Juju, dead-dead-Träume und die okkulten Ketten der Sexsklaven
Stephan Fuchs – In der Nacht kommt das Entsetzen und Grauen. Zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens liegen die Nerven völlig blank und von Schlaf kann keine Rede sein. Das Licht ist an, die Bibel griffbereit unter dem Kopfkissen. Besser sind zwei oder drei. Eine in Bini, eine in Englisch und die dritte auf Deutsch.

In dieser nächtlichen Zeit, wenn der Körper trotzdem in den Schlaf fällt, kommt er: Eshu! Einer der Gods der westafrikanischen okkulten Welten, des Juju. Der kleine Kerl weiss, dass er in dieser Phase, im Schutze der Dunkelheit und des Schlafes seine Chance hat in den Geist einzudringen. In dieser Zeit ist die mentale Verteidigung ausgeschaltet, die Traumwelt ist offen für das ganze Universum und die gesamte Geisterwelt. Eshu ist ein kleiner, ekelerregender Gnom, der potent an krimineller Energie ist. Er hat alle Tricks auf Lager und vermag jeden zu täuschen. Er ist der Menschenverkäufer und Joker der Unterwelt. Juju ist ein Terminus für den westafrikanischen Spiritualismus, der mit Amuletten, Verwünschungen und bindenden Ritualen Opfer an sich bindet.
Die Angst vor Eshu ist enorm. Gebrechen, Wahn, und selbst den Tod kann er über die Traumwelt zum Opfer tragen. Er bringt Seuche, Armut, Verbitterung, Verstümmelung und Tod über die Familie im fernen Westafrika, über die Freunde und über das Juju Opfer. Folgt man ihm und erfüllt seinen Plan, dann bringt er ungeheuerlichen Reichtum, Respekt und Schutz. Eine gewaltige Hoffnung wird in den God Eshu gelegt, wenn die weite, gefährliche Reise nach Europa unternommen wird. Die Hoffnung liegt zum Teil im ganzen Clan, ja sogar im ganzen Dorf. Eshu und die Gods sind Freund, Beschützer und Vollstrecker in einem.
Über die Indoktrinierungen, die Drohungen, und die Erinnerungen an die Gelübde, die in einem Schrein in Westafrika abgelegt worden sind, finden die Menschenhändler und Madams über den God Eshu die unsichtbaren Ketten um Sklaven zu halten. Die Geisterwelt kennt keine Schranken, keine Grenzen und vor allem keine Gnade. Nicht selten erbrechen die Juju Frauen am Morgen, wenn sie einen Geistertraum erlebt haben. Wird im Traum etwas gegessen, dann ist das ein ganz schlechtes Zeichen. Mit jedem Bissen der durch den Mund in den Magen kommt, wird der Schrecken grösser. Die Dämonen nehmen überhand im Körper und übernehmen die Kontrolle des Geistes. Eshus grauenhafte Warnungen müssen deshalb am Morgen rausgewürgt und rausgekotzt werden, bis der Magen leer gepumpt ist. Die Kolleginnen verstehen das. Es ist eine fast normale, vertraute Situation, und die Macht des Juju ist wieder für lange Zeit gefestigt.
Die Madame gibt den Auftrag
Je nachdem welche Form von Aufgabe oder Schutz ein Opfer braucht, werden Sekrete, Kräuter, Menstrationsblut, Menchen- oder Tierblut und Schamhaare gebraucht. Lebende Tiere werden auseinandergerissen, das Blut auf den Körper gegossen, gespritzt, oder getrunken, und anschliessend mit den anderen Utensilien gemixt. Der Körper wird mit Rasierklingen geritzt oder mit glühenden Gegenständen gebrannt und ein weisses Pulver in die Wunde gerieben. Es hinterlässt auffällige Narben. Somit sind die Gods im Körper und kommen mit auf die Reise. Der Juju Priester fühlt in den dunklen Nächten was das Opfer fühlt. Er sieht mit den Augen und hört mit den Ohren des Opfers. Spricht sie mit der Polizei? Mit Sozialarbeitern? Versucht das Opfer gar aus ihrer Situation auszubrechen, zu fliehen?
Für die Frau auf den Strassen von Turin, Rom, Zürich, Hamburg und Amsterdam ist es keine Frage: Juju ist Realität. Die Angst ist gewaltig. Zu viele Geschichten sind bekannt, da die dead-dead Spirits zugeschlagen haben. Zuhause im Dorf brannte ein Haus. Der Cousin erkrankte an einer seltsamen Krankheit. Die Schwester hat den Verstand verloren, die Kühe schlechtes Wasser getrunken, in Biel ist der Priester, dem man Juju Praktiken nachsagt, am Arbeitsplatz in der Fabrik von einem Betonblock erschlagen worden. Es ist klar: die Vorsehung der Geisterwelt zeichnet die Landkarte des Opfers. Gods formen das Leben und ein Ausbrechen wird bitter und hart bestraft. Es wird so zur Realität. Und diese Lebenskarte zeichnet der Jujupriester in Westafrika im Auftrag des Architekten: Der Madame in Italien.
Die Angst vor dem Zauber – dem Juju – ist real. Mädchen und auch Jungs werden von der Mutterbrust weg zum Okkultismus indoktriniert. Jedes Dorf im westlichen Afrika braucht eine Schuldige. Jemanden, dem der Dorfpriester das Elend und die Schuld zuweisen kann. Am besten geht das, wenn man ein Mädchen als Hexe brandmarkt. Dieses kann man dann verprügeln, vergewaltigen und bestrafen wie es gerade gut passt. Beim Wasserritual wird das Mädchen spirituell mit der Geisterwelt, dem Wassergott vermählt. Während dreier Tage wird das Girl unter Drogen vergewaltigt. Es wird ausgetrieben, die Dämonen im Kind werden bestraft, gebrannt, geätzt, ausgehämmert. Wird sie sechzehn tötet man sie, und die Sünden des ganzen Dorfes sind vergessen. Das ist praktisch. Oder man verkauft sie für Geld an Menschenhändler. Das ist auch praktisch. Im Gegensatz zu Kokain und Kalaschnikows, Dingen die man nur einmal verkauft, lässt sich eine Frau in Europa wieder und wieder und wieder verkaufen. Was für ein Geschäft! Immer mehr werden solche Austreibungen auch in London und Bristol bekannt. Selbst in Biel soll es eine Hintertür-Kirche geben, die Hexen erkennt und austreibt.
Am Morgen, wenn die Ängste vor den Geistern vorbei sind, sind die Nigerianerinnen in den Asylzentren und auf der Strasse wieder wie wir sie kennen: Arrogant, aufgedonnert, aggressiv und rotzfrech. Die meisten von ihnen sind bereits seit Jahren in Europa, vor allem in Italien. In Turin ist eine Hochburg. In Palermo, in Milano, in Genua sind sie. Auch in Moskau. Sie sind aber auch in Biel, in Zürich und in Bern. Es sind nicht jene «Sexarbeiterinnen », die in netten, sauberen TÜV-Bordellen arbeiten. Das Wort Arbeiterin suggeriert, dass eine Arbeit nach staatlich- gesellschaftlichen Verträgen funktioniert. Eine Arbeiterin hat Rechte. Sexarbeiterinnen arbeiten in einem ordentlichen, registrierten Bordell und werden anständig bezahlt. Es ist ein Job.
Diese Frauen aber sind Nutten. Sie sind Sklaven. Sie haben weder Rechte noch Hilfe. Westafrikanerinnen erzählen, wenn sie «zur Erholung» in die Asylstruktur kommen, immer wieder von den Konditionen in Italien: Ungeschützter Geschlechtsverkehr, völlig unhygienische Verhältnisse; Sex am Strassenrand, keine Waschmöglichkeiten, extremer Sadismus mit extrem perversen Praktiken, überraschende und nicht ausgemachte Gangbangs, eigentliche Vergewaltigungen. Frauen erzählen von Drogen, von Verstümmelungen, von brachialer physischer Gewalt, von Verätzungen, Verstümmelungen, Nahtodsexspielen und eigentlichen Exekutionen. Erschossen, erstochen und verbrannt. In der Schweiz wird es wohl nicht anders sein.
Sklavinnen prostituieren sich für eine Madame.
Die Madame ist eine Frau, die sich an die Spitze gearbeitet hat. Sie kontrolliert 4-5 Frauen. Sie lässt die Mädchen in Nigeria rekrutieren. Eventuell lässt sich eine Madame über ihre Tatoos zuordnen. In Italien kann es die Rose am linken Oberarm sein. In Russland ist es eventuell eine markante Tattoo oberhalb des Kreuzes. Die in Deutschland arbeitenden Madames zeichnet etwas Ähnliches wie ein Sonnenrad. Dies ist aber nur eine These, die vielleicht genauso falsch ist wie die Annahme, dass Juju, Witchcraft und Hexerei ein Unsinn sei. Ein Märchen, ein Hoax, etwas für Schwachsinnige.
Ein UNICEF-Bericht schreibt, dass über 95% der Kinder auf den Strassen im Akwa Ibom State in Nigeria von Pastoren als Hexe gebrandmarkt worden sind. 40% dieser Kinder werden gehandelt. Als Arbeitskräfte in den Minen und Ölfeldern, als Haussklaven oder Sexsklaven. 90% der Sexsklaven in Europa, aus Delta oder Edo State, aus Ghana oder Togo wurden vor einen Schrein gezerrt.
Zu den psychischen Störungen, die sich nach einem traumatischen Erlebnis oder nach mehreren Traumata in Folge entwickeln können, schreibt mir eine Psychotherapeutin mit langjährigen Erfahrungen in der Behandlung von Patienten mit (komplexen) posttraumatischen Belastungsstörungen auf Anfrage folgendes: «Typische Symptome dieser Störung sind beispielsweise: Allgemeine Schlafprobleme, Angstträume; körperliche Reaktionen wie Herzklopfen, Schwitzen bei Erinnerung an das Trauma – oder die Traumata: Die meisten Opfer erlitten sequentielle (=sich wiederholende) Traumata – sie leiden daher unter einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung; Angstzustände mit Hyperventilation, die bis zu Ohnmachtsanfällen führen können; starkes Misstrauen gegenüber dem sozialen Umfeld; Spannungszustände, oder auch permanente hohe Anspannung, die zu häufigen und unerträglich starken Kopfschmerzen führen können; dissoziative Zustände, in denen sie z.B. plötzlich zu Boden sinken und in starker Verkrampfung liegen bleiben – dieser Zustand kann einige Zeit andauern; während dem andere Opfer in solchen dissoziativen Zuständen schreien, am ganzen Körper zittern, zucken, sich schütteln oder um sich schlagen, zB. mit der Hand auf den Boden, sich in ihrem Körper verkrampfen, zittern. Sie verlieren während dieser Zeit das Bewusstsein … tauchen dann später wieder in der Gegenwart auf und können sich an nichts erinnern. Andere Opfer irren in einem solchen dissoziativen Zustand in der Gegend umher und kommen plötzlich an einem ganz anderen Ort wieder zu Bewusstsein, ohne zu wissen, wie sie an den aktuellen Ort gekommen sind. Dazu Flashbacks: plötzliche Empfindungen, als ob das Ereignis wieder stattfände, sich wie betäubt fühlen, starke emotionale Dämpfung = sogenanntes Numbing. Aktive Vermeidung von Orten, Situationen, Gesprächen, Gedanken, die an das Trauma oder an die Traumata erinnern könnten. Bei emotionaler Belastung vermag eine solche Person Vergangenheit und Gegenwart nicht mehr klar zu trennen. Es ist ein bekanntes Symptom einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, dass die sequentiellen traumatischen Erlebnisse erst nach und nach in Erinnerung kommen, und dies nicht etwa chronologisch und geordnet, sondern bruchstückhaft und chaotisch, z.T. aufgrund gleicher Gefühle in einem Ereignis zusammengefasst.»
Unter diesen Umständen ist es für Sozialarbeiter, Therapeuten und Ermittelnde Dienste enorm schwierig an Informationen, geschweige denn an die Menschenhändler zu kommen. Es braucht viel Zeit um die Ängste aufzubrechen, das Vertrauen aufzubauen, und das ist nur möglich wenn Witchcraft und Juju ernst genommen werden. Für den Menschenhändler ist es ein gutes Geschäft. Die paar Neiras (nigerianische Franken), die für ein Mädchen an den Stamm bezahlt werden, werfen auf dem Markt einige zehntausend Dollar ab. Eine Frau hat, wenn sie denn Europa lebend erreicht, einen Wert von 60-80’000 Euro: dieses Geld muss sie zurückbezahlen. Das ist der Teil des Deals mit Eshu, und jede Juju Frau wird ihren Part der Abmachung einhalten. Auch wenn es Jahre dauert, der Körper kaputt geht und die Seele in der Hölle der Freier verbrannt ist.
Dieser Artikel erschien erstmalig im ensuite Kulturmagazin
Weiterführende Informationen: www.trafficking.ch

In dieser nächtlichen Zeit, wenn der Körper trotzdem in den Schlaf fällt, kommt er: Eshu! Einer der Gods der westafrikanischen okkulten Welten, des Juju. Der kleine Kerl weiss, dass er in dieser Phase, im Schutze der Dunkelheit und des Schlafes seine Chance hat in den Geist einzudringen. In dieser Zeit ist die mentale Verteidigung ausgeschaltet, die Traumwelt ist offen für das ganze Universum und die gesamte Geisterwelt. Eshu ist ein kleiner, ekelerregender Gnom, der potent an krimineller Energie ist. Er hat alle Tricks auf Lager und vermag jeden zu täuschen. Er ist der Menschenverkäufer und Joker der Unterwelt. Juju ist ein Terminus für den westafrikanischen Spiritualismus, der mit Amuletten, Verwünschungen und bindenden Ritualen Opfer an sich bindet.
Die Angst vor Eshu ist enorm. Gebrechen, Wahn, und selbst den Tod kann er über die Traumwelt zum Opfer tragen. Er bringt Seuche, Armut, Verbitterung, Verstümmelung und Tod über die Familie im fernen Westafrika, über die Freunde und über das Juju Opfer. Folgt man ihm und erfüllt seinen Plan, dann bringt er ungeheuerlichen Reichtum, Respekt und Schutz. Eine gewaltige Hoffnung wird in den God Eshu gelegt, wenn die weite, gefährliche Reise nach Europa unternommen wird. Die Hoffnung liegt zum Teil im ganzen Clan, ja sogar im ganzen Dorf. Eshu und die Gods sind Freund, Beschützer und Vollstrecker in einem.
Über die Indoktrinierungen, die Drohungen, und die Erinnerungen an die Gelübde, die in einem Schrein in Westafrika abgelegt worden sind, finden die Menschenhändler und Madams über den God Eshu die unsichtbaren Ketten um Sklaven zu halten. Die Geisterwelt kennt keine Schranken, keine Grenzen und vor allem keine Gnade. Nicht selten erbrechen die Juju Frauen am Morgen, wenn sie einen Geistertraum erlebt haben. Wird im Traum etwas gegessen, dann ist das ein ganz schlechtes Zeichen. Mit jedem Bissen der durch den Mund in den Magen kommt, wird der Schrecken grösser. Die Dämonen nehmen überhand im Körper und übernehmen die Kontrolle des Geistes. Eshus grauenhafte Warnungen müssen deshalb am Morgen rausgewürgt und rausgekotzt werden, bis der Magen leer gepumpt ist. Die Kolleginnen verstehen das. Es ist eine fast normale, vertraute Situation, und die Macht des Juju ist wieder für lange Zeit gefestigt.
Die Madame gibt den Auftrag
Je nachdem welche Form von Aufgabe oder Schutz ein Opfer braucht, werden Sekrete, Kräuter, Menstrationsblut, Menchen- oder Tierblut und Schamhaare gebraucht. Lebende Tiere werden auseinandergerissen, das Blut auf den Körper gegossen, gespritzt, oder getrunken, und anschliessend mit den anderen Utensilien gemixt. Der Körper wird mit Rasierklingen geritzt oder mit glühenden Gegenständen gebrannt und ein weisses Pulver in die Wunde gerieben. Es hinterlässt auffällige Narben. Somit sind die Gods im Körper und kommen mit auf die Reise. Der Juju Priester fühlt in den dunklen Nächten was das Opfer fühlt. Er sieht mit den Augen und hört mit den Ohren des Opfers. Spricht sie mit der Polizei? Mit Sozialarbeitern? Versucht das Opfer gar aus ihrer Situation auszubrechen, zu fliehen?
Für die Frau auf den Strassen von Turin, Rom, Zürich, Hamburg und Amsterdam ist es keine Frage: Juju ist Realität. Die Angst ist gewaltig. Zu viele Geschichten sind bekannt, da die dead-dead Spirits zugeschlagen haben. Zuhause im Dorf brannte ein Haus. Der Cousin erkrankte an einer seltsamen Krankheit. Die Schwester hat den Verstand verloren, die Kühe schlechtes Wasser getrunken, in Biel ist der Priester, dem man Juju Praktiken nachsagt, am Arbeitsplatz in der Fabrik von einem Betonblock erschlagen worden. Es ist klar: die Vorsehung der Geisterwelt zeichnet die Landkarte des Opfers. Gods formen das Leben und ein Ausbrechen wird bitter und hart bestraft. Es wird so zur Realität. Und diese Lebenskarte zeichnet der Jujupriester in Westafrika im Auftrag des Architekten: Der Madame in Italien.
Die Angst vor dem Zauber – dem Juju – ist real. Mädchen und auch Jungs werden von der Mutterbrust weg zum Okkultismus indoktriniert. Jedes Dorf im westlichen Afrika braucht eine Schuldige. Jemanden, dem der Dorfpriester das Elend und die Schuld zuweisen kann. Am besten geht das, wenn man ein Mädchen als Hexe brandmarkt. Dieses kann man dann verprügeln, vergewaltigen und bestrafen wie es gerade gut passt. Beim Wasserritual wird das Mädchen spirituell mit der Geisterwelt, dem Wassergott vermählt. Während dreier Tage wird das Girl unter Drogen vergewaltigt. Es wird ausgetrieben, die Dämonen im Kind werden bestraft, gebrannt, geätzt, ausgehämmert. Wird sie sechzehn tötet man sie, und die Sünden des ganzen Dorfes sind vergessen. Das ist praktisch. Oder man verkauft sie für Geld an Menschenhändler. Das ist auch praktisch. Im Gegensatz zu Kokain und Kalaschnikows, Dingen die man nur einmal verkauft, lässt sich eine Frau in Europa wieder und wieder und wieder verkaufen. Was für ein Geschäft! Immer mehr werden solche Austreibungen auch in London und Bristol bekannt. Selbst in Biel soll es eine Hintertür-Kirche geben, die Hexen erkennt und austreibt.
Am Morgen, wenn die Ängste vor den Geistern vorbei sind, sind die Nigerianerinnen in den Asylzentren und auf der Strasse wieder wie wir sie kennen: Arrogant, aufgedonnert, aggressiv und rotzfrech. Die meisten von ihnen sind bereits seit Jahren in Europa, vor allem in Italien. In Turin ist eine Hochburg. In Palermo, in Milano, in Genua sind sie. Auch in Moskau. Sie sind aber auch in Biel, in Zürich und in Bern. Es sind nicht jene «Sexarbeiterinnen », die in netten, sauberen TÜV-Bordellen arbeiten. Das Wort Arbeiterin suggeriert, dass eine Arbeit nach staatlich- gesellschaftlichen Verträgen funktioniert. Eine Arbeiterin hat Rechte. Sexarbeiterinnen arbeiten in einem ordentlichen, registrierten Bordell und werden anständig bezahlt. Es ist ein Job.
Diese Frauen aber sind Nutten. Sie sind Sklaven. Sie haben weder Rechte noch Hilfe. Westafrikanerinnen erzählen, wenn sie «zur Erholung» in die Asylstruktur kommen, immer wieder von den Konditionen in Italien: Ungeschützter Geschlechtsverkehr, völlig unhygienische Verhältnisse; Sex am Strassenrand, keine Waschmöglichkeiten, extremer Sadismus mit extrem perversen Praktiken, überraschende und nicht ausgemachte Gangbangs, eigentliche Vergewaltigungen. Frauen erzählen von Drogen, von Verstümmelungen, von brachialer physischer Gewalt, von Verätzungen, Verstümmelungen, Nahtodsexspielen und eigentlichen Exekutionen. Erschossen, erstochen und verbrannt. In der Schweiz wird es wohl nicht anders sein.
Sklavinnen prostituieren sich für eine Madame.
Die Madame ist eine Frau, die sich an die Spitze gearbeitet hat. Sie kontrolliert 4-5 Frauen. Sie lässt die Mädchen in Nigeria rekrutieren. Eventuell lässt sich eine Madame über ihre Tatoos zuordnen. In Italien kann es die Rose am linken Oberarm sein. In Russland ist es eventuell eine markante Tattoo oberhalb des Kreuzes. Die in Deutschland arbeitenden Madames zeichnet etwas Ähnliches wie ein Sonnenrad. Dies ist aber nur eine These, die vielleicht genauso falsch ist wie die Annahme, dass Juju, Witchcraft und Hexerei ein Unsinn sei. Ein Märchen, ein Hoax, etwas für Schwachsinnige.
Ein UNICEF-Bericht schreibt, dass über 95% der Kinder auf den Strassen im Akwa Ibom State in Nigeria von Pastoren als Hexe gebrandmarkt worden sind. 40% dieser Kinder werden gehandelt. Als Arbeitskräfte in den Minen und Ölfeldern, als Haussklaven oder Sexsklaven. 90% der Sexsklaven in Europa, aus Delta oder Edo State, aus Ghana oder Togo wurden vor einen Schrein gezerrt.
Zu den psychischen Störungen, die sich nach einem traumatischen Erlebnis oder nach mehreren Traumata in Folge entwickeln können, schreibt mir eine Psychotherapeutin mit langjährigen Erfahrungen in der Behandlung von Patienten mit (komplexen) posttraumatischen Belastungsstörungen auf Anfrage folgendes: «Typische Symptome dieser Störung sind beispielsweise: Allgemeine Schlafprobleme, Angstträume; körperliche Reaktionen wie Herzklopfen, Schwitzen bei Erinnerung an das Trauma – oder die Traumata: Die meisten Opfer erlitten sequentielle (=sich wiederholende) Traumata – sie leiden daher unter einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung; Angstzustände mit Hyperventilation, die bis zu Ohnmachtsanfällen führen können; starkes Misstrauen gegenüber dem sozialen Umfeld; Spannungszustände, oder auch permanente hohe Anspannung, die zu häufigen und unerträglich starken Kopfschmerzen führen können; dissoziative Zustände, in denen sie z.B. plötzlich zu Boden sinken und in starker Verkrampfung liegen bleiben – dieser Zustand kann einige Zeit andauern; während dem andere Opfer in solchen dissoziativen Zuständen schreien, am ganzen Körper zittern, zucken, sich schütteln oder um sich schlagen, zB. mit der Hand auf den Boden, sich in ihrem Körper verkrampfen, zittern. Sie verlieren während dieser Zeit das Bewusstsein … tauchen dann später wieder in der Gegenwart auf und können sich an nichts erinnern. Andere Opfer irren in einem solchen dissoziativen Zustand in der Gegend umher und kommen plötzlich an einem ganz anderen Ort wieder zu Bewusstsein, ohne zu wissen, wie sie an den aktuellen Ort gekommen sind. Dazu Flashbacks: plötzliche Empfindungen, als ob das Ereignis wieder stattfände, sich wie betäubt fühlen, starke emotionale Dämpfung = sogenanntes Numbing. Aktive Vermeidung von Orten, Situationen, Gesprächen, Gedanken, die an das Trauma oder an die Traumata erinnern könnten. Bei emotionaler Belastung vermag eine solche Person Vergangenheit und Gegenwart nicht mehr klar zu trennen. Es ist ein bekanntes Symptom einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, dass die sequentiellen traumatischen Erlebnisse erst nach und nach in Erinnerung kommen, und dies nicht etwa chronologisch und geordnet, sondern bruchstückhaft und chaotisch, z.T. aufgrund gleicher Gefühle in einem Ereignis zusammengefasst.»
Unter diesen Umständen ist es für Sozialarbeiter, Therapeuten und Ermittelnde Dienste enorm schwierig an Informationen, geschweige denn an die Menschenhändler zu kommen. Es braucht viel Zeit um die Ängste aufzubrechen, das Vertrauen aufzubauen, und das ist nur möglich wenn Witchcraft und Juju ernst genommen werden. Für den Menschenhändler ist es ein gutes Geschäft. Die paar Neiras (nigerianische Franken), die für ein Mädchen an den Stamm bezahlt werden, werfen auf dem Markt einige zehntausend Dollar ab. Eine Frau hat, wenn sie denn Europa lebend erreicht, einen Wert von 60-80’000 Euro: dieses Geld muss sie zurückbezahlen. Das ist der Teil des Deals mit Eshu, und jede Juju Frau wird ihren Part der Abmachung einhalten. Auch wenn es Jahre dauert, der Körper kaputt geht und die Seele in der Hölle der Freier verbrannt ist.


sfux - 17. Mär, 19:32 Article 2695x read