Der nette Onkel und die Verbrechen vom Szpegawski-Wald

Dr. Alexander von Paleske --- 11.5.2026 ---
Im SPIEGEL dieser Woche findet sich ein Artikel:

Die Nazis und wir, Deutsche können jetzt erfahren, ob ihre Vorfahren in der NSDAP gewesen sind.

Hintergrund sind die von den USA freigegebenen Karteikarten der NSDAP)-Mitglieder.

Für meine Recherchen wären diese Karteikarten allerdings ohne grösseren Wert gewesen. Als ich vorletztes Jahr nach Polen fuhr, und auch die Heimat meines Vaters in der Nähe von Danzig besuchte, da las ich im Reiseführer von einer Gedenkstätte in einem Wald nahe Szpegawsk, die ich dann auch besuchte. Dort befinden sich Massengräber Tausender Polen, die nach dem Einmarsch Hitlers nach Polen am 1. September 1939 von der SS umgebracht worden waren. Die Gedenkstätte ist eine sehr würdige Erinnerung an die Opfer und deren Schicksal.

Familie beteiligt?

Ich versuchte herauszubekommen, inwieweit Mitglieder meiner Familie an diesen Morden beteiligt waren. Nach polnischen Quellen gehörte dieser Wald, einst zum Besitz der Familie von Paleske. Mein Onkel J.v.P. war der älteste Sohn meines Grossvaters, und damit Erbe des Besitzes in Westpreussen, das nach dem Versailler Vertrag 1919 Teil Polens wurde.

Die weiteren Recherchen ergaben: Er hatte sich vor Ausbruch des 2. Weltkriegs nach polnischen Quellen dem Völkischen Selbstschutz angeschlossen, einer rechtsradikalen Verbindung Deutscher in Polen, die Listen missliebiger Polen, aber auch jüdischer Mitbürger, zusammenstellte, die dann Eingang in ein sog, Sonderfahndungsbuch fanden.

Listen „abgearbeitet“
Drei Wochen nach Beginn des Deutschen Einmarsches in Polen am 1.September 1939 wurden diese von der SS „abgearbeitet“, also die dort Genannten von der SS verhaftet und erschossen: Lehrer, Sozialaktivisten. Geistliche (darunter der Deutsche Pfarrer Josef Kuchenbecker, dem die SS vor seiner Hinrichtung ein Hakenkreuz auf die Stirn schnitt), dann Beamte, Kaufleute, Bauern und Handwerker.
Es folgten jüdische Mitbürger, schliesslich gefolgt von Patienten des psychiatrischen Krankenhauses Kocborow, die als „lebensunwert“ angesehen wurden. Alles getreu der Devise Adolf Hitlers:

„Nur eine Nation, deren Führungsschichten zerstört sind, wird es zulassen, dass sie in die Rolle von Sklaven gedrängt wird.“

Der Chef des Reichssicherheitshauptamts, Reinhard Heydrich, erteilte den Befehl, die „führenden Bevölkerungsschichten“ unschädlich zu machen und die „Liquidierung des führenden Polentums“ bis zum 1. November 1939 durchzuführen.

„Der Adel, die Popen und Juden müssen umgebracht werden“.

:Der Völkermord in Pommern, der folgte, auch als sog. Intelligenzaktion Pommern bekannt, wurde von Albert Forster, Reichsstatthalter im Reichsgau Danzig-Westpreußen, geleitet.

Hinrichtungsstätte Wald von Szpegawsk
Im Wald bei Szpęgawsk, wurden von deutschen Besatzern von September 1939 bis Januar 1940 etwa 5000 bis 7000 Menschen ermordet, insgesamt bis zu 40.000 auch woanders Getötete dort in Massengräbern verscharrt.

Die Hinrichtungsstätte hatte nach polnischen Angaben mein Onkel, J. von Paleske zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt, seine Gärtner halfen nach polnischen Angaben bei der Aushebung der Massengräber.

Gegen Ende des 2. Weltkriegs wurden viele der sterblichen Überreste der Ermordeten exhumiert und verbrannt, um Spuren zu verwischen.

J.von Paleske selbst trat später der Waffen-SS bei, und versteckte sich nach Kriegsende erst einmal unter falschem Namen.

Die weitere Karriere des Onkels im Nachkriegsdeutschland: erfolgreich als Unternehmer, auch Rotarier, und Mitglied der CDU - keineswegs eine Ausnahme.
onlinedienst - 11. Mai, 20:59 Article 112x read
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