Eine Reise nach Polen, Gedenken der Opfer von Nazi-Verbrechen, und eine Wahl in Deutschland - eine persönliche Stellungnahme
Dr. Alexander von Paleske -- 4.9.2026 --
In dieser Woche reise ich nach Polen. Schon vor zwei Jahren besuchte ich das Land, auch um um die damaligen Wohnorte meines Vaters und meiner Verwandten zu besuchen. Aufmerksam gemacht durch einen Reiseführer besuchte ich auch die Gedenkstätte im Wald von Szpengawsk (damals Spengawsken) südlich von Danzig. Dieser Wald gehörte einst meinem Onkel Joachim von Paleske. Dort waren nach dem Einmarsch deutscher Truppen bis zu 7000 Polen von der SS und dem Volksschutz erschossen, und in Massengräbern verscharrt worden: Mitglieder der Oberschicht, Priester, Mitglieder der Mittelschicht, Juden, und Patienten einer psychiatrischen Klinik.
Verwandte als Gehilfen eines Verbrechens
Meine durch den Besuch angestossenen Nachforschungen, ergaben, dass nach polnischen Zeugenaussagen sowohl mein Vater, vor allem aber mein Onkel Joachim, Beihilfe zu diesen Verbrechen geleistet haben.
Mein Onkel hatte diesen Wald für die Erschiessungen zur Verfügung gestellt,war, ebenso wie mein Vater, Mitglied im Volksschutz, und nach Hitlers Überfall auf Polen Mitglied der NSDAP, Joachim später dann auch Mitglied der Waffen SS. Ob sie selbst an den Erschiessungen beteiligt waren, konnte nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden.
Der Strafverfolgung entkommen
Meinen Vater konnte ich nicht mehr befragen, er starb bereits 1947.
Mein Onkel, der nach dem Krieg erfolgreicher Unternehmer wurde, und 1996 starb, entkam einer Strafverfolgung. Die Verfahren wurden, wie bei vielen anderen schwerst Belasteten, bereits in den 50er Jahren und letztendlich 1970 eingestellt - kein Tatverdacht.
Jährliche Gedenkfeier
Die Opfer dieses Massenmordes sind in Polen nicht vergessen. Jedes Jahr im September findet eine Gedenkfeier am Ort der Verbrechen statt, wo ein sehr würdiges Mahnmal errichtet wurde.
Nachdem meine Nachforschungen die Beteiligung von Mitgliedern meiner Familie ergeben hatte, beschloss ich, sofern erwünscht, an der Gedenkfeier in diesem Jahr teilzunehmen, und schrieb an die Vorsitzende des Organisationskomitees:
Dear Ms. Szambowska,
I am the nephew of Joachim von Paleske, who was involved in the mass murder of Polish people in 1939/1940.
I wrote an article about it, which I attach.
Please let me know, when the memorial service is taking place this year, I wish to attend, pay my respects and show my shame and sadness.
Your sincerely
Dr.med.Alexander von Paleske
Physician, Barrister-at-law
Die Nachricht kam prompt:
Dear Mr. von Paleske,
Thank you for your letter and for sharing the article you enclosed. We appreciate the honesty and courage it took to write to us, and we welcome your wish to attend.
This year's commemoration, marking the 87th anniversary of the massacre in the Szpęgawski Forest, will take place on 20 September 2026. The detailed program of the ceremony will be published on the website www.ugstarogard.pl, closer to the date.
Your sincerely,
Karolina Szambowska
Naczelnik Wydziału Gospodarki Komunalnej
Gedanken mit dabei
Diese Reise wird mit den Gedanken an die Wahlen in Sachsen-Anhalt begleitet. Während ich eine Reise in eine schreckliche Vergangenheit mache, müssen wir uns in Deutschland zukünftig auf rechtsradikale Machtübernahmen vorbereiten.
Ich hatte es nach den Erfahrungen von 1933 bis 1945 für ausgeschlossen gehalten, dass Rechtsradikale wieder an nennenswertem Einfluss in Deutschland gewinnen könnten.
Willy Brandt sagte nach seiner Wiederwahl 1972, bei denen die SPD erstmals als stärkte Fraktion mit über 45% der Stimmen in den Bundestag einzog:
Jetzt hat Adolf Hitler den Krieg wirklich verloren.
Er sollte sich irren.
Drei Ereignisse und Pläne - tiefbraun
Nur drei Ereignisse werfen ein Schlaglicht darauf, wie an braune Traditionen von der Neuen Rechten angeknüpft wird:
- Die geplante Bildung einer „Bürgerwacht“, die de facto zu nichts anderem als einer Art Hilfspolizei werden dürfte, und die nicht mehr Sicherheit schaffen wird, sondern Jagd auf Ausländer machen dürfte, und alles, was undeutsch“ ist, wie Schwule und Queere. Auch dafür gibt es Vorbilder: Die Umwandlung der SA in eine Hilfspolizei nach der Machtübernahme Hitlers.
- Die Verteufelung des Bauhauses als „undeutsch“: das sagten bereits die Nazis, und verboten diese Baukunst als „entartet“.
- Die geplante Abschaffung der Schulpflicht: Angeblich, um Eltern zu ermöglichen, ihre Kinder selbst zu unterrichten. In Wirklichkeit aber, um die Schulen zu „germanisieren“, also Migrantenkinder vom Schulbesuch zu entpflichten. Auch das gab es bereits: Im Dritten Reich: mit Kindern jüdischer Mitbürger.
Initiis obsta - wehret den Anfängen. Von Anfängen kann aber schon gar nicht mehr gesprochen werden, also um so dringender.
In dieser Woche reise ich nach Polen. Schon vor zwei Jahren besuchte ich das Land, auch um um die damaligen Wohnorte meines Vaters und meiner Verwandten zu besuchen. Aufmerksam gemacht durch einen Reiseführer besuchte ich auch die Gedenkstätte im Wald von Szpengawsk (damals Spengawsken) südlich von Danzig. Dieser Wald gehörte einst meinem Onkel Joachim von Paleske. Dort waren nach dem Einmarsch deutscher Truppen bis zu 7000 Polen von der SS und dem Volksschutz erschossen, und in Massengräbern verscharrt worden: Mitglieder der Oberschicht, Priester, Mitglieder der Mittelschicht, Juden, und Patienten einer psychiatrischen Klinik.
Verwandte als Gehilfen eines Verbrechens
Meine durch den Besuch angestossenen Nachforschungen, ergaben, dass nach polnischen Zeugenaussagen sowohl mein Vater, vor allem aber mein Onkel Joachim, Beihilfe zu diesen Verbrechen geleistet haben.
Mein Onkel hatte diesen Wald für die Erschiessungen zur Verfügung gestellt,war, ebenso wie mein Vater, Mitglied im Volksschutz, und nach Hitlers Überfall auf Polen Mitglied der NSDAP, Joachim später dann auch Mitglied der Waffen SS. Ob sie selbst an den Erschiessungen beteiligt waren, konnte nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden.
Der Strafverfolgung entkommen
Meinen Vater konnte ich nicht mehr befragen, er starb bereits 1947.
Mein Onkel, der nach dem Krieg erfolgreicher Unternehmer wurde, und 1996 starb, entkam einer Strafverfolgung. Die Verfahren wurden, wie bei vielen anderen schwerst Belasteten, bereits in den 50er Jahren und letztendlich 1970 eingestellt - kein Tatverdacht.
Jährliche Gedenkfeier
Die Opfer dieses Massenmordes sind in Polen nicht vergessen. Jedes Jahr im September findet eine Gedenkfeier am Ort der Verbrechen statt, wo ein sehr würdiges Mahnmal errichtet wurde.
Nachdem meine Nachforschungen die Beteiligung von Mitgliedern meiner Familie ergeben hatte, beschloss ich, sofern erwünscht, an der Gedenkfeier in diesem Jahr teilzunehmen, und schrieb an die Vorsitzende des Organisationskomitees:
Dear Ms. Szambowska,
I am the nephew of Joachim von Paleske, who was involved in the mass murder of Polish people in 1939/1940.
I wrote an article about it, which I attach.
Please let me know, when the memorial service is taking place this year, I wish to attend, pay my respects and show my shame and sadness.
Your sincerely
Dr.med.Alexander von Paleske
Physician, Barrister-at-law
Die Nachricht kam prompt:
Dear Mr. von Paleske,
Thank you for your letter and for sharing the article you enclosed. We appreciate the honesty and courage it took to write to us, and we welcome your wish to attend.
This year's commemoration, marking the 87th anniversary of the massacre in the Szpęgawski Forest, will take place on 20 September 2026. The detailed program of the ceremony will be published on the website www.ugstarogard.pl, closer to the date.
Your sincerely,
Karolina Szambowska
Naczelnik Wydziału Gospodarki Komunalnej
Gedanken mit dabei
Diese Reise wird mit den Gedanken an die Wahlen in Sachsen-Anhalt begleitet. Während ich eine Reise in eine schreckliche Vergangenheit mache, müssen wir uns in Deutschland zukünftig auf rechtsradikale Machtübernahmen vorbereiten.
Ich hatte es nach den Erfahrungen von 1933 bis 1945 für ausgeschlossen gehalten, dass Rechtsradikale wieder an nennenswertem Einfluss in Deutschland gewinnen könnten.
Willy Brandt sagte nach seiner Wiederwahl 1972, bei denen die SPD erstmals als stärkte Fraktion mit über 45% der Stimmen in den Bundestag einzog:
Jetzt hat Adolf Hitler den Krieg wirklich verloren.
Er sollte sich irren.
Drei Ereignisse und Pläne - tiefbraun
Nur drei Ereignisse werfen ein Schlaglicht darauf, wie an braune Traditionen von der Neuen Rechten angeknüpft wird:
- Die geplante Bildung einer „Bürgerwacht“, die de facto zu nichts anderem als einer Art Hilfspolizei werden dürfte, und die nicht mehr Sicherheit schaffen wird, sondern Jagd auf Ausländer machen dürfte, und alles, was undeutsch“ ist, wie Schwule und Queere. Auch dafür gibt es Vorbilder: Die Umwandlung der SA in eine Hilfspolizei nach der Machtübernahme Hitlers.
- Die Verteufelung des Bauhauses als „undeutsch“: das sagten bereits die Nazis, und verboten diese Baukunst als „entartet“.
- Die geplante Abschaffung der Schulpflicht: Angeblich, um Eltern zu ermöglichen, ihre Kinder selbst zu unterrichten. In Wirklichkeit aber, um die Schulen zu „germanisieren“, also Migrantenkinder vom Schulbesuch zu entpflichten. Auch das gab es bereits: Im Dritten Reich: mit Kindern jüdischer Mitbürger.
Initiis obsta - wehret den Anfängen. Von Anfängen kann aber schon gar nicht mehr gesprochen werden, also um so dringender.
onlinedienst - 5. Sep, 14:51 Article 1048x read





















