was er über die Fracht an Bord der Arctic Sea wisse, sagte die Frau: "Sergei sagte mir, da war nur Holz. Und alle andere Vermutungen über eine verbotene Ladung sind Nonsense" (Quelle: Komsomolskaya Pravda).
Von den russischen Behörden gab es auch 24 Stunden nach der Freilassung noch keine amtliche Verlautbarung.
Gestern noch erhielt das Gerücht um einen möglichen heimlichen Waffentransport neue Nahrung". Ein Koordinator der Befreiungsaktion glaubt, dass das Schiff durchaus eine verbotene Ladung an Bord gehabt haben könnte, sieht aber die Auftraggeber nicht in russischen Armee- oder Geheimdienstkreisen. Und eine mögliche Zusammenarbeit der Crew mit den Amateur-"Hijackern" wird weiterhin nicht ausgeschlossen.

Anhand von diversen Medienberichten, die mit den Angehörigen der Personen sprachen, die inzwischen der Piraterie beschuldigt werden, kristallisiert sich heraus: Sie waren auf Jobsuche und sie waren keinesfalls die knallharten Profis, wie die Bilder von der Festnahme suggerierten. Wer sie aber anheuerte und wie viele von den Crewmitgliedern in den Coup involviert waren, bleibt unklar.
Ziemlich sicher scheint, dass die über ihren Anwalt verbreitete Darstellung, sie wären vom estnischen Hafen Pärnu aus mit ihrem motorisierten Schlauchboot in See gestartet, völliger Humbug ist.
"Es ist ein kleiner Hafen, jeder der hier rein- und rausfährt, wird in unserem Logbuch festgehalten", sagt der dortige Hafenmeister Riho Prints. "Und falls doch, hätten sie es an einer abseitigen Stelle in der Nacht wagen müssen. Dazu kommt: Die Männer hätten mindestens 500 Liter Treibstoff in dem kleinen Boot mitnehmen müssen, um die Strecke zum angeblichen Überfallsort zu schaffen. Die dortige Tankstelle hätte aber keine erhöhte Spritabgabe an diesem Tag gehabt.
Damit steht ihre Version, die Männer wären vom Kapitän der Arctic Sea zum Bleiben gezwungen worden, ebenfalls auf schwachen Füßen. „Die Angeklagten haben die Besatzungsmitglieder in verschiedene Kajüten gesperrt und sie dort isoliert, so dass sie keinerlei Möglichkeit zum Widerstand hatten“, sagte der Sprecher der russischen Ermittlungsbehörde.
Alle Besatzungsmitglieder?
Es war der 17. Juli abends, als sich sechs Esten in Tallinn sich von ihren Angehörigen verabschiedeten und sich auf den Weg machten. Sie fuhren zum Hafen, möglicherweise nahmen sie die Fähre nach Helsinki. Einer von ihnen, Yevgeny Mironov, dem wegen einer früheren Strafe eine Meldepflicht auferlegt wurde, hatte sich sogar vorher ordnungsgemäß bei der Polizei abgemeldet. Am nächsten Tag machten sich dann Dmitry Savin und Vitaly Lepin aus Litauen auf die Reise, um sich mit den Esten zu treffen. Wo ist nicht belegt.

Mal so gesehen: "Pirat" und "Umweltschützer" Andrej Lunev
(Quelle: Komsomolskaya Pravda)
Es sieht nicht nach einer eigenständig geplanten und durchorganisierten Aktion aus, eher nach einem jener Gelegenheitsjobs, wo man nicht allzuviele Fragen stellen, sondern einfach mit anpacken sollte. Die Mutter von Dmitri Bartenev beteuert in der Zeitung "Komsomolskaya Pravda", die "Piraten" hatten sogar einen ordentlichen Vertrag:
"Sie waren immer auf der Suche nach einem Job ... Am 6. oder 7. Juli unterschrieben sie einen Vertrag ... Es war ein Vertrag, ich habe ihn mit eigenen Augen gesehen, er lag dort auf dem Tisch und war in drei Ausführungen in Englisch verfasst. Der Verdienst war 1000 oder 1200 Euros. Dmitri sagte: Wir gehen nach Spanien um für eine Sicherheitsfirma zu arbeiten. Dies stand schon seit Mitte Mai fest, verzögerte sich dann aber noch."

Hasste die See: Komplize Dmitri Bartenev mit seiner Großmutter
(Quelle: Komsomolskaya Pravda)
Das ist der momentane Stand, wenn man den Angehörigen glauben darf, danach verliert sich alles in Spekulationen. Dazu kommt das grandiose Versteckspiel Russlands mit dem Schiff, das "gnädige" Verhalten der NATO und der europäischen Behörden, der massive Geheimdiensteinsatz von angeblich 20 Ländern. Die seltsamen Manöver der Arctic Sea vor dem "Überfall" nicht zu vergessen. Die späte Meldung der Reederei von dem Vorfall an die Behörden.
Die These, dass die Männer unter Eigenregie oder unter fremder Federführung ein Schiff überfallen haben, nur um in einem sehr späten Stadium ein im Vergleich mickriges Lösegeld in Höhe von 1,5 Millionen Dollar zu fordern, vertritt inzwischen fast niemand mehr. Auch nicht der eingangs zitierte namentlich ungenannte Militärexperte, der in der "Komsomolskaya Pravda" zugab, er wisse mehr als er sagen dürfe und gleichzeitig eine unbestimmte baltische Waffenschmuggler-Mafia beschuldigte.
Seiner Ansicht nach sind Waffen in der baltischen See erst dann zugeladen worden, nachdem die Arctic Sea den finnischen Hafen Pietarsaari mit Holz an Bord verlassen hatte. Womöglich noch vor dem "Überfall". Klingt auch nicht sehr plausibel, da technisch wohl ziemlich aufwändig. Der Stopp auf Hoher See Stunden vor dem Einlaufen in den finnischen Hafen und die verrückte Herumkurverei auf dem Rückweg Dutzende Seemeilen vor dem Überfallort Öland sprechen wohl eine komplexere Sprache. Spekulationen kommen und gehen, das Rätsel aber bleibt.
Nach Informationen des russischen Marineexperten Mikhail Vojtenko soll das Schiff nicht direkt nach Noworossijsk geschleppt werden, sondern zuvor noch einen anderen Hafen anlaufen. Nach Angaben der russischen Presse könnte dies Algerien sein, da das Holz ursprünglich für dieses Land bestimmt gewesen sei. Eine Bestätigung gab es nicht. Laut Medien liegt der Frachter extrem tief im Wasser.
Quellen:
"Arctic-Sea"-Seeleute wieder mit Angehörigen vereint
(Sächsische Zeitung, 30.08.2009)
Geheimdienst lässt Besatzung der „Arctic Sea“ frei
(Handelsblatt, 30.08.2009)
'Arctic Sea' was carrying illegal arms, says general
(The Independent, 29.08.2009)
Pirated ship 'had missile cargo'
(The Sun, 28.08.2009)
Newspaper reveals more information about alleged hijackers of Arctic Sea from Latvia (Axis, 28.08.2009)
siehe auch:
Arctic Sea: Platzt das Bömbchen noch?
(WCN, 28.08.2009)

sfux - 30. Aug, 20:14 Article 1752x read