“Syrifizierung” des Ukrainekrieges, „General Winter“ und wie der Krieg beendet werden könnte
Dr. Alexander von Paleske —- 28.11. 2022 —–
Russland bombardiert unablässig die Infrastruktur der Ukraine, insbesondere die Elektrizitätsversorgung. Dadurch wird auch die Versorgung mit Trinkwasser schwer beeinträchtigt, und jetzt kommt auch noch ein strenger Winter hinzu.
Insofern ähnelt das alles der Taktik Russlands im Syrienkrieg mit der Bombardierung der mehrheitlich von Sunniten bewohnten Städten, in denen der Aufstand gegen das Assad- Regime begann. Systematisch wurden Wohngebäude, Krankenhäuser und sonstige Infrastruktur angegriffen, dann die Städte eingekesselt, aus denen schliesslich die sunnitische Bevölkerung abziehen musste, und entweder in die Türkei flüchtete, oder aber in die syrische Provinz Idlib.
Dieses menschenverachtende Vorgehen Russlands kam und kommt auch im Ukrainekrieg zum Einsatz.
Plan A gescheitert.
Russlands Präsident Putin hat ganz offensichtlich seinen ursprünglichen Plan, die Ukraine zu erobern, um sie zu „befreien”, aufgegeben.
Obgleich die Ukraine die Rechte der russischen Minderheit, z.B. in Odessa, mit Füssen trat, die Korruption im ganzen Land auf Autopilot lief, sahen die Ukrainer keineswegs in der ungebetenen “Bruderhilfe” aus Moskau die Lösung, sondern in der Eigenständigkeit. Der Zusammenschluss der Bevölkerung gegen die russischen Invasoren war die logische Folge.
Nach Plan A
Nachdem Plan A, der Sieg über die gesamte Ukraine, vor Kiew unter sehr hohen russischen Verlusten gescheitert war, setzte Putin offensichtlich auf einen Plan B, den er eilig zusammenzimmerte: Aufrollung der Ukraine vom Osten her, einschliesslich der Eroberung Odessas, und Einverleibung der eroberten Gebiete in das russische Staatsgebiet.
Auch dieser Plan scheiterte, die Ukraine begann erfolgreiche Gegenangriffe in Gebieten, die Russland bereits nach zweifelhaften Volksabstimmungen annektiert hatte: Russlands Truppen drohte eine Einkesselung um Cherson am westlichen Ufer des Flusses Dnjepr.
Nun also Plan C: Räumung von Cherson und Rückzug auf die Ostseite des Dnjepr
So zog Russland zog seine Truppen auf die östliche Uferseite des Dnjepr zurück. Da es keine intakten Brücken über den Fluss mehr gibt, erscheint ein Angriff der Ukraine auf die neuen Stellungen durch Panzer und Infanterie so gut wie ausgeschlossen.
Putins Ziel ist offenbar jetzt ein Friedensschlus, der die permanente Eingliederung der jetzt noch besetzten Regionen Donezk und Luhansk, sowie der Krim in einem Friedensvertrag festlegt.
Nicht zu diesen Bedingungen
Zu einem derartigen Friedensschluss ist die Ukraine verständlicherweise nicht bereit, auch wenn die Zerstörung der Infrastruktur, dazu ein strenger Winter, weiter viele Menschen in die Flucht treiben wird.
Hineinziehen des Westens
Das Bestreben der Ukraine ist es nach wie vor, den Westen in diesen Krieg mit hineinzuziehen, und dann Russland zu besiegen. So ist auch die irreführende Behauptung der Ukraine, die Raketenteile, die auf Polen niedergingen, stammten von einer aus Russland abgefeuerten Rakete, zu verstehen.
Der Westen ist jedoch bisher nicht bereit, direkte Kriegspartei zu werden, wohl wissend, dass dies zu einem Atomkrieg führen könnte. Bleibt also die Lieferung schwerer Waffen, aber die verlängern jetzt bloss den Krieg, und bieten keinen Schutz gegen die Zerstörung der Infrastruktur.
Es kann auch als ausgeschlossen angesehen werden, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnt. Der Krieg wird jetzt zum Stellungs-Abnutzungskrieg, dessen Ende in weiter Ferne liegt.
Enorme Kosten
Der Ukraine-Krieg führt – neben den gestiegenen Rohstoffpreisen – schon zu gigantischen Kosten:
- Bereits jetzt wird der Haushalt der Ukraine weitgehend von westlichen Ländern finanziert.
- Die Wiederaufbaukosten der Ukraine werden bereits auf 300 Milliarden Euro geschätzt, evtl. bis zu 700 Milliarden; der Westen soll diese Wiederaufbauhilfe stemmen. Kiews Bürgermeister Klitschko spricht darüber jetzt mit Brüssel.
- Hinzu kommen die Kosten der Waffenhilfe. Bereits jetzt kommen die vom Westen gelieferten Waffen nicht mehr aus ausgemusterten Beständen des ehemaligen Warschauer Paktes, einschliesslich der ehemaligen DDR, sondern sind neuwertig.
- Ausserdem die Belastungen durch Flüchtlinge aus der Ukraine, deren Zahl im Winter noch einmal deutlich anschwellen dürfte.
Sinkende Bereitschaft
Mit der zunehmenden Kostenlast, und den wirtschaftlichen Folgen der erheblichen Rohstoffverteuerung dank der ausbleibenden russischen Gaslieferungen, sinkt die Bereitschaft im Westen für die weitere Unterstützung der Ukraine. Hinzu kommt:
- in Italien und Ungarn sind rechtslastige, Putin-freundliche Regierungen an der Macht
- in Frankreich stellen sie eine starke Opposition im Parlament.
- in Deutschland finden wöchentlich Demonstrationen statt, auf denen ein Ende der Unterstützung gefordert, und der Ruf nach einer diplomatischen Lösung des Konflikts lauter wird.
Putins Verbündeter
“General Winter” stand immer Russland zur Seite: im Kampf gegen Napoleon, und im Kampf gegen Hitlers Armeen. Es ist die ukrainische Bevölkerung, die jetzt unter “General Winter” besonders leiden wird, nicht aber die russische. Ein Waffenstillstand mit anschliessenden Friedensverhandlungen ist daher dringlicher denn je.
Wie kann dieser Krieg sio schnell wie möglich beendet werden?
Schon zu Beginn des Krieges hättte alles unternommen werden müssen, um diesen Krieg zu beenden, beginnend mit einem sofortigen Waffenstillstand. Dazu hätte China von Anfang an mit eingebunden werden müssen. China hat den nötigen Einfluss, um Druck auf Putin auszuüben, und hat sich bereits vorsichtig von Russlands Angriffskrieg distanziert. Darüberhinaus hat China Putins Drohung, notfalls Atomwaffen einzusetzen, als unakzeptabel zurückgewiesen.
Nun aber bastelt die deutsche Aussenministerin Baerbock an einer neuen Chinapolitik, die das traditionell gute Verhältnis Deutschlands zu China nicht unerheblich belasten dürfte, und fordert die Lieferung schwerer Waffen, statt sich Gedanken darüber zu machen, wie dieser Krieg so rasch wie möglich beendet werden kann.
Da bilaterale Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien zur Zeit als ausgeschlossen anzusehen sind, muss eine internationale Friedenskonferenz von der UN einberufen werden, an der alle ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates teilnehmen sollten, dazu die Ukraine, Polen und Deutschland. Das erste Ziel: ein sofortiger Waffenstillstand, dann Friedensverhandlungen.
Es ist unwahrscheinlich, dass die Ukraine oder Russland sich weigern, an einer derartigen Konferenz teilzunehmen. Selbst im Falle einer Weigerung sollte die Konferenz stattfinden.
Russland bombardiert unablässig die Infrastruktur der Ukraine, insbesondere die Elektrizitätsversorgung. Dadurch wird auch die Versorgung mit Trinkwasser schwer beeinträchtigt, und jetzt kommt auch noch ein strenger Winter hinzu.
Insofern ähnelt das alles der Taktik Russlands im Syrienkrieg mit der Bombardierung der mehrheitlich von Sunniten bewohnten Städten, in denen der Aufstand gegen das Assad- Regime begann. Systematisch wurden Wohngebäude, Krankenhäuser und sonstige Infrastruktur angegriffen, dann die Städte eingekesselt, aus denen schliesslich die sunnitische Bevölkerung abziehen musste, und entweder in die Türkei flüchtete, oder aber in die syrische Provinz Idlib.
Dieses menschenverachtende Vorgehen Russlands kam und kommt auch im Ukrainekrieg zum Einsatz.
Plan A gescheitert.
Russlands Präsident Putin hat ganz offensichtlich seinen ursprünglichen Plan, die Ukraine zu erobern, um sie zu „befreien”, aufgegeben.
Obgleich die Ukraine die Rechte der russischen Minderheit, z.B. in Odessa, mit Füssen trat, die Korruption im ganzen Land auf Autopilot lief, sahen die Ukrainer keineswegs in der ungebetenen “Bruderhilfe” aus Moskau die Lösung, sondern in der Eigenständigkeit. Der Zusammenschluss der Bevölkerung gegen die russischen Invasoren war die logische Folge.
Nach Plan A
Nachdem Plan A, der Sieg über die gesamte Ukraine, vor Kiew unter sehr hohen russischen Verlusten gescheitert war, setzte Putin offensichtlich auf einen Plan B, den er eilig zusammenzimmerte: Aufrollung der Ukraine vom Osten her, einschliesslich der Eroberung Odessas, und Einverleibung der eroberten Gebiete in das russische Staatsgebiet.
Auch dieser Plan scheiterte, die Ukraine begann erfolgreiche Gegenangriffe in Gebieten, die Russland bereits nach zweifelhaften Volksabstimmungen annektiert hatte: Russlands Truppen drohte eine Einkesselung um Cherson am westlichen Ufer des Flusses Dnjepr.
Nun also Plan C: Räumung von Cherson und Rückzug auf die Ostseite des Dnjepr
So zog Russland zog seine Truppen auf die östliche Uferseite des Dnjepr zurück. Da es keine intakten Brücken über den Fluss mehr gibt, erscheint ein Angriff der Ukraine auf die neuen Stellungen durch Panzer und Infanterie so gut wie ausgeschlossen.
Putins Ziel ist offenbar jetzt ein Friedensschlus, der die permanente Eingliederung der jetzt noch besetzten Regionen Donezk und Luhansk, sowie der Krim in einem Friedensvertrag festlegt.
Nicht zu diesen Bedingungen
Zu einem derartigen Friedensschluss ist die Ukraine verständlicherweise nicht bereit, auch wenn die Zerstörung der Infrastruktur, dazu ein strenger Winter, weiter viele Menschen in die Flucht treiben wird.
Hineinziehen des Westens
Das Bestreben der Ukraine ist es nach wie vor, den Westen in diesen Krieg mit hineinzuziehen, und dann Russland zu besiegen. So ist auch die irreführende Behauptung der Ukraine, die Raketenteile, die auf Polen niedergingen, stammten von einer aus Russland abgefeuerten Rakete, zu verstehen.
Der Westen ist jedoch bisher nicht bereit, direkte Kriegspartei zu werden, wohl wissend, dass dies zu einem Atomkrieg führen könnte. Bleibt also die Lieferung schwerer Waffen, aber die verlängern jetzt bloss den Krieg, und bieten keinen Schutz gegen die Zerstörung der Infrastruktur.
Es kann auch als ausgeschlossen angesehen werden, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnt. Der Krieg wird jetzt zum Stellungs-Abnutzungskrieg, dessen Ende in weiter Ferne liegt.
Enorme Kosten
Der Ukraine-Krieg führt – neben den gestiegenen Rohstoffpreisen – schon zu gigantischen Kosten:
- Bereits jetzt wird der Haushalt der Ukraine weitgehend von westlichen Ländern finanziert.
- Die Wiederaufbaukosten der Ukraine werden bereits auf 300 Milliarden Euro geschätzt, evtl. bis zu 700 Milliarden; der Westen soll diese Wiederaufbauhilfe stemmen. Kiews Bürgermeister Klitschko spricht darüber jetzt mit Brüssel.
- Hinzu kommen die Kosten der Waffenhilfe. Bereits jetzt kommen die vom Westen gelieferten Waffen nicht mehr aus ausgemusterten Beständen des ehemaligen Warschauer Paktes, einschliesslich der ehemaligen DDR, sondern sind neuwertig.
- Ausserdem die Belastungen durch Flüchtlinge aus der Ukraine, deren Zahl im Winter noch einmal deutlich anschwellen dürfte.
Sinkende Bereitschaft
Mit der zunehmenden Kostenlast, und den wirtschaftlichen Folgen der erheblichen Rohstoffverteuerung dank der ausbleibenden russischen Gaslieferungen, sinkt die Bereitschaft im Westen für die weitere Unterstützung der Ukraine. Hinzu kommt:
- in Italien und Ungarn sind rechtslastige, Putin-freundliche Regierungen an der Macht
- in Frankreich stellen sie eine starke Opposition im Parlament.
- in Deutschland finden wöchentlich Demonstrationen statt, auf denen ein Ende der Unterstützung gefordert, und der Ruf nach einer diplomatischen Lösung des Konflikts lauter wird.
Putins Verbündeter
“General Winter” stand immer Russland zur Seite: im Kampf gegen Napoleon, und im Kampf gegen Hitlers Armeen. Es ist die ukrainische Bevölkerung, die jetzt unter “General Winter” besonders leiden wird, nicht aber die russische. Ein Waffenstillstand mit anschliessenden Friedensverhandlungen ist daher dringlicher denn je.
Wie kann dieser Krieg sio schnell wie möglich beendet werden?
Schon zu Beginn des Krieges hättte alles unternommen werden müssen, um diesen Krieg zu beenden, beginnend mit einem sofortigen Waffenstillstand. Dazu hätte China von Anfang an mit eingebunden werden müssen. China hat den nötigen Einfluss, um Druck auf Putin auszuüben, und hat sich bereits vorsichtig von Russlands Angriffskrieg distanziert. Darüberhinaus hat China Putins Drohung, notfalls Atomwaffen einzusetzen, als unakzeptabel zurückgewiesen.
Nun aber bastelt die deutsche Aussenministerin Baerbock an einer neuen Chinapolitik, die das traditionell gute Verhältnis Deutschlands zu China nicht unerheblich belasten dürfte, und fordert die Lieferung schwerer Waffen, statt sich Gedanken darüber zu machen, wie dieser Krieg so rasch wie möglich beendet werden kann.
Da bilaterale Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien zur Zeit als ausgeschlossen anzusehen sind, muss eine internationale Friedenskonferenz von der UN einberufen werden, an der alle ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates teilnehmen sollten, dazu die Ukraine, Polen und Deutschland. Das erste Ziel: ein sofortiger Waffenstillstand, dann Friedensverhandlungen.
Es ist unwahrscheinlich, dass die Ukraine oder Russland sich weigern, an einer derartigen Konferenz teilzunehmen. Selbst im Falle einer Weigerung sollte die Konferenz stattfinden.
onlinedienst - 29. Nov, 09:35 Article 828x read