Hochwürden sind Sie besessen?
Stephan Fuchs - Reverend Beat-Man, seit drei Tagen habe ich keine Angst mehr vor dem Tod! Ist das normal?
Reverend Beat-Man: Oh ja, keiner sollte sich vor dem Tod fürchten. Was nahm Ihnen denn die Angst?
Die Platte „Flammend’ Herz“ von „The Dead Brothers“, die in Ihrem Label „Voodoo Rhythm“ erschienen ist. Die Musik muss an meinem Begräbnis gespielt werden. Hoffentlich live, auch wenn die Herren bis dahin alt und grau sind.

Das Leben ist grossartig! Ja, es ist gefährlich, es ist voller Überraschungen, leidenschaftlich, fleischlich, manchmal gar teuflisch…
Ich verstehe. Die Band ist wirklich gut. Die Musik kommt auch von tief, tief unten, aus dem Grabe sozusagen. Sie hören der Band zu und es ist als ob Sie mit am Piano sitzen und mit einer Bande von Gipsys in der Hölle musizieren würden.
Ja, aber ich mein das ernst. Wissen Sie, täglich kreuzen mich Gangster, Agenten und Politiker. Manchmal kommt es hier und da auch zu klandestinen Treffen… und Reverend, ich habe mich vor diesen Treffen nicht gefürchtet. Nie! Und trotzdem, wohl unbewusst, ängstigte mich der Gedanke eines plötzlichen Todes. Stellen Sie sich das vor, erschossen zu werden und keiner spielt am Grab des geschundenen Körpers. Grässlich! Ich bin überzeugt, dass der, der sich vor dem Tod fürchtet, auch das Leben fürchtet. Was meinen Sie? Fürchten Sie sich vor dem Leben?
Nein! Das Leben ist grossartig! Ja, es ist gefährlich, es ist voller Überraschungen, leidenschaftlich, fleischlich, manchmal gar teuflisch… und der Tod… ich denke er ist das grösste Glück, die Erlösung unserer irdischen Form oder ein neuer Anfang, das Licht von etwas Neuem. Verstehen Sie? Angst ist etwas für die Ratten die sich im Dunkeln tummeln, die sich des Lichtes wegen ängstigen. Das Leben aber ist umwerfend. Und gerade des Todes, des Lichtes wegen haben wir Menschen im Leben nichts zu verlieren, nichts zu sündigen. Wir sind doch frei von Sünde.
Mein lieber Schwan! Sie sprechen hier vom Teufel, von Fleisch, von Sünden…
Genau! Ich spreche deutlich vom Leben. Hier und jetzt. Leben! Ich habe die Bibel ausführlich gelesen und ganz klar, die Bibel ist eines der absolut grossartigsten Bücher. Nur: Die Bibel lesen ist eine wunderbare Sache… die Bibel leben ist etwas anderes. Wer LEBEN als solches versteht, der lebt automatisch nach dem Buch der Bücher. Wer lebt, der kann gar nicht schlecht sein. Satan, der Vater… diese Dinge sind für die Ängstlichen, für die, die ohne Weisung nicht klarkommen; die Diktatur ist dann wohl nicht fern. Jesus lebte gefährlich, er lebte mit dem Fleisch, er hatte eine Vision, er hatte Leidenschaft, für die er offenbar starb. Sein Vater richtet nicht, wie das viele glauben. Der Vater hat vielmehr verziehen. Jedem. Dem Massenmörder genauso wie dem Weib, welches sich schindet und sich für ihre Kinder aufopfert. Das ist für mich die Bibel. Die Bibel muss man nicht lesen, die muss man leben. Und das kann jeder. Das ist noch nicht mal christlich, das ist menschlich, oder?
Reverend, Ihre Freundin Scarlette Fever aus L.A. ist Burlesque-Tänzerin; Tänzerin der legendären Velvet Hammer Tanzrevue. Varieté, Moulin Rouge, Erotik… und entschuldigen Sie… damit verbunden ist die Sünde. Wie können Sie hier sagen das sei „ok“?

Burlesque ist Geschichte, Spannung, Theater, Varieté. Foto: Manuel Vason
Burlesque, Moulin Rouge, das ist Leidenschaft, das ist nicht Cüplisex und da geht es nicht um Geld und Dollar Noten, die man einer Tänzerin in die Strapse steckt, in der Hoffnung sich deren Schenkel auf dem Schoss zu wiegen. Burlesque sind Geschichten, Spannung, Theater, Varieté. Burlesque ist eine sehr, sehr menschliche Geschichte, dazu noch mit Charme. Auch da geht es wieder um Leidenschaft. Die Frauen sind nicht doof, das ist nicht Prostitution. Scarlette Fever ist auch Journalisten, sie arbeitet für den L.A. Weekly, sie war Art & Lifestyle Editor des L.A. Reader, sie ist Grafikerin des Los Angeles Zoo und des botanischen Gartens. Valentina und Scarlette sind mit ihrem Programm „A Boozin’ Burlesque Explosion“ die Königinnen des Old-School-Striptease. Gehen Sie sich das mal anschauen und Sie werden sehen, mit Sünde hat das gar nichts zu tun.
Reverend, sind Sie eigentlich besessen?
Ja bestimmt! Von guter Musik, schlechtem Geschmack, guten Partys und guten Geschichten. Besessen zu sein ist ein guter Antrieb Dinge zu leisten, die ein nicht Besessener nie tun könnte.
Sie waren aber auch handfest besessen: Von dunklen agressiven Mächten in Form einer mexikanischen Wresting Maske, durch die Sie geistig und körperlich fast zerstört wurden. Dem Tod entronnen, quasi als Wiedergeborener, ziehen Sie nun predigend durch die Welt. Sie gelten als Priester des „primitive Rock’n’Roll“.
Ja, ich habe das Licht am Ende des Tunnels gesehen. Ich war damals Jahre lang als Ein-Mann-Band unterwegs. Ich habe mir diese mexikanische Wrestler-Maske über mein Gesicht gezogen und habe auf der Bühne „Appartment-Wrestling“ gemacht. Ich habe mich tatsächlich mit meiner Gitarre und dem Publikum, vor allem aber mit mir selber geprügelt, wobei ich glücklicherweise immer als Sieger hervorging. Einige Zeit lang war das lustig, doch die aggressive Maske nahm überhand und immer öfter war nicht ich der Sieger, sondern eben die schwarzen Mächte der Maske. Es war furchtbar… ich habe mich selber auf der Bühne so verprügelt, dass ich mir die Nase, den Arm brach, schlussendlich hab ich mir beinahe den Rücken gebrochen, musste ins Spital, viel ins Koma und sah das Licht.
Reverend…!
Ja, ich sah das Licht, voller Freude habe ich mich darauf zu bewegt. Am Ende des Tunnels sah ich Screamin Jay Hawkins, den legendären Musiker… ich fiel auf meine Knie und weinte. Ich weinte wie ich in meinem ganzen Leben noch nicht geweint habe. Ja, ich wollte zurück. Zurück auf den Planeten des Hasses, zurück zu meiner Musik. Und glauben Sie mir, Hawkins half mir. Er sagte: „Beat Man, wir haben gesehen was du auf dem Planeten des Hasses gemacht hast, die Menschen brauchen dich dringend. Geh zurück und predige… PREDIGE!! Erzähl’ den Menschen die Geschichte über Primitive Rock’n’Roll, die Geschichte über Blues Trash und Gospel Trash.“ Augenblicklich erwachte ich aus dem Koma und ich wusste, was zu tun war: Ich verbrannte meine Maske, packte meine Gitarre und das Kick-Drum in mein altes Auto, fuhr von Stadt zu Stadt und… predigte!
Das war die Geburt von Reverend Beat Man. Sie touren Japan, Amerika, Südamerika, England, den Kontinent… Sie sind ein Star!
Ich bin Musiker und Priester, habe ein eigenes Label, eben Voodoo-Rhythm und verdiene mit meinen Shows kein Geld. Es ist mein Herzblut, mein persönliches Flammend’ Herz. Lohn bekomme ich vom Publikum. In Form von Briefen, von… Danke Reverend. Sie schätzen was ich mache… aber vor allem bin ich Vater.
Ein sehr liebender, Zeit Investierender - wie ich sehe.
Mein Junge ist mir das wichtigste. Er ist es, der jetzt da ist, er hat ein ganzes Leben vor sich, und da will ich ihm ein guter Vater sein. Mein Leben ist da nicht mehr so wichtig.
Werden Sie alt, Reverend?
Ha, nein! Aber ich bin weniger auf Tourneen. Obwohl, morgen geh’ ich wieder mit den „Monsters“ auf Tournee durch Frankreich, Deutschland, Holland und die Schweiz. Einzelne ausgesuchte Auftritte als Reverend Beat- Man mache ich schon auch, aber ich kümmere mich nun mehr um mein Label, dadurch gibt es viel Arbeit zu Hause die sehr wichtig ist, den Geist des Primitiv Rock’n’Roll weiter zutragen. Es ist auch wichtig für meinen Sohn. Er braucht mich, er braucht ein Zuhause und er braucht eine Familie, die ihn liebt und ihn auf seinem Weg unterstützt. Das ist meine wichtigste und grösste Show, die ich je haben werde!
Reverend, Sie sind ein richtiger Kerl…
Das denken wohl nicht alle. Wer mich nicht kennt der schaut lieber weg, der grüsst mich nicht, schenkt mir kein Lächeln. Mein Lebensinhalt hat mich vielleicht zu einem Outlaw gemacht. Aber eben, es ist mein Weg, mein Leben und ich bin stolz darauf.
Sie dürfen auch stolz auf ihr Label sein nicht? Ihr Label „Voodoo Rhythm“ gilt als Ground Zero für Primitive Rock’n’Roll, Slopabilly und die nie gehörten Sounds aus allen Schichten menschlichen Wahnsinns. Was fehlt Ihnen noch im Repertoire?
Klassik! Das wäre für mich ein Geschenk. Ich bin fasziniert von klassischer Musik. Sie ist dem Wahn näher als man denkt und in einer emotionalen Tiefe… Klassik ist wirklich faszinierend.
Also keinen Grund vorzeitig zu sterben. Haben Sie eigentlich eine Funeral-Band, die an Ihrem Begräbnis spielen wird?
Ich möchte für mich selber spielen. Vielleicht find ich da irgendwie irgendeine Möglichkeit. Die Welt ist doch bunter und runder als sie scheint.
Sie haben mit meiner Funeral Kapelle „The Dead Brothers“ ja auch einen dicken Fisch im Korb nicht?

Leidenschaft für richtige Kerle
Das werden wir sehen. Die Platte „Flammend’ Herz“ ist der Soundtrack zum gleichnamigen Film in einer schweizerisch-deutschen Film Produktion. Es ist ein Zeitdokument dreier Hamburger Freunde. Das sind drei alte Männer um die Neunzig, aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen kommend. Was sie verbindet ist einzig die Leidenschaft für Tätowierungen. Richtige Kerle. Die drei sind geeint im Willen nur so zu leben, wie sie wollen. Ihre Häute sind Geschichtsbücher, Biographien ihrer eigenen bewegten Geschichte, gezeichnet in blauer Tinte. Was für ein Reichtum!
Na, dann wohl auch ein finanzieller Reichtum für Sie, Reverend?
Pa! Muss es das? Ist das so wichtig? Wer weiss. Sicher, ich hätte Freude für meinen Sohn, dem ich die Schule, seine Ausbildung bezahlen könnte. Schauen Sie, ich habe mit allen Bands unter meinem Label ein Gentleman Agreement. Wir haben keine Verträge. Wir sind Jungs, die für die Musik leben und mit ihr sterben. Wir sind Gentleman und bauen an derselben Kiste. Verstehen Sie?
Ja, die Sprache versteh’ ich. Es gibt zu wenige aus diesem Holz. Kerle, die ranstehen, die aus Leidenschaft machen, sich gegenseitig aus der Patsche hauen und sich anschliessend `ne Zigarre anzünden.
Ja, das sind Dinge die im Leben zählen. Die Nacktheit der Ehrlichkeit, die Leidenschaft. Die Momente in denen sich die Nackenhaare sträuben, sich die Nasenflügel blustern und man für eine kleine Insel kämpft. Frauen und Männer die zusammenstehen, die gute alte Mafia, welche die Insel und die Familien vor den Banditen und den Aposteln der Geldgierigen schützt.
Reverend, Sie sprechen mir aus dem Herzen. Herzlichen Dank, dass Sie mich empfangen haben. Bitte beten Sie für mich, die alten Familien und unseren Kampf um die Insel.
Die PDF Datei finden sie im PDF Archiv unter: Hochwuerden sind sie besessen?
Der Berner Musiker Reverend Beat Man betreibt sein Label Voodoo Rhythm seit 1992.
Foto: Yoshiko Kusano
Flammend Herz
Reverend Beat-Man: Oh ja, keiner sollte sich vor dem Tod fürchten. Was nahm Ihnen denn die Angst?
Die Platte „Flammend’ Herz“ von „The Dead Brothers“, die in Ihrem Label „Voodoo Rhythm“ erschienen ist. Die Musik muss an meinem Begräbnis gespielt werden. Hoffentlich live, auch wenn die Herren bis dahin alt und grau sind.

Das Leben ist grossartig! Ja, es ist gefährlich, es ist voller Überraschungen, leidenschaftlich, fleischlich, manchmal gar teuflisch…
Ich verstehe. Die Band ist wirklich gut. Die Musik kommt auch von tief, tief unten, aus dem Grabe sozusagen. Sie hören der Band zu und es ist als ob Sie mit am Piano sitzen und mit einer Bande von Gipsys in der Hölle musizieren würden.
Ja, aber ich mein das ernst. Wissen Sie, täglich kreuzen mich Gangster, Agenten und Politiker. Manchmal kommt es hier und da auch zu klandestinen Treffen… und Reverend, ich habe mich vor diesen Treffen nicht gefürchtet. Nie! Und trotzdem, wohl unbewusst, ängstigte mich der Gedanke eines plötzlichen Todes. Stellen Sie sich das vor, erschossen zu werden und keiner spielt am Grab des geschundenen Körpers. Grässlich! Ich bin überzeugt, dass der, der sich vor dem Tod fürchtet, auch das Leben fürchtet. Was meinen Sie? Fürchten Sie sich vor dem Leben?
Nein! Das Leben ist grossartig! Ja, es ist gefährlich, es ist voller Überraschungen, leidenschaftlich, fleischlich, manchmal gar teuflisch… und der Tod… ich denke er ist das grösste Glück, die Erlösung unserer irdischen Form oder ein neuer Anfang, das Licht von etwas Neuem. Verstehen Sie? Angst ist etwas für die Ratten die sich im Dunkeln tummeln, die sich des Lichtes wegen ängstigen. Das Leben aber ist umwerfend. Und gerade des Todes, des Lichtes wegen haben wir Menschen im Leben nichts zu verlieren, nichts zu sündigen. Wir sind doch frei von Sünde.
Mein lieber Schwan! Sie sprechen hier vom Teufel, von Fleisch, von Sünden…
Genau! Ich spreche deutlich vom Leben. Hier und jetzt. Leben! Ich habe die Bibel ausführlich gelesen und ganz klar, die Bibel ist eines der absolut grossartigsten Bücher. Nur: Die Bibel lesen ist eine wunderbare Sache… die Bibel leben ist etwas anderes. Wer LEBEN als solches versteht, der lebt automatisch nach dem Buch der Bücher. Wer lebt, der kann gar nicht schlecht sein. Satan, der Vater… diese Dinge sind für die Ängstlichen, für die, die ohne Weisung nicht klarkommen; die Diktatur ist dann wohl nicht fern. Jesus lebte gefährlich, er lebte mit dem Fleisch, er hatte eine Vision, er hatte Leidenschaft, für die er offenbar starb. Sein Vater richtet nicht, wie das viele glauben. Der Vater hat vielmehr verziehen. Jedem. Dem Massenmörder genauso wie dem Weib, welches sich schindet und sich für ihre Kinder aufopfert. Das ist für mich die Bibel. Die Bibel muss man nicht lesen, die muss man leben. Und das kann jeder. Das ist noch nicht mal christlich, das ist menschlich, oder?
Reverend, Ihre Freundin Scarlette Fever aus L.A. ist Burlesque-Tänzerin; Tänzerin der legendären Velvet Hammer Tanzrevue. Varieté, Moulin Rouge, Erotik… und entschuldigen Sie… damit verbunden ist die Sünde. Wie können Sie hier sagen das sei „ok“?

Burlesque ist Geschichte, Spannung, Theater, Varieté. Foto: Manuel Vason
Burlesque, Moulin Rouge, das ist Leidenschaft, das ist nicht Cüplisex und da geht es nicht um Geld und Dollar Noten, die man einer Tänzerin in die Strapse steckt, in der Hoffnung sich deren Schenkel auf dem Schoss zu wiegen. Burlesque sind Geschichten, Spannung, Theater, Varieté. Burlesque ist eine sehr, sehr menschliche Geschichte, dazu noch mit Charme. Auch da geht es wieder um Leidenschaft. Die Frauen sind nicht doof, das ist nicht Prostitution. Scarlette Fever ist auch Journalisten, sie arbeitet für den L.A. Weekly, sie war Art & Lifestyle Editor des L.A. Reader, sie ist Grafikerin des Los Angeles Zoo und des botanischen Gartens. Valentina und Scarlette sind mit ihrem Programm „A Boozin’ Burlesque Explosion“ die Königinnen des Old-School-Striptease. Gehen Sie sich das mal anschauen und Sie werden sehen, mit Sünde hat das gar nichts zu tun.
Reverend, sind Sie eigentlich besessen?
Ja bestimmt! Von guter Musik, schlechtem Geschmack, guten Partys und guten Geschichten. Besessen zu sein ist ein guter Antrieb Dinge zu leisten, die ein nicht Besessener nie tun könnte.
Sie waren aber auch handfest besessen: Von dunklen agressiven Mächten in Form einer mexikanischen Wresting Maske, durch die Sie geistig und körperlich fast zerstört wurden. Dem Tod entronnen, quasi als Wiedergeborener, ziehen Sie nun predigend durch die Welt. Sie gelten als Priester des „primitive Rock’n’Roll“.
Ja, ich habe das Licht am Ende des Tunnels gesehen. Ich war damals Jahre lang als Ein-Mann-Band unterwegs. Ich habe mir diese mexikanische Wrestler-Maske über mein Gesicht gezogen und habe auf der Bühne „Appartment-Wrestling“ gemacht. Ich habe mich tatsächlich mit meiner Gitarre und dem Publikum, vor allem aber mit mir selber geprügelt, wobei ich glücklicherweise immer als Sieger hervorging. Einige Zeit lang war das lustig, doch die aggressive Maske nahm überhand und immer öfter war nicht ich der Sieger, sondern eben die schwarzen Mächte der Maske. Es war furchtbar… ich habe mich selber auf der Bühne so verprügelt, dass ich mir die Nase, den Arm brach, schlussendlich hab ich mir beinahe den Rücken gebrochen, musste ins Spital, viel ins Koma und sah das Licht.
Reverend…!
Ja, ich sah das Licht, voller Freude habe ich mich darauf zu bewegt. Am Ende des Tunnels sah ich Screamin Jay Hawkins, den legendären Musiker… ich fiel auf meine Knie und weinte. Ich weinte wie ich in meinem ganzen Leben noch nicht geweint habe. Ja, ich wollte zurück. Zurück auf den Planeten des Hasses, zurück zu meiner Musik. Und glauben Sie mir, Hawkins half mir. Er sagte: „Beat Man, wir haben gesehen was du auf dem Planeten des Hasses gemacht hast, die Menschen brauchen dich dringend. Geh zurück und predige… PREDIGE!! Erzähl’ den Menschen die Geschichte über Primitive Rock’n’Roll, die Geschichte über Blues Trash und Gospel Trash.“ Augenblicklich erwachte ich aus dem Koma und ich wusste, was zu tun war: Ich verbrannte meine Maske, packte meine Gitarre und das Kick-Drum in mein altes Auto, fuhr von Stadt zu Stadt und… predigte!
Das war die Geburt von Reverend Beat Man. Sie touren Japan, Amerika, Südamerika, England, den Kontinent… Sie sind ein Star!
Ich bin Musiker und Priester, habe ein eigenes Label, eben Voodoo-Rhythm und verdiene mit meinen Shows kein Geld. Es ist mein Herzblut, mein persönliches Flammend’ Herz. Lohn bekomme ich vom Publikum. In Form von Briefen, von… Danke Reverend. Sie schätzen was ich mache… aber vor allem bin ich Vater.
Ein sehr liebender, Zeit Investierender - wie ich sehe.
Mein Junge ist mir das wichtigste. Er ist es, der jetzt da ist, er hat ein ganzes Leben vor sich, und da will ich ihm ein guter Vater sein. Mein Leben ist da nicht mehr so wichtig.
Werden Sie alt, Reverend?
Ha, nein! Aber ich bin weniger auf Tourneen. Obwohl, morgen geh’ ich wieder mit den „Monsters“ auf Tournee durch Frankreich, Deutschland, Holland und die Schweiz. Einzelne ausgesuchte Auftritte als Reverend Beat- Man mache ich schon auch, aber ich kümmere mich nun mehr um mein Label, dadurch gibt es viel Arbeit zu Hause die sehr wichtig ist, den Geist des Primitiv Rock’n’Roll weiter zutragen. Es ist auch wichtig für meinen Sohn. Er braucht mich, er braucht ein Zuhause und er braucht eine Familie, die ihn liebt und ihn auf seinem Weg unterstützt. Das ist meine wichtigste und grösste Show, die ich je haben werde!
Reverend, Sie sind ein richtiger Kerl…
Das denken wohl nicht alle. Wer mich nicht kennt der schaut lieber weg, der grüsst mich nicht, schenkt mir kein Lächeln. Mein Lebensinhalt hat mich vielleicht zu einem Outlaw gemacht. Aber eben, es ist mein Weg, mein Leben und ich bin stolz darauf.
Sie dürfen auch stolz auf ihr Label sein nicht? Ihr Label „Voodoo Rhythm“ gilt als Ground Zero für Primitive Rock’n’Roll, Slopabilly und die nie gehörten Sounds aus allen Schichten menschlichen Wahnsinns. Was fehlt Ihnen noch im Repertoire?
Klassik! Das wäre für mich ein Geschenk. Ich bin fasziniert von klassischer Musik. Sie ist dem Wahn näher als man denkt und in einer emotionalen Tiefe… Klassik ist wirklich faszinierend.
Also keinen Grund vorzeitig zu sterben. Haben Sie eigentlich eine Funeral-Band, die an Ihrem Begräbnis spielen wird?
Ich möchte für mich selber spielen. Vielleicht find ich da irgendwie irgendeine Möglichkeit. Die Welt ist doch bunter und runder als sie scheint.
Sie haben mit meiner Funeral Kapelle „The Dead Brothers“ ja auch einen dicken Fisch im Korb nicht?

Leidenschaft für richtige Kerle
Das werden wir sehen. Die Platte „Flammend’ Herz“ ist der Soundtrack zum gleichnamigen Film in einer schweizerisch-deutschen Film Produktion. Es ist ein Zeitdokument dreier Hamburger Freunde. Das sind drei alte Männer um die Neunzig, aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen kommend. Was sie verbindet ist einzig die Leidenschaft für Tätowierungen. Richtige Kerle. Die drei sind geeint im Willen nur so zu leben, wie sie wollen. Ihre Häute sind Geschichtsbücher, Biographien ihrer eigenen bewegten Geschichte, gezeichnet in blauer Tinte. Was für ein Reichtum!
Na, dann wohl auch ein finanzieller Reichtum für Sie, Reverend?
Pa! Muss es das? Ist das so wichtig? Wer weiss. Sicher, ich hätte Freude für meinen Sohn, dem ich die Schule, seine Ausbildung bezahlen könnte. Schauen Sie, ich habe mit allen Bands unter meinem Label ein Gentleman Agreement. Wir haben keine Verträge. Wir sind Jungs, die für die Musik leben und mit ihr sterben. Wir sind Gentleman und bauen an derselben Kiste. Verstehen Sie?
Ja, die Sprache versteh’ ich. Es gibt zu wenige aus diesem Holz. Kerle, die ranstehen, die aus Leidenschaft machen, sich gegenseitig aus der Patsche hauen und sich anschliessend `ne Zigarre anzünden.
Ja, das sind Dinge die im Leben zählen. Die Nacktheit der Ehrlichkeit, die Leidenschaft. Die Momente in denen sich die Nackenhaare sträuben, sich die Nasenflügel blustern und man für eine kleine Insel kämpft. Frauen und Männer die zusammenstehen, die gute alte Mafia, welche die Insel und die Familien vor den Banditen und den Aposteln der Geldgierigen schützt.
Reverend, Sie sprechen mir aus dem Herzen. Herzlichen Dank, dass Sie mich empfangen haben. Bitte beten Sie für mich, die alten Familien und unseren Kampf um die Insel.




sfux - 29. Sep, 08:07 Article 2479x read