Zika-Epidemie – zwischen Übertreibung und Verharmlosung
Dr. Alexander von Paleske ----- 3.2. 2016 -----
Ein “neues”Virus macht gegenwärtig Schlagzeilen: Das Zika Virus. Es hat sich in Lateinamerika epidemieartig ausgebreitet.
Krankheitssymptome
Die Infektion mit dem Virus führt - von Ausnahmen abgesehen - normalerweise nur zu grippeähnlichen Symptomen, Hautausschlag und Gelenkschmerzen.
Es soll aber auch verantwortlich sein für Fehlbildungen des Schädels und des Gehirns (Mikrozephalie), ausgelöst durch eine Infektion der Mutter mit dem Zika-Virus während der Schwangerschaft.
Ausserdem für das sog. Guillain- Barre Syndrom bei einer kleinen Zahl Infizierter: eine in der Regel vorübergehende, weitgehende Lähmung, die in schweren Fällen allerdings eine Intensivbehandlung und maschinelle Beatmung erforderlich machen kann.
Gesundheitsnotstand ausgerufen
Die Weltgesundheitsorganisation hat mittlerweile den Gesundheits-Notstand ausgerufen,koordinierte weltweite Anstrengungen seien nötig, um die weltweite Ausbreitung des tückischen Virus zu verhindern, während der Virologe Kekule in der ZEIT</i> vor Übertreibung warnt.
Zeit für nüchterne Betrachtung
Zeit zur nüchternen Betrachtung, und vor allem sich an die Fakten zu halten, soweit wir sie kennen.
Das Zika-Virus gehört zu Gruppe der Flavi-Viren, die durch Mücken übertragen werden, in diesem Fall durch die Stechmücke Aedes aegypti, auch als Gelbfiebermücke bekannt.

Steckmuecke Aedes aegypti
Auch eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch durch ungeschützten Intimverkehr ist möglich. Heute wurde aus Texas berichtet, dass ein Rückkehrer aus Lateinamerika seine Partnerin mit dem Zika-Virus angesteckt hat. Dort ist Winter, eine Übertragung durch Mücken scheidet aus.
.
Kein neues Virus
Es handelt sich keineswegs um ein neues Virus, sondern es wurde erstmals 1947 in Uganda bei Affen im Zika-Forest nachgewiesen.
Offenbar gab es aber auch in Asien eine Variante des Virus.
Im Jahre 1952 wurde in Nigeria der erste Fall einer Infektion beim Menschen bekannt, offenbar hattte eine Mutation zu der Übertragbarkeit auf den Menschen geführt. Sporadische Fälle gab es im Laufe der darauffolgenden Jahre in Afrika und in Asien, jedoch keine Epidemie.
In den Standard-Lehrbüchern der medizinischen Mikrobiologie fand das Virus – wenn überhaupt – nur in einer Fussnote Erwähnung.
Die Epidemien beginnen
In der vergangenen Dekade gab es die ersten Epidemien, die sich im asiatischen Raum abspielten, wobei der asiatische Stamm des Zika-Virus, nicht aber der afrikanische, verantwortlich war.
Dazu haben vermutlich zwei Faktoren beigetragen Die Ausbreitung des Überträgers, der Stechmücke Aedes aegypti - denn parallel dazu breiteten sich ebenfalls Dengue-Fieber und das Chikungunya Virus aus, auch diese Viruserkrankungen werden durch die diese Steckmücke übertragen - und Mutationen des Virus.
Die erste Zika- Epidemie fand 2007 auf der Yap-Insel in Mikronesien statt. Die nächste gab es in Französisch Polynesien,
Schliesslich traf das Zika-Virus 2015 in Südamerika ein und führte dort sofort zu einer Epidemie. Vor 2015 war das Virus dort unbekannt.
Mittlerweile sind allein in Brasilien schätzungsweise zwischen 500.000 und 1.3 Millionen Menschen infiziert worden.

Von der Zika-Epidemie mittlerweile betroffene Länder Lateinamerikas
Parallel Mikrozephalie
Parallel zu der Ausbreitung des Virus in Brasilien kam es zu einer zwanzigfach höheren Rate von Mikrozephalie.
Unter einer Mikrozephalie versteht man eine Entwicklungsstörung des Embryos, bei der der Kopf eine vergleichsweise geringere Größe aufweist: der Kopfumfang ist 3 Standardabweichungen geringer als der Mittelwert für einen Menschen gleichen Alters und Geschlechts.
Mikrozephalie ist mit geistiger Behinderung verbunden, die von weiteren Begleitfaktoren abhängt und tritt normalerweise bei 1,6 pro 1.000 Geburten auf. Weitere Details siehe hier.
.Die Mikrozephalie lässt sich im Ultraschall erst ab der 20. Schwangerschaftswoche mit einiger Sicherheit nachweisen.

Brasilianisches Kind mit Mikrozephalie
Auch wenn die Kausalität zwischen Zika-Infektion und Missbildung noch nicht 100%ig nachgewiesen ist, so besteht doch ein starker, ausserordentlich beunruhigender Verdacht in diese Richtung. Möglicherweise spielen noch weitere Faktoren eine Rolle.
Nachgewiesen wurde die Infektion in Brasilien jetzt bei rund 3000 Schwangeren, allerdings ist völlig unklar, wie viele Embryos einen Schaden davontragen werden. Die in der Presse verbreiteten Nachrichten über 3000 geschädigten Babys sind vermutlich zu hochgegriffen, die Zahlen, die der Virologe Kekule nennt, vemutlich viel zu niedrig.
Kein Impfstoff
Einen Impfstoff gibt es bisher nicht. Keine Überraschung, da das Virus vor 2007 nur sporadisch auftrat nicht aber epidemisch. Das spricht allerdings für Neumutationen, sowohl seinerzeit für die Übertragbarkeit vom Affen zum Menschen, wie auch dann für das epidemische Ausbreiten nach 2007.
Auch in Europa?
Das Virus wird bisher nur durch Reisende nach Europa eingeschleppt. Das könnte sich aber theoretisch ändern, denn die Tigermücke, mit Aedes aegypti verwandt, ist mittlerweile nach Deutschland eingewandert, und im süddeutschen Raum zu finden. Sie käme in den Sommermonaten – zunächst rein theoretisch – als Überträger in Frage.
Fazit
Es gibt daher keinen Grund, diese Epidemie mit ihren Folgen zu verharmlosen,.zumal eine ganze Reihe von Fragen bisher unbeantwortet sind, z.B. wie lange es dauert, bis die körperliche Abwehr das Virus eliminiert..
Schwangere sollten Reisen in die Länder, die von der Epidemie heimgesucht werden, unbedingt meiden.
Rückkehrer aus diesen Gebieten sollten wissen, dass auch eine direkte sexuelle Übertragung möglich ist.
Die Hauptaufgabe muss jetzt darin bestehen, die Stechmückenplage in den Griff zu bekommen, die nicht nur für Zika, sondern auch für die Übertragung des gefährlicheren Dengue Virus verantwortlich ist - und die Entwicklung eines Impfstoffes.
Ein “neues”Virus macht gegenwärtig Schlagzeilen: Das Zika Virus. Es hat sich in Lateinamerika epidemieartig ausgebreitet.
Krankheitssymptome
Die Infektion mit dem Virus führt - von Ausnahmen abgesehen - normalerweise nur zu grippeähnlichen Symptomen, Hautausschlag und Gelenkschmerzen.
Es soll aber auch verantwortlich sein für Fehlbildungen des Schädels und des Gehirns (Mikrozephalie), ausgelöst durch eine Infektion der Mutter mit dem Zika-Virus während der Schwangerschaft.
Ausserdem für das sog. Guillain- Barre Syndrom bei einer kleinen Zahl Infizierter: eine in der Regel vorübergehende, weitgehende Lähmung, die in schweren Fällen allerdings eine Intensivbehandlung und maschinelle Beatmung erforderlich machen kann.
Gesundheitsnotstand ausgerufen
Die Weltgesundheitsorganisation hat mittlerweile den Gesundheits-Notstand ausgerufen,koordinierte weltweite Anstrengungen seien nötig, um die weltweite Ausbreitung des tückischen Virus zu verhindern, während der Virologe Kekule in der ZEIT</i> vor Übertreibung warnt.
Zeit für nüchterne Betrachtung
Zeit zur nüchternen Betrachtung, und vor allem sich an die Fakten zu halten, soweit wir sie kennen.
Das Zika-Virus gehört zu Gruppe der Flavi-Viren, die durch Mücken übertragen werden, in diesem Fall durch die Stechmücke Aedes aegypti, auch als Gelbfiebermücke bekannt.

Steckmuecke Aedes aegypti
Auch eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch durch ungeschützten Intimverkehr ist möglich. Heute wurde aus Texas berichtet, dass ein Rückkehrer aus Lateinamerika seine Partnerin mit dem Zika-Virus angesteckt hat. Dort ist Winter, eine Übertragung durch Mücken scheidet aus.
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Kein neues Virus
Es handelt sich keineswegs um ein neues Virus, sondern es wurde erstmals 1947 in Uganda bei Affen im Zika-Forest nachgewiesen.
Offenbar gab es aber auch in Asien eine Variante des Virus.
Im Jahre 1952 wurde in Nigeria der erste Fall einer Infektion beim Menschen bekannt, offenbar hattte eine Mutation zu der Übertragbarkeit auf den Menschen geführt. Sporadische Fälle gab es im Laufe der darauffolgenden Jahre in Afrika und in Asien, jedoch keine Epidemie.
In den Standard-Lehrbüchern der medizinischen Mikrobiologie fand das Virus – wenn überhaupt – nur in einer Fussnote Erwähnung.
Die Epidemien beginnen
In der vergangenen Dekade gab es die ersten Epidemien, die sich im asiatischen Raum abspielten, wobei der asiatische Stamm des Zika-Virus, nicht aber der afrikanische, verantwortlich war.
Dazu haben vermutlich zwei Faktoren beigetragen Die Ausbreitung des Überträgers, der Stechmücke Aedes aegypti - denn parallel dazu breiteten sich ebenfalls Dengue-Fieber und das Chikungunya Virus aus, auch diese Viruserkrankungen werden durch die diese Steckmücke übertragen - und Mutationen des Virus.
Die erste Zika- Epidemie fand 2007 auf der Yap-Insel in Mikronesien statt. Die nächste gab es in Französisch Polynesien,
Schliesslich traf das Zika-Virus 2015 in Südamerika ein und führte dort sofort zu einer Epidemie. Vor 2015 war das Virus dort unbekannt.
Mittlerweile sind allein in Brasilien schätzungsweise zwischen 500.000 und 1.3 Millionen Menschen infiziert worden.

Von der Zika-Epidemie mittlerweile betroffene Länder Lateinamerikas
Parallel Mikrozephalie
Parallel zu der Ausbreitung des Virus in Brasilien kam es zu einer zwanzigfach höheren Rate von Mikrozephalie.
Unter einer Mikrozephalie versteht man eine Entwicklungsstörung des Embryos, bei der der Kopf eine vergleichsweise geringere Größe aufweist: der Kopfumfang ist 3 Standardabweichungen geringer als der Mittelwert für einen Menschen gleichen Alters und Geschlechts.
Mikrozephalie ist mit geistiger Behinderung verbunden, die von weiteren Begleitfaktoren abhängt und tritt normalerweise bei 1,6 pro 1.000 Geburten auf. Weitere Details siehe hier.
.Die Mikrozephalie lässt sich im Ultraschall erst ab der 20. Schwangerschaftswoche mit einiger Sicherheit nachweisen.

Brasilianisches Kind mit Mikrozephalie
Auch wenn die Kausalität zwischen Zika-Infektion und Missbildung noch nicht 100%ig nachgewiesen ist, so besteht doch ein starker, ausserordentlich beunruhigender Verdacht in diese Richtung. Möglicherweise spielen noch weitere Faktoren eine Rolle.
Nachgewiesen wurde die Infektion in Brasilien jetzt bei rund 3000 Schwangeren, allerdings ist völlig unklar, wie viele Embryos einen Schaden davontragen werden. Die in der Presse verbreiteten Nachrichten über 3000 geschädigten Babys sind vermutlich zu hochgegriffen, die Zahlen, die der Virologe Kekule nennt, vemutlich viel zu niedrig.
Kein Impfstoff
Einen Impfstoff gibt es bisher nicht. Keine Überraschung, da das Virus vor 2007 nur sporadisch auftrat nicht aber epidemisch. Das spricht allerdings für Neumutationen, sowohl seinerzeit für die Übertragbarkeit vom Affen zum Menschen, wie auch dann für das epidemische Ausbreiten nach 2007.
Auch in Europa?
Das Virus wird bisher nur durch Reisende nach Europa eingeschleppt. Das könnte sich aber theoretisch ändern, denn die Tigermücke, mit Aedes aegypti verwandt, ist mittlerweile nach Deutschland eingewandert, und im süddeutschen Raum zu finden. Sie käme in den Sommermonaten – zunächst rein theoretisch – als Überträger in Frage.
Fazit
Es gibt daher keinen Grund, diese Epidemie mit ihren Folgen zu verharmlosen,.zumal eine ganze Reihe von Fragen bisher unbeantwortet sind, z.B. wie lange es dauert, bis die körperliche Abwehr das Virus eliminiert..
Schwangere sollten Reisen in die Länder, die von der Epidemie heimgesucht werden, unbedingt meiden.
Rückkehrer aus diesen Gebieten sollten wissen, dass auch eine direkte sexuelle Übertragung möglich ist.
Die Hauptaufgabe muss jetzt darin bestehen, die Stechmückenplage in den Griff zu bekommen, die nicht nur für Zika, sondern auch für die Übertragung des gefährlicheren Dengue Virus verantwortlich ist - und die Entwicklung eines Impfstoffes.
onlinedienst - 2. Feb, 19:46 Article 3584x read
zika-epidemie-zwischen-uebertreibung-und-verharmlosung
Und wo ist nun das zwischen???
Zwischen den Zeilen