Portugiesische Grossbank Espirito Santo in der Krise: die Spuren führen auch nach Angola
Dr. Alexander von Paleske ---- 20.7. 2014 ----
Die schlechten Nachrichten aus Portugal über die krisengeschüttelte portugiesische Bank und grösste Privatbank des Landes, Banco Espirito Santo bzw. einem der grössten Anteilseigner, mit der Gefahr einer neuen europäischen Bankenkrise, reissen nicht ab.

Krisenbank Espirito Santo
Insolvenzantrag folgt auf Insolvenzantrag
Gestern sickerte durch, dass die Holding Espirito Santo International (ESI), die über Untergesellschaften 20,1% der Anteile an der Bank hält, Insolvenz in Luxemburg, dem Sitz der Holding, angemeldet hat. Keine Überraschung.
Bereits zuvor hatte die Tochtergesellschaft von ESI, Rioforte , in der vergangenen Woche Insolvenz anmelden müssen, und Gläubigerschutz beantragt.
Rio Forte, ebenfalls in Luxemburg beheimatet, hatte eine Schuld von 897 Mio. € bei der Portugal Telekom (PT) nicht zurückzahlen können, was sich prompt auf die Position der Telefongesellschaft bei der eingefädelten Fusion zwischen der PT und ihrem brasilianischen Partner, Oi auswirkte.

Rioforte ........kann nicht zahlen
Der erste Domino-Effekt, bei dem es allerdings kaum bleiben dürfte.
Schon hat die japanische Bank Nomura einen der Banco Esperito Santo gewährten Kredit über 100 Millionen fällig gestellt, wie Bloomberg berichtete
Ein Blick zurück
Die Grossbank Esperito Santo, deren Wurzeln bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen, diente während der faschistischen Diktatur unter Salazar und dann Caetano als Hausbank der Regierung, und war eine wichtige finanzielle wichtige Stütze der brutalen kolonialen Ausbeutung in Afrika (Angola, Mozambique, Guinea Bissau).
Sie ölte damit ebenso den staatlichen Unterdrückungsapparat, zu dem auch Folter und Morde seitens der Geheimpolizei PIDE gehörten.
Die Nelkenrevolution von 1974, die gerade ihr 40 jähriges Jubiläum feierte – wir berichteten darüber – bereitete dem faschistischen Spuk ein Ende, und ebenso der Eigentümerschaft der Familie Espirito Santo.
Deren Bank war sozusagen eines der sichtbarsten Symbole des verhassten faschistischen Unterdrückerststaates- - und wurde prompt verstaatlicht.
Unheiliger Geist
Der Eigentümer-Familie, mit dem etwas irreführenden Namen Espirito Santo (übersetzt Heiliger Geist) - einem Name der kaum ihre Nähe zum Faschismus vermuten liess - wurde fortan jegliche weitere unternehmerische Tätigkeit in Portugal untersagt.
Die „Heiligen Geister“ blieben aber in der Folgezeit keineswegs untätig – ausserhalb Portugals.
Sie gründeten in Luxemburg eine Holding, unter der sie ihre Unternehmen ausserhalb Portugals im Minen und Finanzbereich zusammenfassten.
Nachdem der revolutionäre Elan in Portugal abgeflaut, und die sozialistischen Ideen verflogen waren, kehrte die Familie Espirito Santo 1986 auch geschäftlich wieder nach Portugal zurück.
Heim ins Familien-Reich
In Portugal rollte die Privatisierungswelle, und so kam auch die Banco Espirito Santo „Heim ins Familien-Reich“. Teilweise jedenfalls: mit 25,1%.
Die Bank stieg zur grössten Privatbank Portugals auf.

Wirbt für die Krisenbank: Fussballer Ronaldo
Im Juni 2014 geriet diese Grossbank in die Schlagzeilen – nicht zum ersten Mal: Die Gruppe Espírito Santo, die Bank, oder aber namhafte Vertreter der Heilig-Geist-Familie waren schon öfter wegen Affären um finanzielle und steuerliche Praktiken und mutmassliche Korruption ins Gerede geraten. .
Ein Blick auf die Verflechtungen
- Über allem das Konglomerat Espirito Santo International (ESI)
- Dazu gehört zu 100% Rio Forte. Deren Geschäftsbereich: Immobilien, Tourismus, und Minen-Service - kein Finanzservice.
- Finanz-Service ist das Geschäftsfeld der >Espirito Santo Financial Group, das Finanzvehikel sozusagen; die gehört zu 49 Prozent der Espirito Santo Irmaos SGPS SA, die wiederum vollständig der Rioforte Investments SA gehört. Der Rest der Aktien des Finanzvehikels ist börsennotiert und breit gestreut.
- Die Esperito Santo Financial Group wiederum hält 20,1% an der besagten Bank Espirito Santo, und 9,95% an der Portugal Telekom, deren Anleihen gerade auf Ramschniveau herabgestuft wurden. .
Finanzvehikel gerät in Schwierigkeiten
Im März war dieses Finanzvehikel ESFG von der portugiesischen Zentralbank zu Rückstellungen von 700 Mio. € verpflichtet worden, um die Erstattung einer Anleihe zu sichern.
Aber das war nicht das Ende, sondern eher der Anfang, denn
Espirito Santo Financial Group SA (ESFG), ließ am Donnerstag vergangener Woche ihre Aktien und börsennotierten Wertpapiere in Luxemburg und an der Euronext vom Handel aussetzen, und begründete dies mit "anhaltenden erheblichen Schwierigkeiten" bei Espirito Santo International SA, ihrem größten Aktionär.

Finanzvehikel ESFG ----Aktienhandel ausgesetzt.
Die „Schwierigkeiten“ der Mutter aller Heiligen Geister waren offenbar riesig, denn sie musste am vergangenen Freitag Insolvenz anmelden. Nach Medienberichten soll die ESI mit 7 Milliarden Euro in der Kreide stehen. Das ganze verschachtelte Gebäude droht daher einzustürzen.
Verschachtelt und verbandelt
Santo Espirito International (ESI), die Holding, ist mit der Bank gleichen Namens nicht nur eigentümermässig verbandelt, sondern die Bank hat wohl auch erhebliche Kredite der ESI und deren Töchtern gewährt bzw. deren Anleihen gezeichnet.
Seid verschwunden, Multimillionen?
Wie die Bank am Donnerstag mitteilte, halten ihre Retail-Kunden Commercial Papers (CP) von Espirito Santo Internationalim Volumen von 255 Mio. Euro, des weiteren Commercial Papers die von Rioforte emittiert wurden, im Volumen von 342 Mio. Euro, 44 Mio. Euro in CP von Rioforte-Tochtergesellschaften, sowie CP und Anleihen im Volumen von 212 Mio. Euro von Espirito Santo Financial Groiup und deren Tochtergesellschaften.
Rückzahlung bzw. Einlösung fraglich.
Noch genug Polster?
Aber noch hat die Bank ja angeblich genügend Polster, um diese Verluste zu verschmerzen. Das wird sich alsbald zeigen. Es ist keineswegs sicher, dass der Sinkflug des Konglomerats ESI die heiliggeistige Bank nicht ebenfalls in Absturzgefahr bringt, und damit die Gefahr einer neuerlichen Bankenkrise in Europa heraufbeschwört..
Eine Bank in Angola
Ungemach droht der Banco Esperito Santo auch noch in Angola. Dort ist eine Tochter beheimatet, die offenbar recht unsolide wirtschaftete: 6,5 Milliarden US Dollar offenbar nicht einbringbarer Aussenstände, sprich: Miese, wie der investigative angolanische Journalist Rafael Marques de Morais berichtetete.

Rafael Marques de Morais
Das kam so:
Im Jahre 2001 ging es heiliggeistmässig nach Angola, ehemalige portugiesische Kolonie, Dort stand der 27 jährige Bürgerkrieg kurz vor seinem Ende. Dort gibt es Rohstoffe in Hülle und Fülle, insbesondere Erdöl und Diamanten. Dort gibt es aber auch eine kleptokratische Regierungsclique mit besonders tiefen Taschen, angeführt von dem Präsidenten Jose Eduardo dos Santos, aktiv unterstützt von seiner Tochter Isabel.
Diese Dame ist mittlerweile zur reichsten Frau Afrikas aufgestiegen. Details zu ihrem Reichtum, insbesondere auch ihren zahllosen Investitionen in Portugal, finden sich hier und hier.
Gefährliches Pflaster
Ein gefährliches Pflaster also. Zum Chef dieser Niederlassung wurde ein illustrer Herr namens Alvaro Sobrinho bestellt, dessen besondere Qualifikation offenbar seine Nähe zur kleptokratischen Elite war.

Angolanische Niederlassung ....gefährliches Pflaster
Seine Hauptaufgabe sah Sobrinho offenbar darin, ein Füllhorn über Politikern auszuschütten. .
In den 12 Jahren seiner Regentschaft summierten sich die faulen Polit-Kredite - oftmals liess sich gar nicht nachvollziehen, wer hier was bekommen hatte - auf die sagenhafte Summe von 6,5 Milliarden US Dollar. Rückzahlung: Fehlanzeige.
500 Millionen davon gingen z.B. so mal eben über den Ladentisch an einen Eugenio Neto, Verwandter des ersten Staatspräsidenten Angolas, Agostinho Neto. Dieser Herr ist Chef der angolanischen Niederlassung der zu Espirito Santo International gehörenden Firma ESCOM (Espirito Santo Conselho Estratégico ), wie der investigative Journalist Rafael Marques auf seinem Blog Makaangola berichtete.
In die ESCOM- Stammfirma hatte auch die Präsidententochter Isabel ein paar Millionen investiert, wie praktisch.
Auch sich bedacht
Auch sich selbst vergass dieser rührige Bankmanager Sobrinho natürlich nicht: 200 Millionen US Dollar kreditierte er sich selbst.

Alvaro Sobrinho ....sich selbst bedacht
Mit diesem Batzen Geld ging er auf Einkaufstour in Portugal, wie die Regierungs-Kleptokraten auch. Die Medien dort hatten es ihm besonders angetan, so besitzt er heute die Wochenzeitung Sol, 15% Anteile am Medienhaus Cofina, ausserdem ein Aktienpaket in einem weiteren Medienhaus. Wie schön.
Nun hat die angolanische Niederlassung der Banco Espirito Santo einen neuen Chef, Antonio Paulo Kassoma , ehemals Premier Angolas und Mitglied des Politbüros der regierenden MPLA, was die Eintreibung ausstehender Polit-Kredite kaum erleichtern dürfte. Wie praktisch.
Als das gähnende Finanzloch sich auftat, von dem die Bankenmutter in Portugal sich überrascht zeigte, was wiederum einige Rückschlüsse zulässt, reiste der Chef der Heilig-Geist-Mutterbank und Urenkel des Gründer der Banco Espirito Santo, Ricardo Salgado – mittlerweile auf Drängen der portugiesischen Regierung im Juni abgehalftert - zum angolanischen Präsidenten dos Santos. Dort bat er flehentlich um Staatsgarantien, um die Riesenpleite des angolanischen Finanz-Selbstbedienungsladens zu verhindern, an dem die Mutterbank immerhin zu 51,94% beteiligt ist.

Ricardo Salgado .......bat flehentlich um Staatsbürgschaften
Die nächsten Tage und Wochen dürften zeigen, ob noch weitere Dominosteine in Europa fallen werden, oder ob sich der Schaden auf Portugal und den gebeutelten portugiesischen Steuerzahler begrenzen lässt.
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Insolvenzantrag folgt auf Insolvenzantrag
Gestern sickerte durch, dass die Holding Espirito Santo International (ESI), die über Untergesellschaften 20,1% der Anteile an der Bank hält, Insolvenz in Luxemburg, dem Sitz der Holding, angemeldet hat. Keine Überraschung.
Bereits zuvor hatte die Tochtergesellschaft von ESI, Rioforte , in der vergangenen Woche Insolvenz anmelden müssen, und Gläubigerschutz beantragt.
Rio Forte, ebenfalls in Luxemburg beheimatet, hatte eine Schuld von 897 Mio. € bei der Portugal Telekom (PT) nicht zurückzahlen können, was sich prompt auf die Position der Telefongesellschaft bei der eingefädelten Fusion zwischen der PT und ihrem brasilianischen Partner, Oi auswirkte.

Rioforte ........kann nicht zahlen
Der erste Domino-Effekt, bei dem es allerdings kaum bleiben dürfte.
Schon hat die japanische Bank Nomura einen der Banco Esperito Santo gewährten Kredit über 100 Millionen fällig gestellt, wie Bloomberg berichtete
Ein Blick zurück
Die Grossbank Esperito Santo, deren Wurzeln bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen, diente während der faschistischen Diktatur unter Salazar und dann Caetano als Hausbank der Regierung, und war eine wichtige finanzielle wichtige Stütze der brutalen kolonialen Ausbeutung in Afrika (Angola, Mozambique, Guinea Bissau).
Sie ölte damit ebenso den staatlichen Unterdrückungsapparat, zu dem auch Folter und Morde seitens der Geheimpolizei PIDE gehörten.
Die Nelkenrevolution von 1974, die gerade ihr 40 jähriges Jubiläum feierte – wir berichteten darüber – bereitete dem faschistischen Spuk ein Ende, und ebenso der Eigentümerschaft der Familie Espirito Santo.
Deren Bank war sozusagen eines der sichtbarsten Symbole des verhassten faschistischen Unterdrückerststaates- - und wurde prompt verstaatlicht.
Unheiliger Geist
Der Eigentümer-Familie, mit dem etwas irreführenden Namen Espirito Santo (übersetzt Heiliger Geist) - einem Name der kaum ihre Nähe zum Faschismus vermuten liess - wurde fortan jegliche weitere unternehmerische Tätigkeit in Portugal untersagt.
Die „Heiligen Geister“ blieben aber in der Folgezeit keineswegs untätig – ausserhalb Portugals.
Sie gründeten in Luxemburg eine Holding, unter der sie ihre Unternehmen ausserhalb Portugals im Minen und Finanzbereich zusammenfassten.
Nachdem der revolutionäre Elan in Portugal abgeflaut, und die sozialistischen Ideen verflogen waren, kehrte die Familie Espirito Santo 1986 auch geschäftlich wieder nach Portugal zurück.
Heim ins Familien-Reich
In Portugal rollte die Privatisierungswelle, und so kam auch die Banco Espirito Santo „Heim ins Familien-Reich“. Teilweise jedenfalls: mit 25,1%.
Die Bank stieg zur grössten Privatbank Portugals auf.

Wirbt für die Krisenbank: Fussballer Ronaldo
Im Juni 2014 geriet diese Grossbank in die Schlagzeilen – nicht zum ersten Mal: Die Gruppe Espírito Santo, die Bank, oder aber namhafte Vertreter der Heilig-Geist-Familie waren schon öfter wegen Affären um finanzielle und steuerliche Praktiken und mutmassliche Korruption ins Gerede geraten. .
Ein Blick auf die Verflechtungen
- Über allem das Konglomerat Espirito Santo International (ESI)
- Dazu gehört zu 100% Rio Forte. Deren Geschäftsbereich: Immobilien, Tourismus, und Minen-Service - kein Finanzservice.
- Finanz-Service ist das Geschäftsfeld der >Espirito Santo Financial Group, das Finanzvehikel sozusagen; die gehört zu 49 Prozent der Espirito Santo Irmaos SGPS SA, die wiederum vollständig der Rioforte Investments SA gehört. Der Rest der Aktien des Finanzvehikels ist börsennotiert und breit gestreut.
- Die Esperito Santo Financial Group wiederum hält 20,1% an der besagten Bank Espirito Santo, und 9,95% an der Portugal Telekom, deren Anleihen gerade auf Ramschniveau herabgestuft wurden. .
Finanzvehikel gerät in Schwierigkeiten
Im März war dieses Finanzvehikel ESFG von der portugiesischen Zentralbank zu Rückstellungen von 700 Mio. € verpflichtet worden, um die Erstattung einer Anleihe zu sichern.
Aber das war nicht das Ende, sondern eher der Anfang, denn
Espirito Santo Financial Group SA (ESFG), ließ am Donnerstag vergangener Woche ihre Aktien und börsennotierten Wertpapiere in Luxemburg und an der Euronext vom Handel aussetzen, und begründete dies mit "anhaltenden erheblichen Schwierigkeiten" bei Espirito Santo International SA, ihrem größten Aktionär.

Finanzvehikel ESFG ----Aktienhandel ausgesetzt.
Die „Schwierigkeiten“ der Mutter aller Heiligen Geister waren offenbar riesig, denn sie musste am vergangenen Freitag Insolvenz anmelden. Nach Medienberichten soll die ESI mit 7 Milliarden Euro in der Kreide stehen. Das ganze verschachtelte Gebäude droht daher einzustürzen.
Verschachtelt und verbandelt
Santo Espirito International (ESI), die Holding, ist mit der Bank gleichen Namens nicht nur eigentümermässig verbandelt, sondern die Bank hat wohl auch erhebliche Kredite der ESI und deren Töchtern gewährt bzw. deren Anleihen gezeichnet.
Seid verschwunden, Multimillionen?
Wie die Bank am Donnerstag mitteilte, halten ihre Retail-Kunden Commercial Papers (CP) von Espirito Santo Internationalim Volumen von 255 Mio. Euro, des weiteren Commercial Papers die von Rioforte emittiert wurden, im Volumen von 342 Mio. Euro, 44 Mio. Euro in CP von Rioforte-Tochtergesellschaften, sowie CP und Anleihen im Volumen von 212 Mio. Euro von Espirito Santo Financial Groiup und deren Tochtergesellschaften.
Rückzahlung bzw. Einlösung fraglich.
Noch genug Polster?
Aber noch hat die Bank ja angeblich genügend Polster, um diese Verluste zu verschmerzen. Das wird sich alsbald zeigen. Es ist keineswegs sicher, dass der Sinkflug des Konglomerats ESI die heiliggeistige Bank nicht ebenfalls in Absturzgefahr bringt, und damit die Gefahr einer neuerlichen Bankenkrise in Europa heraufbeschwört..
Eine Bank in Angola
Ungemach droht der Banco Esperito Santo auch noch in Angola. Dort ist eine Tochter beheimatet, die offenbar recht unsolide wirtschaftete: 6,5 Milliarden US Dollar offenbar nicht einbringbarer Aussenstände, sprich: Miese, wie der investigative angolanische Journalist Rafael Marques de Morais berichtetete.

Rafael Marques de Morais
Das kam so:
Im Jahre 2001 ging es heiliggeistmässig nach Angola, ehemalige portugiesische Kolonie, Dort stand der 27 jährige Bürgerkrieg kurz vor seinem Ende. Dort gibt es Rohstoffe in Hülle und Fülle, insbesondere Erdöl und Diamanten. Dort gibt es aber auch eine kleptokratische Regierungsclique mit besonders tiefen Taschen, angeführt von dem Präsidenten Jose Eduardo dos Santos, aktiv unterstützt von seiner Tochter Isabel.
Diese Dame ist mittlerweile zur reichsten Frau Afrikas aufgestiegen. Details zu ihrem Reichtum, insbesondere auch ihren zahllosen Investitionen in Portugal, finden sich hier und hier.
Gefährliches Pflaster
Ein gefährliches Pflaster also. Zum Chef dieser Niederlassung wurde ein illustrer Herr namens Alvaro Sobrinho bestellt, dessen besondere Qualifikation offenbar seine Nähe zur kleptokratischen Elite war.

Angolanische Niederlassung ....gefährliches Pflaster
Seine Hauptaufgabe sah Sobrinho offenbar darin, ein Füllhorn über Politikern auszuschütten. .
In den 12 Jahren seiner Regentschaft summierten sich die faulen Polit-Kredite - oftmals liess sich gar nicht nachvollziehen, wer hier was bekommen hatte - auf die sagenhafte Summe von 6,5 Milliarden US Dollar. Rückzahlung: Fehlanzeige.
500 Millionen davon gingen z.B. so mal eben über den Ladentisch an einen Eugenio Neto, Verwandter des ersten Staatspräsidenten Angolas, Agostinho Neto. Dieser Herr ist Chef der angolanischen Niederlassung der zu Espirito Santo International gehörenden Firma ESCOM (Espirito Santo Conselho Estratégico ), wie der investigative Journalist Rafael Marques auf seinem Blog Makaangola berichtete.
In die ESCOM- Stammfirma hatte auch die Präsidententochter Isabel ein paar Millionen investiert, wie praktisch.
Auch sich bedacht
Auch sich selbst vergass dieser rührige Bankmanager Sobrinho natürlich nicht: 200 Millionen US Dollar kreditierte er sich selbst.

Alvaro Sobrinho ....sich selbst bedacht
Mit diesem Batzen Geld ging er auf Einkaufstour in Portugal, wie die Regierungs-Kleptokraten auch. Die Medien dort hatten es ihm besonders angetan, so besitzt er heute die Wochenzeitung Sol, 15% Anteile am Medienhaus Cofina, ausserdem ein Aktienpaket in einem weiteren Medienhaus. Wie schön.
Nun hat die angolanische Niederlassung der Banco Espirito Santo einen neuen Chef, Antonio Paulo Kassoma , ehemals Premier Angolas und Mitglied des Politbüros der regierenden MPLA, was die Eintreibung ausstehender Polit-Kredite kaum erleichtern dürfte. Wie praktisch.
Als das gähnende Finanzloch sich auftat, von dem die Bankenmutter in Portugal sich überrascht zeigte, was wiederum einige Rückschlüsse zulässt, reiste der Chef der Heilig-Geist-Mutterbank und Urenkel des Gründer der Banco Espirito Santo, Ricardo Salgado – mittlerweile auf Drängen der portugiesischen Regierung im Juni abgehalftert - zum angolanischen Präsidenten dos Santos. Dort bat er flehentlich um Staatsgarantien, um die Riesenpleite des angolanischen Finanz-Selbstbedienungsladens zu verhindern, an dem die Mutterbank immerhin zu 51,94% beteiligt ist.

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onlinedienst - 20. Jul, 08:58 Article 3192x read