USA-Iran Friedensabkommen - Was für Friede?

Dr. Alexander von Paleske ---- 18.6.2026-
Gestern Abend haben der US-Präsident Donald Trump im Schloss von Versailles - dort, wo auch der 1. Weltkrieg per Friedensvertrag formell beendet wurde - und der Iranische Präsident Masoud Pezeshkian in Teheran, ein Abkommen geschlossen, das den von den USA zusammen mit Israel angezettelten völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran und Libanon beenden soll. Alle Kampfhandlungen sollen sofort eingestellt, und die Blockade der Strasse von Hormuz beendet werden.

Bei dieser Gelegenheit hat der US-Präsident dem Iran gleich gedroht: wenn er sich nicht an das Abkommen halte, werde er die Bombardierung wieder aufnehmen.

Er hätte besser Israel drohen sollen, denn aus Israelischen Regierungskreisen verlautete bereits vor Abschluss des Abkommens, man werde sich daran nicht halten, man sei an den Verhandlungen nicht beteiligt gewesen, es somit für Israel nicht verbindlich sei.

Dauerhafter Frieden?

Zunächst einmal muss gefragt werden, welche Folgen dieser Krieg mit sich brachte::

• Tausende Menschen, zumeist Zivilisten, sind als Folge der zutiefst gegen Internationales Recht verstossenden US-Luftangriffe auf den Iran, und Israels Luftangriffe auf den Iran und den Libanon, gestorben.

• Hunderttausende sind im Libanon als Folge der pausenlosen israelischen Bombardierungen und Bodenoffensive, obdachlos geworden, zu internen Flüchtlingen gemacht. Das Gebiet des Libanon südlich des Litani Flusses wurde nahezu dem Erdboden gleichgemacht, Infrastruktur, wie die Brücken über den Litani Fluss zerstört. Die Hauptstadt des Libanon, Beirut, ist vollgestopft mit Flüchtlingen, die auf Strassen und freien Flächen kampieren. Diese Katastrophe zeigt mittlerweile Ähnlichkeiten mit Gaza.

• Die Blockade der Strasse von Hormuz hat global enormen wirtschaftlichen Schaden hinterlassen.

Totale Fehleinschätzung
Die USA haben sich vollständig verschätzt weil sie offenbar glaubten, mit der Beseitigung des obersten religiösen Führers Khamenei und seiner Gefolgsleute würde ein Volksaufstand ausbrechen.

Angesichts des Bombenhagels der USA und Israels stand für die Iraner jedoch stattdessen das nackte Überleben im Vordergrund. Die Hilfe, die Trump ihnen zugesagt hatte, war nichts als ein vergiftetes Geschenk - und von Regimewechsel als eine der Rechtfertigungen des Krieges war nach kurzer Zeit ohnehin keine Rede mehr.

Verschätzt haben sie sich auch, was den Waffenvorrat und die Entschlossenheit der Nachfolger der getöteten Regierungsmitglieder angeht.
Überrascht waren sie offenbar, als der Iran tatsächlich die Strasse von Hormuz dichtmachte, und so Schiffe weder in den Persischen Golf hineinkamen, noch heraus. Die Energiepreise (Gas und Öl (und damit Benzin) kannten daraufhin nur eine Richtung: steil nach oben.

Wahl wirft Schatten voraus
Das war das letzte, was Trump brauchte, denn im November 2026 stehen in den USA die Midterm-Wahlen an.

Ausserdem forderten die Golfstaaten die USA unmissverständlich auf, diesen Krieg, den Trump wohl auch auf Betreiben der israelischen Regierung und des Premiers Netanyahu vom Zaun gebrochen hatte, so rasch wie möglich zu beenden, damit die iranischen Angriffe gegen sie aufhören.

Die neue Parole im Weissen Haus in Washington war jetzt nicht mehr Regimewechsel sondern: Raus, Raus.

Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er sich mit dem Abschluss dieses Abkommens nicht auch noch als Friedensapostel hätte feiern lassen, wie jetzt auf dem G-7 Gipfel in Evian/Frankreich, wo die Teilnehmer sehr bemüht waren, den „König bei Laune zu halten“, ihm schmeichelnd zu dem Abkommen mit dem Iran zu beglückwünschen - zum Ende eines Krieges, den er ja selbst zusammen mit dem Israelischen Premier Netanyahu angezettelt hatte.

Ein erbärmliches Schauspiel in der Tat wobei auch noch positiv angemerkt wurde, dass Trump den Gipfel nicht vorfristig verlassen habe.....

Bisheriges Fazit
Ein Krieg, der Tausende Zivilisten im Iran und Libanon das Leben gekostet, Hunderttausende im Libanon zu Flüchtlingen gemacht, wirtschaftlich global enormen Schaden angerichtet, und bisher keinerlei nennenswerte Verbesserungen gegenüber dem Atom-Abkommen von 2015 gebracht hat. Der Iran wird zusätzlich noch darauf bestehen, nun Benutzungsgebühren für die Durchfahrt durch die Strasse von Hormuz zu erheben.

Ablehnung aus Israel

Die israelische Regierung lehnt das Abkommen mit dem Iran ab. Der Grund: Israel hat seine Kriegsziele nicht erreicht, die waren und sind:
• massive Zerstörung, und damit lang anhaltende Schwächung des Iran,
• Beschlagnahme der Uranvorräte
• Regierungswechsel
• Ausschaltung der Hsbollah im Libanon

Dabei ging und geht es der israelischen Regierung keineswegs um Demokratie im Iran. Von der Staatsgründung 1948 bis 1979 pflegte Israel beste Beziehungen mit dem Iran, genauer gesagt mit dem Schah Reza Pahlevi, ein Autokrat schlimmster Sorte, der mit seinem Geheimdienst SAVAK das iranische Volk unterdrückte.

Deshalb muss befürchtet werden, dass Netanyahu im Libanon weiter Krieg führt, er sozusagen mit der Schere den seidenen Faden, an dem dieses Abkommen hängt, durchschneidet. Denn der Iran hat zur Bedingung gemacht, dass Israel seine Kriegshandlungen gegen den Libanon einstellt, und damit hat Netanyahu es in der Hand, das Friedensabkommen, auch ohne erneute Angriffe auf den Iran, zu sabotieren.

Wie geht es jetzt weiter?

Israel hatte offensichtlich vor, worauf hier schon mehrfach hingewiesen wurde, das Gebiet südlich des Litani Flusses komplett zu entvölkern, alle Dörfer und Städte den Erdboden gleichzumachen, das gleiche Schicksal droht der alten Hafenstadt Tyros, wo viele der Einwohner bereits geflohen sind.
Da Israel,selbst wenn es die Angriffe einstellt, sich aber nicht aus dem Südlibanon zurückziehen will, wird die Hisbollah weiter die Besatzungstruppe mit Guerillataktik und Drohnen bekämpfen. Der Hass der schiitischen Bevölkerung im Libanon gegen Israel ist mittlerweile, angesichts des Elends, so gross, dass kein Mangel an Nachschub von Kämpfern bestehen dürfte.
Israel wird dann wieder zurückschlagen als „Selbstverteidigung“deklariert, was wieder den Iran auf den Plan rufen wird.

Fazit:
Das neue Abkommen hat gegenüber dem Iran-Atom-Abkommen von 2015, das US-Präsident Trump 2018 - auch auf Betreiben des israelischen Premiers Netanyahu - "in die Tonne trat" bisher nur Verschlechterungen gebracht, auch wenn Bundeskanzler Merz, gestern darauf angesprochen, versuchte positiv herauszuarbeiten, der Iran sei durch den Krieg geschwächt.
Das Gegenteil ist jedoch der Fall: wirtschaftlich ja, militärisch nur kurzfristig, vor allem haben sie sich von den USA nicht kleinkriegen lassen, und das ist es, was für die Regierung in Teheran zählt, die insoweit eher gestärkt aus diesem Konflikt hervorgeht.

Das mit Pomp und Drohungen unterzeichnete Abkommen ist so fragil dass es zusammenzufallen droht, bevor es überhaupt weiterverhandelt wird.
onlinedienst - 18. Jun, 13:41 Article 562x read
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