Weltkrebstag 2013 – Die Hälfte der Krebspatienten kann auf Heilung hoffen?
Dr. Alexander von Paleske --- 4.2. 2013 ---
Heute ist Weltkrebstag 2013 – in der deutschen Presse ist zu lesen, die Hälfte der Krebspatienten kann auf Heilung hoffen.
Die Welt insgesamt ist jedoch weit davon entfernt, dass die Hälfte der Krebspatienten auf Heilung hoffen kann.
Während in den letzten 30 Jahren in Deutschland der Prozentsatz der geheilten Krebspatienten von einem Drittel auf rund die Hälfte angestiegen ist, liegt er in Ländern der Dritten Welt und selbst in einem Schwellenland wie Indien unter 15%, China einmal ausgenommen..
Dabei sollte nicht vergessen werden, dass mehr als 2/3 der weltweiten Krebsfälle in Ländern der Dritten Welt zu finden sind und nicht etwa in Europa, den USA und japan.
Eine Tag wie jeder andere
Heute morgen in meiner Ambulanz: Eine Patientin, 55 Jahre alt, kommt, begleitet von ihren zwei Schwestern. Sie hat einen 7 cm grossen Tumor in der linken Brust entdeckt. Ich habe es mir abgewöhnt zu fragen, wann sie ihn entdeckt habe, weil dann aus Angst immer die 14-Tage Geschichte erzählt wird, sondern Frage, wie gross der Tumor vor einem Jahr war. Die korrekte Beantwortung dieser Frage lässt dann wieder Rückschlüsse auf die Wachstumsdynamik zu.
Die Antwort der Patientin: Vor einem Jahr, da habe sie ihn entdeckt und er sei wesentlich kleiner gewesen. Bei der Untersuchung zeigt sich: Der Brusttumor ist nicht frei beweglich, vielmehr mit der darüber liegenden Haut verwachsen, und in der Achselhöhle finden sich miteinander verbackene, eindeutig vergrösserte Lymphknoten.
Diagnose: fortgeschrittener Krebs
Die klinische Diagnose: Weit fortgeschrittener metastasierter Brustkrebs. Die Feinnadelpunktion bestätigt die Diagnose.
Bei der Patientin hat die Angst vor den Konsequenzen die frühzeitige Entdeckung verhindert. Angst, dass dann die Brustamputation folgt. In der Bevölkerung hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Brustoperation ein Todesurteil darstelle. Das ist in gewisser Weise zutreffend, denn nach Späterkennung ist oftmals die Brustoperation kein heilender Eingriff mehr, sondern dient lediglich dazu, den ulzerierenden und nekrotisierenden Zerfall des Tumors, der dann unweigerlich folgt, zu vermeiden, während der metastasierte Krebs anderswo weiterwächst.
Angst der Frauen auch davor, den Ehemann oder Partner zu verlieren, denn nicht wenige Männer verlassen die Frauen nach der Brustamputation, und eine junge Frau ohne Partner hat grösste Schwierigkeiten nach einer Brustamputation noch einen Partner zu finden. Nach der Krebsdiagnose folgt so die Stigmatisierung auf dem Fusse.
Die umfassende Aufklärung ist ein enorm wichtiger erster Schritt zu einer erfolgreichen Krebsbehandlung, aber sie findet oftmals gar nicht statt.
Ende der Bezahlbarkeit
Und während die Entfernung eine Tumors kostenmässig für viele Länder gerade bezahlbar ist, wird die weitere Behandlung , die auch Chemotherapie und Bestrahlung einschliesst, bereits vielfach unbezahlbar. Gerade in den Ländern, die auch noch von der HIV-Seuche heimgesucht sind und wo die Behandlung dieser Patienten erst einmal Priorität hat.
Nicht nur das: Die HIV-Seuche hat die Krebskrankheiten drastisch ansteigen lassen und zwar anders als in Europa in den mittleren Altersgruppen von 20-40, allen voran das Kaposi-Sarkom, ein Hautkrebs, der auch innere Organe wie die Lunge befallen kann.
Dann der Gebärmutterhalskrebs bei Frauen, der bei HIV-positiven Patientinnen früher und aggressiver in Erscheinung tritt, und bei beiden Geschlechtern die hochgradig malignen Non Hodgkin Lymphome, ebenfalls oftmals als Folge der HIV-Krankheit.
Der erste Schritt ist auch der letzte
Die Diagnosestellung ist bei vielen Krebserkrankungen in den ärmeren und armen Ländern nicht nur der erste Schritt, er ist auch oftmals der letzte.
Insbesondere die Behandlung mit teuren Zytostatika, einstmals hier von der Regierung finanziert, muss längst von den Patienten getragen werden.
Nur wer zu den 10 Prozent der Bevölkerung gehört, die sich eine Krankenversicherung leisten können, kann eine zumindest ausreichende Behandlung erwarten.
Impfung gegen Krebs – keine Utopie mehr
Die häufigsten Krebserkrankungen, soweit sie viral bedingt sind, können aber mittlerweile durch Impfung vermieden werden.
Das gilt für den Gebärmutterhalskrebs, das Vulvakarzinom, das Analkarzinom und das Karzinom des Penis, die - beim Gebärmuttehalskrebs immer, bei den anderen genannten Krebsformen oftmals - durch Papillomaviren verursacht sind-
Aber die mittlerweile verfügbare Impfung liegt wiederum weit jenseits der Bezahlbarkeit, gerade für die stärksten von diesen Krebsarten betroffenen Länder.
Auch der Leberkrebs, vielfach die Folge einer nicht ausgeheilten Hepatitis, könnte, soweit er durch das B-Hepatitis-Virus verursacht ist, durch systematische und umfassende Impfung weitgehend verhindert werden.
Andere Krebse, wie das hochgradig maligne Non Hodgkin Lymphom, das Nasopharynxkarzinom, die Hodgkin-Erkrankung, und die meisten der hier vorkommenden Krebse im Kindesalter, wie der Wilms-Tumor (nach einer Operation) könnten durch Chemo-Strahlentherapie behandelt und geheilt werden. Gleiches gilt für die Chemotherapie der akuten Leukämien.
Könnten…. Wenn.....
.
Und so erinnert der Weltkrebstag uns vor allem daran, was sein könnte, aber nicht ist, und was eben ein Todesurteil für die betroffenen Patienten bedeutet.
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Heute ist Weltkrebstag 2013 – in der deutschen Presse ist zu lesen, die Hälfte der Krebspatienten kann auf Heilung hoffen.
Die Welt insgesamt ist jedoch weit davon entfernt, dass die Hälfte der Krebspatienten auf Heilung hoffen kann.
Während in den letzten 30 Jahren in Deutschland der Prozentsatz der geheilten Krebspatienten von einem Drittel auf rund die Hälfte angestiegen ist, liegt er in Ländern der Dritten Welt und selbst in einem Schwellenland wie Indien unter 15%, China einmal ausgenommen..
Dabei sollte nicht vergessen werden, dass mehr als 2/3 der weltweiten Krebsfälle in Ländern der Dritten Welt zu finden sind und nicht etwa in Europa, den USA und japan.
Eine Tag wie jeder andere
Heute morgen in meiner Ambulanz: Eine Patientin, 55 Jahre alt, kommt, begleitet von ihren zwei Schwestern. Sie hat einen 7 cm grossen Tumor in der linken Brust entdeckt. Ich habe es mir abgewöhnt zu fragen, wann sie ihn entdeckt habe, weil dann aus Angst immer die 14-Tage Geschichte erzählt wird, sondern Frage, wie gross der Tumor vor einem Jahr war. Die korrekte Beantwortung dieser Frage lässt dann wieder Rückschlüsse auf die Wachstumsdynamik zu.
Die Antwort der Patientin: Vor einem Jahr, da habe sie ihn entdeckt und er sei wesentlich kleiner gewesen. Bei der Untersuchung zeigt sich: Der Brusttumor ist nicht frei beweglich, vielmehr mit der darüber liegenden Haut verwachsen, und in der Achselhöhle finden sich miteinander verbackene, eindeutig vergrösserte Lymphknoten.
Diagnose: fortgeschrittener Krebs
Die klinische Diagnose: Weit fortgeschrittener metastasierter Brustkrebs. Die Feinnadelpunktion bestätigt die Diagnose.
Bei der Patientin hat die Angst vor den Konsequenzen die frühzeitige Entdeckung verhindert. Angst, dass dann die Brustamputation folgt. In der Bevölkerung hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Brustoperation ein Todesurteil darstelle. Das ist in gewisser Weise zutreffend, denn nach Späterkennung ist oftmals die Brustoperation kein heilender Eingriff mehr, sondern dient lediglich dazu, den ulzerierenden und nekrotisierenden Zerfall des Tumors, der dann unweigerlich folgt, zu vermeiden, während der metastasierte Krebs anderswo weiterwächst.
Angst der Frauen auch davor, den Ehemann oder Partner zu verlieren, denn nicht wenige Männer verlassen die Frauen nach der Brustamputation, und eine junge Frau ohne Partner hat grösste Schwierigkeiten nach einer Brustamputation noch einen Partner zu finden. Nach der Krebsdiagnose folgt so die Stigmatisierung auf dem Fusse.
Die umfassende Aufklärung ist ein enorm wichtiger erster Schritt zu einer erfolgreichen Krebsbehandlung, aber sie findet oftmals gar nicht statt.
Ende der Bezahlbarkeit
Und während die Entfernung eine Tumors kostenmässig für viele Länder gerade bezahlbar ist, wird die weitere Behandlung , die auch Chemotherapie und Bestrahlung einschliesst, bereits vielfach unbezahlbar. Gerade in den Ländern, die auch noch von der HIV-Seuche heimgesucht sind und wo die Behandlung dieser Patienten erst einmal Priorität hat.
Nicht nur das: Die HIV-Seuche hat die Krebskrankheiten drastisch ansteigen lassen und zwar anders als in Europa in den mittleren Altersgruppen von 20-40, allen voran das Kaposi-Sarkom, ein Hautkrebs, der auch innere Organe wie die Lunge befallen kann.
Dann der Gebärmutterhalskrebs bei Frauen, der bei HIV-positiven Patientinnen früher und aggressiver in Erscheinung tritt, und bei beiden Geschlechtern die hochgradig malignen Non Hodgkin Lymphome, ebenfalls oftmals als Folge der HIV-Krankheit.
Der erste Schritt ist auch der letzte
Die Diagnosestellung ist bei vielen Krebserkrankungen in den ärmeren und armen Ländern nicht nur der erste Schritt, er ist auch oftmals der letzte.
Insbesondere die Behandlung mit teuren Zytostatika, einstmals hier von der Regierung finanziert, muss längst von den Patienten getragen werden.
Nur wer zu den 10 Prozent der Bevölkerung gehört, die sich eine Krankenversicherung leisten können, kann eine zumindest ausreichende Behandlung erwarten.
Impfung gegen Krebs – keine Utopie mehr
Die häufigsten Krebserkrankungen, soweit sie viral bedingt sind, können aber mittlerweile durch Impfung vermieden werden.
Das gilt für den Gebärmutterhalskrebs, das Vulvakarzinom, das Analkarzinom und das Karzinom des Penis, die - beim Gebärmuttehalskrebs immer, bei den anderen genannten Krebsformen oftmals - durch Papillomaviren verursacht sind-
Aber die mittlerweile verfügbare Impfung liegt wiederum weit jenseits der Bezahlbarkeit, gerade für die stärksten von diesen Krebsarten betroffenen Länder.
Auch der Leberkrebs, vielfach die Folge einer nicht ausgeheilten Hepatitis, könnte, soweit er durch das B-Hepatitis-Virus verursacht ist, durch systematische und umfassende Impfung weitgehend verhindert werden.
Andere Krebse, wie das hochgradig maligne Non Hodgkin Lymphom, das Nasopharynxkarzinom, die Hodgkin-Erkrankung, und die meisten der hier vorkommenden Krebse im Kindesalter, wie der Wilms-Tumor (nach einer Operation) könnten durch Chemo-Strahlentherapie behandelt und geheilt werden. Gleiches gilt für die Chemotherapie der akuten Leukämien.
Könnten…. Wenn.....
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Und so erinnert der Weltkrebstag uns vor allem daran, was sein könnte, aber nicht ist, und was eben ein Todesurteil für die betroffenen Patienten bedeutet.





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