Arroganz der Macht - Münsteraner Skulpturen-Skandal
Michael Schulze von Glaßer – Vom 16. Juni bis 30. September fanden im kleinen Provinz-Nest Münster (Nordrhein-Westfalen) zum vierten Mal die „Skulptur Projekte 07“ statt. Skulpturen von 36 Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt zierten den öffentlichen Raum der 270.000 Einwohner-Stadt. Selbst internationale Medien berichteten über die Kunstausstellung in Münster, immerhin in der Kunstwelt sind die alle 10 Jahre stattfindenden Münsteraner Skulptur-Projekte ein Jahreshöhepunkt.
Nach Ende der Skulptur-Projekte darf die städtische Kunstkommission darüber beraten, welche Kunstwerke die Stadt von den Künstlerinnen und Künstlern kaufen soll, um Münster weiterhin kulturell zu bereichern. Neun Skulpturen wählte die Kunstkommission dieses Jahr aus, darunter auch der so genannte „Arkaden-Adler“ von Martha Rosler – ein Reichsadler ohne Hakenkreuz, der vor die Münsteraner Arkaden platziert wurde, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Arkaden dem Baustil von Albert Speer nahe kommen.
Das Kunstwerk „Unsettling the Fragments“ (Erschütterung der Fragmente) der Jüdin Martha Rosler beschäftigt sich mit der NS-Vergangenheit. Es zeigt das Adler-Emblem des ehemaligen, unter der Leitung von Ernst Sagebiel 1935 errichteten Lufttransportkommandos der Wehrmacht (heute Lufttransportkommando der Bundeswehr).
© Foto: Michael Schulze von Glaßer

Das Hakenkreuz in den Klauen des Adlers wurde nach dem Krieg weggemeißelt. Die Skulptur steht vor den „Münster Arkaden“ – einem Einkaufszentrum mitten in der Stadt.
© Foto: Michael Schulze von Glaßer
Der absolute Favorit der Kunstkommission ist jedoch die „Paul Wulf Statue“, die auch von den Leserinnen und Lesern der lokalen Zeitungen zur beliebtesten Skulptur gewählt wurde. Die Statue ist ein Abbild des im Nationalsozialismus im Alter von 16 Jahren zwangssterilisierten Antifaschisten Paul Wulf. Die Statue von Künstlerin Silke Wagner und dem Umweltzentrum-Archiv-Verein trägt zu Recht den Namen „Münsters Geschichte von unten“ – die Statue ist eine Art Litfasssäule und wurde während der Skulptur-Projekte 2007 mit vier verschiedenen Themen plakatiert: Beginnend mit der „Lebensgeschichte und Gesellschaftspolitischen Arbeit von Paul Wulf“ über die „Geschichte der Hausbesetzungen in Münster“ und „Politische Zensur von Texten in Deutschland von 1970 bis heute“ und endend mit der Plakatierung „Anti-Atom-Bewegung in Münster“ war die Skulptur sehr abwechslungsreich.

Viel beachtet: Paul Wulf Standbild bei den Skulptur-Projekten Münster’07.
© Foto: Michael Schulze von Glaßer

Das Standbild befand sich mitten in der Münsteraner Innenstadt am Stadthaus I.
© Foto: Michael Schulze von Glaßer
Selbst die internationale Ausgabe der renommierten New York Times, die „International Herald Tribune“, hatte die Skulptur auf der Titelseite – das hat selten ein Münsteraner geschafft.
Die Absegnung durch den städtischen Kulturausschuss war nur noch Formsache – denkste! Sowohl die CDU als auch die FDP verwehrten den beiden provokanten Skulpturen – die anderen Skulpturen waren unpolitisch – ihre Stimmen. Die Wellen schlugen während der öffentlichen Sitzung des Münsteraner Kulturausschusses hoch: „Sie spucken auf das Grab von Paul Wulf!“ rief ein Zuschauer. Die Fraktion der Grünen beantragen Rederecht für ein Mitglied des nach dem Tod Paul Wulfs 1999 gegründeten „Freundeskreis Paul Wulf“, was jedoch mit der absoluten Stimmmehrheit von CDU und FDP verwehrt wurde. Eine Schulklasse, die sich während der Skulptur-Projekte mit Paul Wulfs Leben auseinander gesetzt hatte und extra zur Ausschusssitzung kam, war völlig verdutzt. Ebenso die vor den Kopf gestoßene Kunstkommission, in der übrigens auch Mitglieder von CDU und FDP sitzen. Der Direktor des Landesmuseums Dr. Hermann Arnold sprach von einem „fatalen Image-Schaden für die Stadt Münster“. Warum das Ganze?
Politische Gründe machte die CDU nicht geltend. CDU-Vertreter Berthold Socha begründete die Ablehnung des Paul-Wulf-Standbildes mit einer Verletzung der Persönlichkeitsrechte: „Ich kannte Paul Wulf gut“ sagte Socha, „er würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, dass er posthum zu einer Litfasssäule degradiert und mit Botschaften beklebt würde, die nicht die seinen sind“. Dr. Bernd Drücke vom Freundeskreis Paul-Wulf, der auch die Plakattexte für die Skulptur sowie für die dazugehörende Internetseite www.uwz-archiv.de geschrieben hat und ein sehr guter Freund Paul Wulfs war, widerspricht: „Wir haben bewusst Themen ausgesucht die nicht in staatlichen Bibliotheken zu finden sind und mit denen sich auch Paul Wulf beschäftigt hat“. Dr. Bernd Drücke spielt hier auf die politischen Tätigkeiten Paul Wulfs an, der sich selbst als Anarchist und Kommunist verstand. Wulf selbst lebte eine Zeit lang in besetzen Häusern und war in der Anti-Atomtod-Bewegung gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr aktiv. Der am 2. Mai 1921 geborene Wulf setzte sich stark mit dem Nationalsozialismus und Zwangsterilisierungen auseinander und wurde zur Stimme der rund 350.000 durch die Nazis zwangsterilisierten Menschen, die sich für ihre Unfruchtbarmachung meist schämten und in der Öffentlichkeit nie wahrgenommen wurden. Die Paul-Wulf-Statue in Münster wäre das einzige Denkmal für Zwangsterilisierte in ganz Deutschland, so Dr. Bernd Drücke.
Der Freundeskreis vermutet hinter der Ablehnung andere Gründe als CDU und FDP zugeben: Paul Wulf gehörte nie zur Münsteraner Elite, ganz im Gegenteil war Wulf während seines Lebens arm. Das Bundesverdienstkreuz für seine gesellschaftlich wertvolle Arbeit nahm der Anarchist nicht zuletzt deshalb an, weil er dadurch eine Rente erhielt – Wulf hatte nur eine sehr karge Rente. Paul Wulf war besonders für die CDU sehr unbequem, da er in zahlreichen Ausstellungen CDUler und andere Menschen, die nach dem verlorenen Weltkrieg Karriere machten, als fanatische Nazis während des Dritten Reiches entlarvte. Daher war er konservativen Kreisen schon immer ein Dorn im Auge – einige Anschläge auf seine entlarvenden Ausstellungen sollen sogar aus Reihen der Jungen Union ergangen sein.
Dr. Bernd Drücke sieht dennoch keine einheitliche Meinung in der CDU – die Ablehnung der Skulptur ist in der Partei kein Konsens. Dennoch sieht es für den Erhalt der Skulptur schlecht aus – zwar sind genug Spenden gesammelt worden, um die Skulptur zu kaufen, doch die Stadt hat ein Vorkaufsrecht, so dass sie den Verkauf der Statue blockieren kann.
Den Worten Hartmut Viehoffs (FDP) während der Sitzung mochte dann auch niemand mehr wirklich glauben schenken: „Wir arbeiten permanent und ständig an der Bewältigung unserer Geschichte“. Während der Ausschusssitzung sollen nach Anwesendenberichten auch die Worte „Wir wollen nicht dauernd an die Vergangenheit erinnert werden“ von Seiten der Wulf-Gegner gefallen sein. Viele Argumente der CDU und FDP Mehrheit scheinen an den Haaren herbeigezogen: So fürchten die Politiker, die Skulptur könnte oft beschädigt werden. Ein anderes Argument: Die Skulptur könnte beklebt oder besprayt werden – während der Skulptur-Projekte 2007 gab es einen Farbbombenanschlag auf die Skulptur. Die Politiker vergessen, dass jede Statue im öffentlichen Raum Ziel eines Anschlags werden kann – es drängt sich zunehmend der Verdacht auf, dass die Ablehnung der Skulptur einen ideologischen Hintergrund hat: Was wäre wenn Paul Wulf liberal-konservativ gewesen wäre?
Die FDP ging nun auf Distanz und schob alles auf die Münsteraner CDU: „Wir befinden uns [..] in einer Koalition, die einvernehmlich abstimmt. Dazu stehen wir“, so die FDP-Fraktionschefin Carola Möllemann-Appelhoff.
Die Blockadehaltung der CDU und FDP schadet offensichtlich der Stadt Münster. Selbst der Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann (CDU) hat sich nun in die Posse eingemischt und die Diskussion für beendet erklärt – Argumente hat er keine genannt und ob das, was gegenwärtig in Münster läuft, als Diskussion bezeichnet werden kann, ist zweifelhaft: Bürgerinnen und Bürger sprechen sich in zahlreichen Leserbriefen für den Erhalt der Paul-Wulf-Statue aus – die Paul Wulf-Gegner CDU und FDP im Kulturausschuss aber ignorieren dies, wie auch schon das abgelehnte Rederecht während der Ausschusssitzung zeigte. Münster ist demnach momentan alles andere als demokratisch: Städtische Schwimmbäder wurden gegen den Willen der Bevölkerung mit der Begründung sparen zu müssen geschlossen – dafür soll eine 30 Millionen Euro teure Luxus-Musikhalle vor das bekannte Stadtschloss geklotzt werden, obwohl die Bevölkerungsmehrheit dies laut Umfragen ablehnt.
Trotz des massiven Protests scheint die Bevölkerungsmehrheit – die für den Erhalt der Paul Wulf Skulptur ist – das Nachsehen zu haben. Die knappe Entscheidung des Kulturausschusses in der Sitzung vom 7. November – eine Stimme Mehrheit – ist so schnell nicht revidierbar. Zwar soll es bald eine „Aktuelle Stunde“ im Stadtrat von Münster geben, die sich mit dem Thema beschäftigt, aber eine Entscheidung kann wohl erst wieder nach einer Frist von sechs Monaten gefällt werden – rechtliche Hindernisse.
Weitere Informationen zu Paul Wulf und der Statue sowie einen Pressespiegel findet sich auf der Website des Umweltzentrum Archiv e.V.: www.uwz-archiv.de und auf www.paul-wulf.net gibt es weitere Informationen über Paul Wulf und die Skulptur-Projekte 2007.
Im März 2007 erschien das sehr empfehlenswerte Buch „Lebensunwert?“ über NS-Psychiatrie, Zwangssterilisierung und Widerstand, dass sich mit den Schicksalen von Paul Wulf und dem Zwangspsychiatriesierten Paul Brune befasst, im Verlag Graswurzelrevolution - Herausgegeben vom Freundeskreis Paul Wulf (208 Seiten; 14,90 EUR; ISBN 3-939045-05-5).
Nach Ende der Skulptur-Projekte darf die städtische Kunstkommission darüber beraten, welche Kunstwerke die Stadt von den Künstlerinnen und Künstlern kaufen soll, um Münster weiterhin kulturell zu bereichern. Neun Skulpturen wählte die Kunstkommission dieses Jahr aus, darunter auch der so genannte „Arkaden-Adler“ von Martha Rosler – ein Reichsadler ohne Hakenkreuz, der vor die Münsteraner Arkaden platziert wurde, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Arkaden dem Baustil von Albert Speer nahe kommen.

Das Kunstwerk „Unsettling the Fragments“ (Erschütterung der Fragmente) der Jüdin Martha Rosler beschäftigt sich mit der NS-Vergangenheit. Es zeigt das Adler-Emblem des ehemaligen, unter der Leitung von Ernst Sagebiel 1935 errichteten Lufttransportkommandos der Wehrmacht (heute Lufttransportkommando der Bundeswehr).
© Foto: Michael Schulze von Glaßer

Das Hakenkreuz in den Klauen des Adlers wurde nach dem Krieg weggemeißelt. Die Skulptur steht vor den „Münster Arkaden“ – einem Einkaufszentrum mitten in der Stadt.
© Foto: Michael Schulze von Glaßer
Der absolute Favorit der Kunstkommission ist jedoch die „Paul Wulf Statue“, die auch von den Leserinnen und Lesern der lokalen Zeitungen zur beliebtesten Skulptur gewählt wurde. Die Statue ist ein Abbild des im Nationalsozialismus im Alter von 16 Jahren zwangssterilisierten Antifaschisten Paul Wulf. Die Statue von Künstlerin Silke Wagner und dem Umweltzentrum-Archiv-Verein trägt zu Recht den Namen „Münsters Geschichte von unten“ – die Statue ist eine Art Litfasssäule und wurde während der Skulptur-Projekte 2007 mit vier verschiedenen Themen plakatiert: Beginnend mit der „Lebensgeschichte und Gesellschaftspolitischen Arbeit von Paul Wulf“ über die „Geschichte der Hausbesetzungen in Münster“ und „Politische Zensur von Texten in Deutschland von 1970 bis heute“ und endend mit der Plakatierung „Anti-Atom-Bewegung in Münster“ war die Skulptur sehr abwechslungsreich.

Viel beachtet: Paul Wulf Standbild bei den Skulptur-Projekten Münster’07.
© Foto: Michael Schulze von Glaßer

Das Standbild befand sich mitten in der Münsteraner Innenstadt am Stadthaus I.
© Foto: Michael Schulze von Glaßer
Selbst die internationale Ausgabe der renommierten New York Times, die „International Herald Tribune“, hatte die Skulptur auf der Titelseite – das hat selten ein Münsteraner geschafft.
Die Absegnung durch den städtischen Kulturausschuss war nur noch Formsache – denkste! Sowohl die CDU als auch die FDP verwehrten den beiden provokanten Skulpturen – die anderen Skulpturen waren unpolitisch – ihre Stimmen. Die Wellen schlugen während der öffentlichen Sitzung des Münsteraner Kulturausschusses hoch: „Sie spucken auf das Grab von Paul Wulf!“ rief ein Zuschauer. Die Fraktion der Grünen beantragen Rederecht für ein Mitglied des nach dem Tod Paul Wulfs 1999 gegründeten „Freundeskreis Paul Wulf“, was jedoch mit der absoluten Stimmmehrheit von CDU und FDP verwehrt wurde. Eine Schulklasse, die sich während der Skulptur-Projekte mit Paul Wulfs Leben auseinander gesetzt hatte und extra zur Ausschusssitzung kam, war völlig verdutzt. Ebenso die vor den Kopf gestoßene Kunstkommission, in der übrigens auch Mitglieder von CDU und FDP sitzen. Der Direktor des Landesmuseums Dr. Hermann Arnold sprach von einem „fatalen Image-Schaden für die Stadt Münster“. Warum das Ganze?
Politische Gründe machte die CDU nicht geltend. CDU-Vertreter Berthold Socha begründete die Ablehnung des Paul-Wulf-Standbildes mit einer Verletzung der Persönlichkeitsrechte: „Ich kannte Paul Wulf gut“ sagte Socha, „er würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, dass er posthum zu einer Litfasssäule degradiert und mit Botschaften beklebt würde, die nicht die seinen sind“. Dr. Bernd Drücke vom Freundeskreis Paul-Wulf, der auch die Plakattexte für die Skulptur sowie für die dazugehörende Internetseite www.uwz-archiv.de geschrieben hat und ein sehr guter Freund Paul Wulfs war, widerspricht: „Wir haben bewusst Themen ausgesucht die nicht in staatlichen Bibliotheken zu finden sind und mit denen sich auch Paul Wulf beschäftigt hat“. Dr. Bernd Drücke spielt hier auf die politischen Tätigkeiten Paul Wulfs an, der sich selbst als Anarchist und Kommunist verstand. Wulf selbst lebte eine Zeit lang in besetzen Häusern und war in der Anti-Atomtod-Bewegung gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr aktiv. Der am 2. Mai 1921 geborene Wulf setzte sich stark mit dem Nationalsozialismus und Zwangsterilisierungen auseinander und wurde zur Stimme der rund 350.000 durch die Nazis zwangsterilisierten Menschen, die sich für ihre Unfruchtbarmachung meist schämten und in der Öffentlichkeit nie wahrgenommen wurden. Die Paul-Wulf-Statue in Münster wäre das einzige Denkmal für Zwangsterilisierte in ganz Deutschland, so Dr. Bernd Drücke.
Der Freundeskreis vermutet hinter der Ablehnung andere Gründe als CDU und FDP zugeben: Paul Wulf gehörte nie zur Münsteraner Elite, ganz im Gegenteil war Wulf während seines Lebens arm. Das Bundesverdienstkreuz für seine gesellschaftlich wertvolle Arbeit nahm der Anarchist nicht zuletzt deshalb an, weil er dadurch eine Rente erhielt – Wulf hatte nur eine sehr karge Rente. Paul Wulf war besonders für die CDU sehr unbequem, da er in zahlreichen Ausstellungen CDUler und andere Menschen, die nach dem verlorenen Weltkrieg Karriere machten, als fanatische Nazis während des Dritten Reiches entlarvte. Daher war er konservativen Kreisen schon immer ein Dorn im Auge – einige Anschläge auf seine entlarvenden Ausstellungen sollen sogar aus Reihen der Jungen Union ergangen sein.
Dr. Bernd Drücke sieht dennoch keine einheitliche Meinung in der CDU – die Ablehnung der Skulptur ist in der Partei kein Konsens. Dennoch sieht es für den Erhalt der Skulptur schlecht aus – zwar sind genug Spenden gesammelt worden, um die Skulptur zu kaufen, doch die Stadt hat ein Vorkaufsrecht, so dass sie den Verkauf der Statue blockieren kann.
Den Worten Hartmut Viehoffs (FDP) während der Sitzung mochte dann auch niemand mehr wirklich glauben schenken: „Wir arbeiten permanent und ständig an der Bewältigung unserer Geschichte“. Während der Ausschusssitzung sollen nach Anwesendenberichten auch die Worte „Wir wollen nicht dauernd an die Vergangenheit erinnert werden“ von Seiten der Wulf-Gegner gefallen sein. Viele Argumente der CDU und FDP Mehrheit scheinen an den Haaren herbeigezogen: So fürchten die Politiker, die Skulptur könnte oft beschädigt werden. Ein anderes Argument: Die Skulptur könnte beklebt oder besprayt werden – während der Skulptur-Projekte 2007 gab es einen Farbbombenanschlag auf die Skulptur. Die Politiker vergessen, dass jede Statue im öffentlichen Raum Ziel eines Anschlags werden kann – es drängt sich zunehmend der Verdacht auf, dass die Ablehnung der Skulptur einen ideologischen Hintergrund hat: Was wäre wenn Paul Wulf liberal-konservativ gewesen wäre?
Die FDP ging nun auf Distanz und schob alles auf die Münsteraner CDU: „Wir befinden uns [..] in einer Koalition, die einvernehmlich abstimmt. Dazu stehen wir“, so die FDP-Fraktionschefin Carola Möllemann-Appelhoff.
Die Blockadehaltung der CDU und FDP schadet offensichtlich der Stadt Münster. Selbst der Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann (CDU) hat sich nun in die Posse eingemischt und die Diskussion für beendet erklärt – Argumente hat er keine genannt und ob das, was gegenwärtig in Münster läuft, als Diskussion bezeichnet werden kann, ist zweifelhaft: Bürgerinnen und Bürger sprechen sich in zahlreichen Leserbriefen für den Erhalt der Paul-Wulf-Statue aus – die Paul Wulf-Gegner CDU und FDP im Kulturausschuss aber ignorieren dies, wie auch schon das abgelehnte Rederecht während der Ausschusssitzung zeigte. Münster ist demnach momentan alles andere als demokratisch: Städtische Schwimmbäder wurden gegen den Willen der Bevölkerung mit der Begründung sparen zu müssen geschlossen – dafür soll eine 30 Millionen Euro teure Luxus-Musikhalle vor das bekannte Stadtschloss geklotzt werden, obwohl die Bevölkerungsmehrheit dies laut Umfragen ablehnt.
Trotz des massiven Protests scheint die Bevölkerungsmehrheit – die für den Erhalt der Paul Wulf Skulptur ist – das Nachsehen zu haben. Die knappe Entscheidung des Kulturausschusses in der Sitzung vom 7. November – eine Stimme Mehrheit – ist so schnell nicht revidierbar. Zwar soll es bald eine „Aktuelle Stunde“ im Stadtrat von Münster geben, die sich mit dem Thema beschäftigt, aber eine Entscheidung kann wohl erst wieder nach einer Frist von sechs Monaten gefällt werden – rechtliche Hindernisse.
Weitere Informationen zu Paul Wulf und der Statue sowie einen Pressespiegel findet sich auf der Website des Umweltzentrum Archiv e.V.: www.uwz-archiv.de und auf www.paul-wulf.net gibt es weitere Informationen über Paul Wulf und die Skulptur-Projekte 2007.
Im März 2007 erschien das sehr empfehlenswerte Buch „Lebensunwert?“ über NS-Psychiatrie, Zwangssterilisierung und Widerstand, dass sich mit den Schicksalen von Paul Wulf und dem Zwangspsychiatriesierten Paul Brune befasst, im Verlag Graswurzelrevolution - Herausgegeben vom Freundeskreis Paul Wulf (208 Seiten; 14,90 EUR; ISBN 3-939045-05-5).
onlineredaktion - 19. Nov, 15:50 Article 8393x read