Weiteres Geld verbrannt, diesmal auch von Krankenkassen
Dr. Alexander von Paleske --- 4.7.2026 --
Was vereint die Kaufmännische Krankenkasse Halle (KKH), die Pronova Betriebskrankenkasse, und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen? Normalerweise nur die Tatsache, dass sie im Gesundheitsbereich tätig sind: als Krankenkasse oder aber als KV, welche die Gelder der Krankenkasse an die Ärzte verteilt.
Neuer gemeinsamer unerquicklicher Nennner
Nun haben diese Institutionen einen neuen gemeinsamen Nenner gefunden: einen ausserordentlich verlustbringenden unter dem Namen Verius-Fond, beheimatet im Alpen-Ländle Schweiz, genauer: in Zug, und ein Produkt der Verius Capital AG.
Sie alle glaubten, oder wollten glauben in einen
bombensicheren Fond investiert zu haben - wie es das Gesetz verlangt - und sie haben nicht nur Kleckerbeträge investiert, sondern schlappe 80 Millionen Euro in einen Fond, der sich keineswegs als bombensicher, sondern vielmehr als hochgradig einsturzgefährdet erwies.
Reiht Euch ein in die Verlustbringer-Front
Sie reihen sich damit ein in die Liste von Einrichtungen im Gesundheitswesen ein, die - offenbar keineswegs unvorhersehbar - Investments getätigt haben, deren Geld aber, statt sich zu vermehren, verbrannt wurde und durch den Schornstein ging. Wo Gier, Nachlässigkeit oder Unvermögen dazu führten, dass verwaltete Gelder zum Nachteil von Versicherten einen hochriskanten Weg einschlugen mit den entsprechenden Folgen.
Bereits mehrfach haben wir über diese Fehlinvestitionen berichtet:
- Versorgungswerk der Zahnärzte Berlin-Brandenburg, bis zu 1 Milliarde Euro weg.
- Bayerische Versorgungskammer (Investitionsarm sämtlicher Versorgungswerke in Bayern) mit Plünderer und Grossbetrüger René Benko: 50 Millionen Euro weg, siehe auch hier.
- Bayerische Versorgungskammer mit dem vorbestraften Michael Shvo in den USA: 150 Millionen Euro sicher weg, weitere 550 Millionen sehr gefährdet, wahrscheinlich also 750 Millionen Euro durch denSchornstein. Da aber von in den USA Geschädigten auch ein Verstoß gegen das RICO-Gesetz, ein Gesetz gegen organisierte
Kriminalität, behauptet wird, könnten im Zivilprozess auch noch
sog. Punitive Damages drohen, ein Instrument, das es in Deutschland nicht gibt, wo also sich zum Schadensersatz noch ein bis um den Faktor 10 höherer Betrag dem Schädiger als Strafe aufgebrummt wird. Die Schadensumme für die Bayerische
Versorgungskammer könnte also schlimmstenfalls im hohen
einstelligen Euro-Milliardenbereich landen.
- Versorgungswerk der Ärztinnen und Ärzte in Hessen:
Das Versorgungswerk verzeichnete bereits 2023 erhebliche finanzielle Verluste. Auf diverse Forderungen gegenüber Immobilienentwicklern und -gesellschaften mussten Abschreibungen vorgenommen werden, im Klartext: Fehlinvestitionen, resultierend in einem Jahresfehlbetrag von 47,4 Millionen Euro,
Dazu noch Abschreibungen in Höhe von rund 300 Millionen Euro auf Immobilienpapiere (teilweise über Luxemburger Zweckgesellschaften) . Die Verluste resultieren aus eindeutig spekulativen Anlagen.
- KVSH Schleswig Holstein: bis zu 36 Millionen.
Der Nächste bitte
Nun also die Verius-Fond-Geschädigten. Wiederum wurden, über eine Zweckgesellschaft in Luxemburg, Investitionen in einen Fond getätigt, der rund eine Milliarde Euro in erst zu errichtende Bauten über Bauträger investierte. Bauträger, die selbst keine durch Hypotheken abgesicherte Bankkredite mehr bekamen, deshalb gerne Gelder von Fonds nahmen, und denen im Gegenzug schöne Zinsen weit über den Bankzinsen versprachen.
Entweder nahm der Fonds als Gegenleistung Schuldscheine oder Mezzanine Kapital entgegen, die aber davon abhängen, dass der Bauträger sein Projekt zu Ende bringt, und nicht der Pleitegeier sich zuvor auf dem Unvollendeten niederlässt. Man könnte das so zusammenfassen: Fragliche Sicherheit gegen das Versprechen hoher Zinsen.
Wehe wehe, wenn ich sehe
Fehlt jetzt nur noch ein - keinesweg unerwarteter - Zinsanstieg, sodass die erstrangigen Kredite der Banken nicht mehr bedient werden können, dann heisst es es: Aus der Traum. Und das genau geschah mit dem Verius-Fond, in den die Einrichtungen des Gesundheitsbereichs in Deutschland investierten. Rund 70 Prozent der geprüften Fondsobjekte mussten fortan als „kritisch oder sehr kritisch“ eingestuft werden. Zudem gab es massive Differenzen zwischen der Aktenlage und der realen Situation vor Ort.
Bösartig könnte man auch sagen: von Gesund in Deutschland nach Krank in der Schweiz.
Das Sozialgesetzbuch im Teil IV schreibt klar vor:
"Finanzanlagen müssen so getätigt werden, dass ein Verlust ausgeschlossen erscheint, ein angemessener Ertrag erzielt wird und eine ausreichende Liquidität gewährleistet ist".
Diese Kriterien sehen zusammenfassend eine vorsichtige, konservative Anlagestrategie vor, der Erhalt der Gelder ist das Ziel, nicht das Erzielen hoher Erträge.
Grosses Geschrei
Nun ist das Geschrei der KV und der Kassen gross: sie ziehen jetzt vor den Kadi und beschuldigen den Vermittler, sie getäuscht zu haben.
Ob das allerdings ziehen wird, ist fraglich, denn die Investoren sind ja keine Privatanleger, die man so mal eben auf einer Kaffeefahrt und mit ein paar Prospekten im Glanzformat über den Tisch ziehen kann.
Zum Schluss könnte es vielmehr so kommen, dass, neben den Fonds-Verlusten, sich auch noch die Prozesskosten im zumindest sechsstelligen oder gar siebenstelligen Bereich zu den bereits angelaufenen Verlusten hinzuaddieren.
Anzeigen gegen wen?
Man prüfe derzeit auch noch strafrechtliche Schritte, wie es heisst. Damit sind wohl Strafanzeigen gegen die Vermittler gemeint, dabei könnte es genau so nahe liegen, Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen der KV und der Krankenkassen wegen Verdachts der Untreue zu erstatten.
Wie die Erfahrungen mit Anzeigen gegen die Kreditgeber an den wegen Grossbetrugs Beschuldigten René Benko allerdings zeigen, wird schon ein Anfangsverdacht wegen Untreue seitens der Staatsanwaltschaften verneint. Die Staatsanwaltschaft Essen schoss dabei den Vogel ab, indem sie 250 Millionen Euro Verlust einen „überschaubaren“ Betrag nannte, und keine Ermittlungen aufnahm. Wie schön.
Noch einer
Und schon taucht das nächste Verlustgeschäft auf: diesmal seitens der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Dort warten sie mit einer Mischung aus Spannung und Sorge auf die Bewertung ihrer Immobilien-Investitionen. Es geht um mehr als 100 Millionen gefährdete Investments.
Was vereint die Kaufmännische Krankenkasse Halle (KKH), die Pronova Betriebskrankenkasse, und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen? Normalerweise nur die Tatsache, dass sie im Gesundheitsbereich tätig sind: als Krankenkasse oder aber als KV, welche die Gelder der Krankenkasse an die Ärzte verteilt.
Neuer gemeinsamer unerquicklicher Nennner
Nun haben diese Institutionen einen neuen gemeinsamen Nenner gefunden: einen ausserordentlich verlustbringenden unter dem Namen Verius-Fond, beheimatet im Alpen-Ländle Schweiz, genauer: in Zug, und ein Produkt der Verius Capital AG.
Sie alle glaubten, oder wollten glauben in einen
bombensicheren Fond investiert zu haben - wie es das Gesetz verlangt - und sie haben nicht nur Kleckerbeträge investiert, sondern schlappe 80 Millionen Euro in einen Fond, der sich keineswegs als bombensicher, sondern vielmehr als hochgradig einsturzgefährdet erwies.
Reiht Euch ein in die Verlustbringer-Front
Sie reihen sich damit ein in die Liste von Einrichtungen im Gesundheitswesen ein, die - offenbar keineswegs unvorhersehbar - Investments getätigt haben, deren Geld aber, statt sich zu vermehren, verbrannt wurde und durch den Schornstein ging. Wo Gier, Nachlässigkeit oder Unvermögen dazu führten, dass verwaltete Gelder zum Nachteil von Versicherten einen hochriskanten Weg einschlugen mit den entsprechenden Folgen.
Bereits mehrfach haben wir über diese Fehlinvestitionen berichtet:
- Versorgungswerk der Zahnärzte Berlin-Brandenburg, bis zu 1 Milliarde Euro weg.
- Bayerische Versorgungskammer (Investitionsarm sämtlicher Versorgungswerke in Bayern) mit Plünderer und Grossbetrüger René Benko: 50 Millionen Euro weg, siehe auch hier.
- Bayerische Versorgungskammer mit dem vorbestraften Michael Shvo in den USA: 150 Millionen Euro sicher weg, weitere 550 Millionen sehr gefährdet, wahrscheinlich also 750 Millionen Euro durch denSchornstein. Da aber von in den USA Geschädigten auch ein Verstoß gegen das RICO-Gesetz, ein Gesetz gegen organisierte
Kriminalität, behauptet wird, könnten im Zivilprozess auch noch
sog. Punitive Damages drohen, ein Instrument, das es in Deutschland nicht gibt, wo also sich zum Schadensersatz noch ein bis um den Faktor 10 höherer Betrag dem Schädiger als Strafe aufgebrummt wird. Die Schadensumme für die Bayerische
Versorgungskammer könnte also schlimmstenfalls im hohen
einstelligen Euro-Milliardenbereich landen.
- Versorgungswerk der Ärztinnen und Ärzte in Hessen:
Das Versorgungswerk verzeichnete bereits 2023 erhebliche finanzielle Verluste. Auf diverse Forderungen gegenüber Immobilienentwicklern und -gesellschaften mussten Abschreibungen vorgenommen werden, im Klartext: Fehlinvestitionen, resultierend in einem Jahresfehlbetrag von 47,4 Millionen Euro,
Dazu noch Abschreibungen in Höhe von rund 300 Millionen Euro auf Immobilienpapiere (teilweise über Luxemburger Zweckgesellschaften) . Die Verluste resultieren aus eindeutig spekulativen Anlagen.
- KVSH Schleswig Holstein: bis zu 36 Millionen.
Der Nächste bitte
Nun also die Verius-Fond-Geschädigten. Wiederum wurden, über eine Zweckgesellschaft in Luxemburg, Investitionen in einen Fond getätigt, der rund eine Milliarde Euro in erst zu errichtende Bauten über Bauträger investierte. Bauträger, die selbst keine durch Hypotheken abgesicherte Bankkredite mehr bekamen, deshalb gerne Gelder von Fonds nahmen, und denen im Gegenzug schöne Zinsen weit über den Bankzinsen versprachen.
Entweder nahm der Fonds als Gegenleistung Schuldscheine oder Mezzanine Kapital entgegen, die aber davon abhängen, dass der Bauträger sein Projekt zu Ende bringt, und nicht der Pleitegeier sich zuvor auf dem Unvollendeten niederlässt. Man könnte das so zusammenfassen: Fragliche Sicherheit gegen das Versprechen hoher Zinsen.
Wehe wehe, wenn ich sehe
Fehlt jetzt nur noch ein - keinesweg unerwarteter - Zinsanstieg, sodass die erstrangigen Kredite der Banken nicht mehr bedient werden können, dann heisst es es: Aus der Traum. Und das genau geschah mit dem Verius-Fond, in den die Einrichtungen des Gesundheitsbereichs in Deutschland investierten. Rund 70 Prozent der geprüften Fondsobjekte mussten fortan als „kritisch oder sehr kritisch“ eingestuft werden. Zudem gab es massive Differenzen zwischen der Aktenlage und der realen Situation vor Ort.
Bösartig könnte man auch sagen: von Gesund in Deutschland nach Krank in der Schweiz.
Das Sozialgesetzbuch im Teil IV schreibt klar vor:
"Finanzanlagen müssen so getätigt werden, dass ein Verlust ausgeschlossen erscheint, ein angemessener Ertrag erzielt wird und eine ausreichende Liquidität gewährleistet ist".
Diese Kriterien sehen zusammenfassend eine vorsichtige, konservative Anlagestrategie vor, der Erhalt der Gelder ist das Ziel, nicht das Erzielen hoher Erträge.
Grosses Geschrei
Nun ist das Geschrei der KV und der Kassen gross: sie ziehen jetzt vor den Kadi und beschuldigen den Vermittler, sie getäuscht zu haben.
Ob das allerdings ziehen wird, ist fraglich, denn die Investoren sind ja keine Privatanleger, die man so mal eben auf einer Kaffeefahrt und mit ein paar Prospekten im Glanzformat über den Tisch ziehen kann.
Zum Schluss könnte es vielmehr so kommen, dass, neben den Fonds-Verlusten, sich auch noch die Prozesskosten im zumindest sechsstelligen oder gar siebenstelligen Bereich zu den bereits angelaufenen Verlusten hinzuaddieren.
Anzeigen gegen wen?
Man prüfe derzeit auch noch strafrechtliche Schritte, wie es heisst. Damit sind wohl Strafanzeigen gegen die Vermittler gemeint, dabei könnte es genau so nahe liegen, Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen der KV und der Krankenkassen wegen Verdachts der Untreue zu erstatten.
Wie die Erfahrungen mit Anzeigen gegen die Kreditgeber an den wegen Grossbetrugs Beschuldigten René Benko allerdings zeigen, wird schon ein Anfangsverdacht wegen Untreue seitens der Staatsanwaltschaften verneint. Die Staatsanwaltschaft Essen schoss dabei den Vogel ab, indem sie 250 Millionen Euro Verlust einen „überschaubaren“ Betrag nannte, und keine Ermittlungen aufnahm. Wie schön.
Noch einer
Und schon taucht das nächste Verlustgeschäft auf: diesmal seitens der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Dort warten sie mit einer Mischung aus Spannung und Sorge auf die Bewertung ihrer Immobilien-Investitionen. Es geht um mehr als 100 Millionen gefährdete Investments.
onlinedienst - 4. Jul, 18:29 Article 343x read





















