Berner Kulturjournalismus „Super Light“ verabschiedet sich
Stephan Fuchs – Mit 84 Wörtchen, respektive 533 Zeichen verabschiedet sich die „Berner Kulturagenda“ in einer super knappen Medienmitteilung vom Berner Steuerzahler. Kein Warum, kein Wieso. Das Geld fehle eben. Et voilà, Kulturjournalismus "Super Light" eben. Tragisch ist, dass in den zwei Jahren mit 65 publizierten Ausgaben à 32 Seiten mit 5 (!) redaktionellen Seiten eine Million Franken Steuer- und Kulturgelder verbraten worden sind.
Autsch das schmerzt. Das schmerzt den Steuerzahler, das schmerzt die Kultur; denn da herrscht ein finanzieller Scherbenhaufen. An ganz vorderster Front verantwortlich für das Debakel ist der Berner Kultursekretär Christoph Reichenau. Er hat das Projekt trotz Warnungen von verschieden Seiten durchgeboxt. Wollte er sich ein Denkmal setzen? Dass die „Berner Kulturagenda“ schon länger am verkümmern war, ist Beobachtern schon lange aufgefallen. Offensichtlich auch Reichenau, denn der trat im günstigsten Moment vom Präsidialposten des gegründeten Vereins „Verein Berner Kulturagenda“ zurück. An seine Stelle setzte sich Dorothe Freiburghaus, die sich in ihrem ersten geschriebenen Editorial auf dem Foto als Präsidentin denn auch prompt mit Weinglas ablichten liess.
Zumindest in der, laut Reichenau „vorläufig letzten Nummer“, die heute Donnerstag zum letzten mal im Frühverteiler der Berner Zeitungen „Bund“ und „BZ“ beigelegt ist, hätte der Steuerzahler und kulturinteressierte Berner vielleicht etwas Substantielles vom Verlagsleiter Oliver Wermuth erwarten können. Es ist unglaublich: In der Rubrik „Kulturkopf“ erzählt er in seiner letzten Publikation über seine Zuneigung zu „Schoggi“, insbesondere der Kinderschokolade. Hier einige Passagen des Verlagsleiters:
„…ab, und zu gibts ein bisschen Schoggi. Meine Lieblingssorten? Eigentlich alle, obwohl die Kinderschokolade mein Favorit ist.“
„Wo ich in zehn Jahren sein werde, ist schwer zu sagen. Meistens weiss ich nicht einmal, wo ich in den nächsten fünf Minuten bin, weil immer mal wieder das Telefon klingelt oder ein Mail reinflattert, und dann muss ich springen.“
„Noch letzte Woche hatte ich die Anzahl der gelben Zettel auf ein Minimum reduziert, aber heute pflastern sie schon wieder meinen Schreibtisch zu. Doch zu diesem Phänomen wie auch zu meiner unkonventionellen Pultordnung (Anm d Red: Pultordnung ist ein Grundstufenausdruck in der Schweiz) sage ich: An meinem Arbeitsplatz laufen die Geschicke der Kulturagenda zusammen, das braucht halt seinen Raum.“
Berner Kulturjournalismus "Super light" eben. In einer E-Mail die mich heute erreichte stand:
„Das ist einfach nur SCHWACHSINN... und wenn das die Berner LeserInnen und die Berner Kulturinstitutionen nicht sehen - wenn die also wieder für nichts weiter als SCHWACHSINN Geld in die Aare schmeissen, dann... bin ich einfach nur sprachlos und des Journalismus überdrüssig.“
Ja, da kann man sich nur anschliessen. Denn wenn es nach Kultursekretär Reichenau geht, dann ist die Geschichte einer Berner Kulturagenda noch nicht abgeschlossen. Er will es wieder versuchen. Dieses mal als Beilage beim Berner Anzeiger – einem Gratisblatt, das die Meisten mit einem „WILL ICH NICHT“ Aufkleber aus dem Briefkasten raushalten wollen. Reichenau, will aber genau da rein:
„Dies ist im Interesse aller und macht die eingesetzten Steuermittel nützlich. Eine Win-win-Situation in jeder Hinsicht also, wenn deren Finanzierung möglich ist.“
Ja klar, das haben wir auch schon bei der ersten „Kulturjournalismus Light" Version gehört. Was wir aber auch gehört haben ist, dass von Seiten Reichenau in den neuen Verhandlungen mit den Geldgebern – den Kulturhäusern und schlussendlich dem Steuerzahler - wieder Druckmittel eingesetzt werden. Sizilien ist eben nicht weit von Bern.
Berner Kulturagenda
Berner Kulturagenda kann sich kaum mehr überbieten
Autsch das schmerzt. Das schmerzt den Steuerzahler, das schmerzt die Kultur; denn da herrscht ein finanzieller Scherbenhaufen. An ganz vorderster Front verantwortlich für das Debakel ist der Berner Kultursekretär Christoph Reichenau. Er hat das Projekt trotz Warnungen von verschieden Seiten durchgeboxt. Wollte er sich ein Denkmal setzen? Dass die „Berner Kulturagenda“ schon länger am verkümmern war, ist Beobachtern schon lange aufgefallen. Offensichtlich auch Reichenau, denn der trat im günstigsten Moment vom Präsidialposten des gegründeten Vereins „Verein Berner Kulturagenda“ zurück. An seine Stelle setzte sich Dorothe Freiburghaus, die sich in ihrem ersten geschriebenen Editorial auf dem Foto als Präsidentin denn auch prompt mit Weinglas ablichten liess.
Zumindest in der, laut Reichenau „vorläufig letzten Nummer“, die heute Donnerstag zum letzten mal im Frühverteiler der Berner Zeitungen „Bund“ und „BZ“ beigelegt ist, hätte der Steuerzahler und kulturinteressierte Berner vielleicht etwas Substantielles vom Verlagsleiter Oliver Wermuth erwarten können. Es ist unglaublich: In der Rubrik „Kulturkopf“ erzählt er in seiner letzten Publikation über seine Zuneigung zu „Schoggi“, insbesondere der Kinderschokolade. Hier einige Passagen des Verlagsleiters:
„…ab, und zu gibts ein bisschen Schoggi. Meine Lieblingssorten? Eigentlich alle, obwohl die Kinderschokolade mein Favorit ist.“
„Wo ich in zehn Jahren sein werde, ist schwer zu sagen. Meistens weiss ich nicht einmal, wo ich in den nächsten fünf Minuten bin, weil immer mal wieder das Telefon klingelt oder ein Mail reinflattert, und dann muss ich springen.“
„Noch letzte Woche hatte ich die Anzahl der gelben Zettel auf ein Minimum reduziert, aber heute pflastern sie schon wieder meinen Schreibtisch zu. Doch zu diesem Phänomen wie auch zu meiner unkonventionellen Pultordnung (Anm d Red: Pultordnung ist ein Grundstufenausdruck in der Schweiz) sage ich: An meinem Arbeitsplatz laufen die Geschicke der Kulturagenda zusammen, das braucht halt seinen Raum.“
Berner Kulturjournalismus "Super light" eben. In einer E-Mail die mich heute erreichte stand:
„Das ist einfach nur SCHWACHSINN... und wenn das die Berner LeserInnen und die Berner Kulturinstitutionen nicht sehen - wenn die also wieder für nichts weiter als SCHWACHSINN Geld in die Aare schmeissen, dann... bin ich einfach nur sprachlos und des Journalismus überdrüssig.“
Ja, da kann man sich nur anschliessen. Denn wenn es nach Kultursekretär Reichenau geht, dann ist die Geschichte einer Berner Kulturagenda noch nicht abgeschlossen. Er will es wieder versuchen. Dieses mal als Beilage beim Berner Anzeiger – einem Gratisblatt, das die Meisten mit einem „WILL ICH NICHT“ Aufkleber aus dem Briefkasten raushalten wollen. Reichenau, will aber genau da rein:
„Dies ist im Interesse aller und macht die eingesetzten Steuermittel nützlich. Eine Win-win-Situation in jeder Hinsicht also, wenn deren Finanzierung möglich ist.“
Ja klar, das haben wir auch schon bei der ersten „Kulturjournalismus Light" Version gehört. Was wir aber auch gehört haben ist, dass von Seiten Reichenau in den neuen Verhandlungen mit den Geldgebern – den Kulturhäusern und schlussendlich dem Steuerzahler - wieder Druckmittel eingesetzt werden. Sizilien ist eben nicht weit von Bern.


sfux - 28. Jun, 08:00 Article 3487x read