Geld stinkt nicht – oder: Ein Wissenschaftsverlag auf Abwegen?
Dr. Alexander von Paleske
Nicht nur Verlagshäuser wie Gruner und Jahr beschreiten offenbar merkwürdige Wege, die Zweifel am Qualitätsjournalismus aufkommen lassen. Wir berichteten mehrfach darüber.
Auch der Elsevier Verlag , ein hochrenommierter Wissenschaftsverlag mit Schwerpunkt im Medizinbereich, kommt jetzt wohl in den Geruch, eine Art Büttel der Pharmaindustrie zu sein.
Der Elsevier Verlag bringt unter anderem auch die hochangesehene Medizinzeitung LANCET heraus.
Medizinzeitungen als Werbepostillen
Nun beschwerten sich Wissenschaftler der Universität von Adelaide/Australien darüber, dass eine als Medizin-Journal aufgemotzte Medizinzeitung namens „Australasian Journal of Bone and Joint Medicine“ herausgebracht wurde, in welcher unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit Werbung für das von der Firma Merck/USA hergestellte Schmerzmittel Rofecoxib betrieben wurde.
Aber damit nicht genug: Ueber insgesamt neun weitere „Journale“ und die Registrierung von weiteren 13 des Verlags Elsevier, allesamt bestenfalls Werbepostillen der Pharmaindustrie, beschwerten sich Jon Jureidini und Robyn Clothier (LANCET 2009, Vol 374, S. 375).
Und weiter: in dem vom gleichen Verlag herausgebrachten Dienstleistungsarm für die Pharmazeutische Industrie namens Excerpta Medica, rühmt der Verlag sich, ein von einer Pharma- Firma gesponsertes „Blättchen“, für Internisten in Europa und Kanada erfolgreich herausgebracht zu haben.
In erfrischender oder soll man sagen: deprimierender Offenheit, sagt der Verlag, dass man es von einer schmalen und flachen Basis klinischer Forschung entwickelt habe mit dem einzigen Ziel, den Kunden als Marktführer in einem hart umkämpften Markt (für Herzpräparate) zu positionieren.
Reputation als Zugmaschine
Der Gruppen-Manager für Excerpta Medica erklärte ganz offen, dass man den LANCET mit seiner ausgezeichneten Reputation über die von ihm veranstalteten Konferenzen als Vehikel für das eigene Produkt nutzen wolle.
Die australischen Wissenschaftler greifen zu Recht diese widersprüchliche Verlagspolitik an, zumal wohl auch die Gefahr besteht, derartig merkantile Gesichtspunkte könnten ihren Eingang in seriöse Medizinpublikationen wie den LANCET finden.
In einer Stellungnahme dazu distanziert sich Elsevier zwar lauwarm von den Aktivitäten ihrer Zweigniederlassung in Australien, versucht aber die Aktivitäten von Excerpta Medica als Gehilfe der Pharmazeutischen Industrie zu rechtfertigen.
Keine wirklich überzeugende Rechtfertigung.
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Medizinzeitungen als Werbepostillen
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Aber damit nicht genug: Ueber insgesamt neun weitere „Journale“ und die Registrierung von weiteren 13 des Verlags Elsevier, allesamt bestenfalls Werbepostillen der Pharmaindustrie, beschwerten sich Jon Jureidini und Robyn Clothier (LANCET 2009, Vol 374, S. 375).
Und weiter: in dem vom gleichen Verlag herausgebrachten Dienstleistungsarm für die Pharmazeutische Industrie namens Excerpta Medica, rühmt der Verlag sich, ein von einer Pharma- Firma gesponsertes „Blättchen“, für Internisten in Europa und Kanada erfolgreich herausgebracht zu haben.
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Reputation als Zugmaschine
Der Gruppen-Manager für Excerpta Medica erklärte ganz offen, dass man den LANCET mit seiner ausgezeichneten Reputation über die von ihm veranstalteten Konferenzen als Vehikel für das eigene Produkt nutzen wolle.
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Keine wirklich überzeugende Rechtfertigung.




onlinedienst - 15. Nov, 12:09 Article 2144x read